Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 2 (1898)
- Issue
- 38 (23.9.1898)
- Article
- Ottynia [Nachricht]
- Date
- 1898-09-23
- Page
- 13 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 38 Seite 13 aus Grund des zionistischen Programmes zu gründen. Ein entsprechendes ComiO> wurde gewählt. Auch viele Arbeiter treten bei. Osmina. Unser Städtchen hat nun. Dank den Bemühungen des Herrn Jnselbuch auch seinen Zionsverein. Die am 23. August stattgehabte Versammlung, die unter lebhaftester Beiheiligung der hresigen Bevölkerung stattfand, ergab die Gründung einer Ortsgruppe, die bereits über 300 Schekelzahler zählt. Chrzanow. Am 8. September sprach der auf der Durchreise hier weilende Volksredner I. Taubes. Seine Rede, der eine vielhnndertköpsige Menge anwohnte, wurde mit stürmischen! Beifall ausgenommen. Namentlich seine Schilderungen vom (Kongresse erweckten allgemeine Begeisterung. Cicchanowice. Es macht mir Vergnügen. Ihnen die erfreuliche Mittheilung zu machen, dass auch hier durch die eifrige Anregung des Herrn S. Surawicz, ein zionistischer Verein gegründet wurde. In das Count.'; des Vereines wurden gewählt die Herren : «. Surawicz, I. H o s f m a n n, F. S ch ä p i r a, I. Los, Apfelbaum, Wolf, B. Orlanski, W- Steinberg, M. I. B r a n s k, Rabbiner 5t o m a j, Dr. Wolfs. Kalisch. Vor einigen Wochen fand die erste zionistische Versammlung statt. Alle Anwesenden erklärten sich für die Gründung einer Ortsgruppe. In das Comitö wurden die Herren M. K r ak o w s k i, H. S o l n i k, Rotenberg, als Obmann Herr Toctor Zucker gewählt. Genitschesk (Taurien.) Hier wurde im December 1 S!>7 ein zionistischer Verein, der gegenwärtig 237 Mitglieder zählt, gegründet. Die Mitglieder gehören7allen Berussarten an. Es wurden Schekelgelder gesammelt und Actien der indischen Colonialban! gezeichnet. Präsident unserer Ortsgruppe ist der hiesige praktische Arzt, Tr. P. Streicher, Cassier Z. Pergament, Secretär W. Weinstein. Dwinsk. Am Abend des ersten Congresstages fand hier eine imposante Kundgebung statt, die den Beweis von der mächtigen Ausbreitung des Zionismus erbrachte. Es sprachen die Herren M e l a m e d und I. Sach s. Mlava (Gouv. Plock). Durch den zweiten Baseler Congress ist die zionistische Bewegung auch hier in Fluss gekommen. Es hat sich ein Kreis von 100 Schekelzahlern gebildet, der eifrig in die zionistische Bewegung einzugreifen gedenkt. Bemerkenswert ist es, dass die Chassidim dem Zionismus sich überau anzuscyließen beginnen. Auch bei uns ist das der Fall. Die Zeichnung von Shares der Eolonialbank ist eine ungemein lebhafte. T. A. Foltischeni. Ich habe das Vergnügen Ihnen mitzuthcilen, dass hier am 0. d. M. ein zionistischer Verein unter dem Namen „B'nei Zion" gegründet wurde. Von den deigetretenen 05 Mitgliedern wurden in den Ausschuss die Herren S ch n i e r e r, Ai. Levy, I. F a i e r, I. Schustermann gewählt. M. London. Am 11. d. M. fand eine wichtige Versammlung von Delegierten der föderierten Gesellschaften statt, in welcher die Principien für die Leitung der Föderationsangelegenheiten be rathen wurden. An der Berathung, welche um 10 Uhr Vormittags begann und nach achtstündiger Dauer schloss, nahmen theil, die Delegierten der politisch-zionistischen Bereinigungen von London, Liverpool, M a n ch e st e r, L i m e r i ck, B e l f a st. Leeds und die Vertreter folgender T c n t s der C h o v c v i Zion Association: Glasgow, Glasgow Endet Tent, Bnei Zion Tent (London), Portsmouth, E r e - ter und Sheffield. Es ist zu erwarten, dass die nunmehr festgesetzte Methode der Förderationsverwaltung ausreichcn werde, um die Arbeit des englischen Zionismus mit dem verdienten Erfolge zu belohnen. P Conespondknstn. Oesterreich-Ungarn. Wien. Die Cultusgemeinde hat in ihren Tempeln im I. und II. Bezirke am Montag feierliche Trauergottesdieuste zum Andenken an die verewigte Kaiserin abgehalten. Tie Tempel waren von Andächtigen dicht gefüllt. Ter ganze Vorstand, Vertretungen fast aller jüdischen Vereine Wiens und die ganze Beamtenschaft der Gemeinde waren erschienen. Auch in den Tempeln der Bethausvereine fanden feierliche Tranerandachten statt. Der Synagogenverein „Beth Israel