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Die Welt · 1898-09-30 · 39 (30.9.1898) · p. 7

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Journal
Die Welt
Volume
2 (1898)
Issue
39 (30.9.1898)
Article
[Ohne Titel] / E. R.
Date
1898-09-30
Page
7 (sequence 2)
Language
German
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Rr. 39. jp*&nec Seite 7 Nichts als Fälschungen. Es wird sogar die Hand gefälscht. die den Henry ins Jenseits geschafft hat. Bisher har man der Eeffentlichkeit erzählt, dass diese Hand Henry's eigene, echte Hand gewesen sei. 9luit wird aber an ihrer Echtheit bereits gczweifelr und man munkelt, dass sich Henry mit einer fremden Hand ermordet habe. Henry's Hand, die im Leben gefälscht hat, wird nun im Tode selbst gefälscht. Eberstlientenant Picauart hat es vor seiner Ucberführnng ins Militärgefängnis für gut befunden, zu betonen, dass er sich nicht nach dem Leben trachte. Tenn der Generalstab weiß, dass Picauart Haare auf den Zähnen har und da ist der Gedanke an ein Rasiermesser sehr naheliegend. Die Sünden der französischen Armeeführer üben einen sonderbaren Einfluss auf den Bartwuchs' der Personen aus, die in die Generalnabsaffaire verwickelt sind. Vieauarr übergibt, bevor er die Gefängniszelle betritt, sein Rasiermeffer einem Freunde; durch diesen symbolischen Acr will er seine Lebensfreude ansdrücken. Tie Offiziere des Generalstabes haben ein schwarzes Gewissen, daher wird Piequart einen Vollbart tragen. Henry hat zum Rasiermesser gegriffen und Esterhazy rlmt desgleichen. Aber er nimmt sich nur seinen Schnurrbart ab. Er sucht sich unkenntlich zu machen, weil er den Generälen nicht traut. Die Offiziere des Generalsiabes baden ein schwarzes Gewisien, daher har Esterhazy ein glattrasiertes Gesicht. Es gibt thatsächlich nichts, wovon die Juden eine reine, ungetrübte Freude haben könnten. Nicht einmal vom Militarismus. Als zur Zeit der galizischeu Judenercesse der friedliche Landmau'.r den Pflug mir dem Zündhölzchen vertauschte und so die Wohnungen der Juden in Brand steckte, da bedeuteten die rotben Cavalleriehoien, die dann am Schanvlay der Exceffe sichtbar wurden, für die Juden das Morgenrorh ungestörterer Tage. Und in Frankreich °? Wir erfahren es täglich, dass ganz-ähnliche Uniformsiücke in Frankreich gerade das Gegenlheil bedeuten, nämlich das 'Abendrorh — wo nicht gar etwas Schlimmeres. So hat uns nun auch der Militarismus, den sie immer unseren dicken Freund genannt haben, bitter enttäuscht. E. K. Die Rabbiner und der (Longrrss. Don M. Berkowicz. Nicht von Pro:cstrabbineru soll hier die Rede sein. Wir wollen liier von den Vertretern des wahrhaft gcseyestreucn Judenthums im Esten sprechen, von denen einige sich am zweiten Zionisteueongreffe versönlich berheiligreu, ein großer Tdeil aber 'christlich seine Ansichten über den Congress zum 'Ausdruck gebracht yat, indem diese Rabbiner es aufs tiefste bedauerten, an der persönlichen T'äeilnahme verhindert zu sein. Bei der Eröffnung mehrerer Sitzungen las der Präsident den Eongressmitgliedern eine Liste der eingelaufenen brieflichen und telegraphischen Kundgebungen vor, unter denen nngefäür fünfzig von orthodoxen Rabbinen herrührrem Ter Inhalt dieser fünfzig Schriftstücke kon'.tte am Congresse ebensowenig mitgetbeilr werden, wiederJnhaltjedereinzeluen der eingelaufenen 466 Kundgebungen, die von Tausenden unterschrieben waren. Und mit vollem Rechte beronr Herr Brainin, der im 2ecretariatedie>e Briefe las, in seinem Berichte au den „Hameliz", die Neilnvendigk.it, „diese rabbinischen Stimmen in die weite Eeffentlichkeit dringen zu lasten", damit „mau wiste, was das strenggläubige Volk tvünscht und wonach es sich sehnt" : denn „die Briefe sind dnrchlränkt von merkwürdiger Toleranz, Aufrichtigkeit und Effeuberzigkeir: fast alle Rabibner erklären sich entschieden für den politischen Zionismus, „für das Bestreben, eine ö f f e n t l i .n r e ck:: l l cy e Haimar r.i: dar n ng! nck - l i m e Pol: a? d e m P „• d e n ferner Annen zu Tie Religion