Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 2 (1898)
- Issue
- 37 (16.9.1898)
- Article
- Die Teufelsinsel in New-York
- Date
- 1898-09-16
- Page
- 13 (sequence 2)
- Language
- German
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J* owe Seite 13 5Ht. 37 gezogen wurde, und Drcyfus sitzend hinter einem Gitter in seinem Gefängnis auf der Teufelsinsel sichtbar wurde, brach das gesammte Publicum in solche Kundgebungen aus, dass die Vorstellung für mehr als eine Viertelstunde unterbrochen werden musste. Von allen Seiten schrie man: „Er ist unschuldig! Setzt ihn frei!" Viele Frauen weinten. Nach Schluss der Vorstellung blieb das Publicum noch lange Zeit im Zuschauerrauni und schrie: „Wiederaufnahme! Wiederaufnahme!" Ein christlichsorialer Parteitag findet in Gießen statt und beginnt am 10. Oct. Als Redner sind vorgemerkt Graf Solms-Laubach und Prediger Stöcker. In Triest fanden Ausschreitungen gegen die jüdische Bevölkerung statt; die Exceffe sind darauf zurückznführen, dass der Mörder der Kaiserin — italienischer Abkunft ist. Auch gegen die Italiener wurde demonstriert. Unter dem Rufe: Nieder mit den Juden! durchzog die Menge die Straße. Wie die „Reichspost" meldet, wurde das Jndenviertel gestürmt. Oesterreich-Ungar»« 2Vien. Der Vorstand der Wiener Cultusgemeinde versammelte sich Montag, den 12. d., zu einer außerordentlichen Sitzung, um dem Schmerze der Wiener Judenschaft über das entsetzliche Verbrechen, welchem Kaiserin Elisabeth zum Opfer gefallen, officiellen Ausdruck zu geben. Es wurde beschlossen, eine Bcileidskundgebung an die Stufen des Thrones gelangen zu lasten, in allen Bethäusern Trauerfeierlichkeiten abznhalteu und durch 30 Tage das Seelenlicht für die hohe Verstorbene brennen zu lasten. — Auch in den übrigen Cultusgemeinden aller österreichisch-ungarischen Städte wurden würdige Trauerknndgebungen veranstaltet. Wien. Der Bezirksschulrath der Stadt Wien hat au die Wiener Schulleitungen folgenden Erlass herausgegeben: Bezirksschulrath der k. k. Reichshaupt- und Residenzstadt Wien. G. Z. 5108. An sämmtliche Schulleitungen! Im Hinblicke auf die mannigfachen Nebelstände, welche sich in Hinsicht auf den Stundenplan aus dem Zusammensein von Kindern christlicher und mosaischer Religion in einer und derselben Elaste ergeben, findet der Bezirksschulrath der Stadt Wien sich bestimmt, die Schulleitungen, beziehungsweise die Local-Lehrerconferenzen anzuweisen, in Gemäßheit des § 4(> der Schul- und Unterrichtsordnung von 20. August 1870 den obwaltenden Verhältnissen der Schule stets soweit als möglich Rechnung zu tragen, und daher bei Vertheilung der Kinder in die Elasten und Abtheilungen auch darauf entsprechend Rücksicht zu nehmen, ob die einzutheilenden Kindereiner christlichen oder der mosaischen Confession angehören. Hiebei ist jedoch strengstens darauf zu sehen, dass hieraus weder dem Bezirksschulfonds noch der Commune irgendwelche Mehrauslagen erwachsen, und dass sämmtliche gesetzliche Vorschriften über Ein- und Ausschulungen genauestens berücksichtigt werden. Wien, 5. September 1898. Vom Bezirksschulrats der Stadt Wien. Der Borsitzende-Stellvertreter: Gugler. Gleichzeitig ergieng an die Schulinspectoren die Weisung, bei Genehmigung der Lehrpläne im Sinne dieses Erlasses vorzugehen. Der in dem Erlasse des Bezirksschulrathes angcrufene § 46 der Schul- und Unterrichtsordnnng für die allgemeinen Volksschulen vom 20. August 1870 lautet: ,An mehrclastigen Schulen hat der Lehrkörper (die Lehrerconferenz) die Vcrtheilung der Kinder in die Elasten und Abteilungen nach den obwaltenden Verhältnissen vorznnehmen und hierüber gleich nach Beginn des Schuljahres im Wege der Ortsschulbehörde an die Bezirksschulbehörde zu berichten." Das ist der Beginn der Einführung der confessionellen Schule in Oesterreich. Die