Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 2 (1898)
- Issue
- 39 (30.9.1898)
- Article
- Jacob Hagel [Nachricht]
- Date
- 1898-09-30
- Page
- 10 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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tc.ic 10 Vix. 39 tt?'*:*-Tn£*r 11£)r ^c;u obersten C^friclir-?liofc, innerem Genunuuqs- (tr;r.-vcnf Herrn Tr. Alexander Mintz. eine in den schmeichel- I;ai:esren Ausdrücken abgefassre Dankadresse übersandt. 0r>ali?irdier Indenexress. Am 25. d. M. nachts, Kat eine Nvrre von Taglöbnern in Polanka bei Krasno das Wirrseines jüdischen Gastwirtes überfallen. Fenster und Tküren z-.-rrrümmerr und den Branntwein tkcils geraubt. thcils ausl,iu''cn lassen. Vier Thärer wurden ausgcwrschr und verbaner, tue übrigen sind flüchtig geworden. Die Verhafteten benahmen sich den Gendarmen gegenüber höchst herausfordernd. Der JAniisemiLismus irr Curorlen ist eine bekannte, oft erwähnte Erscheinung. Uns wird aber aus Sarmingstein ein Fall gemeldet, der eine interessante Bereicherung dieses Eapstels bildet. Ter Anrisemit ist da kein beschränkter Dorfschulze. dessen polirische Denkfähigkeit nichr über den Horizont des „Hcpp. Kevp" hinausreickt. sondern ein sogenannter gebildeter Mensch aus der Landeshauptstadt Mährens, ein Gymiianalvrofcsior. Aber was das Interessanteste ist: der Antisemit, der jedem Juden nur blutrünstigen Blicken nachneht und ihn mit „3—jud" benamset, ist — ein Jude. Es ist nicht bekannt. vb der genannte Herr, der auf den Namen L. W.Korr. seine schmierigen Ansichten über die Juden aus dem trüben Borne seiner Selvsterkennrnis geschöpft Kar. und dementsprechend Ursache har, von den Juden die denkbar schlechteste Meinung zu daKen — TKarfache ist. dass der besagte Iugcndbildner die Zeit seines Sommerauientkalres dazu benützt Kar. um der arischen Bevölkerung von Zarmingstein einen Begriff zu geben. uhkein „8—jud" ist. Ter jüdische ^Professor" Kar nämlich dieses Wort wükrend seiner Anwesenheit in Sarmingstein bei politischen Gesprächen und bei Scandalscenen. die er gegen lwchachtbare jüdische Curgäste inscenierre. so orr gebraucht und erlänrerr. dass die naioen Sarmingsteiner jetzt wobl wiffen rverden. was sie unter dieser Bezeichnung zu verstehen Kaken. Der u^nffedlungsranon. Aus N i s ch n e i N o w g o r o d nnrd unrer dem 22. Sevrembcr gemeldet: Zu der jcnr beendeten Meffe sind hier mehr als tausend jüdische Kaufleure eingerroffen. welche zum Berlaffen des jüdischen Ansicdlungs- Ranvns kein Recht haben. Mehr als sechsbunderr wurden von der Polizei ausgewiesen und erlitten schwere geschäftliche Berl::ire, weil sie ihre Waren um Schleuderpreise losschlagen oder wieder mirnekmen mussten. Dir S»üffacht im Durstet. Im Tkearer von Nancn mniste jüngst die Vorstellung unterbrochen werden, weil mehrere Zuschauer im Parket eine Unterhaltung über den Fall Treustrs begonnen batten, die nach wemgen Minuten sich in e'ne regelrechte Prügelei verwandelte. Es regnete S Kr sei gen und Stockhiebe, und der Vorhang musste fallen. Als nach einer Viertelstunde die Schlacht im Parket beendet war, und die Gemütber sich halbwegs beruhigt Karren, wurde die Vorstellung fortgesetzt. Drr ZifErat Esterhazy. Es wird jetzt bekannt, dass Esterhazy vor einiger Zeit sich dem Pariser Verleger F a v a r d gegenüber mittels Vertrages verpflichtete, nach seinem eventuellen Ausscheiden aus der Armee gegen ein Honorar von 100.000 Francs ein Werk, berirelt „Coulis senge schichten per Assaire Treyfus", zu schreiben. Durch den Disciolmarratb in Ruhestand versetzt, lieferte er kürzlich die Vorrede ab. welche aber von Angriffen aus lebende Persönlichkeiten ipnmnelte, daher vom Verleger zurückgewieseu wurde. Hieraus verschwand Esterhazy uird ließ Fayard in Kenntnis setzen, dass er ihm vielleicht binnen acht Tagen das Material zukommen lanen werde. Der Verleger erklärte jedoch, sich aus den Vertrag stützend, nur das Originalmanuscript zu accevtieren. rN. W. T.‘ 2£iE Pfändung 3oIas. Im Hause Zolas wurde nun tXMvch die Pfändung vorgenommen. Bekanntlich war Zola in contumaciam verurtheilr, den Schreibexperten 3L0V0 Francs zn bezahlen. Da dieses Urtheil nach Wiederanstwbine des Verfahrens u'ugestostcn werden könnte, wollte der Sckiriststener Lnrbeau jene Summe nur nnrer der Bedingung anfälliger Rückerstattung bezahlen. Der Vertreter der Exvcrren lehurc die Bedingung ad, weshalb die Pfändung starrfand. Dir sioiMschc Lmrtznng. Wien. Der Einzelverein ^Landstraße" des „Zi o n" Veranstalter am 6. Qciober vräcise § Uhr abends in Müllers Restaurant, III.. Pragcrstraße eine öffentliche Vereinsversammlung. in welcher Dr. 