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Die Welt · 1898-10-07 · 40 (7.10.1898) · p. 8

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Journal
Die Welt
Volume
2 (1898)
Issue
40 (7.10.1898)
Article
[Ohne Titel] / Jehlitzke, N.
Date
1898-10-07
Page
8 (sequence 2)
Language
German
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Seite 8 Rr. 40 welchen dieser Besuch in mir hervorgerufen hat, kann ich angesichts der musterhaften Sorge, welche den Kranken hier entgegengebracht wird, sowie des ganzen Geistes, welchen diese Anstalt athmet, nur in die Worte fassen: Kranke heilen und Leidenden helfen ist allein schon wahre Religion. Jerusalem, 13. Juni 1898. N. I e h l i tz k e. Kais. u. kön. österr.-ung. Consul. Kaiserlich deutsches (Konsulat. Dem Vorstande des deutsch-jüdischen Hospitals „Bikur- Cholim" gestatte ich mir im Namen des kaiserlichen Herrn Consuls, den Ausdruck der Befriedigung über die in der Anstalt constatierte Ordnung und Zweckmäßigkeit mit dem Wunsche ergebenst zu übermitteln, dass dem Hospital zum Nutzen der jüdischen Bevölkerung immer weitere' Theilnahme zugewendet werden möge. Jerusalem, den 15. Juni 1898. Dr. Büge. Wcltchronik. Die Lebensdauer der Juden. rDaily Mail“ bringt eine statistische Zusammenstellung über die Lebensdauer der Inden, aus der hervorgeht, dass diese ein beträchtlich höheres Alter erreichen, als irgendeine andere eivilisierte Rasse. Von 100.600 an einem Tage geborenen jüdischen Kindern werden nach Verlaus eines Jahres nur 8091 gestorben sein, während sich diese Zahl bei ebensovielen englischen Kindern auf 14-192 und bei ebenso vielen amerikanischen auf 16706 stellt. Nach 5 Jahren stellt sich die Sterblichkeit der Kinder folgendermaßen dar: Aus 100.000 Kinder kommen bei den Juden . . . 13.844- Todesfälle, „ „ Engländern . 24.679 * und „ „ Amerikanern . 26.912 „ Noch größer aber ist der Unterschied, wenn man die Sterblichkeit der angeführten Rassen in ihrem 50. Lebensjahre vergleicht. Bon 100.000 Juden sterben in diesem Alter 26.519 „ 100.000 Engländern „ „ „ „ 49.079 Im 65. Lebensjahre von 100.000 Juden. 37.442 „ 100.000 Engländern . . . 66.110. Aber am überraschendsten wirkt der Vergleich in den höchsten Lebensaltern. Von unseren 100.000 Juden werden daun nicht weniger als 25.135 noch am Leben sein, während die Zahl der Ueberlebenden aus der englischen Raste 5566 betragen wird. Jnterestant gestaltet sich auch ein Vergleich der Sterblichkeit unter Frauen und Männern bei den verschiedenen Rasteii. Die gewöhnliche Erfahrung lehrt doch, dass die Lebensdauer der Frau eine höhere ist als die des Mannes. Bei den Juden ist aber merkwürdigerweise das Umgekehrte der Fall. Von den nach 85 Jahren noch überlebenden Juden werden 16.225 Männer und nur 8910 Frauen sein; das gibt einen Perceutsatz von 64*6 Percent Männer und 35*4 Percent Frauen. Bei den Engländern zeigt der Percentsatz in diesem Alter folgendes Verhältnis: 40*1 Percent Männer und 59*9 Percent Frauen. Eine Criminalstatistik. Die vor kurzem erschienene Criminalstatistik für das Deutsche Reich, das Jahr 1896 betreffend, zeigt hinsichtlich der Confession der Berurtheilten folgendes bemerkenswertes Ergebnis. Während die allgemeine Criminalität von 444.806 auf 447.312 gestiegen ist, ist die Zahl der Berurtheilten jüdischer Confession von 4767 aus 4556, d. h um 5 Percent heruntergegangen. Ta die allgemeine Volkszählung im Jahre 1895 ergeben hat, dass die Anzahl der Juden in Deutschland 1*1 Percent der Gesammtbevölkerung beträgt, so wurde diesem Verhältnis eine Criminalität von 4920 entsprechen, während sie, wie bereits erwähnt, nur 4556 beträgt. Im einzelnen ist noch hervorzuheben, dass wegen Hoch- und Laudesverraths, Mord, Todtschlag, Blutschande und Kindesmord keine Berurtheilung von Juden erfolgt ist, wegen Sittlichkeitsvergehens zwei (Minimum) und wegen Körperverletzung 571 (Maximum) Berurtheilungen jüdischer Personen stattgefunden haben. Dev Iudenmarkt. Der Westen von England verdankt seine Einführung in den Welthandel nicht zum geringen Theil unternehmungslustigen Juden. Ein Beispiel hiefür bietet die Stadt Maragion (in der Nähe von Land's End), die in der Umgebung bezeichnenderweise „Judenmarkt" genannt wird. Es geht die Sage, dass die Gründung des Ortes aus eine jüdische Colonie zurückzuführen ist, die sich, angezogen durch die reichen Zinnlager, in grauer Borzeit hier niederließ. Eine Legende will sogar wissen, dass diese Colonie einst eines hohen Besuches gewürdigt worden: keines geringeren als JosephsvonArimathäa! (I. W.) Ein jüdisches Leichenbegängnis auf Cuba. Dem Briefe des Sergeant-Majors Budt vom I. California-Regiment an seinen Bater entnehmen wir die folgende Schilderung einer ergreifenden Episode des letzten Krieges: „Ter einzige Mann von unserem ersten Regiment, der den Tod auf dem Schlachtfelde fand, war der erste Sergeant der Compagnie A unseres Regimentes, ein junger Jude, der die Liebe aller Kameraden besaß. Der arme Moritz Justh! Immer suchte er die gefährlichsten Posten auf, obwohl seine Freunde ihn warnten und baten, er solle auch auf sein junges Leben ein wenig Rücksicht nehmen. Und mm ist er, von einer Kugel durchbohrt, in weniger als drei Minuten gestorben. „Kinder, mit mir ist's vorbei!" sagte er noch. — Verständige seine Leute, dass der arme Junge ein jüdisches Leichenbegängnis hatte, und ein großartiges dazu. Das ganze Regiment, vom Colonel angefangen bis zum letzten Soldaten, nahm daran theil. Ein Jude von Compagnie G., Namens Levy, versah die Function eines Rabbiners. Er sprach die Grabgebete auf Englisch. Es war ungemein rührend und eindrucksvoll. Unser Kaplan, Pater Mc Kinnon, sowie die Kapläne dreier anderer Regimenter hielten am offenen Grabe kurze Gedenkreden. Ter Sarg wurde von den ersten Sergeants des Regiments getragen. Er war ein Held, der arme Moritz Justh .... (J. W.) Die Rückkehr Dreyfus? Wie ein Telegramm aus Cayenne meldet, ist der französische Kreuzer „Dubvurdieu" bei den „Isles du Salut“ vor Anker gegangen. Das Kriegsschiff soll die Aufgabe haben, Dreyfus an Bord zu nehmen. Zola in Amerika. Man hat Zola von New-Aork aus das Anerbieten gemacht, in Amerika Borträge zu halte», in denen er die Affaire Dreyfus behandeln sollte. Eine vorläufige Summe von 60.000 Mark ist hinterlegt worden, um die Kosten zu decken. Selbstverständlich geht Zola auf diesen Vorschlag nicht ein. Heine und Bismarck. Der „Berl. B. - C." schreibt: Es wird weitere Kreise interessieren zu erfahren, dass auch Fürst Bismarck ein großer Verehrer Heinrich Heines . gewesen ist. In seinen älteren Briefen und Reden bediente er sich gern Heine'scher Citate. Mit besonderer Vorliebe variert er das von Heine auf oen Bundestag gemünzte rheinische Lied: „O Bund, du Hund, du bist nicht gesund!" Als einmal bei einem parlamentarischen Tischgespräch die Rede ans die Pension kam, welche die französische Regierung Heine gegeben habe, soll Fürst Bismarck lächelnd bemerkt haben: „Dem hätte ich auch eine Pension bewilligt." Dann soll er noch hin;ugefügt haben, dass man die ganze Sache zu sehr gegen den Dichter aufbausche. Dichter seien keine Politiker, nn) wenn man das Buch durchlese, in dem alle Pensionäre aufgezählt sind, so fände man Verschiedenes begreiflich, ja sogar entschuldbar. Später stellte er auf eine Interpellation es entschieden in Abrede, dass er irgendwie an der Agitation gegen ein Heine-Denkmal sich betheiligt habe, geschweige denn, dass eine solche direct von ihm ansgegangen sei. In den letzten Jahren s"ll der Fürst mit Vorliebe Heine gelesen haben. Besonders interessierte ihn der „Atter^Troll" von den poetischen

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