Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 2 (1898)
- Issue
- 40 (7.10.1898)
- Article
- Heine und Bismarck
- Date
- 1898-10-07
- Page
- 9 (sequence 2)
- Language
- German
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Nr. 40 J*$WdC Seite 9 lmb die „Lutetia" von den prosaischen Werken des Dichters. Es wird sicher einmal eine dankbare Aufgabe für den psychologischen Literaturhistoriker sein, diese Borliebe congenialer aber in ihrer ganzen Weltanschauung von dem Dichter doch himmelweit entfernter Naturen für Heine aus tieferen Gründen 31t erklären. Zu diesen Naturen gehören unzweifelhaft in erster Reihe die Kaiserin Elisabeth, die Königin Victoria und vor allem der Fürst Bismarck". Algier. Ter Generalgouvcrneur Lafcrriere har den Führern der dortigen Antisemiten das Versprechen gegeben, dass er die Aufhebung des Crömieux'scheu Erlasses, durch welchen den algerischen Juden das französische Bürgerrecht verliehen wurde, mit allem Nachdruck befürworten werde. Verfolgung des Puter Skojulowski. Der bekannte polnische Reichsrathsabgeordnete Stanislaus Stojalowski, auf dessen Conto ein gut Theil der Judenexceffe in Galizien zu schreiben ist, unterhält mit seinem Compagnon Studencki seit dem Jahre 1892 in Csncza eine kleine Druckerei, in welcher die polnischen Blätter „Dieniec" (Der Kranz) und „Psczolka" (Die Biene) gedruckt werden. Seinerzeit wurde bekanntlich Pater Stojalowski aus dem Csüczaer Bezirke wegen politische Umtriebe ausgewiesen. Seine Druckerei blieb aber auch nach der Ausweisung in ungestörtem Betriebe und druckte und expedierte die oppositionellen polnischen Bläter nach wie vor. Am 3. Oktober erschien jedoch der Oberstuhlrichtcr des Csüczaer Kreises in der Stojalowski'schen Druckerei und bedeutete dem Geschäftsleiter Studencki, dass er von nun ab keine in polnischer Sprache erscheinenden Drucksachen mehr verfertigen dürfe; und als Studencki, sich auf seinen Gewerbeschein berufend, dieses Vorgehen für ungesetzlich erklärte und eine schriftliche Motivierung erbat, drang der Oberstuhlrichter in die Druckerei, zerstörte die fertigen Kolumnen, ließ die Fenster und die Thüre der Druckerei vernageln und bedrohte Jedermann mit zwei Jahren Kerkers, der sein Verbot zu überschreiten wage. Die Hausiererfrage. Aus dem Gebiete der Genreinden Detta und Lippa (Dem es er Comitat) wurde nach dem Muster anderer ungarischer Gemeinden die Ausübung des Hausierhandels verboten. Duell. In Budapest ließ der Rechtshörer Johann T 0 p e r c z e r, der sich in Gesellschaft zahlreicher Collegen befand, im „Cas6 Hunnia" in Übermut higer Wcinlaune von der dort musicierenden Kapelle verschiedene antisemitische Hetzlicder aufspielen. Der im Locale weilende Agent David Erd e ly i fand sich hierdurch in seinen religiösen Gefühlen verletzt und stellte den Toperczer wegen seines Vorgehens zur Rede. Toperczer antwortete mit einem Schlage ins Gesicht, der dem Erdelyi heftiges Nasenbluten verursachte. Am nächsten Morgen ließ Erdklyi von Toperczer Genngthuung fordern, und er beharrte auf seiner Forderung, Satisfaction mit den Waffen zu erhalten, auch daun, als Toperczer sich bereit erklärte, Abbitte zu leisten. So fand denn zwischen beiden im Fodor'schen Fechtsaale das Duell auf Säbel statt, welches mit der leichten Verwundung Toperczers endete. Am 10. September hatten sich beide Duellanten wegen Vergehens des Zweikampfes vor dem Strafgerichtshofe zu verantworten. Nach durchgeführter Verhandlung wurde Toperczer zu 3 Tagen, ErdOlyi zu einem Monat Staatsgefängnis verurtheilt. Toperczer gab sich mit dem Urthcil zufrieden; Erdcllyi, sowie auch der Staatsanwalt appellierten. P Die stomUche Demgrmg. Wien. Der „Zion", Verband österreichischer Vereine für (Kolonisation Palästinas und Syriens, veröffentlicht folgenden Aufruf: An d i e Z i 0 n i st en i n O e st er r e ich! Die Organisations-Commission des zweiten Baseler Zionisten- Congresses hat betont, dass die zionistische Organisation keine internationale sein darsMdass sich vielmehr die Gesinnungsgenossen in jedem Lande, rach den Gesetzen dieses Landes zu organisieren haben. Tie Landesorganisatiön hat den Zweck, einerseits die zerstreuten Kräfte in eine Centrale zu sammeln, um die für die Verbreitung der Bewegung und zur Erreichung ihres Zieles nöthigen Mittel zu beschaffen, andererseits von