Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 2 (1898)
- Issue
- 46 (18.11.1898)
- Article
- Wien [Nachricht] / J. Z.
- Date
- 1898-11-18
- Page
- 14 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
- correspondence
- OCR quality
- 93% known words query
- IRI
…/3315709-3315742-3315789--09160-3364389- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
- Galați 1× ep/1002400
OCR text
Nr 46 das Auditorium durch minutenlangen Applaus sowohl dem Dichter, als auch den Vortragenden lebhaften Dank zollte. Besonderen Beifall fand der Vortrag des Herrn Michael Berkowicz, des ausgezeichneten Goldfaden-Interpreten; Herr Berkowicz recitierte mehrere .Dichtungen Goldfadens, unter Anderem : „I w e n b e n I i s c li e i", „I üdele Semi t" :c.. in^einer ausgezeichneten Weife. — Tie anderen Vortragenden, in erster Reihe das Mitglied des Theaters an der Wien, Herr Joses E s k r e i s, ein Schüler Goldfaden's, ferner die Herren Lieber mann, Sch mergel, Fiedler, O r g e l und Fräulein H u t h leisteten in Gesang, Spiel und Teclamation Vorzügliches und fanden alle großen Beifall. Besonders hervorzuheben wäre ein seitens des Herrn Eslreis ins Deutsche übertragenes Gedicht Golfaden's: „F o r t, Jude, f o r t!", das der Uebersetzer selber declamierte und mit dem er großen Beifall erzielte. Den einleitenden Vortrag hielt Herr Schriftsteller B r a u d e s, der über Goldfaden als Jude und als Dichter in geistreicher Weise sprach. Vereinsmilglied H. Weißberger hielt die beifällig aufgenommene Tendenzrede. Der Erfolg des Abends sollte unseren Gesinnungsgenossen ein Ansporn sein, das Augenmerk auch auf die Pflege der Geselligkeit, durch die man weitere Kreise für unsere Sache gewinnen könnte, zu lenken. J. Z. Wien. Im jüdischen Arbeiter- und Privatangestelltenverein „Achwah" <11., Große Schiffgafse 24, Restaurant Bresnitz) hält der Schriftsteller Verna r d Tag nächsten Samstag, den 19. d. M., 8 Uhr abends, einen Vortrag über „Bildung und Arbeit." An den Vortrag knüpft sich eine Discussion. Die werten Mitglieder werden um pünktliches und zahlreiches Erscheinen ersucht. Gäste sind herzlichst willkommen. Wien. Die Vereinigung jüdischer.Hochschüler aus Galizien „Bar-Kochba“, welche die Tendenzen des Baseler Programmes vertritt, hat in der Aula der Wiener Universität einen hebräischdeutschen Aufruf affichiert. Er beginnt: „Kein Volk lässt sich irgend eine Cultur aufdrängen, außer wenn dieselbe seinen geistigen Eigcnthümlichkeiren und socialen Verhältnissen gerecht wird. Rur eine nationale Eultur verdient den Namen einer solchen, ist gesund und heilspendend. Aus diesen von keinem Einsichtigen wegzuleugnenden Prämissen ziehen wir den einzig möglichen Schluss. Er lautet: Vollkommenste und entschieden st e Wahrung unserer jüdischen Individualität. Senn mit die Cultur nur um den hohen Preis der Entäußerung unseres eigenen „Volks -Ich" haben dürfen, — dann lieber gar keine Eultur! Das wollen wir, das will ganz Jung-Jehuda :c. :c." Graz. Jüdisch-akademis che Bereinigung „I v r ä a". In Graz wurde ein jüdisch-nationaler Studentenverein „Jvräa" gegründet, der es sich zur Aufgabe gemacht hat, im Vereine mit den übrigen Studentenverbindungen die Interessen des Judenthums zu vertreten. Ins Präsidium wurden berufen die Herren: carul jur- Siegmund Fuchs als Obmann, eand. in rc.'Gustav Pollak als Obmann-Stellvertreter, stuck. jur. Julius Löwensohn als Schriftführer. Galat;, 30. October 1898. Heute Nachmittag hielten die „Bne Zion" eine Conferenz in der Schneider-Synagoge, wo Herr P i n e l e s über das Einlass- und Landkauf verbot'in P a l ä st i n a sprach. Er berichtete auch über die Arbeiren des Actionscomitös seit dem letzten Congresfe, über die Einrichtung des Bureaus der „Jüdischen Eolonialbank" in London, wo Generalsecretär James H. Loewe im Vereine mit tüchtigen Rechtsanwälten das Project und die Statuten ausarbeitel; über die Organisation der Colonisation, die aus Paris nächstens erwartet wird: über die Anleitung zur Pflege der hebräischen Sprache, welche von Dr. Lippe in Jassy für Rumänien in Ausarbeitung ist: ferner über dieneugebildelenZionSvereine und zionistischen Leseclubs. Ein solcher tritt nächstens auch in Galatz ins Leben. Referent verlas die schriftliche Antwort des Dr. Nord au auf einen im assimilatorischen Sinne abgefassten Brief aus Rumänien. Bei dieser Gelegenheit erzählte Herr P i n e l e s ein Beispiel