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Die Welt · 1898-10-28 · 43 (28.10.1898) · p. None

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Journal
Die Welt
Volume
2 (1898)
Issue
43 (28.10.1898)
Date
1898-10-28
Page
None (sequence 1)
Language
German
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Erscheint jeden Freitag. Zuschriften sind nicht an einzelne Personen, sondern an die Redaction oder Administration: Wien, IX., Türkenstraße 9, zu richten. Unfrankierte Briefe werden nicht angenommen und Manuscripte nicht zurückgesendet. Ungarn; halbjährig 3 fl. 6 Kr., ganzjährig 6 fl. 12 Kr.: Für das Ausland: Deutschland Mk. 70 Pf., halbjährig 6Mk.85Pf., Cmgland ganzjährig 14 Shg., halbjährig 7 Shg., Russland ganzjährig 7 R., halbjährig 3 R. 50 Kop., Schweiz, Frankreich, Italien, Türkei, Rumänien, Bulgarien, Serbien, Griechenland, Egypten ganzjährig 17 Frcs., halbjährig 8 Frcs. 50 Cts., Amerika ganzjährig 3 Doll. 40. Nr. 43.Wien, 28. OcLober 1898. 2. Jahrgang. M-U Preise der Anzcrsrn: Die viermal gespaltene Petitzeile 10 kr. Einzelne Nunnnern 15 kr. -n Vedartion und Administration: Wien IX., Türkenstraße 9. Telephon Nr. 8805. KkMgspreise: ää BIP“ Da Ende dieses Monats eine größere Anzahl von Abonnements ablauft, fo werden die Betreffenden erinnert, die Erneuerung rechtzeitig vorzunehmen» damit in der Iuffellung des Blattes keine Unterbrechung eiutrete. Die Adnriniüration. Die Kaiserlage in Jerusalem, Von O. Erter. Dichter find Propheten. Fast für ein orientalisches. Deutschland könne man das ehemalige Palästina halten, schrieb Heinrich Heine, indem er die geistigen Eigenschaften des jüdischen Volkes mit denen des deutschen verglich. Dieses Wort vom „orientalischen Deutschland" gewinnt in diesen Tagen einen merkwürdig lebendigen Klang. Sechzig Jahre und darüber ist es wie ein leerer Ton von den Lesern des Dichters überhört worden; jetzt gibt ihm ein Kaiser fast märchenhaft wundersamen Inhalt. Ja wohl, ein Kaiser weilt als Gast in den Mauern Jerusalems und es ist der Kaiser des mächtigen Deutschen Reiches, das einst scheinbar zugrunde gieng, um strahlend wieder aufzustehen. Als der Dichter Deutschland mit Palästina verglich, war er traurig, wie nur ein Dichter sein kann. „Denk' ich an Deutschland in der Nacht, so bin ich um den Schlaf gebracht." Und schwer wie das Geschick Deutschlands lag ihm auch das des „ehemaligen Palästina" aus der Seele. Nun ist Deutschland die große Macht in der Welt geworden, sein Kaiser ist ausgefahren, um auch im Morgenlande ein Bild dieser Macht zu entfalten, und in Jerusalem zeigt er sich in dem ganzen Glanze seiner Herrscherfülle und seiner eindrucksvollen Persönlichkeit. In dem armen Jerusalem, das nur reich ist an verblichenem Ruhm und an unsäglich traurigen Schicksalen? Die auf der Bank der Spötter sitzen oder in der nüchternen Leerheit ihrer Seelen von allem Großen, das geschieht, sich abwenden, mögen leugnen, dass es ein wunderbarer Athemzug der Weltgeschichte ist, den sie erleben: uns ist es trotzdem, als vernähmen wir das Wort des Propheten Jesajas: „Tröstet, tröstet mein Volk, spricht Gott/' und freudig wallt es in uns auf bei dem Gedanken, dass auch für das „ehemalige Palästina" wieder die Stunde gekommen sein könnte, da es erwacht, um ein gegenwärtiges Palästina zu werden,'in Arbeit und selbstgeschaffenem Wohlstand, in Frieden und — nach dem Worte des Dichters — in „Geistheit" blühend wie einst. Wir denken heute nicht an die Politik mit ihren wirr verschlungenen Fäden, wir denken nur an das Leid zweitausendjähriger brennender Sehnsucht, die unerfüllt blieb und doch nicht erloschen ist. Wie grausam und blutig hat man sie in uns ertödten wollen und es ist umsonst gewesen? Abfall oder Tod, gellte uns unter dem Feuerschein unserer Hütten, im Angesichte unserer hingemordeten Märtyrer das Mittelalter zu; Abfall oder Rechtlosigkeit stellte man uns in heller werdender Zeit anheim. Und fast hatte es den Anschein, als sollte an uns wahr werden, dass auch ein Volk trotz unvergleichlicher geschichtlicher Vergangenheit kläglich zugrunde gehen kann, wenn es die Thatsache seiner Heimatlosigkeit als eine unabwendbare Fügung hinnimmt. Jüngst noch plätscherten wir, unseres Volksthums vergessend, in dem seichten Fahrwasser der Emancipation und Assimilation, gleich Bettlern zehrten wir an dem kümmerlichen Brosamen der Duldung, dieweil uns Recht und Gleichachtung versagt waren. Doch empsindlicher wurde der Stachel, als auch die Duldung immer spärlicher und spärlicher wurde, und aus der Drangsal hervor blühten von neuem Volksgefühl und Heimatsverlangen auf. Jerusalem ward uns wieder die Stadt unseres Sehnens Palästina das Land unserer Hoffnung. Wer kann missverstehen, warum sich unsere Gedanken mit der Jerusalemfahrt des deutschen Kaisers verflechten, warum wir in ihr einen Lichtstrahl entdecken, der vielleicht auch unser Geschick erhellt? Wir haben aus dem Munde des Kaisers vernommen, dass Freundschaft und gegenseitige Förderung bestehen können „trotz der Verschiedenheit der Confession und der Rasse". Uns wurde bestritten, was der Kaiser für das Verhältnis zwischen dem deutschen nnd dem muhamedanischen Volke als selbstverständlich proclamiert. Und wir zweifeln doch keinen Augenblick, dass der Kaiser bei der vorurtheilslosen Denkart, die ihn ziert, kein Volksthum, keine Confession und Rasse ausnimmt von dem hohen Begriffe der menschlichen Gegenseitigkeit, der ihm vorschmebt. Schlecht verstehen ihn diejenigen, welche meinen, dass ausschließliches Gefallen an der Entfaltung persönlichen Glanzes oder einseitiger protestantischer Confessionalismus ihn zur Fahrt nach Jerusalem bestimmt haben. Die Erlöserkirche weiht er ein, aber auch die Klagemauer mit den frommen Gestalten, die sich betend und

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