Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 2 (1898)
- Issue
- 41 (14.10.1898)
- Article
- Lemberg / K.
- Date
- 1898-10-14
- Page
- 14 (sequence 2)
- Language
- German
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Sette 14 Nr 41 von dem bedrohten Prestige znrückzugewiimeu, dann müssen wir mit der Anerkennung kargen und erst die weitere Entwicklung dieser Angelegenheit abwarten. Vielleicht wird sie noch einige Neberraschungen für die Juden im Gefolge haben. X. Amerika. New-Dork. (N e w - L) o r k e r Chronik.) Es ist mir eine Freude, dieseChronik jüdisch-amerikanischer Angelegenheiten mit der Berichterstattung über einen außerordentlich dankenswerten,- generösen Act der amerikanischen Militärverwaltung beginnen zu dürfen. Herr Reverend D r. H. Pereira Me «des hatte im Namen der Union of Orthodox Congregations an den Generaladjntanten der Armee der Vereinigten Staaten die Bitte gerichtet, den jüdischen Soldaten während der hohen Feiertage Urlaub zu geben, damit sie am Gottesdienste theilnehmen könnten. Die Eingabe wurde sofort günstig erledigt, und 4000 jüdische Soldaten erhielten den erbetenen Urlaub. In einigen permanenten Feldlagern wurde ein eigener Gottesdienst organisiert, in den meisten Fällen verließen aber die jüdischen Soldaten und Officiere für einige Tage ihre Ouartiere und begaben sich in solche Nachbarstädte, wo jüdische Tempel bestehen. Wäre der Krieg nicht schon vor dieser Zeit beendet worden, so hätten wir aus hundert Schlachtfeldern die Wiederholung jenes berühmten Metzer Bildes gesehen: „Der Bersöhnungstag in Waffen!" In meinem Tempel beteten sechs stramme Ingen in voller Uniform am Nenjahrstage und am Versöbnungstage mit uns. Einige von ihnen waren an den heißen Kämpfen vor Sanjago betheiligt, einer trug mit vielem Stolze das Red Cross-Emblem auf dem Aermel. Zwei von ihnen recitierten zum Gedächtnis an verstorbene Familienangehörige den Kaddisch.... Zangwill, der Große, ist endlich zu uns gekommen. Man kennt unsere amerikanischen Journalisten und findet es begreiflich, dass der berühmte Gast bereits bis zum Ueberdruss interviewt worden. Einige Blätter brachten sein Bild, das ihm übrigens wenig schmeichelt. Es ist ein Glück, dass Zangwills Anspruch auf Nachruhm nicht ganz von seiner persönlichen Schönheit abhängt- Sein erstes öffentliches Auftreten geschah gelegentlich eines großen Diners, das in New-Iork zu Ehren von Tolstoi's Geburtstag stattfand. Zangwill's Erscheinung machte, wie vorauszusehen war, einen außerordentlichen Eindruck. Nächsten Tag jedoch rieth eines unserer vornehmsten Journale dem Dichter, die Eigenheiten feines Auftretens und besonders seiner Toilette, abzulegen. Es scheint, dass er zum Diner in einer pittoresken Tracht erschien, die keine andere Kritik außer der seiner speciellen Anhänger vertrug. Inden und Christen sehen mit Spannung seinen angeküudigten Vorträgen über das Ghetto und über „Dichtung, die höchste Form der Wahrheit" entgegen. Es heißt, dass die hiesige Gemeinde ihm zu Ehren ein Festmahl geben wird. Ich glaube aber, man wird damit warten, um Zangwill, Hall Ca ine und den ebenfalls für die nächste Zeit erwarteten Zola durch ein gemeinsames Diner zu ehren, lieber den Zionismus äußerte sich Zangwill ungefähr in derselben Weise, wie in seiner berühmt gewordenen Vorrede zu der amerikanischen Ausgabe der „Träumer aus dem Ghetto." Er bezeigt der Bewegung viel Wohlwollen, ist aber noch immer der Meinung, dass sie schwerlich zu einem Resultate führen werde. S t e p h e u S. W i s e. P Mschristtllnmdschau. In der rheinischen Wochenschrift „Siegfried" veröffentlicht Rechtsanwalt Dr. Schauer aus Mainz einen Artikel über den Zionismus. In überaus knappen und doch klaren Worten setzt unser Gefinnungsgenosse das zionistische Programm in seinen Hauptpunkten auseinander, bespricht die Nothwendigkeit des Zionismus sowohl für die westlichen, als auch für die östlichen Juden und führt namentlich sehr gut aus, wie der Zionismus und die innigste Vaterlandsliebe sich gegenseitig nicht nur nicht ausschließen. sondern geradezu ergänzen. Den flott und frisch geschriebenen Artikel schließt Dr. Schauer mit den Worten des Propheten: „Um