Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 2 (1898)
- Issue
- 40 (7.10.1898)
- Article
- Boryslaw
- Date
- 1898-10-07
- Page
- 11 (sequence 2)
- Language
- German
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21t. 40 Seite 11 gäbe es war, genaue Erkundigungen ein,Anziehen, ob die Arbeiter, welche die Hilfe in Anspruch nehmen wollten, wirklich beschäftigungs- und brotlos wären. Als nun die Liste znsammengestellt war, überzeugte sich das Comitä, dass die von der Baronin gewidmete Summe z n r S i ch e r u n g der E x i st e n z für die gemeldeten Arbeiter nicht ausreiche. Das Comitä berichtete nun hierüber Herrn Dr. Friedländer und zwar in der Absicht, damit er mit der Einsendung der Sumine zögere, bis sie von einer anderen Quelle die restliche Unterstützung erhalten hätten. Tie Angelegenheit blieb unterdessen in der Schwebe. Da fand sich ein Mann, ein gewisser Herr 2., der aus Hass gegen das Cvmitö (weil er selbst nicht ins Comitü gewählt worden war) die Angelegenheit in einem falschen Lichte den Trohobyczer Socialisten und dein Dr. Friedländcr darstcllte. Dieser Mann ist weder Svcialist noch Zionist. Doctor Friedländer verlangte damals vom Couritö, dass es im Einverständnis mit den Arbeitern handle und zusammen, mit ihnen die Liste anfstelle. Obwohl nun das Cvmitö schon früher so vorgegangen war, beauftragte es den Herrm Pommeranz er solle eine Arbei erversammlung einbernfen behufs nochmaliger Verständigung. Pommeranz forderte in der Versammlung die Thcilnehmer auf, sie mögen aus ihrer Mitte 6 Arbeiter wählen, welche die Liste durchblicken und sie eventuell nach ihrem Gutdünken abändern sollten. Tie Versammlung wählte nun iit der Thal aus ihrer Mitte 0 Arbeiter, welche auf eine Unterstützung nicht reflectierten und unter ihren Kameraden vollständiges Vertrauen genosien, damit diese Arbeiter die Liste gleichsam controlieren. Und so geschah es auch wirklich. Die gewühlten Arbeiter schickten, nachdem sie in Gemeinschaft mit dem Comirö die Liste genau dnrchgesehen hatten, dieselbe dem Tr. Friedländer. So verhielt sich die Sache in Wirklichkeit Es ist also eine freche Lüge, dass in die Liste Protectionskinder und nicht Arbeiter hineingekoinmen sind. In der Liste sind thatsächlich ausschließlich Arbeiter. Eine freche Lüge, dass Herr Pommeranz in der Versammlung so gesprochen hat, wie Herr S. faselt und phantasiert, und was er in der „Arbeiterzeitung" entweder selbst veröffentlichte oder jemanden schreiben ließ. Uebrigens besteht das Comitö ans sehr reichen, durch und durch vertrauenswürdigen Männern, deren Verwandte ohne Ausnahme tvohlhabend sind, und die überdies aus eigenen Mitteln die Boryslawer Arbeiter unterstützen. So also verhält sich die Sache. Diesen Bericht schreibe ich an Ort und Stelle. Was sonst über die Sache berichtet wird, ist absichtlich oder irrthnmlich entstellt. (Anmerkung: Der Name des durchaus vertrauenswürdigen Evrrespvndenten ist der Nedaction bekannt.) - - Wir glauben diesem Bericht nichts mehr hinznfügen zu sollen. Unsere jüdischen Arbeiter mögen aus dem Vorgehen der ,/Arbeiter-Zeitung" ersehen, wie diese auch sonst über die Verhältnisse der jüdischen Arbeiter unterrichtet ist und wie ehrlich sie gegen Leute und Parteien vorgehr, die an ihre Unfehlbarkeit nicht glauben können. Deutschland. Berlin. Sehr interessant war es, gelegentlich de» Baseler Evngresses die Haltung der deutschen Presse zu beobachten. Die antisemitischen Blätter verhielten sich lediglich referierend, die meisten Tageszeitungen brachten ausführliche Berichte, irr denen sie — je nach der Grundtendenz des Blarres - über die Bewegung ernsthaft abnrrheilen. "Auch wo das Urcheil weniger günstig ausfiel, war doch der Ernst zur Behandlung der Frage bemerkbar. Nur für das jüdische „Berliner Tageblatt", das unter seinen 05.000 Abonnenten wenigstens 40.000 Inden zählt, einer»! Inden gehört und von Juden redigiert wird, scheint der Zionismus nicht zu existieren. Tie Redactivn erklärte ans Befragen: „Wir haben an der Sache nicht das geringste Interesse." Ein Cvmmentar könnte die Wirkung dieses lapidaren "Ausspruches nur schädigen. "Aber man möge solche Expectvranvnen nicht vergessen, wenn wir einmal zur "Abrechnung kommen! Bon den jüdischen Blättern hat die „Jüdische Presse" eine wesentlich sympathischere Besprechung des Evngresses als im Vorjahre gebracht. Sie erkennt die erziehliche Wirkung des Zionismus für die jüdischen Massen an und erhofft Nutzen davon für die Zukunft. Dagegen wohnen, ach, zwei Seelen in der Zeitschrift des Vereines deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens. Ans Seite 407 von „Im deutschen Reiche" wird cvnstatiert, dass man in Basel die besonnenen Elemente niedergestimmt habe und voll Emphase gewarnt, dass kein Jude „seiner wahrhaft deutschnationalen Gesinnung untreu" werde und in die Schlingen der Verführer falle. Auf Seite 447 ist man wesentlich anderer "Ansicht. Denn dort steht zu lesen: Die Antisemiten haben vom Zionismus nur Nachrheile zu erwarten. Diese, an fich achtnngswertcn Gefühlen entsprossene Bewegung hat bereits dazu beigetragen, den größten Schaden für das Indenthum, den Indifferenrismns, zu vermindern und die deutschen Juden von der Nothwendigkeit zu überzeugen, sich fester aneinander,zuschließen und den ausländischen , Glaubensgenossen" zu helfen! Wenn man doch ehrlich gegen sich selbst sein wollte! Der Glaube soll zwar Berge versetzen können, aber den Staatsbürgcrverein hat er nicht geschaffen. Das haben dieselben „an sich achtnngswerthen" Gefühle gethan, aus denen der Zionismus hcrvorgegangen ist. Und wenn die Herren Staatsbürger an deren jüdischen „Glauben" leider die böse Welt nicht glauben will, einmal Herz und "Pieren prüfen, so werden sie vielleicht weniger ostentativ ihre deutsch-nationale Gesinnung zur Schau tragen und weniger Redacrionsschwnpper verüben. Gelegentlich der jüdischen Feiertage zeigte sich der Mangel an jüdischen Bethänsern wieder erschreckend. Wer kein Geld hat, darf in Berlin überhaupt nicht beten, denn die Preise der Plätze sind für viele unerschwinglich. Ter Vorstand der jüdischen Gemeinde scheint aber nur ans die Frömmigkeit der Thiergartenstraße Werth zu legen, denn er Hot wieder eine Prachtsynagoge in der Lntzowstraße eröffnet, während man für dasselbe Geld Härte zwei einfache bauen können, in deren einer vielleicht auch Platz „fürs Volk" gewesen wäre. Im Herbst, wenn cs zur Enltnswahl geht, wird man wieder von Besorgnis für die Massen übcrsließen. Leider sind die Zionisten, infolge ihrer hier mangelhaften Organisation dicc mal noch nicht imstande, an der Wahl erheblichen Antheil zu nehmen. In zwei Jahren aber gedenken nur stark genug zu sein, um den Herren eine große Ucberraschnng zu bereiten. l-A Berlin. DifTicilo «><l satirnm non sorihon*. Unter den Zeitungsannoncen, durch welche der jüdischen Bevölkerung Berlin» die Stunden bekannt gemacht wurden, an welchen am diesjährigen Jom >lipnr der Gottesdienst in den Synagogen beginnt, gibt es nur eine einzige, rvelche zur „Iom- Kipur- Feier" einlader. Alle anderen annoncieren den Beginn des „ G o t l e s d i e n st es", F e st g v r r e s d i e n st es", „ Gvrr e s dien st e s z u m B e r s ö h n u n g s r a ge". Und wer ist der rveiße unter den Raben? Der Leser vermnrher nwhl, es sei eine hyperorrhodvxe Separatgemcinde, welche es sich nicht nehmen lassen will, hier in kleinlichster Weise gegen die Einführung der deutschen Sprache in den Gottesdienst der jüdischen Synagogen zu demonstrieren? „ Zur I v m .\l i p n r -Fei e r wird eingeladen nach dem Saale der evangelischen Brüdergemeinde, Wilhelmstraße 130, Montag, vormittag» 10 Uhr. Eintritt frei!" Frankreich. Paris. Ter Generalprocnrator Bk a u a u hat die Dreyfnsacten dnrchstudiert und sie dem Cassationshofe zngestellt. Nach einigen Journalen ist er der Ansicht, dass nicht die Revision wohl aber die Annullierung des Prvcesscs zu erfolgen habe. Jedenfalls ist cs bemerkenswert, dass man wieder nicht übel