Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 2 (1898)
- Issue
- 39 (30.9.1898)
- Article
- Wien
- Date
- 1898-09-30
- Page
- 12 (sequence 2)
- Language
- German
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Seite 12 JgfcsgsWdC Nr. 39 CC' rvirklich ehrlich mit den Juden und mit Galizien meinen. Wenn für die Inden irgend eines Landes, so ist sicher für die Galiziens das einzige Heil in den zionistischen Bestrebungen zu finden. Tlumaez (Galizien.) Den antisemitischen Berlänmdungen über die angebliche Schlechtigkeit der Juden hat sich in jüngster Zeit in Ostgalizien eine neue böswillige Erfindung angereiht. Es ist ein, höchstwahrscheinlich seitens der rnthenischradicalen Partei, in Scene gesetzter teuflischer Anschlag, den rechtzeitig zu ersticken getrachtet werden soll, da er in nicht allzu ferner Zeit für die Juden des hiesigen Bezirkes, und da diese vom gehässigsten antisemitischen Geiste durchdrungene Fabel — wie ich allen Grund anzunehmen habe — ihren Gang bereits durch andere Bezirke gemacht, auch für die übrigen Glaubensgenossen Ostgaliziens verhängnisvoll werden könnte. Seit dem Tode weiland des Kroprinzen Rudolf, circuliert unter der Landbevölkerring das Gerücht, derselbe sei noch am Leben und müsse sich nur aus einem unbekannten Politischen Grunde versteckt halten. Seit einigen Monaten wird folgende Erzählung verbreitet und überall geglaubt: „Ter Kronprinz sei in einer Verkleidung bald bei diesem, bald bei jenem Bauer gewesen, er habe ihm erzählt, wie er durch die Machinationen der Juden, die ihm nach dem Leben trachteten, gezwungen nwrden sei, das Gerücht von seinem Tode verbreiten zu lasten, um wenigstens versteckt und ungekannt leben zu können. Tic Juden seien ihm feindlich gewesen, weil er sich immer des arnren Bauern annehmen wollte, und so durch die Abschaffung des Wuchers, die er veranlasste, immer nur daraus bedacht war, den mächtigen Einfluss der Juden zu schwächen, den: Bauern hingegen zu einer besseren materiellen Lage zu verhelfen. Er möchte jetzt nach mehrjährigem unstäten Umherwandern sein Recht geltend machen wollen, fürchte aber wieder die Juden, die sich mit der Schlachta gegen ihn verbünden würden; mit letzterer aus dem Grunde, da ihr der große Plan, mit dem sich der Kronprinz immer hcrumgetragen habe, — und der darin bestehe, sämmtliche Waldungen und Weiden den Großgrundbesitzern abzunehmen, selbe zu parcelliereu und den Bauern zu verschenken, — doch nicht angenehm sein konnte. Tie Schlachzizen seien daher seine natürlichen Feinde, die uiit den Inden verbunden eine Macht bilden, gegen die er nichts ausrichten könnte. Man müsse daher, um diesen großen Plan mit Erfolg durchführen zu können, vor allem in Galizien die Juden unschädlich machen, dann habe man mit der geschwächten Schlachra leichtes Spiel". Waldungen! Weiden! Das sind in Galizien die gefährlichsten Zünder, die den harmlosesten Bauer in Harnisch bringen, und die Leute,. die dieses Gerücht verbreiten, haben mit Absicht diese Schlagworte gewählt, da sie von der werbenden Kraft derselben überzeugt sind. Es gibt in der Stadt wie ans dem Lande keinen Winkel mehr, wohin diese Lügen noch nicht eingedrungen wären, die Bauern machen auch kein Geheimnis daraus, und haben für den Beamten, der ihnen das Unsinnige dieser Fabel auseinandersetzt, nur ein überlegenes, skeptisches Lächeln. So sehr ist diese Agitation in die Bevölkerung gedrungen, dass die Ermordung der Inden für sie nur noch eine Frage der Zeit ist, und ein Bauer, der mich für einen Christen hielt, erklärte mir allen Ernstes, man würde ihnen den Zeitpunkt, wann sie über die Jtrden herfallen sollen, schon bekauntgeben, und, setzte er vertrauensvoll hinzu, dieser Zeitpunkt dürste nicht mehr ferne sein. — Es ist an der Zeit, dass man diesen Agitationen die gebärende Auftnerksamkeit schenke. Es wäre traurig, wenn sich die Gräuelthaten des Vorjahres in verstärktem Maße wiederholen