Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 2 (1898)
- Issue
- 37 (16.9.1898)
- Article
- [Ohne Titel] / Die Welt <Redaktion>
- Date
- 1898-09-16
- Page
- 12 (sequence 2)
- Language
- German
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Seite 12 JPkjgsWdL“ Nr. 37 den Namen Brodskr» trage und auch yied. Doctor bin und durch diese Namensaleichheit bereits Unannehmlichkeiten auszustehen hatte, so ersuche ich Sie. zu constatieren, dass ich mit dem genannten Herrn meder identisch, noch auch bekannt bin, damit man jenen Dr. Brodskr» nicht mit mir, Dr. Med. Leo Brodsky aus Russland und in Wien wohnhaft, verwechsle. Für das Entgegenkommen bestens dankend, verbleibe ich mit dem Ausdrucke vollster Hochachtung Med. Dr. Leo Brodskr», Wien, IX., Fluchtgasse Nr. 2. Anmerkung: Der Ausweis der Spenden für die geplünderten galizischen Juden musste wegen Raummangels unterbleiben und wird in der nächsten Nummer nachgetragen werden. Die Redaction. P MkllchroniK. Die Kaiserin und Heine. Es ist bekannt, dass Heinrich Heine zu den Lieblingsschriftstellern der verewigten Kaiserin Elisabeth gehörte. Wenn ihre Reisen sie nach Paris führten, unterließ sie es nie, das verlassene Grab des Dichters im Pere-L:i chaUe zu'bekränzen. Und ein altes Mütterchen in Hamburg, die Schwester Heine's, Charlotte v. Embden, weiß davon zu erzählen, dass eine vornehme Dame, deren Namen sie nichr kannte, öfter bei ihr erschien und ihr fabelhafte Summen für einige Zeilen von der Hand ihres großen Bruders anbot. Zn dem Denkmal, »velches dem deutschen Dichter auf dem Boden des freien Amerika errichtet wurde, hat die Kaiserin den Grund gelegt, gleichwie sic in ihrem Feenschloß „Achilleion" auf Korfu, wo ja die Kaiserin »viedcrholt Monate lang sich aufhielt, ih»n ein herrliches Monument errichten ließ. Wie das Manuscript vom „Buch der Lieder" in den Besitz der Kaiserin Elisabeth gelangte, wird in „Magyar Ujsäg* folgendermaßen erzählt: .Es ist schon lange her, damals wandelte noch unser aller Liebling, Kronprinz Rudolf, unter uns. Es nahte der Geburtstag der Kaiserin. Der Kronprinz sann darüber nach, »vomit er .seiner kaiserlichen Mutter die angenehmste Ueberraschung bereiten könnte. Da erinnerte er sich, dass das Manuscript vom „Buch der Lieder" bei einer Hamburger Berlagsfirma verkäuflich sei. Er reiste sogleich dahin, kam aber zu spät, ein Amerikaner hatte schon vorher das Mannscript erworben. Der Kronprinz war untröstlich. Endlich entschloss er sich zn einem Versuch, der wenig Erfolg verhieß. Er reiste dem Amerikaner nach und bot ihm für das Manuscript das Zehnfache des Kaufpreises. Der Amerikaner wollte sich jedoch von dem kostbaren Manuscript nicht trennen. Betrübt verabschiedete sich der Kronprinz von dem Amerikaner, der ihn nicht kannte. — Gern hätte ich das Manuscript erlvorben, sagte er, um es meiner Mutter zum Geburtstage darzubieten. Sie würde sich unendlich gefreut haben. Als der Amerikaner sah, dass er es mit keinem Sammler zn tlmn habe, begann er sich nach der Person des ihm unbekannten Herren zn erkundigen. — Meine Mutter ist die Kaiserin-Königin Elisabeth, sagte der Kronprinz. Daraufhin erklärte der Amerikaner, er würde sich glücklich schätzen, »venu Ihre Majestät das Manuscript zum Geschenk anuehmen »vollte. So gelangte das Manuscript vom „Buch der Lieder" in den Besitz der Kaiserin. Er wartet. Ueber den persönlichen Zustand von Dreyfus liegt die Aussage eines Marineofficiers vor, der Dreyfus kürzlich gesehen hat, und der den Eindruck, den er erhalten, mit folgenden Worten schildert: „Als ich Dreyfus zum erstenmale gegenüberstand, krampste sich mein Herz zusammen; Dreyfus ist entsetzlich abgemagert — geradezu ein lebendes Skelett. Sein Gesicht ist