Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 2 (1898)
- Issue
- 41 (14.10.1898)
- Article
- Wien
- Date
- 1898-10-14
- Page
- 13 (sequence 2)
- Language
- German
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Nr. 41 Seite 13 Cultns wählen. Referent: Architekt Oscar Marmor eck. 2. Der^zweite Zionistencongress in Basel. Referent: Max Bern- Die Versammlung beginnt um 8 Uhr abends. Die Gesinnungsgenossen werden ersucht, zahlreich zu erscheinen. Peczcuizyu, 5. October 1898. Dank den eifrigen Bemühungen der Herren M. I. Zweig und N. B l i ck st e i n ist hier ein Zionsverein gegründet worden, der streng auf der Basis des Baseler Programmes steht. Seine Mitgliederzahl ist im Verhältnis zur kleinen jüdischen Gemeinde eine recht ansehnliche. In den Ausschuss wurden gewählt: Bürgermeister M Hessel, A. Rosenkranz, A. Schattner, L. Kahane, Sch. 'Wassermann, N. Blick st ein und M. I. Zwei g. Lissa i. P. Am Mittwoch den 30. September hielt hier vuf Einladung des „Vereins für jüdische Geschichte und Literatur" in der Aula der hiesigen jüdischen Bürgerschule Dr. Heinrich Löwe einen Vortrag über den Z i o n i sm u s. Vortrag und Discussion waren ein glänzender Erfolg der zionistischen Propaganda. Sofia. Der Zionsverein „Serubabe 1" in Sofia veröffentlicht einen in ernstem, begeistertem Tone gehaltenen Aufruf, der die Juden Bulgariens zum Anschluss an unsere Bewegung auffordert. Der Aufruf weist hin aus die traurige Lage unserer Brüder, auf den Zionismus als einzige Lösung der Judenfrage, auf die bisherigen großen Erfolge unserer Idee, die sich in den beiden Baseler Congressen verkörpern. Der Ausruf schließt mit einem Appell an die Gesinnungsgenossen, der Agitation alle Kräfte zu widmen. Nklkmsmlhrilhtcii. Wien. Der Verein jüdischer Mädchen „H a d a s s a" eröffnet am 10. d. die Saison mir einem Vorträge von Herrn Armin Friedmann. Die Vorträge finden regelmäßig alle 14 Tage' im Sitzungssaale der israelitischen Cultusgemeinde, l., Seitenstettengasse, präcise 4 Uhr, statt. Gäste sind herzlich willkommen. Wien. Donnerstag den 29. v. M. fand eine Plenarversammlung des jüdischen Arbeiter- und Privatangestelllenvereines „A ch w a h" statt, in der auch Neuwahlen in den Vereinsausschuss vorgenommen wurden. Vier sreigewordenc Ausschussmandate wurden mit unseren Gesinnungsgenossen A. Trieb er, E. B r o d, M. D i ck st c i n und I. D r e ß l e r besetzt. Samstag d e n l'>. b. M., 8 Uhr Abends, wird im Breuer'schen Restaurationssaale (II., Kleine Schiffgasse 8) der Eongressdelegierte der Brünne r „E m u n a h", Herr Max H i ck l, über den II. Baseler Eongress referiere«. G ä st e s i n d h e r z l i ch st w i l l k o m m c n '. P (fjrrcfpnknp. Oe st erreich-Ungarn. 3Vieu. Am 6. October fand eine öffentliche Plenarsitzung des Vorstandes der israelitischen Cultnsgemeinde statt. Aus der Tagesordnung stand: a) Präsidialbericht; 1)) Wahl des Obmannes der I. (Verhaus)-Zection: c) Auslosung der nach ß. 6 des Statutes zum Austritt kommenden Vorstandsmitglieder: d) Berichte des Vertreter-Collegiums; e) Berichte der Schnlsection: 1) Bericht der Finanzsection über die Buch- und Eassenrevision. Zum Obmann der I. Bethaussection wurde Herc Toctor Steiner gewählt. Beim Punkte e der Tagesordnung wurden folgende Vorstandsmitglieder ausgelost : Ritter von G o l d - schmidt, Karl Kohn, Moritz Hirsch, Dr. Joses Grüns e l d, Baurath Wilhelm Stiaßny, Markus Spitzer, Ritter v. H a h n, Arthur Edler v. M i s e s. Wie». In kurzer Zeit werden die Wahlen in den Cultnsvorstand startfinden. Wenn man sich des Lärmes erinnert, der zur Zeit der letzten Wahl von manchen -Seiten gemacht wurde, so wird man vielleicht auch jetzt, nach Ablauf dieser Lwei Jahre, sich fragen dürfen: „Was haben denn die damaligen Programmacher ausgerichtet, und was haben ihre Candidaten geleistet'?" Die Antwort dürste ganz negativ lauten. Wir