Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 2 (1898)
- Issue
- 45 (11.11.1898)
- Article
- Antisemitismus in Kriegervereinen
- Date
- 1898-11-11
- Page
- 10 (sequence 2)
- Language
- German
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jpt^vwc »ix. 45 Befragen nach dem Grunde seiner Nichtaufnahme in den Kriegerverein geantwortet, dass sei nur seiner Religion wegen geschehen. Hier liegt also ein Fall von Antisemitismus in einem Kriegervereine vor, wie man ihn kaum für denkbar gehalten hätte. Wenn irgend etwas, dann sollten die Armee und die aus ihr hervorgegangenen Kriegervereine von diesem hässlichen Treiben rein erhalten bleiben! Die Uniform ist für alle Heerespflichtigen die gleiche. Sollte die Kameradschaft nach religiösen Verschiedenheiten abgegrenzt werden? Jüdische Friedhöfe. Aus Prag wird uns geschrieben: „So oft ich in der letzten Zeit auf unseren hiesigen alten Wolschaner Friedhof komme, sehe ich eine deutliche Illustration der Lage der Inden: Mit Koth beworfen, irn. Leben und Tod. — Das hohe Holzthor bietet einen seltsamen Anblick. Die Oberfläche ist mit Straßenschmutz überkleistert, und Die hebräischen, deutschen und czechischen Lettern der ehrwürdigen Aufschrift sind in gleicher Weise besudelt. Und dieser Friedhofsschändnng scheint gar keine besondere Beachtung geschenkt zu werden. Die Moral im Allgemeinen und die Pietät für die Todten im Besonderen fühlt sich wohl gar nicht beunruhigt, wenn der Pöbel mit Argumenten von der Gaffe seinem Judenhass Ausdruck verleiht." J. S. W Die Mistische Bewegung. Lemberg. „Am I. November fand eine Versammlung der Lemberger jüdisch nationalen Akademiker statt, aus welcher nach einem Referate beSstud. .j uv. Löwen Herz H. eine Wiedererneuerung der zionistisch akademischen Lesehalle im'Rahmen des Lemberger Zionsvereines beschlossen wurde. In den Ausschuss wurden gewählt die Herren: Adolf Stand als Präses, Heinrich L ö w e n h e r z als Vice-Präses, M a y e r als Schriftführer, F e u e r b c r g als Bibliothekar und Reiß als (Lasster." Czcrnowitz, 1. November. Der Verein „Zion" in Czernowitz -entwickelte im abgelaufenen Monate eine sehr rege Thätigkeit. Es wurden Versammlungen veranstaltet, die jedesmal einen Besuch von 6t:0 bis 10<K) Personen aufwiesen. Diese Versammlungen fanden im Rathhaussaale statt, wo die Eongressdelegierten des Vereines, die Herren Dr. Mayer Ebner und Dr. Philipp M e n cz e l, über den Congress berichteten. Tr. M e n c z el sprach über den Zionismus im Allgemeinen und über die Vorgeschichte der Zionistencongressc. Dr. Ebner über die Mittel und Ziele sowie die praktischen Ergebnisse der Bewegung. Beide Reden wurden mit geradezu stürmischem Beifalle aufgenonnnen. — Zwei Wochen später sprach im selben Saale vor einem tausendköpfigen Publicum das Mitglied des Actionscomitts Dr Leop. Kahn über den „Zionismus und den II. Zionistcncongress." Hatten die beiden Erstgenannten wegen ihrer mit Begeisterung und echter Ueberzeugung vorgetragenen Berichte einen großen Erfolg, so war der Vortrag des Dr. Leopold Kahn, der Bibel und Talmud souverän beherrscht und seine Rede mit trefflichen, zweckentsprechenden Eitaten würzte, noch viel wirkungsvoller. Am Albend fand zu Ehren des Du .Kahn ein Bankett statt, das einen sehr animierten Verlaus nahm — Der Delegierte des Zionsvereines in Sada - gora Dr. Mayer Ebner hielt daselbst in den verflossenen Feiertagen in den Vereinslocalitäten vor einem zahlreichen, aus Damen und Herren bestehenden Publicum einen mit großem Beisalle ausgenommenen Vortrag über den zweiten Zionistencongress. Zu Ehren des Delegierten wurde ein Festabend gegeben. Lissa in P. Nach kaum halbjähriger Agitation haben hier die Zionisten bereits schöne Erfolge zu verzeichnen. Wir verdanken sie in erster Linie der rührigen Agitation hiesiger jüdischer Studenten und weiterhin auch einem mit großem Beifall aufgenommenen zionistischen Vortrag, den Herr Tr. Heinrich Löwe im hiesigen „Verein für jüdische Geschichte und Literatur" hielt. Tie großen Sympathien der hiesigen Bevölkerung für unsere Bestrebungen bewies auch die zahlreiche Betheiligung an einem von der hiesigen zionistischen Ortsgruppe veranstalteten Simchath- Thorah-Äbend, der in schönster Harnt onie verlies. 