Mannheim
Compact Memory

Die Welt · 1898-11-11 · 45 (11.11.1898) · p. None

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Welt
Volume
2 (1898)
Issue
45 (11.11.1898)
Date
1898-11-11
Page
None (sequence 1)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
96% known words query
IRI
…/3315709-3315742-3315788--08987-3364230
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

3 entity mentions

Di? m Welt a-b Vedartion und Administration: Wien IX., Türkenstraße 9. Telephon Nr. 8805. Erscheint jeden Freitag. Zuschriften sind nicht an einzelne Personen, sondern an die Redaction oder Administration: Wien, IX., Türkenstraße 9, zu richten. Unfrankierte Briefe werden nicht angenommen und Manuscripte nicht zurückgesendet. Preise der Anzeigen: Die viermal gespaltene Petitzeile IO kr. Einzelne Nummern 15?r. n-m * Oesterreich-Ungarn; halbjährig 3 fl. 6 Kr., ganzjährig 6 fl. 12 Kr.: Für das Ausland: Deutschland * ganzjährig 13 Mk. 70 Pf., halbjährig 0 Mk. 85 Pf., England ganzjährig 14 Shg., halbjährig 7 Shg., Russland ganzjährig 7 R., .halbjährig 3 R. 50 Kop., Schweiz, Fraickreich, Italien, Türkei, Rumänien, Bulgarien, Serbien, Griechenland, Egypten ganzjährig 17 Frcs., halbjährig 8 Frcs. 50 Cts., Amerika ganzjährig 3 Doll. 40. 45_Wien, 11. November 1898. 2. Jahrgang. Kemgspmle Die Deputation -er Zionisten vor dem deutschen Kaiser. Am 2. November wurde die zionistische Abordnung von Seiner Majestät dem deutschen Kaiser in Jerusalem empfangen. Die Abordnung bestand aus: Dr. Theodor H e r z l, dem Führer der Zionisten, Dr. M. T. S ch n i r e r, dem Referenten des Actionscomites, D. W o l f f s o h n, dem Obmann des Bankcomites der jüdischen Colonialoank, Dr. I. Bodenheimer, dem Präsidenten der Zionisten Deutschlands und dem Ingenieur Seidener, dem technischen Beirathe des Comites. Staatsminister von Bülow wohnte der Audienz bei. Dr. Herzl hielt eine Ansprache an den Kaiser. Seine Majestät antwortete eingehend in freundlichster Weise. W Heimkehr. Von O. Erter. Es ist wieder still in Jerusalem. Der mächtige Gast aus dem Abendlande, deffen . Besuch die heiligste und ehrwürdigste aller von Menschen bewohnten Stätten mir rauschendem Leben erfüllte, befindet sich auf dem Heimwege. Doch nicht, wie sonst nach den Fürstenbesuchen der letzten Jahrzehnte, wird diesmal bloße Erinnerung Zurückbleiben, die in der Flucht künftiger Zeiten verblasst. Es sind neue Keime hoffnungsvoller Entwicklung in den heiligen Boden gesenkt, dem ein unbegreifliches Geschick ewige Sterilität auferlegt zu haben schien, und diese Keime werden aufgehen unter dem milden Sonnenstrahle moderner Civilisation. Wir erlaffen es uns, zu recapitulieren, was während der Kaiserwoche in Jerusalem sich ereignete. Gienge es nur um eine chronicalische Aufzählung der Begebenheiten, um einen Commentar zu den Reden, welche Wilhelm II. hielt, und um die Verzeichnung der Stätten, die er betrat, so würden Protestanten und Katholiken zu größerer Genugthuung Anlass haben, als die Juden, die den dritten Theil der Bevölkerung Jerusalems bilden und vor allen Anderen die geschichtliche Priorität für sich beanspruchen dürfen. Doch einer so engen Auffassung des Kaiserbesuches, als ob sein Sinn und seine Tragweite an dem Wettlaufen der Confessionen zu ermessen wären, haben wir uns von Anfang an erwehrt, und nicht eine Spur von Neid oder Missgunst haben wir empfunden, als Wilhelm II. die Protestanten ermunterte und den Katholiken die „Dormition de la Sainte-Vierge“ zum Geschenke machte. Er ist preußischer Landesbischof und deutscher Kaiser: diese beiden Eigenschaften mussten nothwendig in seinem Verhalten zum Ausdrucke kommen. Doch sie haben die dritte Eigenschaft, in der er nach Jerusalem kam, die des modernen Culturapostels, nicht mehr, als die besonderen Gelegenheiten es erheischten, überwuchert. Als Wilhelm II. durch das Jaffa-Thor einzog, befand sich unter den Deputationen, die ihn begrüßten, auch eine jüdische, und bevor er Jerusalem verließ, empfieng er wiederum eine jüdische Abordnung. Gesegnet die Einkehr, gesegnet der Ausgang! Die jüdische Abordnung, die am Tage vor der Abreise empfangen wurde, überreichte ein Album mit Ansichten der jüdischen Colonien in Palästina. Der Kaiser verhieß nach der Durchsicht des Albums sein wohlwollendes Interesse allen auf die Hebung der Landwirtschaft Palästinas zum Besten der Wohlfahrt des türkischen Reiches gerichteten Bestrebungen. Mehr konnte von dem Besuche Wilhelms II. nicht erhofft werden. Was wir brauchen, um unser Ideal zu erreichen, ist neben unserer eigenen Kraft nichts Anderes als das „wohlwollende Interesse" der Mächtigen, das Wilhelm II. für seinen Theil uns feierlich bekundet hat. Wir meinen auch beweisen zu können, dass wir dieses Wohlwollen verdienen. Nicht als Müßiggänger, die in der Sonne lungern, gedenken wir auf den alten Heimatsboden zurückzukehren: uns haben fast zwei Jahrtausende unbarmherziger Geschichte nicht bloß leiden und darben, sondern auch arbeiten gelehrt. Und wir verhehlen uns auch nichts welche Arbeit unser harrt. Ja wohl, den Boden, der so lange brach gelegen, müssen wir auflockern, damit er für das Saatkorn empfänglich werde und wieder üppige Frucht trage. Wir lieben diesen Boden und wollen ihn warten, wie einst unsere Vorfahren ihn geliebt und gewartet haben. Man wird uns hinter dem Pfluge sehen und sich das Vorurtheil abgewöhnen, als ob wir zur Landbebauung nicht geeignet oder nicht geneigt wären. Wir wissen, dass Jerusalem aus dem Dämmerschlafe der Erinnerung sich

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.