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Die Welt · 1898-11-18 · 46 (18.11.1898) · p. None

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Journal
Die Welt
Volume
2 (1898)
Issue
46 (18.11.1898)
Date
1898-11-18
Page
None (sequence 1)
Language
German
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8—--1 Redaktion 3 Erscheint jeden Freitag. * 2---m Preise der Anzeigen: und Administration: Zuschriften sind nicht an einzelne Personen, sondern an Die viermal gespaltene Petit¬ Wien die Nedaction oder Administration: Wien, IX., Türkenzeile 10 kr. IX.. Türkenstraße 9. straße 9, zu richten. Telephon Nr. 8805. Unfrankierte Briefe werden nicht angenonnnen und Einzelne Nummern 15 kr. G-5 §1 Manuskripte nicht zurückgesendet. j I-- ßttltftfilimfp * Oesterreich-Ungarn; halbjährig 3 fl. — ß Kr., ganzjährig 6 fl. =-= 12 Kr.: Für das Ausland: Deutschland * ganzjährig 13 Ml. 70jßf., halbjährig 6 Mk. 85 Pf., England ganzjährig 11 Shg., halbjährig 7 Shg., Russland ganzjährig 7 R., halbjährig 3 R. 50 Kop., Schweiz, Frankreich, Italien, Türkei, Rumänien, Bulgarien, Serbien, Griechenland, Egypten ganzjährig 17 Frcs., halbjährig 8 Frcs. 50 Cts., Amerika ganzjährig 3 Doll. 40. Nr. 46. Wien, 18. November 1898. 2. Jahrgang. Die rionistifche Abordnung in Palästina. In unserer Bewegung ist ein Ereignis zu verzeichnen, dessen Bedeutung nicht erst erklärt werden muss. Es ist dies der Empfang der zionistischen Abordnung in Jerusalem duich den ^deutschen Kaiser. Anfangs Oktober wurde der Empfang festgesetzt. Darauf machte sich Mitte Oktober die aus fünf Herren bestehende Abordnung auf den Weg nach Palästina. Es waren: Dr. Th. H e r z l, Präsident, Dr. M. T. S ch n i r e r, Vicepräsident des Actionscomitös, D. W o l f f s o h n, Präsident des Bankcomitäs, Rechtsanwalt Dr. B o d e rill e i m e r, Präsident der zionistischen Vereinigung für Deutschland und Ingenieur I. Seidener, technischer Beirath des Actionscomitäs. Am zweiten November fand der Empfang im kaiserlichen Zelte zu Jerusalem im Beisein des Staatssekretärs von Bülow statt. Seine Majestät der Kaiser beantwortete die Ansprache des Dr. H e rz l in freundlichster Weise. Dies ist in Kürze dasjenige, was bisher von den Thatsachen bekanntgegeben wurde. Wir glauben nun, dass es für unsere Leser von einigem Interesse sein wird, die Eindrücke und Ansichten der zurückgekehrten fünf Mitglieder dieser Abordnung kennen zu lernen. Wir haben sie der Reihe nach befragt und Antworten erhallen, die wir im Nachstehenden wiedergeben. Herr Dr. Bodenheimer wird für die „Welt" eine ausführliche Schilderung der ganzen Reise schreiben. Die Redaction. Dr. Theodor Herzl: Wir sind nicht als Vergnügungstouristen, auch nicht als Forschungsreisende nach Palästina gegangen, sondern wir hatten einen bestimmten politischen Zweck. Nachdem dieser erreicht war, haben wir uns unverzüglich auf den Rückweg begeben. Dennoch konnten wir selbst als Gäste auf eine kurze Weile einige Beobachtungen anstellen und uns von den Zuständen Rechenschaft geben. Traurig sieht es in Vielem aus, aber über den verödeten, verwahrlosten Stätten lacht ein prächtiger Himmel, und wo die Menschenhand sich regen durfte, hat ihr heiter eine unerschöpfliche Natur geholfen, die rascheste Fülle hervorzuzaubern. Die Resultate unserer Colonisten, insbesondere derjenigen. die aus ihren eigenen Füßen stehen, sind einfach verblüffend. Man sieht noch das umgebende steinige, dürre Gebiet, in das ein solcher wackerer Kerl vor ein paar Jahren hineingestiegen ist — er hat einen Orangenhain oder einen reichen Weingarten aus der Erde gelockt. Unter den Gestalten solcher ursprünglicher Landerwerber, die den Boden wie am Anfang der Zeiten erobern, ist mir der Colonist Brozie in Mrzoh bei Jerusalem besonders ausgefallen. Das war ein einfacher Taglöhner in der Colonie Rechoboth. Er raffte eines Tages seine paar ersparten und erhungerten Groschen zusammen und gieng hinaus auf diese steinige Berglehne. Da er von seinem Fleiß Beweise gab, wurde er von einem Kölner Colonialverein mit Darlehen unterstützt. Vor zwei Jahren hatte er seine erste Weinlese. Der Ertrag war fünfhundert Francs. Im folgenden Jahr brachte ihm seine Ernte schon das Dreifache, und er sieht einer weiteren raschen Progression des Ertrages entgegen, weil seine Reben immer besser werden. Rings um seinen wohlgepflegten Garten ist noch die Einöde, die der Fleiß auch zum Garten machen könnte. Und solcher Beispiele gibt es so viele, als Colonisten in Palästina sind. Tüchtige, nüchterne Menschen mit harten Fäusten, und in den Augen haben sie eine Begeisterung für das Land. Die jüdischen Ackerbauer sind zäh und intelligent, das war der Eindruck, den wir überall hatten, wo wir mit ihnen zusammenkamen. Natürlich haben uns die malerischen Details im flüchtigen Vorübereilen am meisten frappiert. Aber auch aus solchen Einzelheiten läßt sich manches folgern. Die Colonisten sind z. B. gute Reiter. Als wir nach Rechoboth kamen, sprengte uns ein Trupp junger Leute entgegen, einige zwanzig, die uns als Eskorte nach der Ansiedelung begleiten wollten. Sie führten um unsere Wagen herum auf ihren schnellen Pferden eine Art arabischer Fantasia auf, und wir mussten an die Lassoreiter des wilden Westens von Amerika denken, wenn wir diese stämmigen, wettergebräunten Bursche die Pferde herumwerfen, weit ins Feld davonstürmen und jauchzend wiederkehren sahen. Leider konnten wir nur eine kleine Anzahl der Colonien besuchen, aber den jüdischen Bauer haben wir doch kennen gelernt. Er verspricht viel für die Zukunft.

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