Mannheim
Compact Memory

Die Welt · 1898-09-16 · 37 (16.9.1898) · p. None

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Welt
Volume
2 (1898)
Issue
37 (16.9.1898)
Date
1898-09-16
Page
None (sequence 1)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
95% known words query
IRI
…/3315709-3315742-3315780--08073-3362902
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

Medartion und JAdministration: Wien IX.. Türkenstraße 9. Telephon Nr. 8805. Erscheint jede« Freitag. Zuschriften sind nicht an einzelne Personen, sondern an die Redaction oder Administration: Wien, IX., Türkenstraße 9, zu richten. Unfrankierte Briefe werden nicht angenommen und Manuscripte nicht zurückgesendet. Preise der Anzeigen: Die viermal gespultene Petitzeile 10 kr. Einzelne Nummern 15 kr. KeWs-reise: Oesterreich-Ungarn; halbjährig 3 fl. =-■= 6 Kr., ganzjährig 6 fl. — 12 Kr.: Für das Ausland: Deutschland - - . ' ganzjährig 13 Mk. 70 Pf., halbjährig GMk.85Pf., England ganzjährig 14 Shg., halbjährig 7 Shg., Russland ganzjährig 7 R., halbjährig 3 R. 50 Kop., Schweiz, Frankreich, Italien, Türkei, Rumänien, Bulgarien, Serbien, Griechenland,' Egypten ganzjährig 17 Frcs., halbjährig 8 Frcs. 50 Cts., Amerika ganzjährig 3 Doll. 40. Nr. 37. Wien, 16. SepLrnrber 1898. 2. Jahrgang. Kaiserin Elisabeth. Tiefe, qualvolle Trauer ist über Oesterreichs Völker gekommen. Sie haben ihre Kaiserin verloren. Nein, nicht verloren. Man hat sie ihnen tückisch, feig, niederträchtig geraubt. Wir stehen nicht an der Bahre einer Fürstin, die, nach ewigem Gesetze, der Natur ihren Zoll entrichtet. Aus dem vollen, neugeschenkten Leben hat sie der Mordstahl eines Wahnwitzigen gerissen. Eines Wahnwitzigen! Nur ein solcher konnte an diese Frau Hand anlegen, nur ein von Gott und den Menschen Verlaffener dieses schmachvolle Verbrechen begehen. Mehr als jede andere Fürstin hatte sich unsere Kaiserin der theilnehmenden Liebe ihrer Völker zu erfreuen; denn mehr als jede andere hat sie gelitten. Auf der Menschheit Höhe wandelnd, scheinbar im Besitze alles dessen, was Menschen glücklich machen kann, hat sie die herbsten .Schmerzen erfahren müssen. Die Hoheit, die ihr der Thron verlieh, hat sie durch die Hoheit ihres Lebens und Leidens geadelt. Eine Dulderin, gieng sie durch ein Leben, das ihr nichts an äußerem Glanze versagt hatte. Sie hat ihn kaum geachtet. Ihre Seele, des höchsten Erkennens und Empfindens fähig, hatte, im Schmerze geläutert, zur vollen Schönheit sich entfaltet, in dem hehren Tempel der Kunst, in den heiligen Hallen der Dichtung hoch über das Alltägliche sich erhoben. Die weißen Mauern des Achilleions grüßen in ewiger Schönheit die blauen Fluten, ein Denkmal, wie es sich herrlicher noch kein Fürst errichtet. Und drinnen das in Stein gezauberte Märchenbild des Dichters, dem eine Kaiserin, dem diese Kaiserin Ehre und Treue erwies, als ihn die beschimpften, deren Dichterruhm er miterrungen. Was sie einer ganzen Welt von missgünstigen kleinen Epigonen gegenüber an dem Sänger des Jehuda Halevy gethan, das ist ein. Zeugnis mehr für die lichte Höhe des Denkens und Fühlens, auf dem sie stand. Fern von dem Prunke ihrer Stellung, der dem Aufschwung ihrer Seele ein lästiges Band sein mochte, hatte sie alle Fesseln des Vorurtheiles und des ängstlichen Standesgeistes von sich abgestreift. Allen Guten war sie innig verbunden, in der Gemeinschaft der Edlen nahm sie ihren Hochsitz. Hilfreich war sie und gut. Voll der eigenen Leiden fühlte sie tief die der anderen, linderte sie mit der weichen, tröstenden Hand einer schmerzgeprüften Mutier alle Bitternisse der. Bedrängten, die sie kannte. Und diese Frau hat ein Mensch antasten, hat ein Mensch tödten können! Dieser Frau, die niemandem Böses, die allen nur Gutes gethan, konnte einMörder auflauern, sie konnte ein Meuchler in aller Ruhe fällen, weil ihm ein anderes Opfer entgangen war, dem er seinen Mordstahl zugedacht hatte! Mit tiefem Mitgefühl gedenkt man des Mannes, dem eine solche Frau so furchtbar entrissen, denkt man des Kaisers, dem nach so vielen schweren Schicksalsschlägen auch das. Entsetzlichste nicht erspart sein sollte. In seinem Jubiläumsjahre, da die Völker und Fürsten sich rüstete», ihm die Beweise ihrer freudigen Antheilnahme in besonderem Glanze zu zeigen, hat der Tod mit unerbittlicher Hand ihm das Beste geraubt. Aus dem Chore der Freuderfüllten ist ein Chor von Trauernden geworden, und es ist, als ob man schauernd und ernst den Choragen hörte: Das Herz wird mir schwer in der Fürsten Palästen, Wenn ich herab vom Gipfel des Glücks Stürzen sehe die Höchsten, die Besten In der Schnelle des Augenblicks! In seinem tiefen Leide aber wird der Kaiser erst recht allen denen theuer, die kommen wollten, seine Freude zu theilen. An seinem festen, ungebrochenen Mannesmuthe wird auch dieser furchtbare Schlag vergebens rütteln. In milder Wehmuth wird der Schmerz sich lösen, und mit dem Fürsten, trauernd wird die Liebe seiner Völker das Unglück beweinen und das Verbrechen bedecken. ■ v

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.