Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 2 (1898)
- Issue
- 44 (4.11.1898)
- Article
- Die Goldschilds
- Date
- 1898-11-04
- Page
- 16 (sequence 2)
- Language
- German
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Seile iß Nr. Ü drehte beständig die breite Krämpe seines modischen Cylinderhutes zwischen den langen, dünnen Fingern. „Was verschafft mir die Ehre?" eröffnete Kohn die Unterredung, sich im vorneherein auf den Augenblick freuend, wo er dem Zudringlichen die Thüre weisen würde. Jsak lächelte verbindlich und versicherte, die Ehre sei ganz seinerseits. „Was führt Sie hieher?" wurde der Banquier deutlicher. „Eine wichtige Angelegenheit!" flötete Goldschild, unwillkürlich über sich selbst lächelnd. „Eine Angelegenheit, zu der ich zuerst Ihre väterliche Zustimmung einholen möchte." „Na — hören Sie mal!" platzte Kohn heraus. „Dass Sie mein Sohn sind — das wäre mir neu! Und was meinen Rath in Geschäften.* Jsak ließ ihn nicht vollenden. Er streckte die langfingerige Hand abwehrend gegen ihn aus und rief großartig: „Herr Kohn — es handelt sich heute nicht um Geschäfte!" „Nicht um Geschäfte?" „Nein!" versicherte Goldschild energisch. „Es handelt sich um einen Hcrzcnsbund! Während Ihres Aufenthaltes in Paris hatte ich die Ehre, Ihr Fräulein Tochter zu sehen. Kurz und gut — Herr Kohn — ich bitte Sie um die Hand Fräulein Adele's." Ter Banquier war mit wachsendem Erstaunen der Rede gefolgt. Während der ersten Worte hatte er die dicke Zigarre aus dem Mundwinkel in die Hand genommen, bei dem letzten Satze jedoch sie resigniert in die Afchenschale gelegt. „Lieber Herr," erklärte er dann sehr einfach, in völliger Uebereinstimmung mit Moritz Osterheim, „Sie sind verrückt!" „Verrückt? — Wieso?" protestierte Jsak. Kohn lehnte sich in seinen Stuhl zurück und kreuzte die Hände über seine Weste. „Meine Tochter kennt Sie kaum! Weshalb sollte ich sie Ihnen zur Gattin geben? Siud Sie denn überhaupt in der Lage, die Kosten eines Hausstandes zu bestreiten? Ich weiß — Sie beziehen ein hohes Gehalt. Aber das ist doch nur von heute auf niorgen. Nein — nein Herr — einem Buchhalter gebe ich mein Kind nicht!" Nun aber setzte Jsak eine gekränkte Miene auf. „Herr Kohn!" rief er lebhaft „Sie sind nicht berechtigt, mich für genügend dumm zu halten, dass ich als Privatbeamter um ihre Tochter werben würde!" Den Frankfurter schien die Sache zu belustigen. „Was sind Sie denn?" fragte er ironisch. „Ich bin der Compagnon der Firma Osterheim!" Jsak gab die Erklärung mit gutgespielter Bescheidenheit ab. Gleichzeitig zog er ein sorgfältig zusammengefaltetes Papier aus der Brusttasche und überreichte es dem Banquier. Eine gute Weile herrschte lautlose Stille im gothischen Gemache. Herr Kohn überdachte die Lage. Er fühlte, dass ein Schlag gegen ihn geführt werden würde, aber er sah noch nicht klar, wo der Hinterhalt lag. An die Liebe des kleinen Juden glaubte er natürlich keinen Augenblick. Plötzlich fragteer ganz verändert, fast ängstlich: „Sagen Sie mir ehrlich — Herr Goldschild — warum wollen Sie gerade meine Tochter heiraten?" „Weil keine andere Frau augenblicklich bester für mich passt!" erklärte dieser offen. „Und sie meinen — dass ich Ihnen mein Kind anvertrauen werde?" „Ich bin davon überzeugt!" Kohn richtete sich in seinem Fauteuil auf, legte die Hände auf die Lehne und sagte, seinem Gegner starr ins