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Die Welt · 1898-11-25 · 47 (25.11.1898) · p. None

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Journal
Die Welt
Volume
2 (1898)
Issue
47 (25.11.1898)
Date
1898-11-25
Page
None (sequence 1)
Language
German
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Jahrgang. 8BP"' Da Ende dieses Monats eine gröhere Anxahl von Abonnements ablaufk, so tvrrdrn die Betreffenden erinnert, die Erneuerung rechtfertig vorzunehmen, damit in der Zustellung des Blattes keine Unterbrechung eintrete. Dir AdminiSration. AslksthnwLrch und national! Von S. Lublinski. Ein einfacher Mann, der viel erlebt und erfahren hat, besitzt einen Schatz von Lebensweisheit, den er in der Münze von treffenden und schlagenden Sprichwörtern oder von Gleichniffen und Anekdoten zum besten gibt. Er hat schon manchen falschen Reichthum erlebt, Firnis und Flittergold, welches den Leuten in die Augen stach und sie blendete und verdarb. Er weiß aber, dass dieser unsolide Zustand keine Dauer haben kann und früher oder später rettungslos znsammenbrechen wird. Kommt dann einer von den Jungen zu ihm, dem Bielerfahrenen, und spricht in bewunderndem Ton von dem Reichthum des Nachbars, dann fertigt er ihn ab mit den kurzen, kernigen Worten: „Es ist nicht alles Gold, was glänzt." Oder ihut ist es oft widerfahren, dass Lug und Trug und Verbrechen, ein jahrelanges Unrecht, triumphierend durch die Welt schritt und schließlich alle Halben und Schwachen zu sich herüberzvg. Aber auch hier brachte die Zeit Sühne und Vergeltung, indem die allgemeine Vergiftung des Blutes schließlich an einer Stelle zum Ausbruch kam und entweder Genesung oder Vernichtung des angefaulten Organismus herbeiführte. Diesen gesellschastspsychologischen Prozess, den der alte Mann oft erlebte und der ihn mit Geduld wappnet, fasster zusammen in die Worte: „Gottes Mühlen mahlen langsam, aber sicher." Oder auch: „Nichts so fein gesponnen, muss doch an das Licht der Sonnen." Auch von einem Kruge weiß er zu erzählen, der so lange zu Wasser geht, bis er bricht, und dieses Bild, wie alle anderen, ist geschöpft aus der Erfahrung des täglichen Lebens. Er sah vielleicht auf der Straße ein Stück Kiesel liegen, welches in der Sonne glitzerte und funkelte wie pures Gold, so dass ein spielendes Kind danach die Hände streckte, um schließlich doch nur einen schäbigen Kiesel zu ergreifen. Und die anderen Sprichworts beziehen sich auf das Mahlen einer Mühle,, auf das Spinnen, auf einen alltäglichen Vorgang am Dorfbrunnen. Der einfache Mann aus dem Volke fühlt, wie jeder Mensch, das Bedürfnis, in sein Leben etwas Abglanz von Ewigkeit und Heiligkeit hineinzutragen, sich Symbole zu schaffen. Vor seinem Haus wächst ein gewaltiger Baum, treibt noch immer neue Aeste und Blätter, und hat schon seinem Vater, Großvater und Urgroßvater, vielleicht noch früheren Ahnen, oder mindestens früheren Bewohnern dieses Hauses und Dorfes Schatten gespendet. Dieser historische Thatbestand wird nun sofort zu einem Symbol des Ewigen, zu einer Ahnung des Zusammenhanges der Geschlechter und einer ursprünglichen und unvertilgbaren Einheit der gesammten Menschheit. Freilich, der einfache Dorfbewohner, vor dessen Haus der Baumriese steht, wird in solchen hohen Worten und Gedanken von seiner Empfindung nicht Rechtschaffenheit ablegen, sondern er sagt sich ganz einfach: „Dieser Baum bedeutet Glück für Dich und Deine Söhne und Enkel. Haust Du ihn aber um, so ist das Sünde, und Du musst elend verkommen." Noch leichter ergibt sich ein solcher Glaube, wenn die Religion dabei ins Spiel kommt. Dann wohnt im Baum ein Gott oder eine Göttin, oder es wird ein Cruzifix hineingehängt. Aehnliches lässt sich von einzelnen Gebäuden und Ortschaften, von Steinaltären, heiligen Hainen und ähnlichem behaupten. Dass diese Orte zu Heiligthümern wurden, verdanken sie in erster Reihe dem Umstand, dass sie einmal sehr volksrhümlich waren, dass sie irgend welche Beziehungen zum alltäglichen Leben aufwiescn. Der Mann aus dem Volke schöpft nicht nur seine Lebensweisheit, sondern auch seine Moral und Metaphysik aus der Nächstliegenden Erfahrung, aus Dingen und Verhältniffen, welche er mit Augen schauen, betasten und greifen kann. Und darum ist er auch unfähig, seine Ethik von den äußeren Symbolen abzutrennen und verwechselt schließlich beides. Wehe dem, der seinen Baum umhaut, unberufenerweise in den heiligen Hain eintritt oder vom Altar auch nur ein Steinchen abbröckelt. Dieser Verruchte und Verfluchte wurde in alten Zeiten todtgeschlagen, verbrannt, zerrissen und später, als das nicht mehr gieng, zum wenigsten in bürgerliche und gesellschaftliche Acht und Aberacht gethan. Keiner wird die hohe Poesie und gesunde Springquellkroft leugnen, die von volksthümlicher Lebensweisheit und volksthümlicher Moral nach allen Seiten ausströmt, niemand aber auch die schweren Gefahren sittlicher und geistiger Natur, die oft genug als verheerende Wirkung einer volksthümlichen Borniertheit austreten. Das Volk, im Guten wie im Schlimmen, kann selbst dann nicht aus seiner Haut heraus, wenn es mit größeren, historischen und nationalen Kreisen in Berührung kommt. Im vorigen Jahrhundert verstand ein einfacher Preuße nur wenig die wirtschaftliche und politische Bedeutung seines großen Königs und bemühte sich darum eifrig, diesen Gewaltigen

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