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Die Welt · 1898-09-09 · 36 (9.9.1898) · p. 15

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Journal
Die Welt
Volume
2 (1898)
Issue
36 (9.9.1898)
Article
Das Congresshaus [Illustration]
Date
1898-09-09
Page
15 (sequence 1)
Language
German
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Nr. 36 Seite 15 Das Congresshaus. Pmß, Aus den Schweizer Zeitungen.') „N a t i o n a l - Z e i t u n g" tu Basel: „Die Leser wollen gütigst entschuldigen, wenn wir — wie wir das bereits in unserem Borbericht sagten — uns an die tatsächlichen Boten und Reden halten. Schon der erste Tag, nein, schon die erste Sitzung hat zur Evidenz bewiesen, dass an Wichtigkeit der zweite Congress den ersten beiweitem überragt, denn heute heißt es nicht mehr „reden", sondern „arbeiten", und wir bitten daher nochmals, zu entschuldigen, wenn unser Bericht protokollartig, d. h. trocken ausfällt." „Baseler Anzeiger": „Der zweite Zionistencongress hat unseres Erachtens eine doppelte Aufgabe zu erfüllen. Er muss der Welt zeigen, dass der Zionismus eine lebenssähige Erscheinung des modernen Judenthums ist und muss den Beweis bringen, dass er von Leuten vertreten wird, die imstande sind, seine Gedanken zit realisieren. Sehen wir zu, ob er dies thnt." „Allgemeine Schweizer Zeitung": „Als voriges Jahr die Zionisten ihren ersten Coitgress in Basel abhielten, wussten die wenigsten Leute, was eigentlich der Zionismus sei und was er bezwecke; und wenn cs ihnen erklärt wurde, war die Antwort meist ein Achselzucken oder ein *) Die Schweizer Zeitungen haben dem (Kongresse sehr eingehende und sympathische Besprechungen gewidmet und seinen Verlauf gewissenhaft verzeichnet. Wir benügen uns damit, aus den umfangreichen Berichten Einzelnes herauszugrcisen. mitleidiges Lächeln. Doch schon der erste Congress brachte eine Wandlung in der öffentlichen Meinung; wer den Berhandlungen beiwobnte, konnte sich nicht verhehlen, dass mau es mit einer hochbedeutsamen Erscheinung zu thnn hatte und dass die Bersammlung aus Männern bestand, die für ein hehres Ziel begeistert und entschlossen sind, alles daran zn setzen, um es zu erreichen. Freilich fehlte es auch nach dem Coitgresse nicht an Meinungen von Juden und Mchtjnden, von dem verfehlten Beginnen abzustehen und das allgemeiite Menschenthmn über das Judenthum zu stellen: die Prophezeiungen waren zahlreich, die Bewegung werde bald im Saude verlausen. Aber dieses Jahr sind die Zionisten wieder in Basel eingerückt, viel zahl- : reicher .als im vorhergehenden; hatte letztes Jahr der Casinosaal genügt, so mussten diesmal die Bersammlungen im großen Musiksaal abgehalten werden." „Baseler Rachrichte n" : „Ter erste Zionistencongress vor Jahresfrist war eine überraschend gelungene Improvisation. Unter dem Spotte der Gegner aus christlichem und jüdischem Lager, irnter dem Misstrauen der Gleichgiltigetr hastig zusammengerufen, um die Nothlage der Juden zu erörtern, errang sich diese Bersammlung, die erste jüdische Nationalversammlung überhaupt, in drei Tagen durch den Ernst ihrer Bcrhandlttngen die allgemeine Achtung und Theilnahme. Seit vorigem Jahre hat die Bewegung riesige Fortschritte gemacht, nicht nur in den osteuropäischen, asiatischen, afcikani scheu und amerikanischen Ländern der physischen Judennoth. Auch in den cultivierten westeuropäischen, von der sogenannten sittlichen Judennoth bedrohten Ländern, besonders Frankreich und Deutschland, sind zahlreiche zionistische Bereine entstandetr, neue begeisterte Anhänger gewonnen worden. Sogar in unserer freien Schweiz, in Basel, Genf, Bern und Zürich entstanden solche Bereinigungen." „Baseler B o l k s b l a t t" : „Znm zweirenmale sehen wir in unserer alten Rheinstadt die Kinder Israels zn ernster Tagung versammelt, tmt das im vorigen Jahre begonnene Werk weiter zu führen. Möge ihr Bestrebeit, den Aermsten und Bedrückt fften ihres Stammes in der alten Heimat eine Wohnstätte zu gründen, tu Erfüllung gehen und für ihre verfolgten Brüder, denen die Freiheit, wie sie sie in unseren Landen genießen, noch etwas Unbekanntes ist, eine Zeit der Ruhe und des Friedens folgen." „Baseler B o r w ä r t s" : „In den letzten Tagen des August findet in Basel der zweite Zionistencongress statt. Als im vorigen Jahre die Welt znm erstenmale vom Zionismus erfahren hatte, war die Beurtheilnng desselben eine verschiedene. Alan begegnete dieser eigenartigen Bewegung theils mit Skepsis, theils mit Spott, zunächst witrde sie aber ganz ignoriert, namentlich dort, wo die Jttden selbst auf die Presse einen Einfluss haben. Jetzt nach einem Jahre der Organisation wird es leichter sein, eilte objective Meinung über diese modernste Bewegung zu gewinnen. Die verneinende Haltung der Majorität der westeuropäischen Juden gegen den Zionismus hat ihren Grund in der Besürchtnug, dass die Juden ihre politischen Rechte einbüßen könnten, wenn sie zusammen mit deit unterdrückten Brüdcrtt beginnen lvürden, nach einer neuen Heimat zu trachten. Tic christliche Welt sieht in dieser Frage klarer und objectiver. Das Bürgerrecht der Jndett ist dadurch am allerwenigsten bedroht, dass die westeuropäischen Juden ihren unglücklichen Brüdern eine tvohlorganisierte Hilfe, wenn auch auf einer neuen politischen und socialen Grundlage, reichen würden. Der Zionismus bietet in psychologischer und historischer Beziehung ein weitgehendes Interesse. Bielleicht ist er vom socialwissenschaftlichen Gesichtspunkte aus noch lehrreicher, oder wird cs in nächster Zukunft wenigstens noch werden. Es handelt sich im Zionismus nur die Begründung eines neuen Gemeinwesens, um eine systematische Colonisation im Großen auf

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