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Die Welt · 1898-09-30 · 39 (30.9.1898) · p. 16

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Welt
Volume
2 (1898)
Issue
39 (30.9.1898)
Article
Die Goldschilds
Date
1898-09-30
Page
16 (sequence 2)
Language
German
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Seit« JfcOWdr Nr. 3Ö Trotzdem blieb er nach wie vor in geselliger Hii> sicht der untergeordnete Beamte, auf den jeder herabzuschaueu sich berechtigt hielt. Herr Osterheim selbst gab das Beispiel. Denn obgleich keiner der Beamten so lief in die hoffnungslose Lage des Hauses eingeweiht war wie Goldschild, zog ihn der Banquier niemals in den kleinen Kreis, den er allwöchentlich ein- bis zweimal um seinen Tisch zu versammeln Pflegte. Es schien fast, als ob man Jsak geflissentlich in einiger Entfernung halten wolle, um nicht auf geselligem Boden die Autorität zu verlieren, die man in geschäftlicher Hinsicht thatsächlich ihm gegenüber längst eingebüßt hatte. Vielleicht dachte man so das Genie des kleinen Juden nachhaltiger ausznbentcn. Vielleicht aber war es auch der dumpfe, in jedem Menschen schlummernde Trieb der Selbsterhaltung, der diesen ungerechten Truck diktierte. Mit einem Schlage sollte das anders werden. Für den 15. Jänner des Jahres 1858 kündigte ein Frankfurter Geschäftsfreund — Herr Kohn — seinen Besuch ganz unerwartet an. Es hieß zwar, es handle sich um eine unschuldige Vergnügungsreise, die der deutsche Banquier unternehmen wollte, um seiner Tochter Jsabella das gepriesene Paris zu zeigen. Im Vertrauen jedoch raunte man sich zu, Herr Cohn beabsichtige nichts Geringeres als sich in Frankreich nach einer anderen Verbindung umznsehen, da die gewagten Spcculationeu Osterheims ihn zu erschrecken anfiengen. Die Folgen aber, die dieser Bruch für das Haus in der me St. lionore nach sich ziehen würde, schienen unabsehbar. Herr Osterheim und Jsak Goldschild wussten es beide genau, dass es den Zusammensturz bedeutete. Der einzige Weg zur Rettung war, das wankende Vertrauen des Frankfurters zu befestigen, koste cs was cs wolle. llm diesen Zweck zu erreichen, musste man die gesellschaftliche Stellung Ostcrheiins so darstellen, dass es den Anschein erhielt, er unterhalte mit der Regierung innige Fühlung und sei von allen beabsichtigten Schritten derselben wohl unterrichtet. Aber konnte es gelingen, diesen Glauben in Herrn Kohn zu erwecken? Die Ostcrheims hatten es nie verstanden, sich eine glänzende Stellung in der Welt zu verschaffen. Bisher hatten sie mit gutem Gewiffeu auf die wohlgefüllten Geldsäcke klopfen können und nicht der bunten Lappen zur Schau getragenen Reichthums zur Festigung ihres Credites bedurft. In den letzten Jabren jedoch war das anders geworden. Nun war es aber zu spät. Herr und Frau Osterheim waren nicht dazu geeignet, die Ratten in das sinkende Schiff zu locken. Der Tag des Besuches rückte immer näher heran. Der Banquier hatte die Wette gänzlich verloren. Mochte kommen, was kommen musste! Er war zu müde um weiterzukämpfen, und es war zu spät, um sich zur Ruhe zu setzen. Jsak Goldschild dagegen theilte keineswegs den orientalischen Fatalismus seines Brotherrn. In Heller Verzweiflung rannte er in Paris umher und zermarterte sein Gehirn erbarmungslos, um einen Ausweg zu finden. Alles vergebens. Das Verderben schien unabwendbar. Den Abend, der deni Tage der Ankunft Herrn Kohns voransgieng, brachte Jsak in der Oper zu. Sticht, dass er gerade ein besonderer Freund von Musik oder Schauspiel gewesen wäre. Da er aber sein Billet von einem Journalisten geschenkt erhalten hatte, wollte er