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Die Welt · 1898-09-23 · 38 (23.9.1898) · p. 14

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Welt
Volume
2 (1898)
Issue
38 (23.9.1898)
Article
Paris
Date
1898-09-23
Page
14 (sequence 2)
Language
German
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Seile 14 J*WWC Nr 38 der Revision, sei von der Schuld des Excapitäns überzeugt. Der „Matin" behauptet. Zurlinden habe sich im Interesse der bedrohten hohen Offiziere zu einer Jntrigue hergegeben, um seine Hintermänner genau und rasch über alle Vorkommnisse zu insormieren. Wenn der General jedoch geglaubt hatte, genug Einfluss und Verbindungen zu haben, um sich gegen das übrige Ministerium behaupten zu können, so hatte er sich getäuscht. Er sah sich gezwungen, seine Demission zu geben. Mit ihm ist wieder eine Hoffnung des Generalstabes oder besser seiner compromittierten Offiziere verschwunden. Merkwürdig ist es, dass jetzt trotz aller Gegenanstrengungen die öffentliche Meinung fast überall sehr revisionsfreundlich ist. Der Lärm Drumonts und Rocheforts will nicht mehr recht verfangen. Nur in jenen Kreisen, welche aus die Zwistigkeiten wegen der Revision die größten Hoffnungen gesetzt und schon gemeint hatten, die Verwirrung Frankreichs für ihre Zwecke ausnützen zu können, hat die Wuth und der Zorn der beiden Dreysusfeinde lauten und verständnisinnigen Widerhall gefunden. Man mag sie ruhig wüthen lassen. Die Revision werden sie nicht mehr aufhalten können. Paris. General E h a n o i n e, einer der wenigen hohen Osffciere der französischen Armee, die als Republikaner gelten, ist Kriegsminister geworden. Der Senator G o d i n ist an Stelle T i l l a Y e s als Arbeitenminister in das Cabinet Brisson eingetreten. Das Cabinet hat nunmehr einstimmig beschlossen, die Dreyfusacten der Revisionscommission zur Prüfung zu übergeben. Wird diese finden, dass die gesetzlichen Bedingungen zur Vornahme der Revision vorliegen, so wird cs die Acten dem Caffationshos zur weiteren Amtshandlung übergeben. Mit diesem Schritte des Ministeriums ist die Revision so gut wie gesichert. Daran wird weder das Manifest des Herzogs von Orleans etwas ändern, der -Brisson des Verrathes beschuldigt und die Franzosen gegen die Revision ausznwiegeln sucht, noch der Widerstand der Osficiere und der Kreise, welche von einer Revision alles zu fürchten haben. Als interessantes Factum sei noch erwähnt, dass Esterhazy in London erklärt hat, dass 600 Stücke des Actenmaterials in der Dreysussache gefälscht seien, und dass er wiffe, wer die Fälschung begangen habe. Gleichwohl muss man darauf gefasst sein, dass noch manches Mittel, man spricht sogar von der Demission F a u r e s, versucht werden wird, um die Revision auszuhalten. Und Frankreich ist so unberechenbar, dass wir vielleicht jetzt erst die größten Ueberraschungen zu gewärtigen haben. (England. London. In einer, von Herrn Rev. Green geleiteten, stark besuchten Versammlung der Hntu Zion Ass ociation erstattete Herr I. de Haas seinen Congressbericht. Es sei die Meinung verbreitet gewesen — heißt es darin —, dass im zionistischen Lager ein gewaltiger Zwiespalt bestehe, und dass es auf dem Congresse zu erbitterten Kämpfen kommen werde. Diese Meinung sei zum mindesten übertrieben gewesen. Dem Tacte und der glücklich vermittelnden Arbeit des Präsidiums und besonders auch Doctor Gasters, sei es zuzuschreiben, dass alle pessimistischen Prophezeiungen beschämt wurden und dass eine vollkommene Einigung aller zionistischen Kräfte erzielt wurde. Der Redner zollte hierauf der umsichtigen Leitung des Congresses durch Doctor Herzl seine Anerkennung, und erzählte von den Unterredungen, welche zwischen Dr. Nordau und den orthodoxen russichen Rabbinern stattfanden, und in welchen eine, beide Theile ehrende Toleranz religiöser Anschauungen zutage trat. Nach einer Besprechung der Resultate der Colonisations- und Bankdebatte schloss Herr de Haas mit den Worten: „Ich danke Gott für die Gunst, dass ich in diese Versammlung kommen und ihr sagen durste, dass der zweite Baseler Congress einen großen und unbestreitbaren Erfolg gehabt hat.