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Die Welt · 1898-10-07 · 40 (7.10.1898) · p. 5

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Journal
Die Welt
Volume
2 (1898)
Issue
40 (7.10.1898)
Article
[Ohne Titel] / E. R.
Date
1898-10-07
Page
5 (sequence 1)
Language
German
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Nr. 40 JWWdC Seite 5 Me Woche. Wien, 5. Cctober 18;>8. Um alte Schlösser, die mit ihren bejahrten Baufvrme.i trotzig und fremdartig in die Gegenwart hereinragen, spinnt das Volk seinen Sagenkreis. Zumeist sind es sehr gruselige Tinge, die einer dem andern zuraunt. So geht es auch alten Völkern, an denen der Tod bis aus den heutigen Tag vergesslich vorbeigegangen ist. Man erzählt sich von ihnen Schauermären. Es ist immer im höchsten Grade verdächtig, wenn man vom Tode verschont wird. Vielleicht besteht ein geheimnisvoller Pact mit irgendwelchen dunklen Mächten, der jenes unzerstörbare Geschlecht hieb- und stichfest macht. Es lässt sich nichts darüber sagen, und darum lässt sich viel darüber munkeln. Eines ist sicher: man hat Ursache, diese Leute mit argwöhnischen Augen zu betrachten. Und auch mit scheelen Augen. Tenn was ist das für eine Art, nicht sterben zu wollen! Wetterharte, sturmgebräunte Völker sind gestorben und verdorben, und diese da sind widerspenstig! Eine impertinente Langlebigkeit. Das verdient Züchtigung, zumal es nicht mit rechten Tingen zugeht. Man muss ein bischen uachhelfen, damit dieser lebenssüchtigen Sippe, die sich so ungern ans der Bahre ausstreckt, das Sterben leichter werde — — Nieder mir den Juden! Tie Juden sind sagcnunrwoben wie ein altes Bergschloss. Erst jüngst hat wieder ein Wiener Skalde in die Saiten gegriffen und eine neue Romanze gesungen: Wenn kerngesunde Judenkinder sich neben kerngesunde Ehristenkinder auf die Schulbank setzen, so tritt eine schwere .Katastrophe ein. Tie irdische Hülle der Christenkinder wird sofort von tückischen epidemischen.Krankheiten befallen und fast zu gleicher Zeit wird die lilienweiße, junge Seele mit schwarzen Flecken förmlich übersäet. Heil und tugendhaft lasten sich die Christenkinder neben den kleinen jüdischen Unholden nieder und als erbärmliche Krüppel, gebrochen an Leib und Seele, stehen sie — falls es ihnen ihr bejammernswerter Zustand überhaupt gestattet — von der verhängnisvollen Schulbank wieder ans. So die Romanze des Skalden. Wer in die Geschichte der Juden eingeweiht ist, wird mühelos erkennen, dass die moderne jüdische Jugend (vielleicht nach dem Gesetze der Vererbung'» im Schulzimmcr ein ähnliches Manöver auffiihrt, wie jene jüdischen Sünder früherer Jahrhunderte, welche von Zeit zu Zeit in einen Brunnen ein wenig Gift zu schürten pflegten. Aber siehe, welch' Unterschied der Zeiten, welche erfreuliche Milderung der Sitten! Der öffentliche Ankläger beantragt heute nicht mehr für die jüdischen Frevler eine Anwendung der peinlichen Hals- und Gerichtsordnung, sondern mit Rücksicht auf die Minderjährigkeit der jüdischen Kinder wünscht er nur eine Internierung in der Correctionsanftalt cvnfessionellcr Schulen. ----- In weiteren Kreisen dürften früher Zweifel bestanden haben, ob jüdische Schulkinder thatsächlich imstande wären, durch ihren bloßen Besuch nichtcvnfessivneller Schulen einen christlichen Buben in einen Ausbund moralischer Verkommenheit zu verwandeln. Ter erwähnte Ankläger, beziehungsweise seine Ausführungen zeigen, dass diese Zweifel durchaus unberechtigt waren. Auf den bewährten Rücken der Wiener Juden will also wieder einmal ein sogenannter antisemitischer Kenlenschlag niedcrgehen. Aber mit den Wiener Juden ist bekanntlich in dieser Hinsicht nicht gut Kirschen essen. Sie - sind in puncto antisemitischer Hiebe erprobte Kämpen und rvissen, rvie man einen Schlag, der klatschend auf den Rücken niedergefallen ist, zu parieren hat. Wer kennt es nicht, das Universalmittel gegen den Antisemitismus, das niemals versagte und sich niemals als unwirksam erwies, wenn es galt, den Spott der Oeffenrlichkeit zu erregen? Wer kennt nicht die „Interpellation"? Die