wollen heute noch keine Namen nennen. Wir sind nämlich überzeugt, dass die aus scheidenden Herten in allgemeinen, für jeden Juden Wiens zugänglichen W ä h l e r v e r s a m m l u n g e n den B e r i ch r über ihre T h ä t i g k e i t a b st a t t e n und den Wählern das Programm vorlegen werden, auf das hin, sie candidiort werden wollen. Wir sind auch überzeugt, dass sie mit neuen, volksfreundlichen Vorschlägen kommen werden. Wir erwarten, dass sie von den Zionisten wenigstens das Eine gelernt haben werden, dass es dringend uöthig sei, nicht in nutzlosen und oft lächerlichen Protesteil und Interpellationen über antisemitische Gewaltacte und Beschlüsse das Ilm und Auf ihrer Vorsorge für die Juden zu sehen, sondern dass sie mit vernünftigen, dnrchgreifenden Reformen anfangen miissen. Wir werden sie fragen, ob sie es für ehrlich und anständig halten, von 120.000 Wiener Inden im ganzen circa 13.000 die Möglichkeit einer Wahl zu geben, ob sie meinen, dass einem Vorstande, der von kaum 2300 Menschen gewählt wurde, die durch Clicguen und Ehrgeizlinge beeinflusst und oft terrorisiert wurden, weiter die Entscheidung über die wichtigsten Angelegenheiten des Jndenthums überlasten bleiben solle. Wir werden v o r a l l e m v e r l a n g en, dassallen-Wiener Inden, d i e e i n g e w i s s e s A l t e r erreicht haben und i m Besitze i h r e r bürgerlich e u echte s i n d, d i e M ö g l i ch k e i t g e b v t e n w e r d e, d u r ch den S t i m mz e tt e l sich d i e M änn er ihres Vertrauens zu erwählen. Wir werden verlangen, dass sie uns ganz klar, ohne Verclausuliernng sagen, wie sie den Uebelständen in Cultns- und Unterrichtsangelegenhciten, im Armcnwesen und in Srenerangelegenheiten ein Ende machen wollen. Wir werden von ihnen überhaupt nicht bloß Versprechungen fordern, sondern Garantien, dass sie diese auch einlösen. Vielleicht wird ihnen dann das Verständnis kommen für das, was dem jüdischen Volke frommt, zum Unterschied von dem, was gewissen privilegierten Kreisen in den Krampasst. Tie Herren sind ja auf dem Gebiete, wohin sic sich immer vorsichtig zurückziehen, wenn man von ihnen eine Thätigkeit für die Inden verlangt. Sie mögen sprechen. Die Zionisten werden sie hören und darnach handeln. Wahlen mit Ausschluss der Oeffentlichkeit, Wahlen in Eonventik.-ln oder in den Salons einiger Pervenüs werden diesmal nicht gemacht werden. Dafür wollen wir sorgen. Lernberg. Die „Wiener Zeitung" vom 11. October 1898 veröffentlicht folgende Verordnung des Gesammtministeriums: Auf Grund des § lO des Gesetzes vom 5. Mai 1809 werden infolge eines vom Gesammtministerium am 0. October 1898 gefassten Beschlusses, nach eingeholter allerhöchster Genehmigung, die mit Verordnung vom 28. Juni 1898 für 33 politische Bezirke Galiziens getroffenen Ausnahmsverfügungen hinsichtlich der nachstehenden politischen Bezirke: Biala, Dabrowa, Kolbuszowa, Laucut, Milcc, Lisko, Rvpczpce, Tarnobrzeg, Wadowice und Zpwicc (Saybusch) aufgehoben. Tie gegenwärtige Verordnung tritt mit dem Tage der Kundmachung in Wirksamkeit. Ter Ausnahmszustand bleibt also noch in folgenden 23 Bezirken zu Recht bestehen: Bochnia, Brzesko, Brzozow, Chrzauow, Gorlice, Grybow, Jarvslaw, Jaslo, Krakau (Stadt), Krakau (Land), Krosno, Limanowa, Myslenice, Neu-Sandec, Neumarkt, Pilzno, Podgorze, Przemysl, Nzeszow, Sanok, Strzyzow, Tarnow und Wieliczka. Wenn diese theilweise Aufhebung des Ausnahmezustandes eine Folge der eingetretenen Beruhigung ist, so wird sie jedermann freudig begrüßen, wenn auch noch dreiundzwanzig andere Bezirke unter den Ausuahmsverfügungen stehen müssen. Auch als Versuch an und für sich ist diese Verordnung sehr erfreulich. Wenn sie aber, was wir hier mit gutem Grunde annehmen müffen, nichts anderes als eine Gabe darstellt, welche einigen Abgeordneten Galiziens zugute kommen soll, um ihnen vor ihren Wählern ein wenig