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Die Welt · 1898-11-11 · 45 (11.11.1898) · p. 12

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Welt
Volume
2 (1898)
Issue
45 (11.11.1898)
Article
London
Date
1898-11-11
Page
12 (sequence 2)
Language
German
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Nr. zionistischen Arbeiter, die zugleich Gememdebecmtte sind, einen deutlichen Wink erhalten, zwischen ihrer Ueberzeugung und i h r e m P o st e n z u w ä h l e n. Andererseits plaidiert Rev. S. Singer iui „-lewisU C h ro n i c leu, in dessen Spalten er einige seiner gesinnungsbrccherischen Kopfsprünge gemacht hat, nunmehr für einen Wafsenstillstand in der Polemik, und fordert eine allgemeine Einigung z u g u n st e n der C o l o n i s a t i o n. Der Olivenzweig des Friedens? Jedenfalls gefällt sich der Chronicle darin, sich so zu geberdcn, als ob er die Meinungen führte, statt dass er sie — annimmt . . . Amerika. New-Pork. (New-Iorker Chronik.) Das letzte Echo des spanisch-amerikanischen Krieges klingt tieftraurig in dem Gesuch, das eine jüdische Gellschaft in New-Iork an das Kriegsdepartement in Washington richtete, und worin um die Erlaubnis gebeten wurde, all den jüdischen Soldaten und Matrosen, die auf dem Felde oder doch in Ausübung militärischen Dienstes den Tod erlitten, ein passendes jüdisches Begräbnis zutheil werden lassen zu dürfen. Die Gesuchsteller haben einen eigenen Begräbnisplatz käuflich an sich gebracht und ihn schön schmücken lassen. In wenigen Monaten werden die jüdischen Soldaten zusammen an einer Stätte ruhen, die durch das Gedächtnis ihres Heldenthums für immer wird geweiht bleiben. Ein heiterer Vorfall, zu welchem der letzte Krieg Anlass gab. ereignete sich bei einer Unterredung des Präsidenten Mac Kinley mit einem hervorragenden jüdischen Bürger der Stadt Eleveland. Dieser Gentleman suchte um einen Posten in der Freiwilligenarmee an, und der Präsident fragte ihn scherzend: „Seit wann haben denn die Juden kämpfen gelernt?" — „Seit den Tagen des Josua!" gab der Andere schlagfertig zur Antwort und empfieng zum Dank für sein treffendes Wort einen warmen Händedruck des jovialen Staatsoberhauptes. Nach ein bis zwei Tagen erhielt er das Teeret als Major der Freiwilligenarmee. Ein Ereignis, das in New-Iorker Gemeindekreisen kein geringes Interesse erweckt hat, war die unlängst erfolgte Vereinigung zweier großer Gemeinden; die eine ist in Bezug auf die Herkunft ihrer Mitglieder eine hauptsächlich deutsche, die ändere eine böhmische. Dieser deutsch-czechische Ausgleich aus amerikanischem Boden ist ohne Revolte und Blutvergießen vor sich gegangen. Die eine der nunmehr fusionierten Synagogen ist in Amerika wohlbekannt dadurch, dass sie Jahre hindurch nacheinander zwei der redegewaltigsten und gelehrtesten Rabbiner Amerikas an ihrer Spitze hatte: Hübsch und Kohut. Die vereinigten Gemeinden werden unter' der geistigen Leitung des Tr. Davidson stehen, der früher Professor an dem liehr-erv Union College in Cinncinati war. Er genießt als Denker und Gelehrter die Achtung großer Kreise. Wir leben in der Wahlsaison, einer in Amerika wie anderswo aufgeregten Zeit. Auch diesmal ist die übliche Ouote von Juden zu politischen Ehren gekommen. Zur größten Befriedigung gereichte es uns. dass Mr. Joseph S i m o n vom Staate Oregon in den Senat der Vereinigten Staaten entsendet wurde. Im ganzen sind drei Juden in den Senat gewählt worden; einer davon ist der gewesene Vicepräsident der ..Southern Conferleracy", Juda h P. Benjamin. Mr. Simon ist Jurist und erfreut sich außerordentlicher Wertschätzung. Man darf erwarten, dass er sich und seinem Volke Ehre machen wird an der hohen Stelle, zu welcher ihn das Vertrauen seiner Mitbürger berufen. Tie Wahl in den Senat bedeutet eine ganz besondere Ehre, denn diese Körperschaft wacht eifrig über ihre Prärogative genau so, wie nur irgend ein Oberhaus in einem monarchischen Staate. In New-Jork City stehen zwei jüdische Advocaten einander als Candidalen der beiden, in Betracht kommenden Parteien gegenüber. Einer der jüdischen Candidaten für einen Sitz im Repräsentantenhause zu Washington ist Mr. I e s f e r s o n M. L e v y, der Neffe Uriah P. Levy's, des gewesenen Commandanten der nordamerikanischen Marine. Mr. Levy ist eines der geachtetsten Häupter der demokratischen Partei, bei seinen Parteigenossen ganz besonders beliebt wegen der großen Sorgfalt, die er seinem Landsitze Monticello zuwendet, dem Geburtsort des Autors der Unab hängt gkeitserklärung, des