ist ihnen, diesen Rabbinen, theuer: theurcr denn alles. Man wird es ihnen glauben — gewiss u-cht weniger als den Prorestrabbinen. Sie unterscheiden sich von diesen offenbar darin, dass sie im Zionismus nichts Antireligiöses. sondern vielmehr den Inhalt aller religiösen Hoffnung, n und Traditionen, den Ausdruck zweiraufendjähriger P.'llssehnsucht finden; sie „können nur nicht begreifen" — wie sich einige theils verwundert, theils entrüstet ansdrnckcn — dass „Rabbiner erst ersucht werden muffen, ihre Ansicht über eine so heilige Sache zu äußern." Tiefe Rabbinen versprechen sich viel vom Zionismus. „Möge Gort mit euch fein — schreibt ein Rabbiner — und euer Werk zum Frommen unseres Volkes, unseres Glaubens, unseres Ahnenlandes lenken, denn ich bin fest überzeugt, dass die Liebe znm Volke auch die Liebe zu deffeu Lehren und Traditionen mir sich bringt. So war es zur Zeit Esras und so hoffe ich. da's auch jetzt das heilige Bestreben, dem Volke eine sichere Heimat zu schaffen, nicht nur dessen materielle Lage verbestern, sondern auch zur Stärkung des religiösen Bewusstseins viel beitragen wird, und dass alle meine College::, die um den Bestand der Religion besorgt sino, in kürzester Zeit zu dieser Einsicht gelangen werden." Ganz in demselben Sinne äußern sich viele andere. „Es muss ja ein erhebender, herzerfrcnender Anblick sein" — ruft einer begeistert ans — „eine „Versammlung von Brüdern", iu welcher die Tüchtigsten und Gebildetsten, Männer von völlig verschiedener religiöser und politischer Ucberzeugung, aus allen Welttycileu zusammenrreten, um über das hoch ft e Ziel ihres Volkes zu berarhen. Tie radiealften Gegensätze werden verwischt, Männer, die bis letzt wie Feinde einander gegenüberstandcn, reichen sich brüderlich die Hände, Freisinnige und Gesetzesrrene arbeiten gemeinsam an der Wiedererrichtung einer Heimstätte für das Volk Israel. Welch herrliches Bild! Welch großes Ereignis spielt sich in unseren Tagen ab, ein Ereignis, das während unserer langen Zerstreuung nicht seinesgleichen findet. Harre der Zionismus nur das allein bewirkt, so wäre seine Existenz begründet. Tenn ihm verdanken wir das Erwachen des R a t i o n a l z e s üh l e s und des Z u - s a m m c n g e h ö r i g k c i t s - B e w u s s r s e i n s, welches unser Volke ilmm vor Untergang schützt.... Liebe Brüder'. Tausende und Abertausende blicken in diesem erhabenen Momente ans allen Ländern der Tiasvora zu euch emvor: alle sind von dem einen Wunsche beseelt, dass euer heilverkündendes Werk ge- Ju solcher und ähnlicher Weise drücken fast alle ihre Geungtbnnu.g darüber ans, dass die zionistische Bewegung es bewirkt har. da's „aufgeklärte" Männer, die längst nicht mehr als Juden galten, offen und frei für die Sache ihres Volkes eiurreten," „heldeurnüthig kämvstn für Zion, das die einzige Hoffnung des zerstreuten und überall verfolgten Israel bildet." Auffallend, geradezu rüb.rend ist iu den meisten dieser Briest die übereinstimmende Einleitung mir den Worten des Psalmisren: „Hätte ich Schwingen, wie die Taube, ich würde huiflicgen . . . ." (Ps. 5ö, 7) und ebenso rührend und begeisternd wirkt das fast überall gleichlautende Schlussgebet: „Wir bereu zu Tir, o Gort Israels, de: Tu Israel, seine Lehre und sein Land Zion erwähltest, dass Tu leitest, die Rathschläge der Gesandten Deines Volkes! Lass sie den richtigen Weg finden znm Heile dieses Volkes, zu denen Glücke, Aufblühen und Wiederbelebung. Lass Einigkeit walten in ihrem Denn, auf dass es von Erfolg gekrönt sei!" So derer Rabbnrer A r o n s o h n und mit ihm andere College:! in etwas abgeänderten 'Ausdrücken, während Rabbiner Perlmutter aus Radom seinem Gebete noch eine Paravhrase des Psalm 14, 7, hiuznmgr. welche lauter: „E k ä m e doch von Basel die H i l ä e Israel s u n d Z i o n s, wenn der H e r r wendet sei n e s Volk e s G e f ä u g n i s!" , Vielen B'.iestn gemeinsam ist der Ausdruck: Sr*.rK :r“w „Heil Euch, dass tyr es erleb: habt, dass Ihr

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