Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 2 (1898)
- Issue
- 46 (18.11.1898)
- Article
- Der Gefangene in der Isolierbaracke
- Date
- 1898-11-18
- Page
- 12 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 91% known words query
- IRI
…/3315709-3315742-3315789-3364300--09124-3364387- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
Seite 12 Nr. 46 Sträflingen gerudertes Boot unter der Führung bewaffneter Marinesoldaten an, die auf einer kleinen Landnngsbrücke Nahrungsmittel für den ganzen Tag nicderlegen. Dreyfns holt sie dort nach seiner Holzhütte ab, wo er sie selbst kocht. Die Hütte hat zahlreiche Fenster, so dass jede Bewegung controlierbar ist. Cin Fieberanfall. „Volonte“ erzählt, dass am Tage der Degradation Dreyfns' der General D a r r a s, der die zu derselben ausgerückten Truppen befehligt hatte, hernach einen Fieberanfall hatte und zu dem herbeigcholten Arzte folgende Aeußerung machte: „Mein Freund, wir haben heute Früh einen Unschuldig!« degradiert." Cine jüdische Ackerbaucolonic. Baron H o r o c c Günzburg hat ans seinem Gute Dshenan Abad in Bessarabien cine jüdische Ackerbaucolonie gegründet. Das 500 Drsjatinen große Gut wird zur Ausiedlung "Ackerbau treibender Juden parcelliert. Die Ansiedler zahlen während der ersten vier Jahre keine Abgaben. Zu den galizischen Judeuexeefsen. In Neu- Sandec hat am 2. dtovember das Erkenntnisaericht abermals sieben Excedenten der Theilnahmc an den Ausschreitungen schuldig erkannt und zu Arreststrafen in der Dauer von 2 bis 4 Wochen verurtheilt. Zwei Anstifter wurden zu zweimonatlicher resp. sechswöchentlicher schwerer Gefängnisstrafe verurtheilt. Die Thierwelt Der Sinaiwüste. In der Jahresversammlung der Deutschen ornithologischen Gesellschaft hielt Professor König einen Vortrag über die wissenschaftlichen Ergebnisse seiner Reise nach dem Sinai. Die „Vossische Ztg." berichtet darüber: Mit 25 Arabern brach der Reisende von Suez auf. Tie kleine Karawane, welche 2» Kameele mit sich führte, durchzog zunächst drei Tage lang cin entsetzliches, einförmiges Wüstengelände, wo keine Pflanze, kein Thier vorhanden war. Höchstens sah man einmal den Jsabell-Steinschmätzer und eine Wüsteneidechse. Näher am Sinai trat hier und da der Wüstenrabe auf, in den tiefen Wadis, welche mit Tamarisken bewachsen waren, liest sich die braunbürzlige Felsentaube sehen, Dattelpalmen und Feigen wuchsen um die Oase des Wadi Firan, wo 35o0 Beduinen ihr Lager aufgeschlagen halten. Hier lauschte König den melodischen zweisilbigen Rufen der schwarzen, weißschulterigen Wüstensteindrossel, welche sich in den Akazienhainen aufhält. Lämmergeier umflogen in vielen Exemplaren die Felskuppcn und waren" dort häufiger als die Mönchs- und Aasgeier. Wüstenlerchen, Mönchs-Steinschmätzer, Grasmücken belebten die Thäler, und am Gebe! Zerbal wurde der Sinaigimpel auf rothfarbigem Granit in 1500 Nietern Höhe festgestellt, sieben dem Wüstenraben tritt hier die Wüstenkrähe auf, welche im Hochgebirge des Sinaistockes bis 25' 0 Meter Hohe sich findet. Hat man das Gebirge nach Norden überschritten, so gelangt inan in ein Wüstenland, dessen Durchquerung der Reisenden ganze Energie in Anspruch nahm. Vierzig Tage wunderte die Karawane, arg belästigt am Tage durch das Wehen des Samum bei 55 Grad Celsius Wärme und in der Nacht durch außerordentlich starkes Fallen der Temperatur. Nördlich von der Thi-Kette ändert sich das Aussehen des Geländes erheblich und mir ihm die Zusammensetzung der Thierwelt. Während der Sinai und die Südspitze der Halbinsel in ihrer Fauna zu Arabien und Mittel-Aegypten gehören und cine ganze Reihe von hier lebenden Thierformen aufwiesen, ist der nördliche Theil der Halbinsel von Thicren bewohnt, welche denen der südöstlichen Mittelmeerländer ähnlich sind. Weihen, Lerchen, Ammern treten auf, Buntspechte und Turteltauben erscheinen. Im Ganzen sammelte König 1<» Vogelarten. P Dir Mistische gfuwpng. -2Öicn. Von der Centrale des in Gründung begriffenen zionistischen Frauenbundes wird durch Frau Tr. S i d o u i e .K a h n der "Aufruf versendet, welcher von den beim Baseler Congrcsie anwesenden Frauen und Mädchen festgesetzt und in der Schlusssitzung des Congresses von Frau R o z i a E l l m a n n verlesen worden ist. Jüdische Franc n'. Zum zweitenmale haben sich die Besten unseres Volkes in Basel versammelt, um das Werk nationaler Regeneration einen großen Schritt weiter zu bringen. Der jüdischen Frau ' ist im Rathe der Männer Sitz und Stimme gegeben worden. Dieses ihr gewährte Recht legt ihr die Pflicht auf, "ihre ganze Kraft cinzusetzen, um das große