würden. Nicht die Agitatoren, sondern die Bauern, deren Elend selbst den unsinnigsten Nettungsplan ihnen sympathisch macht, würden wieder, abgesehen von ihren Opfern, am meisten zu leiden haben. LI. Fr. Lemberg Sehr geehrter Herr Redactenr! Im Sinne des § 19 des Prcssgefetzes, ersuche ich Euer Wohlgebvrcn, die aus Seite 13, Nummer 37 der „Welt" enthaltene Correspondenz ans Lemberg svlgendecmaßen berichiigen zu wollen: Es ist nicht wahr, dass in der am 8. d. M. abgehaltenen Laudes-Cvmitä-Sitznng mein Cvngress-Bericht entgegeugenommen und die Beschlüsse des II. Baseler Congresses, bezüglich des politischen urrd praktischen Zionismus, wie auch der Colonialbank zustimmend zur Kenntnis genommen wurden. Ebenso unwahr sind die weiteren Behauptungen bezüglich des Schece's, wie auch bezüglich der Gemeinde-Wahlen. Wahr ist hingegen, dass am genannten Tage eine vertrauliche Sitzung stattgefunden hat, deren Berathungen und Beschlüsse als geheim erklärt wurden, so dass keiner der Theilnehmer darüber etwas verlantbarcn konnte. Ich zeichne mit deni Ausdrucke vorzüglicher Hochachtung Ihr ergebener Tr. David M a l z. Die Notiz, auf welche sich diese Berichtigung nach Paragraph 19 bezieht, stammt von einem der hervorragendsten Mitglieder des hier erwähnten Comitäs. Frankreich. Paris. Die Revisionscommission hat sich mit einer Stimmenmehrheit gegen die Revision des Dreyfusprocestes ansgesprochen. Trotzdem hat das französische Ministerium, hauptsächlich von B r i s s o n, gedrängt, die Revision beschlossen. Sarrien hat als Justizminister dem Cassationshof das auf die Affaire Dreysus bezügliche Actenmaterial zu überliefern. Von diesem Gerichtshöfe wird es abhängcn, wann Drcyfns nach Frankreich zurückgebracht werden soll. — Man darf an die Einleitung des Revisionsverfahrens keine allzu großen Hossunngen knüpfen. Es darf nicht vergessen werden, dass die Revision förmlich erzwungen wurde. Die Thatsachen jagten einander nach dem Tode Henry's und nach der Flucht E st e r h a z y 's. Trotz des Widerstandes der Antirevisiouistcn sah sich das Cabinet gezwungen, eine der Revision günstige Entscheidung zu treffen, wollte es nicht, dass sich die Revision sactisch vor aller Welt auch ohne Zuthun Frankreichs vollziehe. Es ist tiestraurig, dass es so kommen musste. Seit der Bernrtheilnng des unglücklichen Dreysus hatte Frankreich keine ruhige Stunde. In unleidlicher, peinvoller, wahrhaft erschreckender Weise hatte dieser dunkle Rechtsfall die Gemüther gerade der Besten erregt. Die Rückwirkung aus das Land ist nicht ausgeblieben. Im Handel und Wandel, in der Gesellschaft, wie in der Familie, in den Sälen der Universitäten, wie in den Versammlungen der Arbeiter war immer wieder diese Frage zum Vorschein gekommen, hatte in den Massen Hass und Zwietracht gezeugt ohne Ende. Allerdings auch Liebe und Opsersreudigkeit ohne Grenzen. Selbst die hohe Politik Frankreichs stand unter dem verderblichen Einflüsse dieser clus-r juge«, und während im Sudan, in China, im Orient, ja hi Europa die wichtigsten Ereignisse und Umwälzungen vor sich gicngen, denen alle Staaten Europas die größte Achtsamkeit widmeten, war Frankreich durch die Revolution gegen seine entartete Justiz im Innersten dnrchwühlt und unfähig jeder energischen Bethätigung nach außen. Jetzt will es endlich Frieden machen mit sich und der Welt; aber die anderen sind misstrauisch geworden und auch hochmüthig, da sie die alte gloire beschmutzt und die Kraft Frankreichs gelähmt sahen. Sie trauen Frankreichs gutem Willen nicht mehr. Es ist hoch an der Zeit, dass die Revision durchgeführt werde, nicht nur im Dreyfusvrocesse. Wer weiß, ob es nicht zu spät ist. P IkWnstenruudschM. ,,?riänjepr. Kraj.‘- knüpft in der Nummer 147 an den Vortrag des Ingenieurs Uffischkin „Ueber den Zionismus" seine Befrachtungen über die jüdische Intelligenz an. „Unlängst wurde in unserer Zeitung en passant die Frage aufgeworfen, ob wir