Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 2 (1898)
- Issue
- 44 (4.11.1898)
- Article
- Wien [Nachricht] / -b.-
- Date
- 1898-11-04
- Page
- 14 (sequence 2)
- Language
- German
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Seile 14 Nr 44 liche Freunde des „Zion" werden hiemit zu demselben freundlichst cingeladen. — d. — Wien. Sonntaq, den 30. October hielt der literarische Geselligkeitsverein jüdischer Mädchen „Moria" seinen ersten Bortragsnachmittag ab. Ter Vortragende, Herr Dr. Siegmund Werner sprach über das Thema: „Der zweite Zionistencongress . in Basel und die jüdischen Frauen". Die Ausführungen des Referenten, welcher den Verein zu einer entschiedenen Stellungnahme zum Zionismus aufforderte, fanden lebhaften Beifall. Graz. A k a d e m i s ch e r Verein „Charita s". Tie am 22. d. vorgenommenen Neuwahlen in den Ausschuss ergaben folgendes Resultat: Obmann inir. I. Rose n st o ck, Obmann- «tellvertreter ii>^ G. P o l l a k, Cassier jur. I. Löwens o h n, Schriftführer jn-, I. F u ch s, Bibliothekar n^. H. Reumann. G ZkitschristkurMdschM. Tie in Chicago erscheinende „Tribüne" veröffentlicht in einer der letzten Nummern einen beachtenswerten Älrtikel über die zionistische Bewegung, Nach eingehender Besprechung der Nützlichkeitsgründc einer jüdischen Immigration für die türkische Regierung, versichert das Blatt, dass die Zionisten stets aus das größte Wohlwollen der einflußreichsten Christen der Bereinigten Staaten rechnen dürfen. Der Artikel schließt mit folgenden Worten: „Für die unterdrückten Juden in Europa muss eine Zufluchtsstätte geschaffen werden: Palästina ist hiesür am geeignetsten. Fast alle Staaten Europas dürfen darin eine befriedigende Lösung der Judenfrage erblicken und ihren Einfluß zu Gunsten der Idee geltend machen. Es sollten sich die Großjuden zu allererst zusammenthun und diesen Wunsch ausfprechen, und ihre Nation würde sicherlich in den Besitz ihrer historischen Heimat gelangen." W Vücherwrlt. Hebräische Conversations-Grammatik von I. R o s e n - b e r g. Verlag A. Hartleben, Wien, 1808. Wie cs um des Verfassers Meisterschaft im Lehren der anderen „modernen und semitischen Sprachen", deren „Professor" er sich nennt, bestellt sein mag, ist nicht unsere Sache zu untersuchen. Es mag ja sein, dass er diese Sprachen versteht und zu lehren weiß; hier handelt es sich bloß um ein „hebräisches Lehrbuch" und hebräisch versteht er, wie das vorliegende Buch zeigt, leider n i ch t. Alles ist nämlich in dem Buche vorhanden: Vorreden, Einleitungen in verschiedenen Schrift- und Drucktypen, Facsimilia von Inschriften, Briefen und allerlei sonstiger gelehrter Tand, nur nicht „hebräischer" Lehrstoff. Denn dieser Lehrstoff, der sich auf etwa üO Seiten (von 170!) beschränkt, ist eher ein „Jargon" als „hebräisch" zu nennen, ist alles andere, nur nicht hebräisch! Wir wollen damit nicht getadelt haben, dass der Verfasser auch der „modernen" Richtung Ben-Jehudas und Grasowskis Rechnung getragen hat, oder, besser gesagt, tragen wollte. Was jene Herren gegen den Geist des alten classischen Hebräisch sündigen, können sie verantworten, da sie sonst a'.s tüchtige hebräische Schriftsteller bekannt sind. Schwerlich dürsten die Herren Neuerer ein Lehrbuch der hebräischen Sprache als „in ihrem Sinne abgesasst" anerkennen, das nicht einmal die elementarste Orthographie beachtet und in Bezug auf das Sprachmaterial jenes Jargonidiom der Jerusalemischen L-ephardim als grundlegend betrachtet. Ja, nicht einmal Orthographie, diese primitivste aller Anforderungen, die man heutzutage an die jungen Besucher der Volksschulclassen zu stellen pflegt, kennt dieses Lehrbuch. Es klingt unglaublich und doch ist es so. Fand es ja auch ein bedeutender Professor der orientalischen Sprachen an der hiesigen Universität, der von manchem sonderbaren Zeug in diesem Buche hörte, unglaublich, dass eine so bedeutende Verlagsanstalt in einer Stadt, wo außer der orientalischen Lehrkanzel an der Universität auch noch ein Rabbiners e m i n a r besteht, keinen verlässlicheren Hebräer zu finden wusste, als eben diesen Herrn, der jerusalemischen Jargon schreibt, nicht einmal die Orthographie des Hebräischen kennt, und einen bekannten Bibelvers (Eecles. 7. 