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Die Welt · 1898-09-16 · 37 (16.9.1898) · p. 14

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Journal
Die Welt
Volume
2 (1898)
Issue
37 (16.9.1898)
Article
London
Date
1898-09-16
Page
14 (sequence 2)
Language
German
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(Seite 14 Nr 37 zu werden. „Welche andere Autorität gibt es diesbezüglich in Israel? Welche andere kann es geben?" Trotz mancher, vom „Radau-Semitismus" hervorgerufenen Lärmscenen hat der Congress niemals die Controle über sich selbst verloren. Zweitens hat der Congress sich als die thatsächliche Vertretung des ganzen jüdischen Volkes erwiesen. Das Gegentheil von dem, was die Antizionisten immer wieder behaupteten, ist eingetrossen: die Orthodoxie geht ans den Wegen des Zionismus. Drittens ist die jüdische Colonialbank, die sichere Grundlage der zionistischen Arbeit, geschaffen worden. Viertens ist durch die Vorarbeiten des Cnltnrausschuffes die Gründung eines Allgemeinen hebräischen Sprach- Vereines so gut wie gesichert, der für alle Erziehnngsangelegenheiten und literarischen Bestrebungen das geeignete Forum bilden wird. Fünftens ist in Bezug auf die Colouisation der Zionismus, auf die Seite von Gesetz und Ordnung gestellt worden. Keine Einschmuggelung mehr! Wir wollen keine Gnadcnbeweise, wir wollen Rechte! Prof. Gottheil schließt seine trefflichen Ausführungen, die ihn als einen stolzen, begeisterten Mann und als Mann der Ideale zeigen, mit den Worten: „Ich nehme vom zweiten Congress eine starke Begeisterung mit nachhause. Mein jüdisches Herz schlägt in Freude und Hoffnung. Die rastlosen Wanderer — sie werden wieder Ruhe und Frieden, finden. Israel muss sich wieder anfraffen und schaffen, lind Gott wird das Werk segnen!" London, 5. September. Die ganze englische Presse hat zu dem Congresse Kenntnis genommen und dürfte die Details noch nachtragen. Die Resultate des Congresses werden mit großer Befriedigung aufgenommen und neue Shares-Anmeldungen angeküudigt. Ein Meeting, auf welchem die Herren Ritter und R a b b i n o w i tz ihren Congressbericht erstatteten, wurde gestern Nacht abgehalten. Mr. Prag begnügte sich damit, den Vorsitz zu führen und seinem Wunsche darüber Ausdruck zu geben, dass Tr. Herzl, der so mächtige Kräfte um sich sammelt, auch die praktischen Vortheile ernten möge. Mr. Ritter». Bericht war ein Lobeshymnus ans den Congress. Mr. Rabbinowitz ' sagte, er und andere seien mit einer irrthümlicheu Meinung nach Basel gekommen. Tort aber hätten sie eine herzliche Einigung vorgefunden, und so sei er mit einem Gefühl vollständiger Befriedigung vom Cvngreffe heimgekehrt. Eine Resolution, die Cougresspolilik zu unterstützen, fand die begeisterte Zustimmung der Versammlung, und eine stattliche Menge von Schekelzahluugen gab der allgemeinen Stimmung Ausdruck. Die Herren Dr. G a st e r, Bentwich, E. M. Cohen, L. I. G r e e n b e r g und I. de Haas werden nächsten Samstag ein Massenmeeting veranstalten, und ihre Cougress-Berichte und Eindrücke miltheilen. J. <ln II. London. Eben erst von ihren Arbeiten in Basel znrnckgekehrt und erfüllt von Enthusiasmus über das, was dort vollbracht wurde, haben die Delegierten von Londoner, Manchester, Liverpoler, Portsmouther und Glasgower Vereinen unter schriftlicher Zustimmung anderer Vereine sich in London znsammengefunden, um den Föderations-Entwurf zu berathen, der vergangenen März in Glerkenwell Hall Town ansgearbeitet wurde. Diejenigen, welche dieser Versammlung beiwohnten, kamen in gehobener Stimmung und beschlossen nach 5 ständiger Discnssion über jedes Detail einen in jeder Beziehung vollständigen Entwurf für die „Federation" wie folgt: Die „Federation" soll das Verbindungsglied zwischen den englischen Zionisten und dem Centralcomit^ für den Zionistenr Congress sein. Es soll die nöthigeu Wege weisen für die Förderung der allgenieinen Bewegung und für Ausführung der von Zeit zu Zeit erfolgenden Beschlüsse der Zionistencongreste. Die Organisation sott dirigiert werden durch ein Centralcomite von 8 