der traurigen Lage der Juden. Er habe erst vorgestern eine arrne, unschuldige Familie vor dem traurigen Lose einer Auslieferung seitens der Präfectur an ein benachbartes Kaiserreich bewahrt und sie nach dem Oriente befördert. Herr P i n e l e s forderte dann zur S ch e k e l z a h l u n g auf, die jetzt für 1898/9 aufgelegt werden wird, dann zur Z e i chnung von Bankactien und gab noch Mittheilung über die Ernteergebnisse der Eolonien im heiligen Lande. Hierauf besprach Rabbinersohn Margulies unter Anwendung zahlreicher Citate aus der Bibel und dem Midrasch über das Thema Iscli lechu mearzechu in sehr gediegener Weise und ermahntedann zu Einigkeit unter den „Bne-Zion£\ Herr Samuel y, Präsides der zionistischen Section: „T h e o d o r H e r z l", sprach in beredten Worten über die Ziele des Zionismus. Oesterreich-Ungarn. Wien. Tie „Freisinnige Bereinigung" berief für den 9. 'November eine Versammlung ein, um auch ihrerseits gegen den Erlass des Wiener Bezirksschulrathes Stellung zu nehmen. 'Als Referent trat Gcmeüiderath Dr. Brix auf. Im Verlauf seiner Ausführungen holte er zu einem Angriff auf die Zionisten aus, um — seine totale Unwissenheit iit der Frage des Jndenthums zu documentieren.. Zionismus und „Jüdischer Elericalismus" sind ihm identische Begriffe. Tie Zionisten sind, nach der Ansicht des Herrn Gemeinderathes Fanatiker, die die eonsessiouelle Schule ansircben und offenbar die Inden wieder ins Ghetto zurückdrängen möchten. Dieses proftinde Wissen des liberalen Gemcinderathes in Bezug auf den Zionismus und die notorische Unwahrheit bezüglich des Verhaltens der Zionisten in der Frage des Bezirksschulrathserlasses hätten in der zu erwartenden Debatte ihre gebärende Würdigung gefunden. Die Debatte wurde denn auch ausdrücklich vom Präsidenten, Herrn Frauenberger, angekündigt, aber eben von ihm auch hintertricben. So unpassend als nur denkbar, wurde dem Bez'rksschulrathserlasse die — Gassrage angekoppelt. Als endlich in dieser Frage die dürren Witze und dürren Ziffern des Gemcinderathes Ziffercr zu Ende waren, da konnte der Vorwand der vorgerückten Stunde — es war, horribile dict.u, zehn Uhr vorbei —- benützt werden, um die Versammlung „würdig" zu schließen; d. h. der Liberalen würdig: ohne Debatte, ohne Resolution, ohne Protest. So sehr war der Präsident um die Wahrung der Würde der Versammlung besorgt, dass er einem Zionisten nicht einmal das Wort zu einer thatsächlichen Berichtigung ertheilen mochte. Auch dies nimmt uns nicht Wunder. Was thnt man nicht alles, dem Schein zuliebe? Wohl aber ist es verwunderlich, dass Hosrath Kareis, der den Antrag auf Schluss der Debatte stellte, auch nicht mit einem Worte den geradezu unsinnigen Angriff auf die Zionisten zurückwies, obwohl Hofrath Karris in den jüdischen und zionistischen Versammlungen Gelegenheit hatte, die zionistischen Ideen und Bestrebungen in ihrem wirklichen Wesen kennen zu lernen. 'Als charakteristisches Moment sei noch hervorgehoben, dass der größere Theil des Publicums, welches den großen Musikvereinssaal füllte — Männer und Frauen — aus Juden bestand; allerdings aus — liberalen Juden. Diese Thatsache wirkte sichtlich deprimierend auf einen Theil der nichtjüdischen Zuhörerschaft. Man sah sich nach seinem Nachbar um, ob er Jude oder Christ sei. Und es wäre kein Wunder gewesen, wenn mitten in dieser „geselligen" Versammlung der Ruf erschollen wäre: Trennung nach Consessionen! y. Wien. Am 14. November fand im Ronachersaale die von dem vereinigten Wahlcomitö einberufene Cultuswählerversammlung statt. Das Referat erstattete Herr Dr. Richard Nappaport, der das Programm vortrug und erläuterte, das von den vereinigten Tempelvereinen, dem jüdischen Volksvereine, dem Wahlcomitö der Zionisten, der österreichisch-israelittschen Union und dem politischen Volksvereine als Basis ihrer Wahlcampagne betrachtet wird. Das Programm lautet folgendermaßen : Von dem Wunsche beseelt, in dieser traurigen Zeit der Noth und der Unterdrückung, der jüdischen Bevölkerung im Cultus- Vorstande einen Schutz und Hort zu schaffen, ist das gefertigte Wahl-Eomitö zusammengetreten, um jene Reformwünsche, die schon seit Jahren in der jüdischen Bevölkerung allenthalben laut wurden, -zu einem sachlichen, objectiven Programm für die bevorstehenden Cultuswahlen zu entwickeln. Nachstehende Punkte sind es, deren Mangel in dem jetzigen Verwaltungssystem der Cultusgemeinde