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Die Welt · 1898-10-14 · 41 (14.10.1898) · p. 12

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Journal
Die Welt
Volume
2 (1898)
Issue
41 (14.10.1898)
Article
Der zweite Zionistencongress und die Presse in Russland
Date
1898-10-14
Page
12 (sequence 2)
Language
German
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Seite 12 JfcOVWE Nr. 41 Glück findet der ..Wosehod" in den Augen der intelligenten russischen Juden gar keine Beachtung mehr. Sie bedauern nur seine Existenz. Ich kann nicht umhin, wenn ich, ein für allemal, über den „Wosehod" spreche, die Worte, die an „Mauschel" gerichtet sind, auch ihm zuzurufen: „Mauschel, nimm Dich in acht! Da ist eine Bewegung, vor der selbst die Judenfeinde gestehen, dass sie nicht verächtlich ist. Es soll ein Abfluss unglücklicher, wirtschaftlich und politisch schwer bedrohter Menschen nach einer dauernden Heimstätte, unter rechtlichen Sicherheiten eingeleitet werden. Dagegen sträubst Du Dich, Mauschel? Das willst Du durch Perfidie verhindern, weil Du keinen unmittelbaren Vortheil für Dich siehst? Was hast Du denn jemals für Deine „Brüder" gethan? Entehrt hast Du sie, geschadet hast Du ihnen, und wenn sie sich nun selbst helfen wollen, fällst Du ihnen in den Arm. Der Zionismus könnte es halten, wie Tell in der Sage. Wenn sich Tell anschickt, den Apfel vom Haupte seines Sohnes zu schießen, hat er noch einen zweiten Pfeil in Bereitschaft. Misslänge der erste Schuss, dann soll der andere der Rache dienen. Freunde, der zweite Pfeil des Zionismus ist für Manschels Brust bestimmt." TMne. Für die geplünderten galizischen Juden. sind Herrn Dr. Alexander Mintz bis 11. October zugekommen : Von der israelitischen Cultusgemeinde Z n a i m Sä fl. 50 kr.; la societe des enfants de Cracovic durch Herrn Salomon K o h n, Paris, 59 Frcs. — 23 fl. 75 kr.: Meavdus lecherus, Gra; 1 fl., Sr. Ehrwürdeu Rabbiner S. Fried, Sewastopol, Ergebnis einer Sammlung (die Herren: A. Gidaliewitz 5 Rbl., I. R a b i n o w 3 Rbl./ I. G o l d b e r g 1 Rbl., D. Weiner 1 Rbl., M. Kofliar 1 Rbl., Dr. M. Schi fr in 1 Rbl., L. Kohen l Rbl. stud. E. L a m m ,l Rbl., F. Peker 1 Rbl., Dr. Widuzky 1 Rbl., N. N. 1 Rbl.) Summe 16 Rubel 20 fl. 32 kr.; Summe 140 fl. 57 kr. Hiezu der frühere Ausweis von 3562 fl. 41 kr. 3703 fl. 98 krd Jüdische Gesellschaftsreise nach Palästina. Entgegen den Meldungen anderer Blätter wird uns mitgetheilt, dass die „Jüdische Gesellschaftsreise nach d e m H e i l i g e n . Lande" am Montag, dem 10. October, vom Hotel Hungaria in Budapest ans nach Constantinvpel aufbricht. Landung in Jaffa erfolgt am Dienstag den 18. October. Wie inan antisemitische Sncher macht — erzählt tut _ Siede“ ein in Paris seit 3 Jahren wohnender Jude aus Lithauen, Namens Salomon Rubik. Derselbe machte vor Kurzem die Bekanntschaft des Abbe Eduard Sinclair, der ihn zu sich einlud und als einen gründlichen Kenner der talmudischen und rabbinischen Literatur ersuchte, er möge ihm talmudische Citate zu einem Werke liefern. Für jedes „zweckdienliche" Citat bot ihm der Abbe 5 Frcs. an, und Rubik war mit dem Vorschlag einverstanden. „Sie wissen ja" -- begann darauf der geistliche Herr. „dass die Juden zu Ostern Christenblut brauchen." „Das ist eine freche Lüge!" erwiderte der Jude entrüstet. „Sie wissen doch" - fuhr der Abbe unbekümmert um die Antwort Rnbik's fort „dass der Talmud und der Schnlchan-Aruch den Betrug an Christen gntheißen!" „Das ist eine böswillige Verleumdung!" schrie Rubik in höchster Auftegung. .