1-5. Breslau. Am 17. Oct. eröffnete die hiesige zionistische Ortsgruppe ihre Wintercampagne durch eine in den Liebisch'schen Festsälen unter Vorsitz des Herrn Dr. med. Carl Jeremias tagende Versammlung. Mehr als 150 Frauen und Männer waren erschienen. Herr Dr. med. Ernst Kalmus, der Breslauer Eongressdelegierte, entrollte ein längeres, mit lebhaftem Beifall aufgenommenes Stimmungsbild des Congresses. In der Discuffion forderte Herr Morgenstern mit beredten Worten die jüdische Kaufmannschaft auf, den akademischen Kreisen es au zionistischem Interesse glcichzuthun und sich insbesondere thatkrä>tig an der Agitation für die jüdische Eolonialbank zu betheiligen. Herr Jsmer Freund sprach ganz objectiv über die Eindrücke, die er als nichtzionistischer Theilnehmer in Basel empfangen hatte; sie deckten sich fast vollständig mit dem Bilde, das der Redner entworfen. In weiterer, oft lebhaft erregter Debatte wurde vor allem gegenüber einem „deutsch-nationalen" jüdischen Studenten energisch der Vorwurf zurückgewiesen, als seien Zionismus und Staatsbürgerthum miteinander nicht vereinbar. Lebhaften Beifall ernteteten endlich die treffenden Ausführungen des Herrn Redacieurs Gottschalk, der die ethische und sociale Bedeutung der Zionsidee näher beleuchtete. Der Verlauf des Abends war durchaus befriedigend; eine Anzahl von Neuanmeldungen zur zionistischen Vereinigung, zahlreiche Einzeichnungen für den von zionistischer Seite begründeten hebräischen Sprachcursus und der rege Fortgang der Äctienzeichnung waren die unmittelbaren Erfolge der Versammlung. St. Dorohoi (Rumänien.) In der hiesigen Synagoge hielt jüngst der jüdische Dichter Jsaac Auerbach einen langen zionistischen Vortrag, mit dem er viele Nichtzionisten für unsere Idee gewann und in unseren Zionsverein neues Leben brachte. Wir sind ihm für seine Mühewaltung zu großem Danke verpflichtet. Kiew. Am 10. October fand hier eine Zusammenkunft von Zionisten statt, bei welcher der cand. jur. I. Bouchmil aus Montpellier eine sehr interessante Conferenz hielt. In einem ausgezeichneten geschichtsphilosophischen Vortrage besprach er die Entwicklung des jüdischen Volkes, seine immer größere Verelendung und die Bestrebungen, welche auf eine Verbesserung seiner - Lage abziclten. Hieraus begründete er den Zionismus, setzte sein Programm auseinander, erklärte seine Aufgaben und besprach die Möglichkeit seiner Realisierung. Der Bortrag machte auf die "Anwesenden den tiefsten Eindruck, selbst die Gegner dankten dem Referenten für seine brillanten "Ausführungen. Der Erfolg des Herrn Bouchmil mag den Zionisten als Ansporn zu ihrer weiteren Thätigkeit dienen. Hclsingfors (Finnland.) Unser Mokirei-Zionsverein, der in der letzten Zeit sich wenig in der Oeffentlichkeit geregt hat, ist durch Herrn I. S. Awinowitzky wieder zu neuer Thätigkeit angespornt worden. Herr Awinowitzky hielt am 2. Sukothtage einen in jeder Hinsicht gediegenen zionistischen Vortrag, dem am Hoschanoraboabend ein zweites Referat folgte. An demselben "Abend wurde ein siebengliedriges Agitationscomite gewählt, an dessen Spitze Herr Rabbiner N. Bukar; als Obmann, und Herr I. S. Schapira als Obmannstellvertreter stehen. Dieses Comir; wird eine systematische Propaganda für den Zionismus einleitcn. Eine zionistische Bibliothek ist im Werden begriffen. Lccds (England). In einer Eomit.sitzung der zionistischen Vereinigung von Leeds, welche unter dem Vorsitz des Doctor U m an s kt stattfand, wurde beschlossen, 200 Bank-Shares aus dem Vercinsmögcn zu zeichnen. Manchester. In einer stark besuchten Zionisten-Vcrsammlung hielten mehrere Redner Referate über das Fortschreiten der zionistischen Bewegung und über das Bankproject. Es wurden neue Mitglieder gewonnen, und eine beträchtliche Anzahl von Shareszeichnungen entgegengenommen. V Comspondenzen. Oe st erreich -Ungarn. Wien. Aus dem in der jüdischen Wählerversammlung von: November zur Vertheilung gelangten „Bericht der Union" entnehmen wir unter anderem, dass die Enquete über die Lage der Juden in Galizien nahezu abgeschlossen ist. In 14- Sitzungen wurden von Vertretern verschiedener Parteien und Elasten — sicherlich nicht aller — 42 Gutachten abgegeben. Der „vertrauliche Charakter" derselben wird wiederum betont. „Der Ausschluss der Oeffentlichkeit gilt nur für die einzelnen stenographisch aufgenommenen Depositionen, nicht aber für das Gesammtresultat der Enquete." Diese Eoncession an die Publicität ist ja wirklich löblich. Wir erfahren sodann, dass die „Union" das ihr vorliegende Material verwerten wird, erstens für ein Memorandum, das sie der Regierung zu überreichen gedenkt, zweitens für ein Memorandum an den galizischen Landesausschuss und endlich für eine Publication, welche für die Judenschaft der ganzen Welt bestimmt ist und im Buchhandel erscheinen wird." Daselbst wird die „Union" Vorschläge mittheilen, „rvelche in ihrer wirtschaftlichen und politischen Bedeutung das Interesse des ganzen Staates, ja der ganzen civilisierten Welt berühren." Da darf man wohl gespannt sein. Wir könnten uns füglich jedes weiteren Eonnnentars enthalten, bis die Regierung, bis der galizische Landesausschuss auf