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Die Welt · 1898-10-28 · 43 (28.10.1898) · p. 6

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Journal
Die Welt
Volume
2 (1898)
Issue
43 (28.10.1898)
Article
[Ohne Titel] / E. R.
Date
1898-10-28
Page
6 (sequence 2)
Language
German
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J*#Wdr Nr. 48 Geschichte. Sie würden eher sterben, ehe sie sich abgewöhnen ließen, die Juden zu verspeisen. Und je näher sie dem Tode sind, mag er nun schwarz oder anders colorirrt sein, desto stärker ist ihr Heißhunger. Das liegt in der Natur der Sache. E. R. # BiomftrnfrrlTn-. Von Jacques Bahar. Dass der Zionismus in Frankreich noch keine Wurzeln gefasst hat und nur durch eine gründliche Umgestaltung des französischen Judenthums solche wird fassen können, darf nicht Wunder nehmen, wenn man die Berhältniste näher kennt. Wohl erfreuten wir uns am Congresse der Gegenwart von mehreren zionistischen Delegierten aus Paris, aber dieselben vertraten meist in Paris ansässige russische Brüder und nur wenige als Franzosen geborene Juden. Dass unter diesen letzteren bereits agitiert wurde und agitiert wird, braucht nicht erst hervorgehoben zu werden. Dr. N o r d a u hielt diesen Sommer über sein Berliner Thema, aber mit ganz anderen, seiner französischen Zuhörerschaft. angepaßten Argumenten eine meisterhafte, mit ungewöhnlichem Beifall begrüßte Conferenz. Später kam Bernard L a z a r e, der in seiner reizvollen mustergiltigen Sprache über die antizionistischen Protzen so umbarmherzig herfiel, dass diese, die sich auf eine ganz andere Haltung gefasst gemacht hatten, und infolgedessen zahlreich vertreten waren, nicht mehr wußten, wohin sie ihre Hände stecken sollten und aus reiner Verlegenheit noch lauter als die anderen klatschten. Beim Militär heißt das: Die Flucht — vorwärts. Es wäre ungerecht zu behaupten, dass diese Referate resultatlos geblieben seien. Sie haben alles geerntet, was sich eben auf dieser Pariser Erde ernten läßt, nämlich eine höfliche Neugierde, ein vornehmes Achselzucken und einige faule Witze, die sich bekanntlich als entzückend geistreich nmgestalten, sobald sie blague heißen. Leider kommt der französische Jude mit der jüdischen blague viel zu spät, denn hierin reicht er noch keinem Schnorrer das Wasser. Das ist aber immerhin ein nicht zu unterschätzendes Resultat. Der Gedanke, wieder Jude zu werden, musste ja den französischen Juden lächerlich Vorkommen, denn die Propaganda bedeutet ja, dass ihre Assimilationssucht lächerlich ist. Sie müssen daher doch entweder s i ch oder uns bespötteln. Indem sie uns dazu wählten, hielten sie sich für die Sieger, während sie eigentlich die Niederlage erlitten, die darin bestand, dass sie sich erst überhaupt die Frage stellen mussten, wer von beiden lächerlich sei. Ueber solche Anfänge braucht man sich nie zu kränken, lieber Verleumdungen und Schimpfworte aller Art auch nicht. Das schürt ja nur das heilige Fener und stärkt das Bewusstsein. Dass unsere Gegner zu den infamsten Lügen ihre Zuflucht nehmen, ist ebenfalls erfreulich, denn lieber sollen die, als unsere Freunde lügen. Nur muss man alle Gegnerschaft im Keime zu ersticken suchen, welche Prozedur diese Woche am „Univers israelite“ vorzunehmen ist. Der „Univers israelite" besteht seit 54 Jahren und betitelt sich: Organ für die conservativen Grundsätze des Judenthums. Augenscheinlich bewahrt dieses Consistoriumblatt seine jüdischen Principien in Conservenbüchsen auf, denn nichts ist unjüdischer als sein Antizionismus, und hätte es nur halb soviel gegen die Antisemiten gegeifert als jetzt gegen uns, so wäre es mit ihnen schon lange zu Ende. Einst gieng es so weit, den französischen Chauvinismus gegen uns aufzuhetzen, indem es, von Dr. Nord au sprechend, ihn seinen Lesern so vorstellte: „ Ein jüdischer Journalist deutscher Abkunft" u. s. w. und den blödsinnigen Artikel damit schloss: „Kurz und gut, Zionisten und Antisemiten, das ist ein und