Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 2 (1898)
- Issue
- 46 (18.11.1898)
- Article
- Brief aus Transvaal
- Date
- 1898-11-18
- Page
- 11 (sequence 2)
- Language
- German
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Ar. 46 „Dle&WtC hier ein sehr reges, was schon aus dem Umslande hervorgeht, dass die erste Ansrage urn Antheilscheine der zu begründenden Colonialbarck aus Afrika aus diesem Tistricte stammte. Soweit war unsere kleine Gemeinde zur "Ausnahme zionistischer Principien geneigt, dass, als am zweiten Uoseb-bla.^ebonob-Tagc der Vorschlag zur Bildung einer zionistischen Ortsgruppe gemacht wurde, er auf keine nennenswerten Schwierigkeiten stieß. Tas Resultat war, dass sich unsere kleine Marico Hebrew-dongrega: tion unter Beibehaltung ihres Charakters als iölaiioo ZLoni-fl ^oeietv constituierte. Eine ganz kleine Betgemeindc ist diese .>iarieo blebrexv-Eongregation, kaum zwanzig Mitglieder zählend, die, aus aller Herren Länder stammen und, 'das ganze Jahr hindurch auf den Flächenraum des Marico-Tistrictes (westlicher Theil von Transvaal) zerstreut, sich zu Uoseb-Ibasebonob und .Jom- Kippur in dem Torfe Zecruft versammeln, um die Festtage feierlich zu begehen. Und diese Elemente haben aus sehr geringe Anregung hin beschlossen, durch die Bildung eines Fondes und durch monatliche Subscriptionen, die zu zionistischen Zwecken zu verwenden sind, ihre Anhänglichkeit zum Gesammtjudenthume zu bekunden. Auch von Buluwajo, diesem äußersten Vorposten europäischer Eultur, erfahren wir, dass sich daselbst ungefähr um dieselbe Zeit eine zionistische Gruppe gebildet hat, und diese Bildung von jüdisch-nationalen Vereinigungen in weit abgelegenen Gegenden verleiht schon allein dem Zionismus Existenzberechtigung, sie verleiht ihm einen Wert, mit dem sich kaum eine der jüdischen Institutionen neuerer Existenz messen kann. Tiefe Betrachtung berechtigt einen ohne We teres zur Behauptung, dass der jüdische Historiker der Zukunft, was auch immer das Schicksal des modernen Zionismus sein mag, ihn als wirksamer Factor der bedrohten jüdischen Einigkeit zu behandeln haben wird, während dem glaubensstarken Juden der Gegenwart in demselben Zionismus eine neue Hoffnung aus den SxTw* 12" TTÜ "-pE ersteht. Das ist das Verdienst des heutigen Zionismus, und der zweite Eongress in Basel sollte diese neubelebte jüdische Einigkeit einerseits zu befestigen suchen und andererseits zum Wohle der Gesammtheit ausnutzen. Wie sich der zweite Baseler Eongress dieser doppelten Aufgabe entledigt hat, darüber har uns in der Ferne nun endlich die „Welt" unterrichtet und mir tiefer Freude Hallen wir wahrgenommen, dass unsere Erwartungen nicht übertrieben waren. Dass die Existenz des Zionismus berechtigt ist, haben uns die Vorgänge in der Zeit zwischen dem ersten und zweiten Congresse gezeigt, dass er lebensfähig ist, zeigt der zweite Eongress. Tenn indem er sich die Pflege jüdischer Einigkeit und die Verbreitung des Hebräischen als Umgangssprache zur Aufgabe gestellt, hat er Entschlüsse gefasst, zu denen er sich am meisten gratulieren darf. Für dem dem es nicht an einem 2Annen gelegen ist, dem aber die Wohlfahrt der Juden am Herzen liegt, muss es eine wahre Freude gewesen sein, zu hören, wie Tr. Mandelstamm die Vereinbarung des politischen Zionismus mit den Bestrebungen der Chovevei Zion zu bewerkstelligen verstand, Nichts konnte dem wahren Judensreunde widerlicher