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Die Welt · 1898-10-21 · 42 (21.10.1898) · p. 13

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Journal
Die Welt
Volume
2 (1898)
Issue
42 (21.10.1898)
Article
Dwinsk (Russland) [Nachricht]
Date
1898-10-21
Page
13 (sequence 2)
Language
German
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Nr. 42 Seite 13 darin gipfelten seine Worte. Das offene Eintreten des bei Christen und Juden angesehensten Mannes unserer Stadt für den Zionismus wird der Bewegung sehr zustatten kommen. Als dritter Redner sprach Herr Leon Slützau, der als Delegierter aus Warschau am Conareffe theilgenommen hat. Die feurigen hinreißenden Worte über den modernen Zionismus und den Congress entfesselten dermaßen die leidenschaftliche Begeisterung des Publicums, dass es sich nicht enthalten konnte, selbst im Tempel durch minutenlanges Händeklatschen und stürmische Hedadruse seiner Begeisterung Ausdruck zu geben. Zum Schluffe ächtete noch Herr Eisen stad t einen enthusiastischen Aufruf an das Volk, sich mit aller Kraft für unsere heilige Sache einzusetzen. Der Erfolg des Abends übertras alle Erwartungen. Kalnsz, 10. October 1898. Wir haben die Constituierung eines „Zion"-Vereines zu melden, welcher schon beim ersten "Anfänge 150 Mitglieder zählt, die sich aus allen Elasten und aus jedem Alter recrutieren. Als Präsident wurde Herr M. Mühlstein, als Stellvertreter Herr M. Lachs und in den Ausschuss die Herren I. R e i ß b e r g, M. S ch ö n s e l d, D. Spindel, I. A s'ch k en a s y, F. Schächter, F. Silber und I. Meller gewählt. Die Schekelsammlung hat bereits begonnen und die Freudensestgaben während der abgehaltenen „Hakufes" im Vereinslocale haben alle Erwartungen übertroffen. In den Vereinslocalitären wurde auch eine Lesehalle eingerichtet, und werden dort von Zeit zu Zeit zweckentsprechende Vorträge in hebräischer, deurscher und polnischer Sprache gehalten. Jassy, den 10. October. Am 2. Tage des Succothsestes statteten unsere beiden Delegierten Herr Dr. E. Lippe und Herr Jacob H i r s ch e n s o h n Bericht über den 2. Congress in Basel ab. Ter Ncuschotz'sche Tempel „Beth Jacob" war von Zionisten und Zionistinnen überfüllt und alle Anwesenden hörten mit gespanntestem Interesse den "Ausführungen der beiden Redner zu. Als besonders erfreulich ist zu erwähnen, dass die hiesige Bne-Brith-Loge „Srnnoil" aus Anordnung der Groß-Logc in Bucarest dem Zionismus unter die Sinne zu greisen und ihn zu verbreiten beschlossen hat. Es wurde auch der Beschluss gefasst, dass jedes Logenmitglied zugleich den Zionismus unterstützen solle. Der Schekel soll eifrig eingesammelt, und die Subscriptionen aus die Shares der jüdischen Colonialbank fortgesetzt werden. Unter der Leitung des sehr energischen und einflussreichen Präsidenten der Loge Herrn "A. S. G o l d e n t h a l können wir für den Zionismus das Beste erhoffen. Am Schemini A/.creth wurde im Reuschotz'schen Tempel „Beth Jacob" vor Beginn der Seelengedächtnisseier ein Requiem für die verstorbene Kaiserin-Königin von Oesterreich-Ungarn abgehalten. Die Feier erfolgte auf Jniciative der Tempelinhaberin, und wurde zur selben das österr.-ungar. Consulat geladen. Ter Herr Consul v. P o g a c a r und Herr Handel vom Consula's- Beamtenkörper erschienen um 10 Uhr im schwarz drapierten Tempel, wo sie vom Tempclvorftande und einigen Herren der österr.-ungar. Colonie empfangen wurden. Rach einem Präludium aus dem Harmonium executicrte der Chor unter der Leitung des Herrn Cantors Schächter das Schewiszi-Gebet, woraus' Herr Rabbiner Tr. Niemirower die Trauerrede hielt. Tie Worte kamen ihm aus dem Herzen und giengen auch zu Herzen. .Kein Auge blieb thränensrei. Rach der Predigt recitierte der Cantor mit dem Chore das El mol« Gebet, womit die Feier schloss. Der Herr Consul drückte dem Vorstande für die Einladung und das würdige Arrangement seinen Tank aus. A. D. W Comfpnknp. Oe st erreich-Ungarn. Wien Die vom jüdischen Arbeiterverein „Achwah" am letzten Samstag veranstaltete öffentliche Versammlung kann man ohne Ueberhebung als eine der erfolgreichsten für den Zionismus sowohl, als auch für den Verein bezeichnen. Der Referent, Herr Max Hi ckl-Brünn besprach in einer auderthalbstündigen glänzenden Rede den zweiten Baseler Congress und die zionistische Bewegung. Mit sichtlichem Jntereffe lauschten