dasselbe Pack." Der eigentliche Conservatismus des.Univers israelite“ besteht also darin, das Judenthum des ganzen Universums in Elend und Schmach zu confervieren, und wäre es anstatt 54 Jahre, 19 Jahrhunderte alt, so hätte es gewiss seinerzeit dem Tito Vespasiano unsere Zerstreuung über das Universum behufs sicherer Conservierung ans Herz gelegt. Dieser jüdisch-katholische Familienanzeiger läßt sich nun aus Adrianopel einen geharnischten Artikel gegen den Zionismus schicken, worin der anonyme Schreiber die Abreise des französischen Rabbiners Seches aus Sofia beweint, die zionistische Thätigkeit in Bulgarien rügt, die „Alliance israelite“ (pour lavoriser le developpement de Fatheisme fran^ais en Orient) lobhudelt aus Anlass des Verbotes der Hazefirah in Adrianopel und dem ganzen Zionismus gar die Aufrichtigkeit abspricht. Schließlich parodiert er das bon mot von Balzac: „Die Geschäfte — das treibt man mit anderer Leute Geld'' und sagt: „Den Zionismus — das treibt man mit anderer Leute Blut". . . . Ich meine, dass man polemisch mit allem tändeln darf, — nur mit dem Worte „Blut" niemals. An ganz kleinen Blutflecken sind Parteien, Dynastien und Reiche zu Grunde gegangen. Alle Wohlgerüche der Rosenfelder Rumeliens, alles Rosenöl Adrianopels werden diesen blutbesudelten Artikel nicht wieder wohlriechend machen. Wie? Auf uns soll vergossenes oder zu vergießendes jüdisches Blut fallen? Wehe wenn jemals hier das Sündenregister der jüdischen Despoten aufgerollt und das Meer von Blut und Thränen sichtbar würde, das sie seit Jahrzehnten dem Judenthum verursacht haben. Waren es etwa Zionisten, welche die blutigen Excesie Algiers verursachten, seit Jahren wissentlich, systematisch mit dem Wahlwert der armen geknechteten Inden Schacher trieben? Sind es Zionisten, die den algerischen und französischen Autisemitismus wissentlich und wissenschaftlich pflegen und liebkosen, um sich aus ihm durch geschickte Verwendung der Abwehrgelder fette Renten zu machen? Sind es Zionisten, die von diesen Abwehrgeldern Unsummen an Antisemiten zahlen, damit ihre persönlichen Missethaten, die nicht wenig zu dem Ausbruch des Antisemitismus beitrugen, nicht veröffentlicht würden? Sind es dann Zionisten, die sich alljährlich Bergnügungstouren aus der Armencaffa leisten, Summen bis zu 20.000 Francs brutal in die Tasche stecken, — was sie hohnlachend eingestanden haben, — während das arme algerische Judenvolk täglich seine verhungerten Brüder nach dem Friedhof begleitet? Sind es Zionisten, die eine halbe Million Francs an ausgesprochen antisemitische Werke vom Bazar de la charite königlich hinwarfen und keine 80.000 Francs für die am Hungertuche nagenden algerischen Juden zusammenbrachten? Waren denn diejenigen Zionisten, welche sich weigerten, dem jüdischen Hauptmann Cremieux-Foü in seinem Duell gegen Drumont als Secnndsnten zu dienen und diesen wunderbaren, wie aus der Makkabäerzeit zurückgebliebenen jüdischen Helden wissentlich den Antisemiten Preisgaben und schließlich in Verzweiflung und Tod stürzten? Waren es Zionisten, deren wohlberechnete Feigheit den Cap itän Meyer unter seinen mörderischen antisemitischen Gegnern isolirte? Ja, Waren es denn überhaupt Zionisten die die jüdische Entrüstung und Widerstandslust jahrelang knebelten und erstickten und dadurch einzig das ruchlose antisemitische Unternehmen der Affaire Dreyfus ermöglichten? Was hatten die mit Zion gemein, diese Budgetnagethiere, die um ihre Ehren und Würden zu bewahren, das Gebrüll von: „Tod den Inden" wochenlang ohne Protest anhörten? Sind es endlich die Zionisten, welche drohenden Metzeleien in Paris, Lyon, Nantes und wiederum in Algier mit klaren Augen kommen sehen und sich gegen jede energische Maßregel sträuben, weil sie das vor ihren antisemitischen Kumpanen comprommitiren würde? Das jüdischen Publikum und mit ihm sogar das zionistische haben das Gehör noch lange nicht dazu vorbereitet, um

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