Mannheim
Compact Memory

Die Welt · 1898-10-28 · 43 (28.10.1898) · p. 10

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Welt
Volume
2 (1898)
Issue
43 (28.10.1898)
Article
Dr. Dünner, der Oberrabbiner von Holland
Date
1898-10-28
Page
10 (sequence 2)
Language
German
Belongs to
chapter
OCR quality
93% known words query
IRI
…/3315709-3315742-3315786--08754-3363873
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

2 entity mentions

Sette 10 J?ie^WdC Str. 43 unter den holländischen Juden Eingang gefunden, vorläufig aber, wie das Blatt mit „Sarkasmus" hinznfügt, noch keinen bedeutenden Fortschritt gemacht. — Hoffentlich meldet das „Weekblad" bald weitere Entdeckungen! Die Zustände in Argentinien werden mit jedem Tage ärger. Täglich laufen Berichte ein über die traurige Lage der Colouisten, täglich erneuern die Beamten in „Moisesville" ihre Scandale. Der moralische Zustand ist infolgedessen ein sehr tiefer und spottet jeder Beschreibung, und doch rührt Niemand eine Hand, um denselben zu heben. In der Colonie gibt es keinen Rabbiner oder sonstigen religiösen Wegweiser, mit Ausnahme von einigen Schächtern, die ihre Pflichten nicht kennen. Acht Jahre hindurch gab es dort keinen Lehrer, der die Erziehung der jüdischen Jugend besorgt hätte; der einzige, der es that, der Prediger Rüben Sinai, wollte sich keinen Maulkorb anlegeu lassen und wurde deshalb aus seiner Stelle verdrängt. „Jew. Exp.“ Der unschuldige Iil;lan. Esterhazy verklagt den „Observer" auf Schadenersatz dafür, dass er die Mittheilung veröffentlichte, Esterhazy sei der Verfasser des Bordereaus. Der Anwalt Sir George Lewis hat die Vcrtheidigung des „Observer" in der Entschädigungsklage Esterhazy's gegen das genannte Blatt übernommen. Sir George Lewis glaubt, die Sache werde bald zur Verhandlung kommen, zumal Esterhazy noch in England sei. Er sagt ferner, der „Observer" werde kein Wörtchen zurücknehmen. Das Geheimnis des Mvnt-1?alstrien. „Journal des Dstbats" und der „Figaro" melden, im Mout-Valstrien zu Paris gehe etwas Ungewöhnliches vor. Sechs Berwahrnngsränmlichkeiten seien eingerichtet worden, eine davon beherberge einen Gefangenen, über den kein Aufschluss ertheilt wird; doch sei cs gewiss, dass er Offlcier oder Functionär derArntee sei. IVas ist ärger als Pest? Auf diese gewiss actuelle Frage hat der chrifilichsociale Abgeordnete Kletzenbauer eine Antwort formuliert: Aerger als die Pest ist - - die interconsessionelle Schule. Nach einem Berichte der „Bohemia" hielt am Sonntag die Pfarrgruppe „Maria Schnee" des Katholischen Bolksvereins im großen Saale der Sanct Weuzelvorschusscasse eine zahlreich besuchte Versammlung ab, in der Propaganda für die confessionelle Schule gemacht wurde. Es sprachen unter andern das Mitglied des Benediktiner Stiftes in Emaus P. Sattler und Abgeordneter Kletzenbauer. Letzterer bezeichnete unter andern die interconsessionelle Schule für gefährlicher als den Pestbacillus. Nette Plarate. Die französische Patriotenliga placatiert einen Aufruf, in welchem die Juden beschuldigt werden, die nationale Vertheidigung zu cvmpromittieren, die Ursache einer ökonomischen Krise zu sein und den Bürgerkrieg zu organisieren. Tie Franzosen werden hierauf aufgefvrdert, judenfeiudliche Kundgebungen zu veranstalten. Kalph Disraeli. Unlängst starb im hohen Alter von 90 Jahren der Bruder des berühmten Premiernrinisters Disraeli, Mr. Ralph Disraeli. Seit 1890, zu welcher Zeit er sein Mandat für das Oberhaus niederlegte, lebte Ralph Disraeli in vollständiger Zurückgezogenheit. Er war der Vater des Parlamentsmitgliedes Mr. Coningsby Disraeli. .7. W. Persanalnachrichten. Das Mitglied des Actionscomitös für das Kronland Bukowina, Herr Dr. Meyer-Ebner hat sich mit', Fräulein Adele Treister aus Chadaczkow verlobt. — Unser Gesinnungsgenosse Herr Adolf Stand hat sich mit Fräulein Lucie Buber aus Lemberg vermählt. m Die pomstischk Bewegung. Wien. Das Comite der Ortsgruppe „M ariahilf- 9t eub au" berief für Samstag den 17. d. M. eine Versammlung i ’>• Lob l's Restaurant ein. Die gewählten Räumlichkeiten erwiesen sich viel zu klein, so dass