tief gebräunt von der schrecklichen Tropensonne. Es ist ganz fleischlos. In diesem furchtbar verwitterten Antlitz hat nur eines noch Leben: die Augen, von unsagbarem Leid erfüllte Augen, die einem bis auf den Grund der Seele blicken, die einen verzweifelt, hoffnungslos befragen. Denn Dreyfus weiß, dass mair ihm nicht antworten würde. Es ist verboten, mit ihm zu sprechen. Die Gesundheit von Dreyfus ist schwer erschüttert, sowohl infolge des Klimas, wie infolge der Nahrung. Auf dem von der Sonne verbrannten Eiland ist nichts als die nackte Erde und zerbröckelndes Felsgestein. Seit vier Jahren lebt Dreyfus nur von Conserven. Seine Energie ist gleichwohl ungebeugt. Er ist ruhig und macht seinen Wächtern keinerlei Schwierigkeiten. Er unterwirft sich der Disciplin; er beklagt sich nicht und protestiert nicht. Er wartet! Stundenlang steht er mit gekreuzten Armen vor seiner Hütte irnd blickt durch die Pallisadenritzen hinaus auf das unendliche Meer. Er wartet, er hofft noch immer!" Zusammenbruch einer jüdischen Colonie. Die durch ruffische Juden begründete und verwaltete westliche Colonial- Gesellschaft in Wellington in Nevada ist im Begriffe, durch den dortigen Sheriff aufgelöst zu werden. Anfangs November 1897 verließen 21 Familien russischer Juden San Francisco, mit sich nach dem neuen Lande der Verheißung, dem Gebiete Wyinores, in der Nähe Deytons, zu wenden. Sie hatten den Besitz für 14.000 Dollar erworben, welche Summe sie von den Erträgnissen ihrer Arbeit zurückzuzahlen gedachten. Wymore gestattete ihnen, eine weitere Anleihe von 3000 Dollars aufzunehmen, welche als erste Hypothek auf das Land investiert wurde. Für dieses Geld kauften sie Bauholz und bauten Häuser. Sie arbeiteten fleißig und befanden sich recht wohl, als der Präsident der Colonie, Daniel Schwarz, und der Secretär Harry Bell, von der Goldbarren- und Wechselbank von Carson 1500 Dollars herauslockteu, indem sie die Ernte der ganzen Colonie verpfändeten. Mit diesem Gelde, wird behauptet, wären Präsident und S.-cretär durchgebrannt. Die Bank bestand nun auf Einlösung der Psandsumme und die bereits verlassenen Colonisten werden wahrscheinlich delogiert werden. ^Schwarz lebte früher in Philadelphia, während Bell aus Chicago stammte. Haftbefehle wurden gegen sie erlaffen. „Jew. Exp.*4 Korbanbampfrr. Seit einiger Zeit verkehren Passagierd a in p s e r ans dem Jordan. Einer führt den Namen „Prodromos" und ist Eigenthum des Klosters St. Johannes bei Jericho. „J. W.“ Stritzende Schächter. In Wodnvsensk (Russland) sind die Schächter in den Ausstand getteten, weil sie bereits seit einigen Wochen keine Bezahlung erhalten haben. Der provorierende Jude. Bekanntlich wurde Jakob Hagel aus Stryzow vom Rzeszower Gerichte der öffentlichen Gewaltthätigkeit und Beleidigung der kirchlichen Satzungen schuldig gesprochen und zu einer Kerkerstrafe in der Dauer eines Jahres verurtheilt. Hagel hatte sich angeblich des Vergehens dadurch schuldig gemacht, dass er eine erregte Bemerkung gegen die Soldaten machte, welche ihre Pferde auf den jüdischen Friedhof geführt hatten. — Am 13. September hat der Cassationshof über die von unserem Gesinnungsgenoffen Dr. Alexander M i n tz vertretene Nichtigkeitsbeschwerde verhandelt. Es gelang der Bertheidigung, die Herabsetzung der Strafe auf zwei Monate zu erwirken. Vas letzte Cigarrengeschäft der Firma Ahlwardt und Comp, in Berlin, Oraniengaffe 144, ist von dem Gerichtsvollzieher ausgeräumt und dann geschloffen worden. Bei der Pfändung fanden sich nur noch leere Cigarrenkisten und Cigarreuschachteln vor. Die Teufelsinsel in Nem-Vork. In New-2)ork wurde in einem Bolkstheater das Drama „Dreyfus" gegeben. Am Abend nach dem Selbstmord Henry's, als der Vorhang auf-