2<>.) nicht richtig zu cilieren weiß! M. H. Wie es Licht geworden! Roman in 2 Bänden von Marie Louise v. Suttner. Verlag von E. Pierson. Leipzig und Dresden, t *08. Die schlichte und doch so innige Erzählung der Schicksale und Wandlungen, die unsere Heldin — wohl die jugendliche Verfasserin selbst — durchgemacht, muthet uns an, wie ein Kranz schöner und dusliger Blumen: da sind alle vertreten von der einfachsten Feldblüthe vis zur tiefglühenden rothen Nelke, eine wahre Auslese der reinsten und hehrsten Empfindungen, mit vielen schweren und tiefen Gedanken.... Dass es Suttner'scher Parfüm ist, der dem poetischen Strauße entströmt, ist eigentlich überflüssig hinzuzusügen In ergreifenden , Bildern wird die Klostererziehung bloßgelegt, welche unseren aristokratischen Fräulein zutheil wird, wie' mit Raffinement auf das arme, hilflose Kindesalter, dann aber auf die lebhaft emporschießende Phantasie der in der gefährlichen Entwicklungszeit begriffenen Mädchen eingewirkt wird; anstatt dass Geist und Gemüth gebildet, werden nur krankhafte Auswüchse erzeugt, die nebst allen übrigen seelischen Verkümmerungen bis zur Körperverstümmelung hindrängen. Meisterhaft wird nebenher der typische Antisemitismus des jungen in Vorurtheilen und Unwissenheit herangewachsencn aristokratischen Vetters gegeißelt, der endlich, jedes Haltes bar, als Trinker verkommt. Im Gegensätze zu ihm entwickelt ein junger feuriger und edel angelegter Aristokrat in großen Zügen die friedlichen Ziele der Menschheit und die Aufgaben der Aristokratie. — Dazwischen aber hatte das in der Oede des Klosters hinsiechende, bereits verbildete Gemüt der Dulderin durch einen Freund des Vaters Aufklärung und Erkenntnis erhalten, vor Allem die Freude an der Natur gelernt. Die rasche Erschließung des jungen Herzens zeitigt aber eine schöne Blüte: die reine Liebe zu ihrem Lehrer, welche denn auch in vollstem Maße erwidert wird. Als der unbarmherzige Tod das schöne ideale Verhältnis entzweigerissen hatte, schließt sie sich in ihrem Schmerze umso inniger an ihre ebenso edel denkende Tante an, die gleich ihr schon so viel tiefes Leid erfahren. Beide geloben sich nur Gutes und Erhabenes als ihr Lebensziel anzuerkennen und zu verfolgen. F. P«. E. Bnchrre inlauf. Politischer Zionismus und die Colonisation Palästinas. Von Siegmund Bromberg. Verlag des Verfassers. Tarnow. 1898. Jahresbericht der Landcs-Rabbinerschule in Budapest für das Schuljahr 1807- 08. Mit dem vorangehenden Bericht: Das a l t j ü d i f ch e Z aub erwrsen von Prof. L ud w i g Blau. Budapest. 1808. 2^ Feuilleton. Gene Fahrt im Heilige Fand. Reiscbilder von Dr. Heinrich Locwe. (Nachdruck verboten.) I. Von Berlin nach Constantinopel. So oft ich auch bis jetzt schon das Heilige Land besucht habe, das Land unserer so herrlichen Vergangenheit, wie sie kein zweites Volk der Welt gekannt hat, so muss ich doch gestehen, dass diesmal vom Anfang an meine Reise mir mehr Jntereffe einflößte als meine anderen Reisen ins Land Israel. Es war mir gelungen, eine wenn auch noch kleine jüdische Gesellschaft zustande zu bringen, um die Stätten rinseres alten Volksthnms zu besuchen, von denen wir überzeugt sind, dass uns einst dort eine herrliche Zukunft erblühen wird. Das Land, das uns so lieb war seit den Tagen unserer Kindheit, das wir ans den romantischen Erinnerungen mit glühender Liebe umschließen, aus der Zeit her, wo wir unsere Ideale einzig aus dem großen braunen Folianten schöpften, ist das Ziel unserer Fahrt. Nicht allein sehen soll ich es, ich darf es anderen zeigen, Juden darf ich es zeigen, die es sich als ihre höchste Ehre anrechnen, dem Volke zu entstammen, das schon in uralter Zeit den ersten Theil unserer Cnltnr, die ethische Cnltur, geschaffen hat. Die glühende Sehnsucht, die uns treibt, das Heilige Land zu schauen, lässt uns auf dem Wege Betrachtungen anstellen, die uns sonst fern gelegen wären. Unwillkürlich fühlen wir uns veranlasst, Vergleiche zu ziehen, die nicht immer zugunsten der Gegenwart ansfallen. Wir durchqueren mit der Bahn Länder, wo der Jndenstamm in großer Zahl lebt, und wo ihm vom Gesetze die Gleichberechtigung mit seinen Umwohnern: gewährleistet ist. Darum ist er aber doch nicht frei! Wir finden in Wien ein Volk, das, kaum dem Ghetto entwachsen, es nicht immer verstanden hat, ein geistiges Gleichgewicht zu halten, das einher-