Hunderte Personen nicht eingelassen und auf eine nächste Versammlung verwiesen werden mussten. Nachdem der Eongressdelegierte vom Neubau, Herr Hermann König, die Versammlung in warmen Worten begrüßt hatte, trat er den Vorsitz an Herrn Dr. Karl L ö w i ab. Es referierte nun Herr Max Bernhardt, Eongressdelegierter von Mariahilf, wiederholt von stürmischem Beifall unterbrochen, in ausführlicher Weise über den Baseler Zionistencongress und Architekt Oskar Marmorek über die Lage der Huden in Oesterreich und über die nächsten Cultuswahlen. In scharfen Worten geißelte der wiederholt mit stürmischem Beifall belohnte Redner die in Wien herrschenden Uebelstände und verwies unter anderem darauf, dass die legale Vertretung der Wiener Juden thatsächlich kaum von zwei Percent derselben gewählt sei. Unter dem Eindrücke dieser Ausführungen nahm schließlich die Versammlung einstimmig eine Resolution an, in der sie sich auf den Boden des Baseler Programmes stellte und speciell für Wien das allgemeine Wahlrecht in den Eultusvorstand forderte. Nach Schluss der Versammlung vereinigten sich die Theilnehmer zu einer zwangslosen Unterhaltung, die noch lange Zeit alle zusammhielt. Tie Gesinnungsgenossen in Mariahilf, Neubau und den benachbarten Bezirken werden darauf aufmerksam gemacht, dass die Statuten der Ortsgruppe in kürzester Zeit genehmigt sein werden und Beitrittserklärungen schon jetzt von Herrn Hermann König, Y1L, Seidengasse 28, entgegengenommen werden. London. 7. October. Gestern abends wurde im Norden unserer Stadt eine neue zionistische Vereinigung gegründet, ,zngleich eine der ersten, die sich aus der M t t t e l c l as s e remitiert. Tr. G aster hielt eine zündende Einsprache, mit dem Erfolge, dass sich sofort 100 Mitglieder meldeten. I. de H aas wies darauf hin, dass auch die j ü d i s ch e Religion alles vom Zionismus zu erwarten habe. Erst das gesicherte Leben im eigenen Land ermögliche ungehinderte Religionsübung. Zionistische Tiscusfionsabende werden für alle Bezirke der Riesenstadt in Aussicht genommen. 9. de H. Ancona. In A n c o n a hat sich eine zionistische Vereinigung gebildet, welcher fast alle Juden der Stadt angehören. Zum Präsidenten des Comites wurde Herr Vito A n a u gewählt. Tunis. In Tunis hat sich eine zionistische Ortsgruppe gebildet, welcher die hervorragendsten jüdischen Bürger angehören. Zum Vorsitzenden wurde Gabriel A l l o u ch e, zum Sccretär Alcide B e n e ö 11 e gewählt. P CmesMde«;eu. Oesterreich-Ungarrr. Wierr. Die Wiener Juden.schaft steht vor den Eultuswahlen. Die Zionisten werden an diesen Wahlen theilnehmett, schon deshalb, um mit dem Stimmzettel knndzngeben, was sie über so viele ihnen nicht zusagende Zustände in der Cultusgemcinde denken. Es gibt viele Juden in Wien, welche mit der jetzigen Gcmeindewirtschaft nicht zufrieden sind. Wir wollen nur einige Punkte erwähnen, die sehr reformbedürftig sind, vor allem des Wahlrechtes. Die Erweiterung desselben ist dringend nöthig, die Reform des Censns unaufschiebbar; dieser Einsicht werden sich die billig Denkenden nicht verschließen können. Bei den vielen Arbeiten, welche der künftige Cultusrath zumindest in Angriff nehmen, wenn schon nicht durchführen muss, wird die Zahl der Vorstände sich als unzureichend erweisen. Selbst ein verstärkter Vorstand wird aber Agenden von größter Wichtigkeit nicht allein erledigen können. Wir verweisen nur auf die Armenpflege, die jetzt so sehr im Argen liegt und die im modernen Geiste ausgestaltct werden muss. Das Institut eines großen Armenrathes stellt sich als immer dringender heraus. Da aber der Cultusgemeinde zuverlässiges statistisches Material fast ganz fehlt, wird man an die Creierung eines statistischen Bureaus denken muffen, mit dem auch ein Arbeitsamt verbunden werden sollte, welches den vielen beschäftigungslosen Juden aller Arbeitskategorien eine unentgeltliche Arbeits- und Stellenvermittlung zu bieten hätte: denn von anderer, etwa von städtischer oder staatlicher Seite können sie darauf nicht zählen. Speciell für die minder-

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.