Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 2 (1898)
- Issue
- 40 (7.10.1898)
- Article
- Galatz
- Date
- 1898-10-07
- Page
- 10 (sequence 2)
- Language
- German
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- Pinsk 1× ep/1045440
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Teile 10 Nr. 40 Es ist daher nun an uns. auf der betretenen Bahn vorwärts zu gehen, unermüdlich und unverdrossen, damit ein ständiges Feuer auf dem Altäre des Zionismus brenne — und kein Stroh feuer! Vermehren wir unsere Eomites, verstärken wir unsere Reihen, sammeln wir Schekel, zeichnen wir A c t i e n, und halten wir uns bereit, unser Ziel zu erreichen; denn unsere Führer arbeiten, und wir können und dürfen volles Zutrauen zu ihnen haben. Sie verdienen es! Es freut uns, bereirs mittheilen zu können, dass zwei neue Zionsvereine sich gebildet haben, und dass das Eentralcomite gleich nach den Feiertagen die neue Organisation der alten „Chowewe Zion“ mit den „Zionisten" vornehmen wird. Pinsk. Eine erfreuliche Erscheinung in dem sonst so einförmigen Leben unserer Stadt bietet die zionistische Bewegung. Die Berhandlungen des zweiten Baseler Eongresses fanden hier solchen Anklang, dass fast alle Schichten der hiesigen Bevölkerung sich für unsere Idee begeistern und jetzt vom ernsten Willen durchdrungen sind, sich activ an den Zionismus anzuschlieften. Die versöhnende Wirkung der Baseler Beschlüsse trug wesentlich dazu bei, dass die ..('Irou-erve Zion-, die vorher recht indifferent dem Zionismus gegenüber standen, jetzt ein Zusammenwirken im zionistischen Sinne anstreben, und es ist eine gedeihliche Fortentwicklung hier mit Sicherheit zu erwarten. Vor einigen Tagen fand in einer der hiesigen Synagogen eine zahlreiche Volksversammlung statt, in welcher die Delegierten der Stadt für den zweiten Baseler Congress über den Verlauf desselben referierten. Mit gespannter Aufmerksamkeit folgte die dichtgedrängte Menge den begeisterten Ausführungen der beiden Redner. Man konnte den Zuhörern ihre volle Zufriedenheit und Begeisterung von den Gesichtern ablesen. Die hiesigen Zionisten nahmen auch ihre während der Congresszcit unterbrochene Thätigkeit wieder auf. Schon ist die Schelelsammlung in vollem Maße eingeleitet, die Subscription auf die jüdische Eolonialbank wird energisch fortgesetzt. Auch in unserer Umgebung, in den verlassenen kleinen Orten macht sich Leben und Regung bemerkbar. Die Delegierten sind bemüht, den zahlreichen Aufforderungen, die an sie gelangen, zu genügen, in die kleinen Städtchen zu gehen, um dort von den großen Tagen in Basel zu erzählen. Wir erblicken in diesen freudigen Thatsachen das unverkennbare Zeichen dessen, dass unsere Idee schon tiefe Wurzeln in den breitesten Schichten des Volkes geschlagen hat. Möge es den anderen Städten so ergehen! Ein Zionist. Ackermann (Bessarabien). Am Sonntag, den zweiten Tag des Neujahrsfestes, sowie am Jom-Kippur, sprach der hebräische Schriftsteller, Herr I. S. T r a ch t m a n n, im hiesigen Bethause „Zion" über die Messiasidee und deren 2luffassung im Schriftthum unseres Volkes. Beide Reden verfehlten nicht, einen tiefen Eindruck auf die zahlreichen zur Andacht im Golteshause Versammelten zu machen. Auch hier hat die zionistische Idee liefe Wurzel gefasst. Die hiesigen Zionisten haben beschlossen, im Laufe des Winters literarische Abende zu veranstalten, welche den Zweck haben sollen, jüdische Literatur und Geschichte zu pstegen. Herr Trachtmann hatte die Güte, eine Reihe von Vorträgen anzukündrgen, wofür ihm die hiesige Gemeinde sehr dankbar ist. CllmsplNldeilZkN. Oesterreich-Ungarn. Böicn. Unter den zahlreichen Trauerfeierlichkeiten, die in Wien anlässlich des Hinscheidens der Kaiserin Elisabeth veranstaltet wurden, zeichnete sich die Feier im Tempel nach polnisch-jüdischem Ritus, II. Leopoldsgasse, durch ihren erhebenden Verlauf besonders aus. Ter Präsident des Tempelvereines, Herr S. M e i s e l s, hatte im Einverständnis mit dem Ausschüsse des Tempelvereines diese Feier für Jom-Kippur angesetzt. In dem bis aufs letzte Plätzchen besetzten Gotteshause wurde eine feierliche Trauerandacht abgehalten, die den tiefsten Eindruck auf alle Theilnehmer machte. Dem Präsidium des Vereines, Herrn S. M e i f e l s, Herrn Edlen von Mises und