nach polnisch-jüdischem Ritus in Wien" hat in seiner am 19. d. M. stattgehabten außerordentlichen Vorstandssitzung eine ergreifende Trauerkundgebung veranstaltet und beschlossen, am Versöhnungstage, d. i. c>m 20. d. M. um 11 Uhr Vormittags in seiner Synagoge, II.. Leopoldsgasse Sh. 29, eine feierliche Seelenandacht für weiland Ihre Majestät die Kaiserin-Königin Elisabeth abzuhalten. Lemberg. Noch immer werden Trauerandachten in unserer Hauptstadt für die gottselige Kaiserin Elisabeth abgehalten noch immer kann die hiesige israelitische Bevölkerung sich nicht fassen ob der bestialischen That, die an unserer edlen Kaiserin begangen wurde. Der Vorstand der hiesigen Cultusgemeinde hat an den. Stufen des Thrones zu Händen Sr. Excellenz Statthalter Grasen Pininski eine Beileidskundgebung gelangen lassen. In allen Synagogen sind Trauerandachten abgehalten worden. .Herr Rabbiner Dr. Caro, Herr Oberrabbiner I. Schinelkes, Herr Rabbiner Halpern und im Flamen des Cnltnsrathes Herr Tr. Wilhelm Holzer haben die Trauerreden gesprochen. Besonderen Eindruck machte das vom Oberrabbiner I. Schmelkcs zu diesem Anlasse verfasste hebräische Gebet. Lemberg. Infolge Verfügung des Ministerpräsidenten als Minister des Innern ist im Einvernehmen mit dem Justizminister die Aufhebung des Standrechts in den Bezirken N e u - S a n d e c und L i m a n o w a vom 21. September angesangen, verfügt worden. Bekanntlich wurde infolge der Ausschreitungen gegen die Juden über diese beiden Bezirke das Standrecht und über 33 galizstche Bezirke der Ausuahmszustand verhängt. Tie Negierung glaubt, dass nunmehr die Bevölkerung soweit beruhigt sei, dass die Aushebung des Standrechtes statthaben könne. Der Ansnahmszustand über die anderen Bezirke bleibt vorläufig noch zu Recht bestehen. Mau zweifelt aber in gut informierten Kreisen nicht daran, dass auch der Ansnahmszustand ausgehoben werden wird, wenn es zu Neuwahlen für das Parlament kommen sollte. Tie Regierung .würde dann versuchen, aus diese Weise für sich Stimmung zu machen. Frankreich. Paris. Das war eine Zeit voller Aufregungen. Nach dem Selbstmorde Henry's dachte man, die Treysussache habe eine so entscheidende Wendung genommen, dass an ihrer raschen Erledigung nicht gezweiselt werden könne. Man hat sich getäuscht, nicht nur im Auslande, sondern auch in Frankreich. Man hat vergessen, dass mit dieser unglückseligen Affairc tausend persönliche Jnteresieu verknüpft sind, dass sie von vielen Seiten für Zwecke ausgenützt wird, die mit der Gerechtigkeit nichts, aber auch gar nichts zu thun haben. So kam es, dass die öffentliche Meinung, anstatt ruhiger zu werden, durch die einander widersprechenden officiellen und nicht officiellen Nachrichten noch mehr erregt wurde. An B r i s s o n's Willen, die Revision zuzulassen, glaubte man allerdings, aber seine Macht, sie durchzusetzen, wurde angezweiielt, besonders seit Präsident F a u r e eine mehr als sonderbare Rolle in dem Dreysusdrama zu spielen begann. General Z u r l i n d e u, der nach C a v a i gn a c s Demission das Portefeuille des Kriegsministerinms übernommen hatte, benöthigte zum Studium der Acten auffallend lange Zeit. Völlig überraschend für das Ministerium kam daun seine Erklärung, dass er die Schuld Dreysus auch jetzt noch bezweifle und sich der Revision widersetze. Dazu kam noch die Begünstigung der Flucht E st e r h a z y s. Nunmehr hat allerdings bas Vorgehen Zurlindens durch die Enthüllungen des „Matin" eine für den ehemaligen Militärgouverneur von Paris keineswegs ehrenvolle Aufklärung gefunden. Nach dem „Matin" hätte Znrlinden nur dadurch seine Ernennung zum Kriegsminister erwirkt, dass er selbst, ohne aufgeforocrt worden zu sein, dem Ministerium die Versicherung gab, ein Freund der Revision zu sein. Ja, in der ersten Sitzung, der er beiwohnte, soll er fiir die sofortige Rückreise des Capitäns Dreysus eingetreten sein und den Marineminister interpelliert haben, ob er Dreysus ans einem .Kriegs- oder Kansiarteischisse zurückbringen lasse. Man war damals im Ministerrathe geradezu befremdet über so viel Interesse für den Berurtheilten. Da erklärte Zurlinden plötzlich im nächsten Ministerrathe, er sei ein Gegner