Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 2 (1898)
- Issue
- 40 (7.10.1898)
- Article
- Die Goldschilds
- Date
- 1898-10-07
- Page
- 16 (sequence 2)
- Language
- German
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(Seite IG jm&w: Nr. 40 „Neiu — Sieht!" protestierte Goldschild, seine Pulswärnier mit einem leidenschaftlichen Nucke der laugen Finger bis über den halben Handrücken ziehend. „Denken Sie sich nur — so ein Glück! Man hat soeben ans den Kaiser eine Bombe geworfen!" „Herr!" schrie der Banquier jetzt ganz roth vor Zorn nnd sprang auf, wobei er fast zum Falle gekommen wäre. „Herr — glauben Sie sich mit mir ihre Spässe erlauben zu dürfen? Wissen Sic nicht was das bedeutet? Alle Papiere tverden um 25 Percent sinken!" „Macht nichts!" entgegnete Jsak, allmählig sich beruhigend. „Was? Macht nichts? zeterte der Chef. „Wollen etwa Sie die Differenz bezahlen?" „Nein — ich nicht — aber Herr Kohn aus Frankfurt!" antwortete Goldschild mit klugem, bösen Lächeln. „Das Blatt hat sich gedreht. Bon nun an werden wir nicht mehr i h n, sondern er uns suchen!" Und nun setzte er dem erstaunten Ehepaare seinen Plan auseinander. Sofort mussten die Einladungen zu einem Feste zur Ehre der glücklichen Errettung des Kaisers versandt werden. Niemand konnte bei diesem Anlasie eine Absage senden. Das ganze ofstcielle Paris würde am nächsten Abend in den Ostcrheimischen Sälen versammelt sein. Herrn Cohn's Meinung über den Einfluss von Geschäftsfreunden könne nicht bester befestigt werden, als wenn man den eitlen Mann bei einem Fest mit den Ministern und Senatoren soupieren lasse. Es müsse dort mit tollen Dingen zugehen, wenn der so Gefeierte dann nur daran dächte, seine Verbindungen mit dem Hause der me St. Honorh abzubrechen. Ter Plan war kühn aber vortrefflich. Die Bedienten der Hausfrau fielen nicht in die Wagschale. Man alarmierte die Dienerschaft nnd schrieb auf der Stelle die Einladungen an jene Personen, auf deren (Stf^eincu das größte Gewicht gelegt wurde. Bis tief in die Nacht hinein saß der Banquier mit seinen Beamten und berathschlagte die nöthigen Schritte. Als Jsak das Haus verließ, war bereits der ganze Feldzngsplan für den nächsten Tag geordnet. Ter kleine Jude konnte mit seinem Werke zufrieden sein. Er hätte es sich wohl selbst vor wenigen Stunden nicht träumen lasten, dass sein Wunsch sich die geputzten Damen und geldprotzigen Herren dienstbar zu machen, so rasch in Erfüllung gehen würde. HI. In einer Stadt wie Paris ist nichts unmöglich. Dies bewiesen die Tapezierer und Köche im Osterheimerschen In weniger als zwölf Stunden war alles vom Untersten zum Obersten gekehrt und zum Empfang der Gäste bereit. Den ganzen Tag über war gearbeitet worden. Gobelins wurden anfgespannt, die großen Kronleuchter mit Hunderten neuer Kerzen versehen, ganze Haine von Orangenbäumen in den Sälen aufgestellt. Schlag 10 Uhr Abends war alles aus seinem Flecke. Die Auffahrt der Geladenen begann. Die Hausherrin stand in der Mitte des großen Empfangsaales und stellte Herrn Cohn jeden Gast von Ruf als „Freund des Hauses" vor. Die arme Frau brachte diese krasten Lügen kaum über ihre Lippen und blickte über die erstaunten Gesichter der so Vorgestellten mit cynischer Todesverachtung hinweg. Das freundlich sein sollende Lächeln auf ihren Zügen war nicht belebter, als das der Kaiserin am vergangenen Abend in der Oper. Und wahrlich, diesem ehrlichen, rechtschaffenen Weibe fiel die Rolle, die sie hier zu spielen verdammt war, nicht leichter, als der besagten, anderen Frau