I. Jvlles gebürt alle Anerkennung für diese Veranstaltung. Wien. Tie israelitische Union beabsichtigt, eine Enqnote über die Lage der Inden in Galizien zu veranstalten. Wer die bisherige Thätigkeit dieses Vereines kennt, den wird die Sache wundernehmen. Er wird nach der Erklärung suchen für eine Actiou, die der israelitischen Union etwa so gut ansteht, wie irgend einer anderen Versorgungsanstalt für Bezirksgrößen eine Enquete über die sociale Frage oder über die Principien der colonialen Reichspolitik. Nichtsdestoweniger nehmen wir gerne von dieser Enquete Act. Es zeigt sich, dass auch die naivsten Kirchthnrmpolitiker endlich zu bcgrcisen anfangen, welchen Gefahren die Juden entgegengehen. So hat sich auch die „Union", in deren Versammlungen noch im Vorjahre nichts weniger als freundlich oder auch nur objectiv über die galizischen Juden gesprochen wurde, veranlasst gesehen, sich mit diesen verachteten und verabscheuten „Glaubensgenossen" etwas eingehender zu befaffen. Nach den vorjährigen, vom Präsidenten der „Union" geduldeten Liebesäußerungen gewiss nicht ans reiner Zuneigung. Es handelt sich, klipp und klar gesagt, darum, den Zuzug, die unangenehme Concurrenz und nicht zum wenigsten die „Antisemiten erzeugende" Gesellschaft der polnischen Juden in Wien loszuwerden oder sie auf ein Minimum einznschränken. Das ist gar nicht so dumm. Dass die „Union" so lange Zeit brauchte, um die Gefahren auch nur zu ahnen, welche die galizffcheu Zustände auch für die Wiener Inden involvieren, dass diese kenntnisreichen Politiker erst durch die letzten Unruhen in Galizien, durch Standrecht und Ausnahmsgesetze an ihre primitivsten Pflichten gemahnt werden mussten, fei ihnen verziehen, wie ja auch Gott ihnen verzeihen wird, nach einem bekannten Spruche. Hoffentlich wird diese Enquete, deren eingehende Besprechung und Würdigung wir uns Vorbehalten, den Herren soviel Neues bringen, dass sie einsehen lernen werden, wie sehr sie bisher gesündigt haben. Allerdings übergroße Hoffnungen können wir aus der bisherigen Thätigkeit der Union nicht schöpfen. Auch wenn sie noch zehn Enqueten einberuft und ganz andere Männer mit deren Leitung betraut, als den dermaligen Präsidenten. Aber sie zeigt wenigstens Willen, wir wollen annehmen, guten Willen. Darum wollen wir diese Enquete genau verfolgen. Boryslaw, 20. September. Sehr geehrter Herr T v c t o r! Ich danke herzlichst für das Vertrauen, das Sie mir geschenkt haben. Ich erhielt heute um 11 Uhr vormittags Ihren werten Brief, und sofort, nachdem ich ihn durchgelesen, besprach ich mich mit dem Präsidenten unseres Vereines und einigen Ausschussmitgliedern, woraus ich uni 12 Uhr nach Boryslav snhr, um die Angelegenheit an Ort und Stelle genau zu eruieren. Das Resultat ist folgendes (Ich stelle die Angelegenheit so dar, wie sie sich von Anfang an in Wirklichkeit zugetragen hat.) Boryslawer beschäftigungslose Arbeiter — beschäftigungslos infolge neu erschienener Bergpvlizeilichcr Vorschriften, welche eine Arbeitseinstellung in vielen früher thätigen Schachten nach sich zogen — wandten sich an Tr. Herz l, er möge sich ihrer Nvrhlage annehmen und ihre Angelegenheit dem Baseler Congress unterbreiten, damit dieser die entsprechenden Schritte zur Verbesserung des Nothstandes einleite. Tr. Herzl empfahl die Angelegenheit der .Alliance Israelito, welche ihm versprach, Hilfe zu leisten und zwar in der Weise, dass diese Angelegenheit unfern Philanrrophen übergeben würde. Tiefe würden unsere armen Brüder aus der tiefsten Nothlagc herausrcißen. Tie Folge dieser Schritte war, dass Tr. Friedländer nach Boryslaw fuhr, sich mit den Herren Kvrnhabcr, Pommeranz, Lichtenstein und Elver, dem Leiter der Hirschschule, verständigte. Nach Wien zurückgekehrt, benachrichtigte er die oben Erwähnten, dass die Baronin Hirsch fl. 10.000 für die Boryslawer Arbeiter widme, a b e r n n t c r d e r Bedingung, dass damit die E x i st c n z der N v t h l e i d e n d e u sicher g e st e l l t werde. Zugleich ersuchte Dr. Friedländer um Einhändigung einer Liste von Arbeitern, deren Loos verbessert werden sollte. Tas Comite bestehend aus den Herren Kornhaber, Pvnnneranz, Lichtenstcin, berief nun, obwohl es die Verhältnisse der Arbeiter selbst sehr gut kannte, an seine Seite 2 Arbeiter, deren Ans-