sein, als die Betrachtung des Zwiespaltes in englischen Zionistcnkreiscn, nichts konnte ihn mehr betrüben, als der Anblick kleinlicher Gründe, die zu sogenannten Fragen aufgebauscht wurden. Solche Vorfälle werden uns wahrscheinlich erspart bleiben, nachdem Tr. Mandelflamm gezeigt har, wie versöhnlich der Zionismus ist, wie er nichts "Anderes sein will als eine Fortentwicklung der Idee der Khovowi Zion, dass zwischen diesen und den Zionisten kein Antagonismus zu bestehen braucht. -- Noch ist cs zu früh, von Erfolgen des Eongresscs in dieser Beziehung zu sprechen, aber fast wollte es nach den zwei Anmmern des .fowish ('hroni<-l<‘ von Aach-Basel, die hierhergelommcn sind, erscheinen, als ob eine Blenderung der Stellungnahme dieses Blattes zum Zionismus bcvorstche, wenigstens scheint der Ton bei Besprechungen zionistischer Angelegenheiten im Vergleiche nrit dem früher angeschlagenen, sehr modisiciert. Jedenfalls muss cs aber zur Gcnugthuung dienen, einen Mann in demselben Blatte erklären zu hören, dass er als Indifferenter nach Basel gegangen und als Zionist zurückgekehrr sei. So bricht sich denn der Zionismus friedlich seine Bahn, und es bietet sich die Hoffnung, dass die von Tr. H e r z l den Cullusgcmeinden angckündigte Fehde keine Spaltung im Judenthum Hervorrufen wird. Unsere halbgewonnene Einigkeit soll nicht durch eine unerbitterliche Stellungnahme gegen Kräfte, die dem Judcnthum, wenn auch nicht dem Zionismus, wohlwollend gegenüberstehen, im Geringsten gefährdet werden. Tie Versöhnlichkeit Dr. Mandelstamm's soll und wird hier die Oberhand gewinnen, und die Früchte können dann nicht lange ausbleiben. Jüdisch-nationale, den örtlichen Bedingungen angepasslc Organisationen sollen dann die gewonnene Einigkeit befestigen helfen, und dazu gehört namentlich die Verbreitung des Hebräischen als Umgangssprache. Wie dieses im Ganzen zu bewerkstelligen ist, geht leider aus den Debatten nicht hervor, und viel könnte deshalb gewonnen werden durch eine für diesen Punkt in den Spalten der „W e l t" zu eröffnende Discussion. Die Frage einer gleichinäßigen Aussprache, die vor einiger Zeit von einem Eorrespondenten in der „Welt" angeregt wurde, scheint trotz der Wichtigkeit dieses Punktes nicht weiter verfolgt worden zu sein. Jener Eorrespondent wollte Gesenius als Basis hingesteüt sehen, doch dürfte die sehr einleuchtende Behandlung der Aussprache in Steinbergs -Q" «Verlag Romm, Wilna) vielleicht größerer Beachtung wert sein. Es sollte namentlich der Punkt zur Erörterung gebracht werden, wie die Erlernung des Hebräischen als Umgangssprache denjenigen ermöglicht werden soll) die aus einem oder dem andern Grunde keinen mündlichen Unterricht haben können. Ob die Abfassung eines Werkes nach dem Muster der Toussaint-Langenscheidffchen Unterrichtsbriefe z. B. für diesen Zweck nicht rathsam wäre, wie sich die Mittel zur Beschaffung eines solchen Werkes am besten aufbringen ließen, welche Wege eingeschlagen werde« sollten, um den Preis eines solchen Werkes so billig als möglich anzusetzen, um es jedem zugänglich zu machen, und ähnliche' Fragen, darüber sollten Meinungsäußerungen in der „W e l t" eingeleitet werden. Das Interesse, das durch einen solchen Meinungsaustausch rege gemacht würde, könnte dann schon in der nächsten Zukunft praktisch ausgenützt werden, und das Resultat dürfte nichts Kleineres sein, als tausende durch zionistische Thätigkeit für Israel