Interpellation ist der dröhnende Schlachtruf, mit dem die reisigen Juden von Wien gegen den Antisemitismus vorrückcn. Sie lassen sich viel gefallen, aber wenn es schließlich zu arg wird, wenn man sie aufs äußerste reizt, dann fahren sie auf in heißem Jähzorn und interpellieren. Und in der That! Die Antisemiten können dem vehementen Anprall selten widerstehen. In der kürzesten Zeit wälzen sie sich am Boden. — Vor Lachen. Um den sprudelnden Witz des letzten jüdischen Schlachtrufes, der auf jedes normal gebaute Zwerchfell einen äußerst günstigen Einfluss ausüben muss, nicht zu beeinträchtigen, geben wir die Interpellation wörtlich ohne jede commcntierende Bemerkung, wobei wir nur vor der humoristischen Begabung der Autoren — nicht ohne eine Anwandlung von gelbem Neide — eine ehrfurchtsvolle aufrichtige Verbeugung machen. Die Interpellation „In einer Geineinderathssitzung vom 27. September hat gelegentlich der Debatte über die Trennung der Schulkinder nach Konfessionen der Herr Generalredner der Majorität unter anderem von der Schädigung der Schulkinder in einer Schule des ersten Bezirkes durch das Auftreten eines epidemischen Rülpsens (Glucksen) gesprochen und diese Erscheinung auf die Ausdünstung jüdischer Mitschüler zurückgeführt. Dieser thatsächliche Zusammenhang soll von einem Professor behauptet worden sein. Es ist wohl bekannt, dass auf Grund von Imitationen unter Kindern solche nervöse Erscheinungen, wie Schluchzen, Glucksen :c., in Schulen ganz besonders bei Mädchen auftreten können: nicht bekannt war bisher, dass diese Spmplomengruppe einen epidemischen Charakter gewinnen kann, noch weniger, dass sie eine Consequenz der Ausdünstung, respective Ucbertragung von Individuum zu Individuum darstellt. Da mit Rücksicht auf die nicht genug in Acht zu nehmende Schulhygiene die Feststellung derartiger Schulzustände von der größten Wichtigkeit ist, erlauben wir uns, nachstehende Anfragen zu stellen: 1. Ist dem Herrn Bürgermeister das Auftreten dieser Erscheinungen als Epidemie bekannt geworden? -2. Ist diese Erscheinung seitens der städtischen Aerzte, respective des Stadtphysicates zur Anzeige gebracht und sachgemäß untersucht worden, und ist der Herr Bürgermeister geneigt, die Resultate der Untersuchung bekannt zu geben? 3. Ist der Herr Bürgermeister zu untersuchen geneigt, ob jener Professor, von dem der angebliche Ausspruch herrühren soll, der medicinischen Facultät angehörl?" Jawohl, Juda ist märchenumrankt wie ein betagtes Bauwerk, wo ein Spuk umgehen soll. Erzählt man sich nicht in laugen Geistergeschichten wundersviel von der jüdischen Klugheit und Schlauheit? Aber wo, tvo ist der Geist, der in Juda haust? Ta tappt allerdings etwas umher, was als Geist gelten möchte; doch wenn man näher zusieht, findet man, dass das sonderbare groteske Ding nach altem Gespensterbrauch — keinen Kopf hat. E. K. Der Krach der Fälscherpartei. Bon Jacques Bahar. In antisemitischen "Angelegenheiten bin ich des allzunaiven Optimismus selten bezichtigt worden. Daher dürfte man mir vielleicht einigen Glauben schenken, wenn ich ans den heutigen Kundgebungen die erfrischendst: Zuversicht schöpfe. Tie Trcpfnspartei hatte auf heute, den 2. Oetvber, eine Volksversammlung einbernfcn, bei welcher die besten Redner, worunter der tapfere Francis de Pressen sie, das Wort ergreifen sollten. Tie Losung war. die Befreiung Piegnart's von dem Generalstab zu fordern. Was den Esterhazpsten, vielmehr der Fälscherpartei, ein spezieller Greuel ist, ist das Wort der Wahrheit und des Lichts. Daher fasste Tervulöde den Entschluss, sich als ooniru-Redner zu melden, was von seinen Gegnern als die willkommenste Bescüeernng gutgeheißen wurde. Wusste ja jedermann schon, dass er nichts als Unsinn Vorbringen würde. Ob es nun wirklich seine Absicht war, das Wort zu nehmen, oder ob er bloß damit bezweckte, im Saale durch seine Trabanten Unstig zu treiben, die Versammlung zu stören, bleibt dahingestellt. Wahrscheinlich hatte er vor, patriotisch zu bramar-

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