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Die Welt · 1898-10-28 · 43 (28.10.1898) · p. 14

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Journal
Die Welt
Volume
2 (1898)
Issue
43 (28.10.1898)
Article
Wien [Nachricht]
Date
1898-10-28
Page
14 (sequence 1)
Language
German
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«Sette U Str 48 Dttkmsmchnlhtk«. Wie«. In der am 15. d. M. stattgefundenen Plenarversammlung des jüdisch-akademischen Vereines „BarKochba" wurden folgende Herren in den Ausschuss gewählt; Nied. St. Bardach zum'Präses, phil. D. Rothblum zum Vicepräses, pdU. F. Wasch itz zum I. Schriftführer (deutsche, phil. M. M ehrer zum II. Schriftführer (hebräisch), toel^n. I. W e i ng r ü n zum Cassier. Wien. Jur jüdischen Arbeiter- und Privatangestelltenverein „A ch w a h" ,11., Große Schiffgasse 24, Restaurant B r e sn i tz) hält am nächsten Samstag den 20. d. M. 8 Uhr abends, Herr Schriftsteller M. Berkowicz einen Bortrag über „S o c i a l e t h i k i m T a l m u d". Die Mitglieder und Gesinnungsgenossen werden um zahlreiches Erscheinen ersucht. Wie«. Der literarische Gesclligkeitsverein jüdischer Mädchen „M o r i a" hält am 30. Oktober, 3 Uhr nachmittags in seinem Locale"777' Cchottenring 23 «„Union", eine Versammlung ab, in welcher Herr Tr. S i e g m u n d Werner über das Thema „Der Baseler Eongress und die jüdischen Frauen" sprechen wird. Jüdische Mädchen und Frauen werden zu diesem Vorträge höslichst eingeladen. Wien. Der Verein jüdischer Mädchen „H a d a s s a" wurde am 10. d. von seiner Präsidentin Frl. Berta Schulmann mit ^einer solennen Trauerkundgebung für unsere Kaiserin eröffnet. An die würdige Feier schloß sich ein mit außerordentlichem Bei- \fall aufgenommener Vortrag von Herrn Armin Friedman n über den Lieblingsdichter der verewigten hohen Frau, „Heinrich Heine in seiner poetischen Werkstatt". Hierauf las die Vicepräsidentin Frl. Caroline Lederer einige Gedichte Heine's und erzielte damit einen vollen Erfolg. — Der nächste Vortragsnachmittag findet am 30. d. im Sitzungssaale der israel. Cultusgemeinde statt und sind Gäste herzlich willkommen. Herr B. T a g wird über das Thema „D e r Z u g nach P a l ä st i n a" sprechen. Braila. Der Leseverein „Zion" hielt am 23. October a. c. das Einweihungssest seines neuen Locales ab. Bei dieser Gelegenheit wurde auf die Wichtigkeit der geselligen Zusammenkünfte der Juden und der Annäherung der gesellschaftlich verschiedenen Elasten hingewiesen und dem Wunsche Ausdruck gegegeben, dass auch dieser Zweig der Organisation der Judenschaft besser als bisher überall gepflegt werden möge. Das Einweihungsfest verlies glänzend. Der „Zion" hat damit seine Zusammenkünfte wieder begonnen und hofft in diesem Jahre ein reiches Programm bieten zu können. P ZeitschnstellMlldscha«. Zwei demokratische Organe, ..Nowa Reforma" «ab „Prz giad Wszechpolski-, nehmen in folgender Weise Stellung zur Enquete der „Israelitischen Union": Tie .Nova Rcformr schreibt, ihre Ausführungen resümierend : „Der Fragebogen der „Union" ist geradezu e i n A n k l a g e a c l der ganzen Gesellschaft unseres Landes, seiner autonomen und staatlichen Behörden. Und die Fragestellung, ob es nicht thunlich wäre, zugunsten der jüdischen Bevölkerung galizischen Grund aufzukausen nach dem Modus der preußis ch e n E o l o n i s i c r u n g s c o m m i s s i o n *), muss in Erstaunen setzen durch die monströse Infamie der „Union". Es ist dies einfach eine Verspottung der polnischen Bevölkerung, cs ist ein Schimpf, zugeschleudert an die "Adresse der polnischen Bevölkerung. Mag doch die „Jsr. Union" über ihr obiges Programm rathschlagen, so viel es ihr beliebt, aber sie habe nicht die wilde Prätension, sich als G e r i ch t s t r i b u n a l a n z u s e h e n, vor welches polnische Abgeordnete berufen würden als angeklagte Partei. Denn nur eine solche Rolle würde den von der „Union" eingeladenen Volksvertretern zutheil werden. Wir erlauben uns überdies stark zu zweifeln, ob sie von dieser Einladung Gebrauch machen werden, sobald sie Einblick gethan haben in das Programm, welches nur dahin abzielt, eine Frage, welche immer schärfer in den Organismus unserer Gesellschaft sich einfrisst, nur brennender zu gestalten." Ter ,1 W'szpfhpolski" äußert si< folgendermaßen: , „Die „Wiener Jsr. Union" arrangierte auf eigene Fau eine Untersuchung der jüdischen Frage in Galizien, indem s vielen Personen, unter anderen mehreren polnischen Abgeordnett einen Fragebogen zuschickte. — Man konnte von vornherein tu *) Anmerkung: Zum Schaden besitzet. der polnischen Grundnehmen, dass der Fragebogen parteiisch formuliert würde, .aber nachdem wir ihn durchgelesen haben, sehen wir, dass er redigiert ist mit einer Frechheit, welche das Maß gewöhnlicher