Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 2 (1898)
- Issue
- 36 (9.9.1898)
- Article
- [Ohne Titel]
- Date
- 1898-09-09
- Page
- 18 (sequence 2)
- Language
- German
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Sette 18 J*#wdr Nr. 36 Subscribenteu zum Nennwerte auszufolgen, von da weiter. Der Herausgeber des „Vessilo Israeliticou selbst, der Oberjedoch ein Aufgeld von fünf P er c ent zu fordern. Durch rabbiner Hamiuo Servi, wurde vom König durch die Verleihung diese Maßregel wäre es möglich, alle Gründungskosten ohne des Adels geehrt. Belastung des Actiencapitals zu decken. Nach unseren In- Dordafrikanisches. Vor und während der Ankunft des formationen hat dieser Vorschlag Aussicht, angenommen zu Generalgouverneurs kam es in Algier zu tnmultuösen Scenen werden. und Misshandlungen von Israeliten. Einige der letzteren ££* kamen gegen 3 Uhr auf die Place de Gouvernement, uni sich den Einzug des Generalgouverneurs mitanzusehen. Sie MtllchroM. Die Aerrie für den Weltfrieden. Der in Kiew tagende Congress der russischen Aerzte beschloss, dem Kaiser den Ausdruck seiner höchsten Bewunderung anlässlich seines Friedensaufrufes zu entbieten. statistische Ermittelungen über russische Händler. Das Vorsteheramt der Königsberger Kaufmannschaft ist, wie man der „Königv. Hart. Ztg." mittheilt, kürzlich von dem Oberpräsidenten anfgefordert worden, über den Umfang der von den einzelnen jüdischen Commissionären und Maklern russischer Nationalität abgeschlossenen Geschäfte und ihres Verdienstes statistische Ermittelungen anzustellen und über das Ergebnis baldmöglichst Bericht zu erstatten. —- Die „Franks.- ' Ztg.", der eine ähnliche Nachricht zugegangen ist, bemerkt dazu, dass in den bethciligten Kreisen einige Beunruhigung über den Zweck dieser Ermittelungen herrsche und man befürchte, dass diese Statistik die Unterlage zu Ausweisungen geben könnte. Demgegenüber erfährt die „Königb. Hart. Ztg.", dass die _ Aufforderung an sich keinen Anlass zu Befürchtungen biete; sie "7 ist vielmehr damit begründet, dass man behördlicherseits für alle erwähnten russischen Händler auf einmal die nöthigen Angaben zur Beurteilung ihrer geschäftlichen Bedeutung wünscht, um einen Schriftwechsel in jedem einzelnen Falle, wenn es sich um eine Verlängerung der Aufenthaltsgenehmigung handelt, vermeiden zu können. — Ist dadurch an der Sache etwas geändert? Jüdische Einwanderung in Philadelphia. Tie Totalziffer jüdischer Einwanderer, welche in dieiem Hafen während der Monate Juni und Juli angekommen sind, betrug 495, gegen 353 Einwanderer, welche während derselben Zeit im Vorjahre anlangten. 103 kamen -im Juni, 332 im Juli an. Von diesen 495 Einwanderern kamen 100 mit vorher bezahlten Billets an, welche ihnen von ihren amerikanischen Verwandten gesandt worden waren. Unter den Eingewanderten befanden sich 280 Männer und 215 Frauen; 329 kamen aus Russland, 33 aus Polen, 23 aus Oesterreich, 9 aus England, 7 aus Ungarn, 7 aus der Bukowina, 3 aus Deutschland und 1 aus Holland. 84 verschiedene Professionen waren darunter vertreten. Die Einwanderer zerstreuten sich in 35 verschiedene Städte der Union. 3 von diesen Einwanderern wurden von der Einwanderungs-Behörde der Vereinigten Staaten ausgeschlossen. weil sie wahrscheinlich den Einwohnern zur Last gefallen wären. „Jew. Exp.14 Die christliche Gewerkschaftsbewegung macht in Deutschland große Fortschritte. Verflossene Woche fand in Aachen eine Versammlung statt, in der die Gründung eines christlich-socialen Textilarbeiterinnen-Verbandes berathen und ein Statutenentwurf angenommen wurde. General Ottolenghi. Der „Yessilo Israelitico“ veröffentlicht in seiner letzten Nummer das Bild des Generals Ottolenghi, des einzigen jüdischen Officiers, der einen so hohen Rang in der italienischen Armee erlangt hat. Zur Zeit ist er Commandant der in Turin stationierten