wiedergewonnene Söhne und Töchter. m Wkltchromk. Das Denkmal Heinrich Heines. Ter Lorelei-Brunnen mit dem Bildnis Heinrich Heines wird nun jenseits des Oceans endlich seine Stelle finden) Wie das Eomito dem Schöpfer des Werkes, Professor Ernst Herter mitgetheilt hat, wird der Brunnen inmitten der Anlage des Grand Eoncourse aufgebaut. Der Platz ist am Rande eines Plateaus gelegen, das gegen den einige hundert Fuß entfernten Harlcinfluss steil abfällt. Aach Ausführung aller Pläne werden dort mehrere Viaducte zusammensloßen, und in einigen Jahren wird der Platz einer der schönsten von Groß-Aew-Pork sein. Tas Denkmal selbst wird man schon aus der Ferne sehen können. Ta die Stadl auf ibre Kosten die Fundamentierung ausführen lassen will, so hat sich die Aufstellung noch etwas verzögert; sie wird nun im April n. I. erfolgen. Anfang Mai soll alles fertig sein. Der Enthüllung gedenkt Professor Herter persönlich beizuwohnen. Die „Quelle" der Beredsamkeit. Eine unbekannte "Anekdote über Lord Beaconssield finden wir in einer vor Kurzem veröffentlichten englischen Biographie des Ex-Generalpostmeisters Henrn Cecil Raikes. Als Beaconssield noch Tisraeli bieß, fuhr er eines Tages nach Manchester, um dorr eine große politische Rede zu halten; Cecil Raikes begleitete ihn. Einige Stunden vor^Beginn der Versammlung bat Tisraeli seinen Freund, ihm „drei Flaschen Brandy von weißer Farbe für seinen Speech" zn kaufen. Raikes, der sich durch diese wichtige Mission sehr geehrt fühlte, gieng in sämmtliche Läden von Manchester, aber weißer Brandy war nicht zu haben. Schließlich sagte ihm ein Händler: „Weißen Brandy habe ich nicht; das ist zu theuer für meine Kundschaft. Aber gehen Sie zu Herrn X... Ter Mann ist ein leidenschaftlicher Sammler alter) seltener Schnäpse. Wenn es in Manchester überhaupt weißen Brandy gibt, har der ihn." Raikes wunderte zu Herrn X . .., aber der „Sammler" wurde sehr ungemürhlich. Er wollte den weißen Brandy, den er wirklich besaß, um keinen Preis hergebcn. "Als ihm Raikes jedoch erzählte, dass der köstliche Schnaps zur Stärkung des großen Redners Tisraeli dienen sollte, wurde der Schnapsfreund weich wie Butler. Er holte zwei mit Staub bedeckte Flaschen hervor, wickelte sie fast zärtlich in Papier und ließ sie ins Hotel tragen. "Am "Abend musste Raikes sich neben Tisraeli setzen und dafür sorgen, dass das Glas des Redners beständig mit einer Mischung von weißem Brandy und Wasser gefüllt war. Tisraeli sprach und Raikes mischte. "Aber nach dem ersten Schluck flüsterte der Redner: „Stärker, Raikes, stärker." Raikes verstärkte die Brandy-Tosis. "Aber das war noch nicht genug. „"Aoch stärker, Raikes, noch stärker." Raikes mischte weiter und Tisraeli trank so munter darauf los, dass er lange vor Beendigung seiner Rede die beiden Flaschen geleert hatte. Später sagte er zu Raikes: „Solchen Brandy habe ich noch nie getrunken, er'war so. klar und „süfsig" wie O.uellwasser." („Brcsl. Ztg.") Der Gefangene in der Sfolicrbarachc. Französisch: Blätter p.'.blicieren Mittheilnngen eines Soldaten, der ans der Teufelsinsel gedient hat. Demnach fei Dreyfus' Haar und Bart ganz weiß und seine Schultern seien gebeugt. Er gehe langsam mit krununcm Rücken und spreche niemanden an. Den Wächtern sei übrigens jede Unterhaltung verboten. Der Wachdienst dauert Tag und ^Racht. Tie vier Wächter unter einem Chef sind mit Gewehren und Revolvern bewaffnet. Morgen 5 kommt rin von