Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 2 (1898)
- Issue
- 44 (4.11.1898)
- Article
- Du Paty einst und jetzt
- Date
- 1898-11-04
- Page
- 10 (sequence 2)
- Language
- German
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Seile 10 J»WdC Nr. 44 grausam ermordete.' Aus das Zeugnis einer Dieustmagd hin, die sich während der Mordscene zu verstecken gewusst hatte, wurden siebert Pfalzburger Einwohner verhaftet und nach kurzer Verhandlung vom Justizhos in Metz verurtheilt, und zwar vier zum Tode, drei zu lebenslänglicher Galeerenstrafe. Nach achtzehn Jahren wurden die wirklichen Thäter entdeckt und ihrer Strafe zugeführt. Es handelte sich nun darum, die drei zu 1)eu Galeeren Berurtheilten zu rehabilitieren. Zu dieser einfachen und selbstverständlichen Formalität konnte sich aber das alte Frankreich ebenso wenig entschließen, wie das Frankreich unserer Tage. Da nahm sich im Jahre 1788 ein energischer Advocat der Sache an und beantragte beim königlichen Conseil die Revision des Processes. Unglücklicherweise starb der Advocat bald darauf, es kam die große Revolution, und die Sache schlief wieder ein. Erst im Jahre 1805/ nach vielem Hin- und Herschreibeu der Justizbehörden, wurde vom Obertribunal in Naucy entschieden, dass das Urtheil des Metzer Gerichtes vom Jahre 1769 zu cassiereu sei. Jener Advocat aber, den sein Gewissen antrieb, einen Justizirrthum gutzunracheu und für unschuldig Berurtheilte einzutreten, führte den Namen: Du Paty! Jüdische Lehrerinnen. In Berlin ist eine 'Anzahl jüdischer Lehrerinnen, die das Ordinariat ihrer Classe hatten, obwohl sie es theilweise seit 20 und mehr Jahren ausgeübt haben, entsetzt worden mit der ausdrücklichen Motivierung, dass sie jüdischer Religion seien. Die Angelegenheit wird in der Stadtverordnetenversammlung zur Sprache kommen. Der deutsche israelitische Gemeindebund hielr am Sonntag, 16. October in Berlin seinen achten Gemeindetag ab Namens des geschästsführendeu Ausschusses begrüßte Professor Tr. Philippson die erschienenen Gemeindevertreter. Ziun Versitzenden wurde der Vertreter der Berliner Jüdischen Gemeinde, Rechtsanwalt Dr. Fnchs gewählt. Den Geschäftsbericht über die Bundesthätigkeit in der Zeit von 1896—1898 erstattete Prof. Tr. Philippson. Der Redner richtete einen Appell an die jüdischen Gemeinden, den Bund mehr als bisher zu unterstützen. Noch sind 800 jüdische Gemeinden ohne Religionsunterricht, von denen bei den unzureichenden Mitteln des Bundes nur 120 bis 130 unterstützt werden können. In manchen Provinzen sind zwei Drittel der Lehrer nicht staatlich geprüft, vielfach sogar Ausländer, die nicht einmal richtig deutsch sprechen können. Die Petition des Gemeindebundes an den preußischen Cnlmsminister, betreffend die Einführung des jüdischen Religionsunterrichrs in sämmtlichen öffentlichen Schulen Preußens, wo ein Bedürfnis dafür vorliegt, ist bis jetzt unbeantwortet geblieben. Dagegen habe der Ministerialdirector D. Kügler einer aus Mitgliedern des 'Ausschusses und der Lehrerabtheilnng zusammengesetzten Deputation die Zusicherung gegeben, dass das Ministerium in jedem Einzelsalle möglichst im Sinne der Bundespetition verfahren und aus seinem Dispositionsfonds jenen jüdischen Gemeindeu, die mindestens zwölf schulpflichtige Kinder zählen, einen Zuschuß gewähren wird, falls sie weder aus eigenen Mitteln, noch aus denen der städtischen Gemeinden erhalten werden können. Eine lebhafte Debatte veranlagte der folgende Punkt, die „Neuregelung der rechtlichen Verhältnisse der jüdischen Gemeinden Deutschlands". Es wurde folgender Antrag angenommen: „Ter achte Gemeindetag beschließt, den Ausschuss des Gemeindebundes zu beauftragen, eine Engnäre über die rechtlichen Verhältnisse der jüdischen Gemeinden Deutschlands zu veranstalten und unter Berücksichtigung des hierdurch gewonnenen Materials einen, der königl. Preußischen Sraarsregiernng zu unterbreitenden Gesetzentwurf zur 'Abänderung des Judengesetzes vom 23. Juli 1847 und der übrigen derzeit im preußischen Staatsgebiet geltenden Judenorganisationsgesetze auszuarbeiten". — Nach Wiederwahl des Ausschusses wurden die Verhandlungen geschlossen. .Hriihmct, jüdische (>öeichichtsIchreiber I Ein sicherer O'M a d h a u u More berichtet dem „ I >;i!