Juden werden auch diesen Schlag ertragen. Es werden schwerlich ihre Kinder sein, die in dieser neugeschastenen Situation am schlechtesten fahren werden. Lemberg. Unter Vorsitz des Herrn Julius Hochfeld hat das galizische Landescomite am 8. d. M. eine Comitösitzung abgehalten, den Bericht des Delegierten am II. Baseler Congreste Herrn Dr. Malz, entgegengenommen und die Principien des II. Baseler Congrestes sowohl betreffs des politischen, als auch des praktischen Zionismus, sowie die Gründung der jüdischen Colonialbauk zustimmeud zur Kenntnis genommen. Betreffs der Vergütung von 25 Percent der Schekel- Einsammlungcn wurde beantragt, sich mit dem Wiener Actionscomite ins Einvernehmen zu setzen, und dem Landescomitö eingeschärft, sich zu bestreben, um wenigstens 20 Perceut Vergütung zu erwirken, damit die Agitationen in Galizien energisch eingeleitet werden. Um auch den Dr. Herzlichen Gedanken am II. Baseler Congress zu berücksichtigen, bei den Cultuswahlen Stellung zu nehmen, und um den Wahlumtrieben und der Corruption Einhalt zu thun, werden in allen galizischen Städten Agitations-Comitos eingerichtet. Als Cnriosum können wir nicht umhin zu erwähnen, dass der hiesige Cultusvorstand einen Ukas, der noch vor 40 Jahren in Russland eingeführt war, aber vor einigen Jahren aufgehoben wurde, jetzt erlassen hat, dass alle hiesigen, fast 30 Jahre bestehenden Bethäuser — Minjanim genannt — eine Steuer von 5 fl. bis 15 fl. für jeden Miujan zu leisten haben. Sapienti sat. Rumänien. Bukarest Ans vielen öffentlichen Schulen in Rumänien wurde eine große Anzahl jüdischer Kinder, die für das kommende Schuljahr bereits ausgenommen waren, entfernt, mit dem Bemerken, dass für sie kein Raum sei. Es sind demnach viele jüdische Kinder in diesem Schuljahre zum vagabundieren vernrtheilt. „H;»joetz-\ England. London. Unser eifriger Gesinnungenosse, Herr Prof. Gottheil ans New-2)c>rk, gibt in einem vom lervisü Clironicle veröffentlichten, glänzend geschriebenen Artikel den Empfindungen und Gedanken Ausdruck, mit welchen ihn der Congress erfüllt hat. Prof. Gottheil sagt, noch kein Congress habe in ihm diesen außerordentlichen Eindruck zurückgelassen. Noch niemals habe er als Jude so stolz sein dürfen, wie in dieser Versammlung, die offen und furchtlos die Sache ihres Volkes erörterte. „Wenn Stolz in jeder Form sündhaft ist, so waren wir in Basel alle arge Sünder." Dieser Stolz ist kein leerer, aufgeblasener gewesen. Noch nie in meinem Leben war mir vergönnt, einen solchen jüdischen Enthusiasmus zu sehen. Männer und Frauen waren derart begeistert, dass man von ihnen jegliches Opfer hätte verlangen können. Gewiss, da war für die gedrückten Kinder einer langen Diaspora ein neues Ideal gefunden worden. In Basel war ein Stolz lebendig, der die Begeisterung entfachte und ein Ideal gebar. Das ist sicherlich nicht das geringste, was der Zionismus für Israel gethan hat." Prof. Gottheit spricht dann von der letzten Congresssitzung, die nachmittags begann, sich vom Nachmittag in den Abend, vom Abend in die Nacht, von der Nacht in den Morgen dehnte. Da saßen sic nun, diese Berachtetsten der Welt, saßen in öffentlicher Versammlung, ausgerüstet mit der wiedergewonnenen Kraft zu arbeiten und zu handeln, welche auf einem 1800jährigen Leidensweg verloren gegangen war! In all dieser langen Zeit war nur die Kraft dagewesen, immer und immer wieder 511 rufen: „Wie lange noch, Herr! Dieses Gebet ist erhört worden. Und aus Israels eigener Mitte kommt die Erlösung.- Die Resultate des C o n g r e s s e s fasst Professor Gottheil in fünf Punkten zusammen. Das erste Resultat ist die Thatsache des Congrestes selber. Der von 1897 war noch ein Versuch. Der zweite hat aber gezeigt, dass der Congress auf dem Wege ist, die oberste Autorität in allen Judensachen