den Sitz nicht unbenützt lasten. Die Vorstellung, die stattfiuden sollte, versprach höchst genussreich zn werden. Zu Ehren des Besuches des Herzogs von Coburg spielte die Ristori die Rolle der. Maria Tudor — eine der höchsten und vollendetsten Leistungen der großen Künstlerin. Der Hof war für Punkt 8 Uhr angesagt und das Haus -daher schon lange vor der angesetzten Stunde bis auf den letzten Platz gefüllt. Mit gespannter Erwartung sah man dem Eintritte des deutschen Monarchen entgegen, der von seinem ersten Besuche im März 1855 her die Sympathien der Tuillerien besaß. Aber weder der politische Anstrich der Festvorstellung noch deren künstlerischer Wert vermochte die Gedanken Jsak Goldschilds von der nüchternen, kalten Wirklichkeit abzulenken. Während er auf seinem rothausgeschlagenen Sitze saß, mit den langen, dünnen Fingern beständig nervös an der Wolle der Pulswärmer zupfend, stand immer das Gespenst des Frankfurter Besuches vor seinen Augen. Prüfend flog sein Blick über die Logen und Fauteuilrcihen. Die ganze glänzende Gesellschaft des kaiserlichen Paris war hier versammelt. Schöne, geputze Frauen, goldstrotzende Officiere, ordengeschmückte Diplomaten. Es war das erstemal, dass der kleine böhmische Jude ihnen Beachtung schenkte. Nicht dass er sie beneidet hätte. O nein! Für schimmernden Glanz war seine nüchterne Seele gänzlich unempfänglich. Aber morgen hätte die Freundschaft dieser großthuenden, aufgeblasenen Menschen ihm Herrn Kohn gegenüber Nutzen gebracht. Er gönnte ihnen ihre Diademe, ihre Goldkrägen und ihre Ordenssterne gerade so, wie er sie nicht um ihre betressten Lakaien auf den Kutschböcken beneidete. Nur hätte er sich erstere gerne dienstbar gemacht, wie er aus letzteren vor seinem Eintritte in das Osterheimische Geschäft Nutzen zu ziehen verstanden hatte. Weshalb konnte man sich nicht einige dieser Strohköpfe und Zierpuppen ausleihen, wie man für sein gutes Geld einen glänzenden Wagen und Dienerschaft zur Miethe bekam? Die Anwesenheit dieser Damen und Herren hätte sicher genügt, um dem Frankfurter Sand in die Augen zu streuen. O — wenn man sie nur zwingen könnte eine Stunde lang die Salons im Hanse Osterheims zu bevölkern. (Fortsetzung folgt.) P Krieflrastkir drr Kkdackisu. I. Goldblum, Paris. Danken bestens. Haben bereits Berichte. Gesinnungsgenosse Krakau. Das ist nicht das erstemal, dass solche Blätter die „Welt" einfach abschreiben, ohne die Quelle anzugeben. Wir werden gezwungen sein, diese „Eillegen" öffentlich zu nennen. Bielleicht wird das nützen. Trh. M. Boryslaw. Besten Dank für die Mittheilung. Wie Sie sehen, haben wir an Ort und Stelle eine Untersuchung eingeleitet. M. Reiß, Wvjnilow. Besten Dank. Veröffentlichung unmöglich gewesen. I. Fr... . Sambor. Wir danken Ihnen für Ihre Benachrichtigung, wollen aber darüber nichts mehr bringen. Gruß. I. M.B., Auvers. Bitten um zusammenhängenden Bericht über die ganze Reise, am Schluffe derselben. S. B. B. S. Bitten um briefliche, ausführliche Verständigung. I. G ... Stanestie. Tief und warm empfunden. Es wäre aber zu schmerzlich, nochmals darüber zu schreiben. Dank und Gruß. M. Ncnbcrger Pitesti, Herr und Fra» Dr. L. Müntz, Rostoff. Herzlichen Dank. B. L.. Drohobycz. Besten Dank. Brief folgt. M. P. Boryslaw. Aufrichtigen Dank für 'Ihre Mühewaltung. Dr. I. L. L. Wien, Rueppgaffc. Sie sind im Jrrthum. Uebrigeus ist das doch zu unbedeutend, um es nach Ihrem Wunsche zu ändern. Herausgeber: P. Naschauer. Verantw. Red.: Dr. Sregm. Werner. Buchdruckerei „Industrie" (S. Bergmann), Vlll, Schlöstelg. 11>

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