auf den Throne die Ruhe, die sie zu heucheln gezwungen war. Der Banquier begrüsste sc^ic Gäste im Best bule. Er wurde nicht müde, Hände zu drücken und jeden Ankommenden zu versichern, wie glücklich er über die Errettung des Staatsoberhauptes sei. Herr Osterheim hatte einen angestrengten Tag hinter sich. Schon früh morgens war er auf den Bahnhof gefahren, um den Frankfurter Geschäftsfreund zu empfangen. Im Laufe des Vormittags war die Börse und die Banken besucht worden und Nachniittags hatte man mit Fräulein Arabella Cohn eine Fahrt ins Bois unternommen. Erst kurz vor Beginn des Festes war der geplagte Mann nach Hause gekommen, wo bereits Jsak mit den dringendsten Angelegenheiten seiner harrte. Sein kurzer Athem rasselte zwar wie das Pusten einer Maschine und die Füße versagten fast ihren Dienst. Wenn aber die Kräfte zu erlahmen drohten, genügte ein Blick in den dicht gefüllten Salon, um sie zur äußersten Leistung anzuspornen. Dort standen Herr Cohn und Fräulein Arabella mit freudestrahlenden Gesichtern. Man sah es den beiden ordentlich an, wie befriedigt sie von den Aufmerksamkeiten waren, mit denen sie überhäuft wurden. Trotz seines Geldes war es dem Frankfurter Geschäftsmanne nie gelungert, in der Heimat in einem so glänzenden Kreis einzudringen. Der Gedanke lag nahe, dass ein Haus in welchen alle Spitzen der Behörden verkehrten, von den beabsichtigten Schritte der Negierung wohl unterrichtet sei. Tie Osterheimische Specnlation musste daher in ganz anderem Lichte erscheinen. Während der Gastgeber auf diese Weise seinen Zweck erreicht sah, stand der geistige Urheber der Triumphe bescheiden in einer Ecke. Jsak Gvldschild bot nichts weniger als das Bild eines Dandy dar. Ten Frackanzug, den er fertig in einem Laden gekauft, war zwar ganz neu aber viel zu groß für die schmächtige Gestalt des kleinen Burschen. Borne in die Weste hatte er sich ein gesticktes Seidentuch gesteckt und die langfingerigen Hände spielten mit einem zusammengeklappten Hute. Niemand achtete auf ihn. Es war das erstemal, dass er vom Chef zu Gast geladen war. . Und sonst hatte er nirgends zu einem solchen Feste Zutritt erlangt. Was er hier sah, gefiel ihm wohl. Bon seiner Ecke aus, beobachtete er genau wie sich die Herren benahmen. Als er dann seiner Sache ganz sicher zu sein meinte, taumelte er quer über den Saal auf eine Gruppe junger Mädchen zu, in deren Mitte die schöne Tochter des Frankfurter Banquiers stand. (Fortsetzung folgt.) P Briefkasten der Redaktion. March, Wien. Die Frage ist in dieser allgemeinen Fassung nicht zu beantworten. Ist es ein Journal, das sich die Rücksendung Vorbehalten hat, so ist überhaupt nichts zu machen. Ist es eine Privatperson, so kommt es aus die Form und die Bedingungen an, unter denen es übergeben wurde. Ein Advocat wird Ihnen übrigens die beste Auskunft geben. Cultnsgemeinde von Tcltsch. Herzlichsten Dank. M. Kremer, Misgab ladach, Jerusalem. Besten Dank und Gruß. Aliquis, Berlin. Antwort nächste Woche. Frau R. <5., Braila. Herzlichsten Dank und Gruß. Brief folgt. Die Sache geordnet. 31. K—Z Dorna, l. Beide blau und weiß. 2. Erst in nächster Woche vom Eongressbureau zu erhalten. M. H., Kolomca. Besten Dank. Muss sehr vorsichtig behandelt werden. Gcftnnungsgcuofsc, Budapest. Wir kennen das Blatt. Auf diese Erfindung einzugehen, haben wir keine Veranlassung. Sie ist zu leicht eckennbar, als dass wir sie dementieren sollten. Herausgeber: |\ Nasch surr. Verantw. Red.: Dp. Sirgm. Werner. Buchdruckerei „Industrie" (S. Bergmann), VUl , Schlöffelg. 11)