Nachsicht erschöpft. So z.B. spricht sich § 10 aus über die agrarische Colonisation der Juden im Lande und stellt die Frage: „wie dieselbe durchzuführen wäre, ob das System nach Art der preußischen Regierung im Posenschen praktisch wäre", oder mit anderen Worten, es bedeutet einen Aufkauf größeren polnischen Eigenthums und Parcellierung desselben unter jüdische Colonisatorcn, die man mit Privilegien und Begünstigungen mancherlei "Art beschenken würde. Im Uebrigen unterstellt eine jede Frage des Programmes eine für die Juden günstige Antwort. (!) Mit der LLsfigkeit und Naivetüt der polnischen Abgeordneten rechnend, werfen die Schöpfer des Fragebogens im letzten Paragraph die Maske ab und fragen offen: 28: "Halten Sie die Organisierung der galizischen Juden für zweckentsprechend, und wenn ja, soll die Organisierung auf politischer, nationaler oder auf Grundlage der bestehenden Eultusgemcinden erfolgen? Wir hegen die Hoffnung, dass kein Abgeordneter, kein echter Pole der Versuchung einer Aussicht auf zweifelhaften Ruhm erliegen wird und gar nicht den Fragebogen beantworten wird, da dieser Zeugnis äblegt von der unverschämten Arroganz des jüdischen Elements in seinem Verhältnis zur polnischen Gesellschaft." „Przyszlosc”. Zu dieser Kritik'vergleiche Nummer 41 der „Welt" : Eine Enauöte. B. 8. P Büchrrwelt. „Achiasaf". Literarischer und praktischer Kalender für das Jahr 5050. VI. Jahrgang. Verlag „Achiasaf", Warschau. Zu den besten Leistungen der literarischen Gesellschaft „A ch i a s a f" gehört, neben der von derselben herausgegebenen Monatsschrift „HaschiLoah", der Kalender, dessen VI. Jahrgan uns vorliegr. Mit Recht nennt sich dieser Kalender zuerst „literarisch" und dann „praktisch". Sticht nur weil der literarische Theil bedeutend vorwiegt, sondern auch, weil das Buch dazu bestimmt ist, eine stark empfundene Lücke in der neuhebräischen Literatur auszufüllen, die seit dem Eingehen der in den letzten 15 Jahren gegründeten Jahres- und Sanunelschristen entstanden ist. Wie in den vorangcgangencn- Jahren finden wir auch Heuer in diesem Kalender eine Reihe tüchtiger Kräfte aus allen Literaturzweigen beisammen; diese Reihe ist noch durch zwei Männer verstärkt, die sich ihren Namen außerhalb der hebräischen Literatur erworben haben : Dr. N o r d a u und Dr. H e r z l, deren Beiträge für den Kalender von R. Brainin übersetzt wurden. Stach einem einleitenden satirischen Gedichte, mit welchem die Herausgeber, die diesmal selbst die Redacteure sind, den Kalender in die Welt schicken, führt Tr. Bernfeld einen Hieb gegen die Demokratisierung der wiedererwachten jüdischen Wissenschaft und des jüdischen Nationalbewusstseins. Es würde uns dies bei diesem Schriftsteller, der erst vor kurzem gegen die Nietzscheaner in der hebräischen Literatur ernstliche Worte des Kampfes gebrauchte, vielleicht Wunder nehmen, wenn wir nicht schon längst wüssten, wie leicht Herr Dr. Bern seid seine Schwenkungen von einer Anschauung innerhalb der jüdischen Publicistik zur anderen zu machen pflegt. Von anderen publicistischen Beiträgen sind zu erivähnen: S. R o s e n f e l d : „Zur Rabbinerftage in Russland"; A. S. Friedberg: „Erinnerungen aus vergangenen Zeiten", wo mancher scharfe Gegensatz zwischen der alten „guten" Zeit und der heutigen zugunsten der ersteren hervorgehoben wird. In einem größeren Austatz liefert Dr. M. I. B e r d i t s ch e w s k i eine Charakteristik dreier Gruppen von je zwei Männern der Gegenwart, die für die Regeneration des Judenthums arbeiten. Es sind dies die zionistischen Führer He rzl und Nord au, die beiden zionistischen Schriftsteller Birnbaum und L u b l i n s k i und die hebräischen Publicisten Achad-haam und Ben- I e h u d a. Ganz originell und höchst zutreffend ist die Beurtheilung dieser sechs Persönlichkeiten und die Würdigung ihrer Individualitäten, die Berditschewski aus ihren verschiedenen Schriften (zionistischen Inhaltes) ableitet. Weniger interessant ist ein Aussatz Klausner's „Ueber den Ursprung von Herzl's zionistischer Arbeit", der nichts anderes enthält, als eine Wiedergabe von Bah r's Besprechung des „Neuen Ghetto". In einem großen sprachlich und rythmisch vollendeten Gedichte beklagt der bekannte Lyriker A. S ch a p i r a die trostlose Lage des jüdischen Volkes. Sonst sind von dem belletristischen Theile nur noch eine satyrische Novelle B r a n d st ä t t e r's aus dem galizischen Leben und ein recht stimmungsvolles Bild aus dem Leben der Talmudjuden von Feuerberg als gelungene Arbeiten zu nennen. Diesen schließt sich würdig ein gediegenes Feuilleton L e w i n s k y's am H e r z l gibt in kurzgefasster Form ein Resumä seiner Gedanken über die Zukunft des jüdischen Volkes, während

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