-' Der nächste Redner, Herr Greenberg, sagt, nichts habe ihn auf dem Congreffe so entzückt, wie die Weite der Weltanschauung russisch-orthodoxer Rabbiner. Dr. Herzl sei ein Führer, der alle Liebe und alles Vertrauen verdiene. Die Bank müsse als ausschließliches Instrument der zionistischen Bewegung gedacht werden. „Wenn die Zionisten einig Vorgehen, so kann die Zeit nicht mehr ferne sein, da das Judenbanner eine fröhliche Uebersiedlung von Basel nach Jerusalem feiern wird." Nach mehreren Jargon-Ansprachen, von denen diejenige des Rabbi Werner hervorzuheben ist, gelangte folgende Resolution zur Annahme: Die Versammlung genehmigt die Berichte der Delegierten zum zweiten Congress und erklärt, das Actionscomite unterstützen zu wollen." Unter Hochrufen auf Dr. Herzl und den Zionismus schloss die Versammlung. P Nemnsmchnlhttn. Przemysl. Der Artikel im ..Hamagid“, Nummer 34 über die Congress-Medaille hat hier große Aufregung hervorgerufen Die Leitung des hiesigen Vereines „Zion" berief sofort für Sonntag den 28. v. Di. eine Vollversammlung ein, in welcher der Schriftführer des Vereines über das schadenstohe Vorgehen des .,Hamagid“ referierte. Aus Antrag des Referenten wurde eine Resolution angenommen, in der dem ..Hamagid“ die tiefste Entrüstung und dem Actionscomitö das vollste Vertrauen ausgesprochen wurde. Dolina. Am 21. August sprach in unserem Verein „Bnei Zion" Herr Wurzel über das Thema: „Die Entwicklung des Zionismus". Czernowitz Der Verein „Zion" veranstaltete am Vorabend desBaselerEongrefses eineVersammlnng, die einen überaus würdigen Verlauf nahm. Herr M. W e i ß m a n n sprach über das Thema „Orthodoxie und' Zionismus". Der Vortrag fand allgemeinen Beifall und Zustimmung. Die Rede erscheint demnächst im Verlage des Vereins. Odessa. Die Congressdelegierten aus Odessa Dr. Ph. Awinowitzkr>, CH. I. G o l d st e i n und N. Slouschtsch haben im Namen des des hiesigen zionistischen Vereines „V n e - Zion" auf dem Baseler Congresse an zwanzig um die zionistische Sache besonders verdiente Männer und Frauen das vom Verein speciell angesertigte Ehrenzeichen, eine Zionsmedaille, vertheilt. P Zkitschristenmudschau. In der New-Horker VotkSzcitung vom 4. September erklärt Dr. Michael Singer den Lebern dieses verbreiteren Journals das Wesen des Zionismus mit besonderer Berücksichtigung seines Verhältnisses zum L-ocralismus. Der jüdische Proletarier, lagt der Versasfer, leider nicht nur an der gleichen öconomischen Verelendung wie seine Claffengenossen, sondern wird außerdem durch den aus ihn eindringenoen Rassenhass seiner Schicksalsgefährten in seiner Thatkrast gelähmt. „Vor diesem Hasse möchte er vorerst nach einer sicheren Stätte flüchten, wo er dann seine Anschauungen über die allgemeinen Rechte des Menschen frei und unbehindert berhärigen tönnre. Der Orient war die Wiege unserer Cutrur. Vielleicht bleibt es dem jüdischen Staate Vorbehalten, den Beweis zu erbringen, dass der schöne Traum von der öconomischen Gleichstellung aller verwirruchr werden kann." Die Neujahrsnummer.der Zeitschrift „Young Israel“ bietet ihren Lesern einen besonders reichen Lesestoff. Aus den intessanten Rundsrageartikel: „Warum die Juden unpopulär sind" kommen wir noch zurück. „Der jüdische Phonograph" betitelt sich ein neues Jargonblatt, welches zweimal wöchentlich in Buenos Aires in Südamerika erscheint. Die erste Plummer vom In August, die uns vorliegt, entwickelt in ihrem Leitartikel das Programm des Blattes, aus welchem wir solgende Stelle eitleren: „tlnser Blatt wird hauptsächlich bemüht sein, die heilige Zionsidee zu propagieren und zu verbreiten, wird es aber auch nicht unterlassen, die brennenden TageSsragen, welche Juden und Judenrhum betreffen, zu discutieren, soweit sie für das Judenrhum in Argentinien von Bedeutung sind." Neben einem größeren Artikel über die jüdische Journalistik (un Jargon) enthält Das Blatt auch die Reproducnon einer Rede Dr. G a st e r s, die er in einer Versammlung des Wiener „Zioitz' gehalten hat. Sir wünschen dem neuen Blatt den besten Erfolg. 6. P

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