Gesicht blickend: „Wenn ich nun aber meine Einwilligung nicht gebe?" Auch Jsak war ernst geworden. Jeder Hohn, jede katzenartige Freundlichkeit wich aus seinem bleichen Gesichte. In diesem Augenblicke schien er ganz, was er war — ein geistvoller Mensch, den ein fürchterlicher, alles zermalmender Wille beseelt. Kalt und gemesten erwiderte er: „Dann sagt die Firma Osterheim & Comp, in einer Stunde Pleite an!" Unwillkürlich war er in den Jargon seiner Jugend zurückgefallen. „Was geht das mich an!" wehrte sich Kohn, mit seinem seidenen Tuche die Schweißtropfen auf der Stirne trocknend. — „Je nun — ein plötzliches Fallissement zieht oft ein anderes nach sich!" meinte Goldschild, die Achseln zuckend. Nun wusste der Frankfurter genug. Es war kein Entrinnen möglich. Der erbarmungslose kleine Jude kannte den Stand seines Vermögens und hielt den Zusammenbruch für unvermeidlich, falls ihn selbst die Katastrophe erreichte. Denn die geringste Stockung des Geschäftes, ein Aufflackern des Misstrauens entschied in diesem kritischen Augenblicke. Jsak Goldschild besaß zwar nicht die Macht zu retten, wohl aber die, zu vernichten. Die Kenntnis der Gefahr bildete sein Capital, das er nun in klingende Münze umzusetzen sich anschickte. Der Frankfurter Banquier war ihm mit gebundenen Händen ausgeliefert. So wie sich dieser Gewissheit verschaffte, inwieweit Jsak sich seiner Macht bewusst war, warf er die Maske weg und fragte fteimüthig: „Sie glauben, dass sich unser Haus retten ließe?" „Zwei Schwächen geben oft eine Stärke!" erwiderte Goldschild und, ein zweites Papier aus seiner Rocktasche ziehend, fügte er hinzu: „Hier ist meine Rechnung!" Der Banquier erhob sich und nahm die Schrift in Empfang. „Gut denn — in einer Stunde sollen Sie meine Entscheidung haben!" Damit reichte er seinem Gegner die Hand. Jsak lächelte siegesgewiss und verbindlich. Schon war er an der Thüre, als ihm Kohn nachrief: „Ja — richtig, lieber Jsak — wo sind Sie denn eigentlich abgestiegen?" „Im Schwane!" „Natürlich!" nickte der Banquier. „Es ist doch immer uoch der beste Gasthof! Sind Sie dort wenigstens gut aufgehoben?" Der kleine, böhmische Jude, der bisher nur in Dachstuben gewohnt und in den billigsten Schenken gespeist, zuckte wegwerfend die Achseln. „Es geht an! Mein Gott — Herr Kohn — auf Reisen darf man keine allzugroßen Ansprüche stellen!" (Fortsetzung folgt.) P öriestastkll der Redaktion. .Zionist, Lemberg. Nein. Das wäre eine Unwahrheit. Sie ist wirklich geblieben. Im Uebrigen bitten wir um Namensangabe, sonst können wir nicht mehr antworten. I. Melnik. Wir bitten Sie, uns den Inhalt Ihrer Karte zu wiederholen. Dr. S. Rubi«. Bitten um genaue Adresse. I. S. Buchhandlung Braumüller, Wien, Graben. I. W., Kiew. Ein wenig Geduld. Es wird bald klar werden. Z. O., Brody. Die gewünschten Auskünfte wird Ihnen die Buchhandlung Jacob B. Brandeis, Prag, ertheilen. PH. M. . . l, Czernowitz. Wir empfehlen Ihnen die Kataloge der Buchhandlungen: A. Faust, Krakau und Kaufmann, Frankfurt a. M. L. in C. Bericht nicht gekommen. Auch über Dr. K a h n's Anwesenheit keine Zeile. *2. Nur zionistische Nachrichten. Mer. in Wien. Ist natürlich nicht wahr. Unser Blatt wird nach wie vor in einer ansehnlichen Anzahl von Exemplaren hingeschickt. Herausgeber: D.Lsschmrrr. Berantw. Red.: Dr. Sirgm. Wrrnrr. Buchdruckerei »Industrie" (S. Bergmann), VIII., Schlöstelg. 11