'S. Werner über den 11. Baseler Eongress referieren wird. . Gr.-Tapolcsany. 20. September. Heute fand auf Veranlassung des Herrn Dr. I. Friedmann eine Sitzung der sämmtlichen hiesigen'Zionsfreunde statt. Unter den Anwesenden befanden sich auch viele Nichrzionisten. Es schilderte Herr Friedmann den Zweck und das Wesen des Zionismus. Seine Ausführungen fanden in der Versammlung ungetbeilten Beifall. Herr I. Friedmann ist der Verfasser eines Werkes -Ziem beinischpoth tiiio loh". welches auf Grund des jüdischen Schriftthums die Nothwendigkeir des Zionismus nachweisr. Lomza. Vor einigen Tagen verweilte hier Herr Rabbiner 21. E. R a b b i n o w i tz aus Voltawa auf seiner Heimkehr vom Baseler Congresse. 2luf 2lniuchen der hiesigen Zionisten erstattete der Herr Rabbiner vor einer lausendköpügen Versammlung Bericht "über den Verlauf des II. Kongresses Dem Bericht schloss sich eine Rede voll Begeisterung für die zionistische Bewegung an, welche von großem Erfolge begleite: war. Dem Gaste wurde vor dem Verlassen unserer Stad: eine glänzende Dvaiion bereiter. Vor Kurzem wurde hier ein Fraucnvereiu, namens -Airu- (Inth-Bnoth Zion“ gegründet, der den Zweck hat, arme jüdische Mädchen auszubilden" und erwerbsiäbig zu machen^ Zu den Unterrichrsgegenständen gehört auch die hebräische Sprache. B.C. Sofia. Samstag den 3. d. fand hier ein vom hiesigen Landescomirö veranstalteter. sehr gut besuchter 2lbend statt. Die aschkenasischen Juden fehlten sau ganz. Wir schreiben diesen Umstand den herannahendcn Festtagen zu. Mir großer Spannung erwarrelen die Gaste den Bericht über die Resultate des Congrcsses. Unser bestbekannter Gesinnungsgenosse Herr Earl Herbst befriedigte mit seinem ausgezeichneten Referate die Wissbegier aller Anwesenden in jeder Hinsicht. Herr Josef T a g g e r 'erstattete einen ausführlichen Bericktt über Eolonifarion und Colonialbank. Tie beiden Berichte werden gedruckt und im ganzen Lande verbreitet werden. Dem Ernste und der Wichtigkeit des Abends entsprechend, standen weder Lieder noch musikalische Vorträge am Programm. Zum Schluss betrat Frau Malvine Herbst die Tribüne um den anwesenden Damen über die Thäugkeir der Frauen am zwcttcn Baseler Eongress zu berichren. Das Referat wurde mit großem Beifall aufgenommen. Sonnrag. am zweiten Roschhaschonatage versammelte Herr Earl Herbst im aschkenasischen Tempel die cuchkenasiichen Juden, um den (eongrcssbcricht in deutscher Sprache zu erstatten. Trotzdem die Gemeinde bis 2 Uhr nachmirrags im Tempel zum Gebete versammelt war. erschienen die Mitglieder wieder um 4 Uhr. Volle zwei Stunden lauschten die Zuhörer den Worten des Redners. Die Versammlung verlieh ihrer Zufriedenheit mit dem Verlause und den Resultaten des zweiten Baseler Eongreffes lebhaften Ausdruck. Sofia. Heber den H. Baseler Eongress wurde an zwei verschiedenen Oertlichkeiren berichtet. Das Zionscomits beeilte ffch, eine vetscherinka. d. t. eine Art Sorte in der Slavanska Bezeda abzuhalten, wobei der Delegierte Carl Herbst in bulgarischer Sprache referierte. Um aber unseren deutschsprechenden Aschkenastm die Resultate des II. Baseler Eongreffes zur Kenntnis zu bringen, wurde Namens des Zionsclub Serubabel in der deutichisrael tischen Synagoge am ersten Neujahrslage dem Publicum die Wichtigkeit der gefassten Beschlüsse dargelegt. Die Versammelten wurden aufgefordert, dieses große nationale Werk mit heiligem Ernst zn unterstützen und durch allgemeinen 2lnschluss an den Zionismus, durch zahlreiche Vcrcinsbildungen unsere Sache zu fördern. New-Dork, 8. September. Am 28. August, am Eröffnungstage des Baseler Eongreyes, versammetten sich auch die New- Jorker Zionisten zu einem fröhlichen Feste, das unter der Aegide des Verbandes der Zionistenvercine stattsand. Verbandsprästdent Rabbiner Dr. phil. Klein war durch Unwohlsein an dem Erscheinen verhindert, die Gesinnungsgenossen eilten aber von Nah und Fern herbei, um den neuen jüdischen Feiertag mitzufeiern. Eröffnet wurde das Fest mit einem Muh Towu, das von dem rühmlichst bekannten Eantor Mathias B a l o g h unter Assistenz der Herren Grünbcrger, Br umberg, Nelson