Division und steht bei König Humbert und dem Kronprinzen in hohem Ansehen. Ter letztere diente in Neapel einige Jahre unter dem Commando Ottolenghi's, ehe er selbst zum General ernannt wurde. Ottolenghi ist nicht der einzige Jude in Italien, der von König Humbert in hervorragender Weise ausgezeichnet wird. wurden von der antisemitischen Menge misshandelt, zwei Juden wurden hiebei schwer verwundet. Nach dem Einzug des Gouverneurs hielt der Pöbel die Tramwaywagen an und durchsuchte sie nach Juden. Wenn Juden gefunden wurden, so wurden sie misshandelt. In jüdischen Läden wurden die Fenstertafeln eingeschlagen. Varonin Hirsch hat anlässlich des Regierungs-Jubiläums des Kaisers ein Pensionsinstitut für die Beamten ihrer vier mährischen Güter Eichhorn, Rossitz, Schwarzkirchen und Pürschitz errichtet und hiefür einen Betrag von 205.000 fl. gespendet. Die ^Honnnerferien sind nun auch für den österreichischen Antisemitismus vorüber. Tie Wiener Christlich-socialen beginnen sich tüchtig zu rühren. In die Provinzen, wo man noch nicht ganz fest auf antisemitischen Füßen steht, werden Agitationsreisen unternommen. Am 5. September fand in Schluckenau, Nordböhmen, ein von der Wiener Centrale veranstalteter christlich-socialer Verbandstag statt, der sich eines ungemein zahlreichen Besuches erfreute. Es wurde neuerdings beschlofsen, dem Judenhasse treu zu bleiben. „Uriel Acosta" als — Ballei. In einer Plauderei „Intimes vom Ballet" erzählt Adolph Oppenheim, dass der polnische Balletmeister Skantiewicz den „Uriel Acosta" als Ballet auf die Bühne brachte. In diesem Ballet verfluchte de Santos den Uriel Acosta in der Synagoge, umgeben von tanzenden Rabbinern, einfach pantomimisch unter Musikbegleitung. Manasse Vanderstraten's Tochter bat ihn dabei flehentlich — ebenfalls pantomimisch — dass er widerrufen möge, aber, ein eigensinniger Kopf, wie dieser Uriel Acosta war, sträubte er sich vorläufig entschieden und verschob seine bestimmte Antwort ans den nächsten Act, wo im Hause Vanderstraten's ein solennes Ballfesi gefeiert und Krakovec von einem Dutzend hübscher Mädels und den Rabbinern getanzt wurde. Rabbi Ben Akiba druckte sein bekanntes „Alles schon dagewcscn" einfach pantomimisch aus und mittels Textbuches verstand man den in ^'/.>j-Tact getanzten Satz: „Alles schon dagewesen" ebenfalls. Drmnoui und Zador Kahn. Der „Figaro" richtete ein Circular an die bekanntesten Männer in Paris, in dem er sie fragte, welches ihr Ideal in ihrem 20. Lebensjahre gewesen. Unter diesen befanden sich auch der bekannte Führer der Antisemiten M. Drumont und der Groß-Rabbiner von Frankreich Zadoc Kahn. Der erstere antwortete, dass, obgleich er mit 20 Jahren noch gar nichts war, er doch bereits das Bewusstsein hatte, dass er eines Tages sich über die gewöhnliche Menge erheben und ein Buch schreiben würde, dazu bestimmt, viel Lärm und Aufsehen zu erregen. Sein Traum sei erfüllt worden, und er fühle sich glücklich. Er erhielte öfters Briefe von Leuten, die ihn seiner schlechten Thaten wegen verdammten, während andere wieder ihn zum Himmel erheben und ihn Befteier und Heiland nennen. Er sehe seinen Ehrgeiz befriedigt, und sei durchaus kein Durchschnittsmensch. Während der „Figaro" sich in feiner Weise über diesen „außergewöhnlichen" Mann lustig macht, lobt er den Brief Zadoc Kahns in ausnehmender Meise. In diesem sei Gedankenschwung zu finden, sagt er, und der Schreiber sei nicht so sehr Priester, als Philosoph. Der Rabbiner, dessen Bescheidenheit und Güte allen denen, die das Vorrecht besitzen, sich ihm nähern zu dürfen, bekannt ist, berichtet, dass er als Jüngling sich der geweihten Laufbahn zu widmen gedachte, zum Segen seiner Glaubensgenoffen, dadurch, dass er ihre Leiden mildern und die Borurtheile zerstreuen wollte, welche sich im Laufe so vieler Jahrhunderte aufgehäuft und die Lehre seines Volkes