Mitgliedern, von denen jedes als Vorsitzender durch 3 Monate fungiert. Das Centralcomitö hat Subcomitös aufzusteüen für Colonisation, Propaganda, Organisation, hebräische und Literaturfragen. Jedes Mitglied von jeder angegliederten Vereinigung hat den Schekel und außerdem 1 Shilling an die „Federation" für Organisations-Bedürfniste zu entrichten. Die Neuorganisation, welche genügend weit ist, um alle Schattierungen von Zionisten in ihren Rahmen anfzunehmen, soll ihre Thätigkeit in den nächsten Wochen beginnen. So werden wir ein neues Jahr mit neuen Hoffnungen anfangen. m Nkmusuachrichlku. Boskowitz. Samstag den 3. September sprach Herr Dr. Salo 'S eutf di) („Zcphii-ah“) im orthodoxen Tempel über „Religion und Zionismus". Der Redner fand allseitigen Beifall. Diese Zustimmung kam auch in den Reden des Herrn Rab. Dr. Funk und des Herrn Lehrer Storch zum Ausdruck, welche ihre volle Uebereinstimmung mit den zionistischen Tendenzen erklärten. Am folgenden Tage fand eine äußerst zahlreich besuchte Ver sammlung mit der Tagesordnung „Eine moderne Losung der Judenfrage" statt. Auch hier kam es zu begeisterten Kundgebungen für den Zionismus. Es wurde die Gründung eines Einzelvereines „Zion" beschlossen, und die große Anzahl der an demselben Abend erfolgten Beitrittserklärungen ließ erkennen, dass der Appell an das jüdische Herz und nationale Bewusstsein ein Echo gefunden. Kanitz. Die jüdisch-akademische Verbindung ..Astrain Kanitz veranstaltete Samstag den 20. August einen Gommers, verbunden urit einem Tanzkränzchen. Nach der Eröffnungsrede des Präsidiums hielt stuck, jur. Julius F r u ch t die mit allgemeinem Beifall aufgenommene Tendenzrede. Zum Schluss wurde eine Resolution für den Baseler Congress angenommen. Bei den am 20. August abgehaltenen Neuwahlen wurden gewählt: stud. med. Otto W e i ch, Präses, stud. med. Sus - in a n n Bogad, Bicepräsident, stuck. techn. Rudolf Kreeiki. Schriftführer. Mährifch-Weißkirchen. Die jüdisch-akademische Ferialverbindung ..Liassacka" veranstaltete am 3. September zur Feier des zweiten Baseler Congresses einen Festcommers, der einen glänzenden Verlauf nahm. Die abfällige Kritik des Tendenzredners über das zweideutige Verhalten der meisten mährischen Rabbiner zum Zionismus fand einen dröhnenden Beifall. Unter der gefälligen Leitung des hiesigen Obercantors I. M. D r a ch m a n n brachte ein Chor jüdischer Mädchen das Lied „Die Sehnsucht" zum Vortrage. Ein amüsantes Tanzkränzchen beschloss den festlichen Abend. JSmail. Anr Samstag vor dem Congress versammelten sich in der hiesigen Synagoge sämmtliche zionistisch gesinnten Einwohner Ismails, drückten dem Zionistencongress auf telegraphischem Wege ihre Sympathien aus und begründeten einen Zionistenverein, dem die Herren M. Jsraelsohn, A. Finkelstein und B. K a tz vorstehen. Die eingeleitete Subscripnon der Bankshares ergab das denkbar günstigste Resultat. Dank dem lobenswerten Bestreben unserer eifrigen Zionistin Fräulein Lisa S a m u e l y erwarten wir in den nächsten Tagen die Gründung eines Mädchenvereines ..lckackassah", welch schönem Beispiel hoffentlich auch unsere Nachbarstädte folgen werden. Chicago. Die beiden Vereine ..Ohav" Zion" und ..Zion Association" haben sich unter dem Namen ..Dorschei Zion" vereinigt. Sonntag den 21. August fand die constituierende Versammlung statt. Vüihrrwelt. Liederbuch für jüdische Vereine. Im Aufträge der „Zionistischen Bereinigung für Deutschland", herausgegeben von Dr. Heinrich L o e w e. Köln am Rhein 1898. Zweite Auflage. Das Liederbuch Loewes ist als erstes Bändchen der jüdischen Volksbibliothek erschienen. Der Anfang ist ein guter. Als vor vier Jahren das Liederbuch in erster Auflage herausgegeben worden war, da wurde es von den jüdischen Vereinen, namentlich den Studentenvereinen freudig begrüßt. Gegen die große „Bibel" der deutschen Studenten gehalten, war die Liedersammlung allerdings eine in jeder Beziehung sehr bescheidene; aber sie gab den Vereinen doch endlich einen Behelf an die Hand, um den deutschen

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