> lin E v e. n i n £ IC x p ress“ folgende Entdeckungen: „Ich habe nie daran gezwcifelt, dass der Stamm der Makkabäer noch nicht ausgestorben sei und dass er in der Gegenwart durch die M'Cabes repräsentiert werde. Hiberius und Hibernia hängen mit Heber, dem Ahnherrn der Hebräer, zusammen, Heremon mit dem Berge Hernwn. Die Tuatlia de Danaan waren Nachkommen von Dan, Terah und Nahor und leben wieder auf in den Tearanages. Der in Irland häufig vorkommende Name Shenrus weist deutlich auf Sem, und Naomi wusste, was sie that, als sie sich Mara nennen ließ, denn durch diesen Namenwechsel kanr sie zu einer zahlreichen schottischen Nachkommenschaft, die den Namen der Ahnfrau pietätvoll fortpflanzt." Ter gelehrte Forscher hätte hinzufügen sollen, dass unter diesen Umständen die Alien Bill ein Act atavistischen Renegatenhasses ist. Eine Hochburg des Liberalismus. Wie der „Mährische Volksfrennd" mittheilt, haben dieser Tage die Statuten eines „Landesverbandes der christlichen Deutschen Mährens" die Bestätigung erhalten. Vombenaiteniat auf den Tempel. In dem Olmützer Gasthaus „zum rothen Stern" fand mau eine, mit Henkeln zum Tragen versehene, mit Dynamit und Eisenstücken gefüllte Bombe. Die Ortsbehörden nehmen an, dass der Fund noch von dem letzten Bombenattentat gegen die Synagoge herrühre. Personalnachrichl. Herr Dr. philosophiae Wilhelm Klauber, welcher seine Gymnasial- und akademischen Studien mit der Erlangung des Doctorgrades der philosophischen Facultät an der k. k. Universität in Prag vollendet hat, seine theologischen Studien an der Hochschule für die Wipenschast des Judenthums in Berlin begonnen und an der israelitisch-theologischen Lehranstalt in Wien absolviert hat, wurde zum Rabbiner und Prediger der israel. Cultusgemeinde Lichtenstadt und Umgebung gewählt. P Dir siomUche Kemgung. Wien. Ter Einzelverein „Favorite n" des Verbandes „Z i o n" veranstaltete Donnerstag den 16. v. M. eine Vereinsversannnlnng, in welcher der Delegierte dieses Bezirkes, Herr Dr. Mar Rosenthal, ein Referat über den II. Baseler Kongress hielt. . . In ausführlicher Darstellung gab der Vortragende ernBrld über den Stand der zionistischen Bewegung und suchte den Wert des im ersten Jahre dec zionistischen Thätigkeit Errungenen in der Organisation der Partei und in dem Versuche der Gründung einer jüdischen Eolonialbank näher auszuführen. Bei der Skepsis, mit der die jüdische Wiener Bevölkerung den zionistischen Bestrebungen gegenübersteht, muss die allseitige Zufriedenheit mit dem bereits Geleisteten hervorgehoben werden, welche die nachfolgenden Redner den Ausführungen des Referenten ausdrückren. Der Abend schloß mir der Aufforderung des Verenrspräsidenten, sich zahlreich an den Zeichnungen für die jüdische Eolonialbank zu betheiligen. Wien. Montag, 7. November, um 8 Uhr abends findet eine Besprechung der Vertrauensmänner des VI. und VII. Bezirkes in Löbel's Restauration, VI., Schmalzhofgasse 10, statt. Wien. Samstag, 12. November findet die __ constituicrende Versammlung der Ortsgruppe Mariahilf-Neubau statt. Lemberg. In der letzten Generalversammlung des Vereines .,0 Civs c li6 i üehlom Zi o n“ in Lemberg wurde Herr Oberrabbiner I. Sch welkes zum Ehrenpräsidenten, Herr Tr. Munk zum Präsidenten. Herr I. Philipp zum I. Vicepräsidenten,Herr I. L. Lipschitz zum II. Vicepräsidenten und zum Schriftführer Herr I. Hoch seid gewählt. Als Ausschussmitglieder die Herren: Leon Wahl, I. Kahane, 4L Winck, I. Meth, 4t. Schorr, S. Melzer, S. Ornstein, I. Jawrower, I. Acht, S. Languas und als Ersatzmänner die Herren: M. Maus, I. Menkes, D. Hand, H. Eepsz, M. D iamentenstein, A. Taube und als Schiedsrichter die Herren: Leiser, Jinerdauer, R. W. Nagel, E. Grabscheid, I. Hermelin und 5. Schorr gewählt. Es wurden folgende Beschlüsse gefasst: 1. Für Schekel ist jedes Mitglied verpflichtet, 5o kr. jährlich einzuzahlen. 2. Beitrag zum ausschließlichen Zwecke der Eolonisation, deren Bestiinmuug für späterhin erfolgen wird, 50 kr. jährlich. 6. Jede li Tage Eomitäsitzungen. 4. Agitationen einzuleiten. r>. Jeden Samstag und Sonntag Abends Vereinsabende und Discussionen, sowie zionistische Vorträge. Bis jetzt zählt dieser conservalive zionistische Verein circa 2>0 Mitglieder. Julius H o ch f e l d.