Werk zu fördern. Die jüdische Frau, die ihren Mann unter dem Drucke geschriebener und ungeschriebener Gesetze so schwer leiden sieht, die jüdische Frau, der der ungeheuere Schmerz zugefügt wird, ihre Kinder schon im zartesten Alter unter Verhältnissen leiden zu sehen, die ihr junges Leben vergiften und ihr Gemüth fürs ganze Leben verbittern, die jüdische Frau, die ein feines Ohr für die gesellschaftliche Acchtung hat, die für sie und die Ihrigen ein neues, undurchdringliches Ghetto geschaffen hat, die jüdische Frau würde sich ein schweres, nie wieder gutzumachendes Vergehen zu Schulden kommen lassen, wenn sie sich nicht nach gut jüdischer von unseren Vorfahren geübter Art ungesäumt an die Seite des Mannes stellen würde, um vereint mit ihm zu kämpfen und mit Gottes Hilfe zu siegen. Zu siegen, im Zeichen des Zionismus'. Tenn der Zionismus ist das Judenthum. Der Zionismus, und nur er allein, kann einem Zustande ein Ende machen, der unerträglich geworden ist und — wenn nicht alle Zeichen trügen — noch unerträglicher zu werden verspricht. Das der Frauenthätigkeit zugewiesene Gebiet im Zionismus ist cin großes. Tie jüdische Frau soll dafür sorgen, dass die jüdische Jugend in der jüdischen Religion und un jüdischen Geiste erzogen werde. Tie jüdische Frau soll Mitarbeiten an der Restauration und an der Conservierung unserer nationalen Güter. Die jüdische Frau soll tief in den Schoß der Famile tragen, was der Zionismus ist, was er will und wie er das angestrebte Ziel erreichen will. Die jüdische Frau soll eifrig Mitarbeiten an der Eroberung jener Festungen, die eine engherzige Sophistik und egoistischer Indifferentismus gegen den Zionismus aufzurichten sich erkühnt haben. Tie gefertigten Frauen, Delegierte und Gäste des 11. Baseler Congresses, haben sich als provisorisches Comitä zur Schaffung von zionistischen Frauenvereinen, überall wo es^ cin jüdisches Gemeinwesen gibt, constituiert und wird der erste in Wien gegründet. Die gefertigten Frauen erwarten, dass alle jüdischen Frauen sich diesen Vereinen anschließen werden. Frau W o l f f s o h n, Kaufmannsgattin, Köln. Frau Dr. Boden Heime r, Rechtsanwaltsgattin, Köln. Frau Professor Clara S ch a p i r a, Heidelberg. Frau Emma Gottheil, Professorsgattin, New-Iork, 109 West 93.1 St, Frau «idonie Kahn, Advocatensgattin, Wien, II., Obere Donaustraße 47. Frau Rozia E l l m a n n, Kaufmannsgattin, Braila, Rumänien. Frau Malvine Herb st, Beamtensgattin, Sofia, Bulgarien. Frau Bertha Nt'a r k u s, Privatiersgattin, Meran. Frl. Marie Schach, Professeur agregöe d’Umvcrsitö, Versailles, 50 bis Avenue de Paris Frl. Marie Sokolow, Redactrice, Warschau. Frl. Trd. S t e i n b e rg, Universitäts-Hörerin aus Wilna. Frl. Rosalie I m a s, Universitäts-Hörerin, Lausanne. "Nähere Auskünfte ertheilt Frau S i d o n i e 5t a h n, "Advocatensgattin, Wien, II., Obere Donaustraße 47. Trohobycz. Die hiesigen Zionisten erließen vor kurzem einen warnten Appell an die jüdischen Frauen mit der Aufforderung, sich der zionistischen Bewegung anzuschließen und gleich den Schwestern in anderen Städten wie z. B. Lemberg, Kolomea, Stanislau, Przemysl u. a. sich in einem Vereine zu organisieren. Der "Aufruf hatte den erwarteten Erfolg und am letzten Samstag fand eine Versammlung statt, welche von ungefähr 100 Frauen und Mädchen aus allen Ständen besucht war. Die Herren 2t. H. Z upni k, Dr. M. P a ch t m a n n und L. Reich hielten eindringliche Reden, nach welchen die Gründung eines zionistischen Frauenvereines einstimmig beschossen, und mit den Vorarbeiten ein 12gliedriges Comitä betraut wurde. Z. Trohobycz. Samstag, am 29. October, um 7 Uhr abends, fand auf Veranlassung des "Agitarions-Comitös der zionistischen Jugend zu Trohobycz eine Frauenversammlung im Vereinslocale statt, welche die Gründung eines zionistischen Frauenvereines zum Zwecke hatte. Nach Eröffnung der Versammlung durch den Obmann des Vereines „Zion", Herr A. H. Zupnik, begrüßte unser Ehrenmitglied, Herr Dr. M. Pacht mann, die 2lnwesenden mit einer wirksamen polnischen "Ansprache; Herr Leon Reich hielt eine schwungvolle polnische Tendenzrede, in welcher er den anwesenden Damen — circa hundert an der Zahl — den Zweck des Zionismus, sowie die Stellung der Frauen im Zionismus, mit bewegenden Worten ans Herz legte. Es wurde beschlossen, einen zionistischen Frauenverein zu gründen: zu diesem Zwecke wurde ein zwölsgliedriges Comilö gew ähll. Herr "A. Freilich beantragte. Herrn Dr. H e r z l sowie Frau Dr. Sidonie K a h n, von denen die "Anregung einer zionistischen Frauenorganisation ausgehe, die vollste "Anerkennung