der Centrale aus die Gesinnungsgenossen des ganzen Landes von den Fortschritten der Bewegung zu unterrichten und ihnen ein einheitliches Vorgehen möglich zu machen. Gerade in Oesterreich, dem Hauptsitze der zionistischen Weltbewegung, läßt nun die Organisation viel zu wünschen übrig. Es besteht zwar eine Centrale im „Zion", dem Verbände österreichischer Vereine für Colonisation Palästinas und Syriens, allein es gehört demselben bisher nur eine geringe Anzahl von Zionsvereinen an, während sich nicht nur nach der Anzahl unserer Glaubensgenossen, sondern selbst nach der Anzahl unserer engeren Gesinnungsgenossen hunderte, ja tausende von Zionsvereinen gründen und ihm anschließen könnten. Das erhabene Ziel unserer Bewegung, welches nichts geringeres als die Wiedergeburt unseres Volkes auf dem Boden unserer Väter bezweckt, dessen Losungswort: „Jüdische Arbeit auf jüdischem Boden" ist, kann nicht durch die Anstrengungen einiger, wenn auch noch so begabter und opferwilliger Männer erreicht werden. Es bedarf dazu der Mithilfe des ganzen Volkes'. Darum, Stammes- und Glaubensgenossen in Oesterreich! Gründet in jedem Orte, in welchem sich nur einige Gesinnungsgenossen befinden, einen Zionsverein, und schließt Euch unserem Verbände an. Ihr werdet dadurch unser heiliges Werk wesentlich förderm. Die nöthigen Drucksorten und Auskünfte sind beim gefertigten Obmanne des Verbandes in Wien, 1. Bezirk, Singerstraße 25, zu erhalten. Für die Leitung des „Zion", Verbandes österreichischer Vereine für Colonisation Palästinas und Syriens Dr. Mar R 0 s c n l h a l Dr. O. 5t 0 k e s ch Schriftführer Obmann. Tobitschau, October. Gestern hielt unser eifriger Ge sinnungsgenosse Herr Dr. T a u b e l e s hier einen Vortrag über die zionistische Idee, dem alle hiesigen Juden beiwohnten. In einer fünfviertelstündigen Rede setzte der Referent in klarer und ergreifender Weise die Ziele des Zionismus auseinander und erwarb sich mit seinen vorzüglichen Ausführungen den Beifall der Versammlung. Für die nächste Zeit steht die Gründung einer zionistischen Ortsgruppe für Tobitschau in Aussicht. Sie soll der Mittelpunkt einer lebhaften Agitation werden, die sich über die ganze Umgebung unserer Stadl ausdehnen dürste. Galatz im September. Zwei Tage nach seiner Rückkehr aus Basel hat Herr P i n e l c s die hiesigen Z i 0 n s v e r e i n e in die Vereinslocalitäten eingeladen und in einem anderthalb ständigen Rapport Bericht über den zweiten Baseler C 0 n g r c s s abgestattet, der sowohl von den Herren, als den Damen sehr beifällig ausgenommen wurde und mit einem dreifachen Hoch auf Dr. H erzl und Dr. Nord au endigte. Hieraus nahm der in der Versammlung anwesende R a b b i n e r T a u b e s a u s V a s l u i das Wort für Zion und schloss mit Segenswünschen auf die Versammlung und Herrn P i n e l e s. Das Centralcomitö erließ dann ein Circular an die Z i 0 n i st e n in R u m ä n i e n, worin in gedrängter Kürze, aber in aller Klarheit die Hauptpunkte der Baseler Verhandlungen fixiert find: wir bringen hier aus dem Circular den 'Anfang und das Ende. „Der zweite Baseler Congrcss hat programmäßig stattgesunden, trotz mancher Jntriguen während des Jahres und trotz mancher Hindernisse, welche während der Congrcsstage zu überwinden wären. War der erste Congress ein Versuch, um zu sehen, ob die Idee des Dr. Herzl Wurzel fassen kann in den Herzen der Juden -- so harten wir jetzt am zweiten Congress die Genugthuung, mit Stolz sagen zu können, dass diese Idee bereits in Fleisch und Blut bei unseren Glaubensgenossen übergcgangen ist, u n s zur Ehre u n d unseren Gegnern z n r B es ch ä m u n g. Im Vorjahre kamen wir zweihundert, von verschiedenen Vereinen und Comites gewählt, zur B e r a t h u n g zusammen, um unsere Wünsche auszudrücken: Heuer waren wir in doppelter A n z a h l, von den Schekel zahlenden Z i 0 n i st e n delegiert, um B c s ch l ü s s e zu fassen, welche mit Gottes Hilfe von größter Tragweite für die Zukunft unserer unglücklichen'Bruder sein werden. Wir müssen daher unser Alles einsetzcn, diese Beschlüsse auszuführen und zu verwirklichen; und Gott wird weiter helfen! (Folgen die Ergebnisse des Congresses.) Mit Genugthuung können wir constatieren, dass die Delegierten aus R u m ä n i e n durch ihre Bescheidenheit sich allgemeines W 0 h l w 0 l l e n erwarben.