Gründers der großen demokratischen Partei: T h o m a s I e f f e r s o n. Gleichzeitig ist auch eine große Menge unbedeutenderer Personen mit kleineren Stellen bedacht worden, Nicht immer treibt die politischen Parteien bei solchen Ernennungen ein unwiderstehlicher Drang, die Betreffenden (oder die Betroffenen) zu ehren. Gewöhnlich ist der Wunsch maßgebend, die sogenannte „jüdische Stimme" zu captivieren, die übrigens nur in der Phantasie falschberichteter Politiker oder in den Reden eigene Zwecke verfolgender lüdischer Führer existiert. Dies Haschen nach der „jüdischen Stimme", der „irischen", „deutschen", „italienischen" re. Stimme ist eine der hässlichsten Erscheinungen im öffentlichen Leben unseres Landes. Hohe Ehre widerfuhr in der vergangenen Woche zwei hervorragenden Vertretern der jüdischen Glaubensgenoffenschaft Amerikas. Bei den in Chicago anlässlich des Friedensschlusses äbgehaltenen Andachtsübungen hielt Dr. Emil G. Hirsch in Anwesenheit des Präsidenten Mac Kinley und anderer Staatswürdenträger die Eröffnungsrede und feierte einen allseits anerkannten Triumph. Ein paar Tage darauf sprach Dr. Hirsch als erster Redner in dem ..Rar-Iiameut of Religions Representatives", welches im West-End New-Iorks tagte. Einen anderen Beweis für die hohe Schätzung (gerade seitens ihrer christlichen Mitbürger), in welcher viele jüdische Seelsorger stehen, lieferte das Diner, welches dem Rabbi Louis Groß mann in Detroit gegeben wurde, zur Feier seines Abschiedes von dieser Stadt, in welcher er 14 Jahre hindurch dem jüdischen Seelsorgeramt vorgestanden. Rabbi Großmann ist als Professor an das Hebrew Union College berufen worden. Bei diesem Diner führte der Mayor der Stadt den Vorsitz, und Geistliche aller Bekenntniffe vereinigten sich, um ihrer Bewunderung für den Charakter und die wertvolle unermüdliche Berufsarbeit des Scheidenden Ausdruck zu verleihen. Stephen S. W i s e.^j Wien. Die „Jüdisch-akademische Lesehalle" hielt Samstag den November ihre satzungsgemäße Plenarversammlung ab. Nach Genehmigung des Berichtes des abtretenden Vorstandes wurde Herr Landesschulrath Dr. K o h n zum Ehrenmitglied ernannt, worauf die Neuwahlen erfolgten: Präses: Herr Salo Deutsch; erster Vicepräses: Herr Carl Grenzer; zweiter Vicepräses: Herr David Kohn; Schriftführer die Herren: Otto E h r e n f e st und S. Mendelsohn; Cassiere die Herren: E. Leimdörfer und A. Terkel; Bibliothekare die Herren: Singer und Dam ask; Verweser die Herren; Nord. Kohn und Abr. Glanz. Wien. Die Verbindung österreichisch-schlesischer Hochschüler „I v r i a" hält am 12. November ihren Eröffnungscommers im Hotel Centtal. II., Taborsttaße 8 (Festsaal). Anfang 8 Uhr. Wien. Zu dem am 3. November stattgefundenen Discussionsabend der akademischen Verbindung „M a c c a b ä a", bei welchem der derzeitige Präses Liquornik über das Thema „Warum ist die Lösung der Judensrage im zionistischen Sinne die einzig mögliche?" referierte, waren abermals zahlreiche der Verbindung nicht angehörende Techniker erschienen, welche sich nach dem Referate aus das Lebhafteste an der Discussion betheiligten. Wien. Im jüdischen Arbeiter- und Privatangestelltenverein „A ch w a h" findet Samstag den < 2. d. M. ein D i sc u s s i o n s a b e n d statt. Beginn 8 Uhr. Pereinslocal: Restaurant Br es nitz, II., Große Schiffgasse 21. Die werten Mitglieder und Gesinnungsgenossen werden hiezu freundlichst eingeladen. Wien. Im Vereinslocale des ,.Z i o n", II., Rembrandrstraße ll, hält im Vereine jüdischer Mädchen ..§ab assa" Herr Dr. Werner am 13. November, 4 Uhr nachmittags einen Vortrag über das Thema: „Der II. Baseler Congress und die Frauen". Gäste herzlich willkommen. Brünn. Jüdisch - akademische Verbindung „B e r i t a s" Tie Chargiertenwahlen für das laufende Wintersemester ergaben folgendes Resultat: Präses: stuck, ing. Arthur Stricker: Vicepräses: stuck, mech. Rudolf Zeisel;'^Schriftführer: stucl. ehern. Moriz Kirschuer. Ter Eröffnungscommers fand am 29. v. M. statt. Der volle Saal bezeugte die Sympathien, deren sich die Verbindung in Brünn erfreut. ZeWnstenrunWau. Tie „Breisgauer Zeitung" brachte in ihrer Nummer 2ö4 folgenden Artikel, der hier wiedergegeben werden möge, weil die Originalarbeit Theobald Fischers sich durch ihre Ausführlichkeit nicht leicht zur Neproduction eignet. Die Zukunft Palästinas. Tie von Pros. Hettner herausgegebene „Geographische Zeitschrift" brachte vor kurzer Zeit einen Aussatz über Palästina

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