„Sie dürsten es ja ferner wissen, dass bei Juden eine Tradition besteht, geheime Bünde und Vereine zu unterhalten, dereit Zweck es ist, jüdische Verbrecher der Strafe der Gerechtigkeit zu entziehen ..." Rubik widerstritt dies mit gesteigerter Entrüstung. Aber unbekümmert darum setzte der Abbe fort: „Nur solche Steilen aus dem Talmud kann ich brauchen und würde Sie für dieselben gut honorieren." Rubik bedeutete ihm, dass er nicht den richtigen Mann für seine Niederträchtigkeit gefunden habe und erzählte hierauf im ,Siede“ das interessante Gespräch. J. Exp. Die prophetische Gemäldesammlung. Ein Mitarbeiter des „Figaro" hat den Catalogder im Jahre 1894 zum Verkaufe ansgestellten Pvrtraitsammlung des Impressionisten Manet zufällig in die Hand bekommen, worin sich folgende für die augenblicklichen Verhältnisse sehr interesiante Zusammenstellung befand: Nr. 42: Portrait Emile Zolas; Nr. 108: Portrait Henry R o ch e f o r t s; Nr. 123 : Portrait der Madame F. A. (Eigenthum der Frau DuPaty); Nr. 150: Verschleierte Dame. Sollte die Affaire Dreyfus ihren Schatten 14 Jahre voraus geworfen haben? Der Galgen und die billigen Vrokpreife. Einen bemerkenswerten Beitrag zur Entstehungsgeschichte der antisemitischen Excesse in Westgalizien lieferte eine dieser Tage vor dem Kreisgerichte in Jaslo durchgeführte Verhandlung. Polnische Blätter berichten hierüber folgendes: Ter Angeklagte Niemiec erzählt, er habe vom Mitangeklagten Miczkowski vernommen, dass dieser in den Zeitungen gelesen habe, es werde bis zum December keinen Juden mehr im Lande geben. Die Angeklagten Kumer und Modliszewski bestätigen, dass ihnen Niemiec dies berichtet habe. Miczkowski erklärt, er habe in der „Pszczolka" Stojalowski's gelesen, das Brot würde billiger werden, wenn dreitausend Juden aufgeknüpst würden. Das habe er dem Niemiec mitgetheilt. Niemiec bestätigt dies mit dem Bemerken, er habe nur so viel verstanden, dass es angezcigt wäre, dreitausend Inden anfzuhenken. Der Vorsitzende constatiert hierauf, dass in der Stojalomski'schcn Pszczolka vom 14. Mai 1898 thatsächlich zu lesen war: „Für diesen “Antrag (Aufhebung der Getreidezölle) wurden denn auch Verkauf und Kolischer von den christlich-socialen Abgeordneten P. Dr. Scheicher und Gregorig scharf gegeißelt, welche mit Recht sagten: „Wollt ihr, dass das Brot billiger werde, 'o macht es, wie man es in früheren Zeiten gethan hat, und bestraft die Speculanten", und Grcgorig fügte hinzu: „Knüpft dreitaufend jüdische Getrcide- Speculanten auf, und man wird sofort billiges Brot haben." Bei galizischen Bauern fanden somit die Worte Grcgorig's Verständnis, und sie beeilten sich, als sie von ihnen, Dank der Vermittlung Stojalowski's, Kenntnis erlangten, den im Parlamente gemachten christlich-socialen Vorschlag zur Verbilligung der Lebensmittel praktisch anzuwenden. Line jüdischc Agrirulturschule. In A i d i n (unweit von Smyrna) besteht eine blühende Agricultnrschule, die nach dem Mitster der Schule in Jaffa eingerichtet ist und von der Alliance Israelite unterstützt wird. (J. W.) Das Programm der Palastinareise der deutschen Majestäten wurde dahin abgeändert, dass dieselben am 27. d. M. eine Stitndc von Cäsarca entfernt lagern und am 29. d. M., nachmittags, ihren Einzug in Jerusalem halten werden. Die sionistilche Bewegung. Wien. Donnerstag den 6. d. M. veranstaltete der Einzelverein „Landstraße" des „Zion" eine Versammlung, in . welcher der Delegierte Dr. S. Werner in fast zweistündiger Rede über den II. Baseler Congress Bericht erstattete. Der Redner schilderte eingehend den Verlauf der Eongressverhandlungeu und besprach die vom Congresse geleisteten positiven Arbeiten, von denen er besonders die Gründung der Jüdischen Eolonialbank und die Wichtigkeit der Eulturcommission betonte. Der ungetheilte Beifall aller Anwesenden, sowie die große Aufmerksamkett, mit welcher die Versammlung den Ausführungen des Referenten folgte, zeugten von den Fortschritten, welche die zionistische Idee in den Kreisen der Wiener Juden gemacht hat. Wien. Samstag, den 15. October, findet im Restaurant L ö b l, 6. Bez., Schmalzhofgasse 12, eine vom Eomite der Ortsgruppe Mariahilf-Neubau einberusene Versammlung statt. Die Tagesordnung lautet: 1. Die Lage der Juden und die nächsten

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