die circa 300, größtentheils dem Arbeiterstande angehörigen Theilnehmer der Versammlung den höchst interessanten Ausführungen des Referenten und als derselbe geendet, brach ein derartiger Beifallssturm los, dass der Vorsitzende, Herr Gr^P. gezwungen war, die Versammlung für einige Minuten zu unterbrechen. Als sich der Beifallssturm legte, wnrde die Discussion eröffnet. An derselben betheiligten sich seitens der anwesenden Gegner Herr Dr. L i s t s ch ü tz, welcher es unternahm, das „liberale Eurvpäerthum" zu vertreten und die Herren Neuner und Salzer, welche für die „Verbrüderung aller Menschen" eintraten. In sachlicher und schlagfertiger Weise wurde diesen Herren vom Vereinsmitgliede Herrn Weißberger und den Gästen, Schriftsteller Tag und Dr. Werner geantwortet. Aus der Anerkennung und dem Beifall, den die überwiegende Majorität der Versammlung diesen Ausführungen zollte, konnte man ersehen, dass die denkende jüdische "Arbeiterschaft die Wahrheit von der Lüge, die Aufrichtigkeit von der Verdrehung zu unterscheiden imstande ist. Dies beweist auch folgende vom Schriftführer Herrn Zobel eingebrachte und unter brausendem Beifall von der Versammlung zum Beschlüsse erhobene Resolution: „Tie am 15. October in Breuer's Saallocalitätcn tagende Versammlung des jüdischen Arbeitervereines „Achwah" nimmt den Bericht des Cvngressdelegierten Max Hickl mit großer Befriedigung zur Kenntnis. Die Versammelten sind hocherfreut, aus dem Berichte des Herrn Hickl von den großen Fortschritten der zionistischen Bewegung im letzten Jahre Kenntnis zu erlangen. Sie versprechen — durchdrungen von dem Gedanken, dass nur die Verwirklichung der zionistischen Idee imstande ist, das jüdische Volk aus zweitauseudjähriger nationaler und socialer Schmach zu befreien — alle ihre Kräfte für die Förderung dieser Idee einzusetzen." In vorgerückter Stunde schloss der Vorsitzende die Versammlung. Deutschland. Berlin. In den Kreisen der deutschen Juden, welche noch ein Interesse für das Judenthum empfinden, verfolgt man auch aufmerksam die Vorgänge in Wien, welche in einigen Schulen zu der Trennung christlicher und jüdischer Kinder geführt haben. Es ist bezeichnend, dass man in diesen Kreisen gar keine Besorgnis über die Folgen dieser antisemitischen Heldenthat zeigt. Im Gegentheil. Man hebt meist hervor, dass diese Separierung der Schulkinder, vorausgesetzt, dass dieselben von gutjüdischen Lehrern erzogen werden, ebenso sehr den Kindern als überhaupt dem Judenthum zugute kommen müsste. Als Beleg für diese Meinung wird namentlich oft ein Gutachten des allseits verehrten Proseffvrs Steinthal beigebracht, das er abgab, als man über die Beibehaltung resp. Austastung der Berliner jüdischen Gemeindeschulen berieth. Professor Steinthal befürwortete nicht nur den Fortbestand dieser Schulen eifrig, sondern führte damals auch aus, dass unter den Gründen, welche ihn dazu bestimmten, folgende seien: 1. Wenngleich den jüdischen Kindern der Eintritt in die vortrefflich geleiteten Commnnalschulcn offen steht, so sind doch für viele Kinder unsere Schulen vorznziehen, weil ihr Pensum ein weitergehendes ist, weil sie namentlich außer dem hebräischen noch ein fremde Sprache in den Lehrplan ausgenommen haben und die Schüler außer zum Eintritt in das thätige Leben auch zum Besuch einer höheren Lehranstalt vorbereiten sollen. 2. Mit tiefem Danke muss es anerkannt werden, dass unsere städtische Verwaltung in vielen städtischen Schulen jüdischen Religionsunterricht ertheilen lässt; allein dieser Unterricht kann der Natur der Sache nach kein zureichender sein; der jüdische Religionsunterricht hat bei der Nothwendigkeit der hebräischen Kenntnisse sachgemäß einen Umfang, welchem die öffentliche Schule nur mit gießen Opfern gerecht werden kann. 3. Die Gemeindeschulen haben die Aufgabe, jüdische Kinder, namentlich solche, deren Eltern ans halbdeutschen Ländern eingewandert sind, zu Bürgern zu erziehen, welche nur in ihrem religiösen Leben eigenthümliches Jüdisches zeigen, aber in allgemeiner Bildung, in Sprache und äußerer Sitte von ihren Mitbürgern nicht zu unterscheiden sind, sie in den deutschen Geist einzuführen. Diese Aufgabe kann bester und mit geringeren Härten von einer Schule gelöst werden, welcher nur die Erziehung jüdischer Kinder obliegt, als von einer

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