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Die Welt · 1898-10-21 · 42 (21.10.1898) · p. None

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Journal
Die Welt
Volume
2 (1898)
Issue
42 (21.10.1898)
Date
1898-10-21
Page
None (sequence 1)
Language
German
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Bl^* Da Ende dieses Monats eine größere Anzahl von Abonnements ablauft, so werden die Betreffenden erinnert, die Erneuerung rechtzeitig vorzunrhmen, damit in der Zustellung des Blattes keine Unterbrechung rintrete. Die Administration. Der Kaiser und der Sultan. Von C. Erter. Es ist Herbstzeit und welke Blätter weht der Wind zu Boden. Auch durch den europäischen Blätterwald aus Papier und Druckerschwärze ist der Wind gefahren und raschelnd wirbeln die zahllosen Mythen durcheinander, mit welchen schlauer Aberwitz die Orientsahrt des deutschen Kaisers entstellen und argwöhnischen Missdeutungen aussetzen wollte. Es ist nicht gelungen, der Herbstwind hat seine Schuldigkeit gethan. Als Gast des Sultans Abdul Hamid weilt zum zweitenmale Wilhelm II. in Constantinopel und wenn die strahlenden Festlichkeiten, die ihm der Gastfreund bereitet, zu Ende sind, richtet er den Curs seiner Jacht südostwärts, nach dem Heiligen Lande, nach Jerusalem. Ein Schauspiel ists, das wie ein Wunder die Phantasie der Zeitgenossen mit farbenprächtigen Bildern erfüllt, ihren Gedankreis um neue Probleme bereichert! Wo vom Strande des Bosporus der Blick die Grenzen zweier Welttheile umfasst, wird abermals die politische Freundschaft zwischen dem deutschen und demosmanischen Reiche, die persönliche zwischen dem Kaiser und dem Sultan besiegelt. Sie hat sich bewährt, seitdem Wilhelm II. im Jahre 1889 zum erstenmale am Goldenen Horn weilte. Die deutsche Politik, deren Friedfertigkeit keinem Zweifel unterliegt, trat uneigennützig für die Erhaltung des osmanischen Territorialbestandes ein, das deutsche Heer lieferte dem türkischen die Jnstructoren, denen Abdul Hamid den Sieg über die Griechen zu danken hatte. Nun erntet Deutschland die Frucht, der Dank des Sultans und der gesammten muhammedanischen Welt findet seinen Ausdruck in der lauten Sympathie, welcher Wilhelm ll. in Constantinopel begegnet und welche zugleich eine Huldigung ist für das deutsche Reich. Im engsten und weitesten politischen Sinne bedarf es nur dieser und keiner anderen Deutung, um der Fahrt Wilhelm II. in das Morgenland die richtige Beleuchtung zu sichern. Der Kaiser folgt seinem Verlangen, Jerusalem zu besuchen, und bevor er durch das Jaffa-Thor in die Zionsstadt einzieht, verbringt er einige Tage bei dem Landesherrn von Palästina. Dieser Landesherr ist der Sultan. Aber nicht scheu nnd misstrauisch folgt der Muselman mit seinem Blicke dem großen „Giaur", sondern mit aufrichtiger Freudigkeit und mit herzlichem Vertrauen begrüßt er ihn. Drüben in Kirit wird durch vier europäische Großmächte vom Sultan der Verzicht auf das letzte osmanische Herrschaftszeichen gerade jetzt erzwungen, da der Iildiskiosk den kaiserlichen Gast beherbergt; diese Episode thut aber der großen Thatsache, dass das Ansehen Deutschlands im Orient in mächtiger Zunahme begriffen ist, keinen Abbruch. Im Gegentheil, die Kaiserfeste in Constantinopel bieten gerade durch den Contrast, in dem sie zur Stimmung der Muhammedaner gegen das kretische Mächte-Quartett stehen, den handgreistichsten Maßftab für die friedlichen Erfolge der deutschen Politik im Orient. Man verkennt diese Erfolge dort am wenigsten, wo man sie fürchtet und beneidet, daraus erklärt es sich, dass mit der Jerufalemfahrt Wilhelms II. die Protectoratsfrage, der anatolische Eisenbahnbau und noch etliche andere Dinge — omnes et quaedam aliae — in Verbindung gebracht wurden. Es ist sogar nicht unmöglich, dass der auffällige Entschluss der vier Mächte, ihr Ultimatum an die Pforte gerade zu dieser Zeit ergehen zu lassen, von der Absicht dictiert wurde, dem Sultan zu zeigen, dass es außer Deutschland noch andere Großmächte in Europa gibt. Die Cabinetsdiplomatie hat bisweilen derlei Justaments-Anwandlungen. Aber es ist einer von jenen schablonenhaften Jrrlhümern, die das diplomatische Handwerk zu gebären pstegt, den Unterschied zu übersehen, der zwischen Macht- und Einflussfragen und großen civilisatorischen Ideen besteht, Deutschland will sicherlich im Orient nicht als territorialer oder Machtnebenbuhler Russlands sich etabliren. Dagegen kann es seine wachsende Autorität im Morgenlande der Ausbreitung der Cultur dienstbar machen und, soweit die Gedanken Wilhelm II. sich in ihrem inneren Connex überblicken und erkennen lassen, ist dies und nichts Anderes der Inhalt des politischen Programms seiner Jerusalemfahrt. Nichts aber ist natürlicher, als dass er dabei vor Allem die Mittel im Auge hat, über die er selbst verfügt, um die muhame-

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