Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 2 (1898)
- Issue
- 39 (30.9.1898)
- Date
- 1898-09-30
- Page
- None (sequence 1)
- Language
- German
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B-l Keöaction 3 Erscheint jeden Freitag. 1 3-H Preise der Anzeigen: und Administration: Zuschriften sind nicht an einzelne Personen, sondern an Die viermal gespaltene Petit¬ Wien die Redaction oder Administration: Wien, IX.. Türkenzelle 10 kr. IX. Türkenstraße 9. straße 9, zu richten. Telephon Nr. 6805. Unfrankierte Briese werden nicht angenommen und (Einzelne Nummern 1Z kr. B-j 2 Manuscripte nicht zurückgesendet. £ 3-Fl KeMspreist: ° Oesterreich-Ungarn; halbjährig 3 fl. -- 6 Kr., ganzjährig 6 fl. — 15 Kr.: Für das Ausland: Deutschland , ganzjährig 13 Mk. 70 Pf., halbjährig 0 Mk. 85 Ps., England ganzjährig 14 Shg., halbjährig 7 Shg., Russland ganzjährig 7 R., halbjährig 3 R. 50 Kop., Schweiz, Frankreich, Italien, Türkei, Rumänien, Bulgarien, Serbien, Griechenland, Egypten ganzjährig 17 Frcs., halbjährig 8 Frcs. 50 Cts., Amerika ganzjährig 3 Doll. 40. Nr. 39. Wien, 30. September 1898. 2. Jahrgang. üHÖP— Da Ende dieses Monats eine größere Anzahl von Abonnements ab läuft, so io erden die Betreffenden erinnert, die Erneuerung rechtzeitig dorzunchmen, damit in der Zustellung des Blattes keine Ankerbrechung eintrrto. Die Adminillration. Schutzrecht. Von O. Erter. Die Auseinandersetzungen und Controversen, mit welchen in der europäischen Presse der Palästinasahrt des deutschen Kaisers präludiert wird,, sind sür uns Zionisten von unerschöpflichem Interesse. Wir können nicht aufmerksam genug hinhören, denn was da behauptet und bestritten, reclamiert und zurückgewiesen wird, geht uns aus doppeltem Grunde näher an, einmal, weil es der Besuch des deutschen Kaisers in Jerusalem ist, um den es sich handelt, und dann, weil die Sorge Frankreichs um den Fortbestand seines sogenannten Protectorats über die orientalischen Christen wesentlich der Angst entquillt, dass insbesondere in Kleinasien sein Prestige einen empfindlichen Stoß erleiden könnte. Jerusalem steht im Miitelpunkte all' dieser Controversen, und weil wir Zionisten des Wortes eingedenk sind: „Meine Hand verdorre, wenn ich dein vergesse, Jerusalem", so leuchtet es ein, warum wir mit gespannter Aufmerksamkeit nach dem Lärm des Protectoratsstreites hinhorchen. Allerdings ist es anscheinend bloß eine große theoretische Frage, denn im praktischen Gang der Dinge wird es sich schwerlich ereignen, dass deutsche Christen im Orient nach dem französischen und französische nach dem deutschen Schutze begehren. Aber wenn man die scharfen Expectorationen von beiden Seiten hört, so möchte man fast glauben, der deutsche Kaiser mit den drei Schiffen und den zweihundert Matrosen mache sich zu einem Alexanderzuge nach dem Orient auf. Es steckt eben noch etwas Anderes hinter dem Lärm als die Schutzrechtssrage, und will man es erkennen, so darf man das psychologische Moment nicht aus den Augen lassen. Frankreich ist in allen Dingen auf Deutschland eifersüchtig, nicht zum wenigsten aber ist es auf diesen Kaiser eifersüchtig, dem es die kühnsten Pläne und die größten moralischen Eroberungen zutraut. Moralische Eroberungen! Das ist's, was man in Paris fürchtet und wesswegen man die helle Angst um das leva.rt mische Prestige, nicht verheimlichen kann. Das Schutzrecht ist nur die Attrappe. Es war schon vor hundert Jahren durchlöchert, als Russland, im Friedensvertrage von Kütschük-Kaiuardschi sich von der Türkei den Schutz über die slavischen Christen ausbedungen hatte. In der Folge wurde es immer hinfälliger, durch den Pariser Vertrag vom Jahre 1856, durch die ausdrücklichen Vorbehalte, welche Deutschland, Oesterreich-Ungarn und England im Jahre 1875 dem französisch-ägyptischen Vertrage über die Gerichtsbarkeit entgegensetzten, durch den Berliner Frieden von 1878 und endlich dadurch, dass anlässlich des Streites von 1892 um das Schutzrecht über den deutschen Palästinaverein sowohl der heilige Stuhl wie die Türkei als Territorialmacht in Palästina aus Deutschlands Reclamation erklärten, Deutschland habe das Recht aus den Schutz der deutschen katholischen Anstalten im Orient. Heute ist das von Frankreich beanspruchte Protectorat kaum mehr als ein leerer Begriff, als ein in denWinkel gestelltes staubiges historischesJnventarstück, das niemals wieder in lebendigen Gebrauch kommen wird. Um seinetwillen würde Frankreich vermuthlich nicht im Geringsten sich echauffieren, aber es besorgt, dass die Palästinafahrt Wilhelms 11. sein Ansehen im Orient beeinträchtigen und dasjenige Deutschlands vermehren werde, was zu verhindern es aber doch in jedem Falle die Macht nicht besitzt, weil es die Fahrt des deutschen Kaisers nicht verhindern kann. Für uns Zionisten bildet indessen der Protectoratsstreit nur den Ausgangspunkt, nicht den Mittelpunkt der Betrachtung. Wir wissen, dass vor etlichen und vierzig Jahren die Absicht Russlands, die Lateiner vom Schutze der heiligen Stätten zu verdrängen, den Krimkrieg verursachte : aber wir sind überzeugt, dass die Absicht, in welcher Wilhelm 1l. die Jerusalemfahrt unternimmt, nicht entfernt auf eine Aenderung in der Bewachung der heiligen Stätten gerichtet ist, und dass deshalb von dem jetzigen Protectoratslärm sehr bald nichts übrig sein wird als die Erinnerung. Man wird keinen Krieg mehr um die heiligen Stätten führen. Höchst bedeutsam aber will es uns scheinen, dass es wieder eine Jerusalem-Frage gibt. Und zwar diesmal in einem viel intensiveren Sinne als seit Jahrhunderten. Nicht um den Besitz Jerusalems handelt es sich, denn Wilhelm 11. kommt als Gast des