Zions willen werde ich nicht schweigen und um Jerusalems willen nicht warten, bis aufgeht wie Lichtglanz ihr Recht und ihr Heil wie eine lohende Fackel." HaTwri nennt sich das im Jargon abgefasste und in Lemberg erscheinende Flugblatt, dessen zweite Nummer uns bereits vorliegt. Das Blatt ist für die Volksmassen berechnet und vertritt in populärer Weise das Baseler Programm und die Nothwendigkeit des Zionismus für die Juden und gerade für die armen Juden. Es klingt ein kampfsroher, siegessicherer Ton durch alle die Artikel. Wir hoffen, dass der H a i‘ w r i der zionistischen Bewegung noch ehrliche, gute Dienste leisten wird. Dann wird ihm die Unterstützung aller Zionisten sicher sein. Das Blatt hat zum Herausgeber Herrn M. Richter. Als verantwortlicher Redacteur zeichnet Herr M. Swinget. Bücherwett. Vergleichende Studium zur Stellung der Frau im Alterthum. Erster Band : „Die Frau im Talmud" von Dr. N. K l u gm a n n, Wien 1898. Der durchaus wissenschaftliche Charakter dieser Schrift lässt jede Annahme ausschließen, dass der Verfasser eine Apologie auf die jüdische Frau oder auf die talmudische Auffassung von der Stellung der Frau zu schreiben beabsichtigte. Und wissenschaftlich ist an dem Buche nicht nur der große Apparat von Gelehrsamkeit auf talmudischem, sowie auf modernem Gebiete, sondern die Methode, die der Autor in seinem Erstlingswerke befolgte. Es ist viel über talmudische Themata, über diesen unversiegbaren Schatz jüdischen Lebens und jüdisch-cultureller Anschauung geschrieben worden. Auch über die jüdische Frau besitzen wir eine Reihe von namhaften Arbeiten, von denen besonders die Schriften K a y s erlin g s und N a h i d a Rernys hervorzuheben sind. Von all diesen Werken unterscheidet sich die uns vorliegende Schrift in der Art der Behandlung, indem sie sich auf die vergleichende Methode stützt und so zu den wenigen Versuchen gehört, die gemacht worden sind, die „Folklore" bei Beurtheilung jüdischer Stoffe zu Rathe zu ziehen. Was sich aus dem Buche ergibt, überrascht uns nicht mehr. Das hohe sittlich-ideale Bild der jüdischen Frau und die hehre Auffassung, die sich in der jüdischen Sage, in der Legende, im Liede und Sprichworts abspiegelt, ist uns nicht unbekannt, soweit wir das altjüdische Familienleben mit seiner Innigkeit und Heiligkeit noch nicht verlernt haben. Denjenigen nur, die dieses Leben nicht kennen, bietet die Vergleichung dessen, was der Talmud über die Frau, von ihrer Geburt bis zum Tode, sagt, mit dem, was andere Völker in philosophischen und poetischen Schriften über die Frau gelehrt haben, gewiss etwas Ungeahntes und Neues, und sie dürften daraus ersehen, wie sehr Jellinek Recht hatte, wenn er, au einer von Kluginann zum Schluffe citierten Stelle sagt: „Das jüdische Weib war nie ein Gegenstand ritterlichen Cultus, seine reiche Gemüthswelt, die Tiefe seines Herzens, die Zartheit seines Geistes, die Fülle seines Seelenlebens, die Weichheit seines Wesens, die Unwandelbarkeit der Muttertreue wurden anerkannt und gewürdigt, das „Ewig-Weibliche ward gepriesen und verherrlicht". M. B. -* Ein neues Drama von Max Nordau?) Ueber das Trauerspiel „Dr. Ko hu" von Max Nordau schreibt die „Köln. Ztg." : In früherer Zeit war es ein beliebter Vorwiirf, den Gegensatz zwischen Adel und Bürgerthum ' dramattsch zu gestalten, und auch heute begegnen wir noch manchmal diesem Versuche, wenngleich die nivellierende Zeit dafür gesorgt hat, dass er in Wirklichkeit nicht mehr die große Rolle spielt. Die Unterschiede zwischen Adel und Bürgerthum sind heute nicht mehr maßgebend, nicht mehr so ttef einschneidend, dass sie nicht ohne besondere Schwierigkeit übersprungen werden könnten und oft genug auch übersprungen werden, so dass man au einen hieraus abgeleiteten tragischen Conflict, wenn er uns auf der Bühne entgegentritt, nicht mehr recht glaubt. Dagegen sind die gesellschaftlichen Gegensätze zwischen Christenthum und Jndenthiuu geblieben und sogar im letzten Jahrzehnt derartig verschärft worden, dass die von Nordau geschildetten Vorgänge sich sehr wohl in der Gegenwart zugetragen haben könnten. *j Eine eingehendere Besprechung des Stückes behalten wir uns für die nächste Zeit vor.