Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 2 (1898)
- Issue
- 35 (2.9.1898)
- Article
- Die russischen Juden und die Hoch- und Mittelschulbildung
- Date
- 1898-09-02
- Page
- 27 (sequence 2)
- Language
- German
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Nr. 35 J*OW<r Seite 27 An der technischen Schule zu Riga werden jüdische Hochschüler, wie gemeldet wird, nur im Verhältnisse von 7 5 Percent ausgenommen. Für die Mädchengymnasien plant das Unterrichtsministerium, wie die „St. Petersburg Wjedom." berichten, die Einführung desselben Percentsatzes, wie er für die ft naben-- Gymnasien besteht. Dass es bei den Plänen allein nicht bleibt, geht aus der diesbezüglichen Anfrage des Curators des Odessaer Lehrbezirkes an die Directionen der beiden Mädchengymnasien zu Jekaterinoslaw hervor, von der der „Pridnjepr. Kraj.“ zu berichten weiß. An die Professorenconferenz der Hochschulcurse für Frauen zu St. Petersburg wurden 410 Ausnahmsgesuche gerichtet, und bei 300 Vacanzen nur 9 jüdische Mädchen ausgenommen. Fast alle jüdischen Gesuchswerberinnen absolvierten das Gymnasium mit Gold- oder Silbermedaillen, wie die ,,Nov. Wrem." gewiss mit Missmuth constatiert. Der erste Dampfer auf dem Jordan. Ein unternehmender Mönch, Dom Pachomius, der Abt des Klosters St. Johannes bei Jericho, hat zuerst im December 1896 den Versuch gemacht, mit einem ganz kleinen Dampfer den Jordan zu befahren. Als der Versuch geglückt war, hat er im Juni 1897 einen Personendampfer, den „Prodomus", auf den Jordan gesetzt und unterhält nun einen regelmäßigen Personenverkehr von Jericho bis an das Südende des tobten Meeres. Dieser Dampsschiffverkehr ist für die Reisenden und Pilger eine große Annehmlichkeit. Weinernte und Phylloxera in den Colonien. Die Reblaus, die bis jetzt die Weinreben in den Colonien Judäas verschont hat, ist in den größten Gärten bereits constatiert worden, und man wird wie überall, auch hier zu der amerikanischen Rebe Zuflucht nehmen müsien, was vielleicht -»inen jahrelangen Stillstand in der Weinproductivn und Gefährdung der wirtschaftlichen Lage der Colonisten verursachen wird, die schon allmählig auf dem besten Wege waren, auf die Unterstützungen verzichten zu können und materielle Selbständigkeit zu erlangen. Jedenfalls verspricht die heurige Weinernte eine im Ganzen befriedigende zu sein. Im vorigen Jahre war der Ertrag je nach der Colonie und der Größe der Weingärten 1000—3000 Frcs. Die Kellereien werden schon jetzt in Stand gesetzt, um die große Menge der Trauben rechtzeitig verarbeiten zu können. Die erste Synagoge in der Sahara. Wie arabischen Blättern aus der benachbarten Hafenstadt Benghazi geschrieben wird, besteht in der berühmten Handelsstadt Kano in der Sahara seit einigen Monaten eine kleine Ansiedelung von maghrabbinischen (marokkanischen) Juden, die über die große Neger - stadt Timbuktn dorthin kamen, um dort Handel zu treiben und besitzen sie auch schon ein kleines Bethaus (zalijah). das freilich blos eine Lehmhütte mit einem Strohdache ist. Tie StadtKano gehört dem Sultan von Jakuba, der wieder ein Vasall des Sultans von Sokoto, des mächtigsten Fürsten der Sahara, ist. In der Wüste Sahara, wo es mehrere Negerreiche mir blühenden Städten gibt, lebten bis jetzt keine Juden, da die Bevölkerung dort, die theils mohamedanisch, theils heidnisch ist, noch zu wild ist. In der neuesten Zeit aber, besonders seitdem die große Stadt Timbuktn von den Franzosen besetzt wurde, haben marokkanische Juden, die bekanntlich sehr unternehmungslustig sind, fleißig Reisen nach der Sahara unternommen, um dort europäische Waren zu verkaufen. Schließlich haben sich einige derselben in der Stadt Kano, die in der Mitte der Sahara liegt und über die Franzosen eine Bahn von Algier aus nach der Stadt Kauka am Tschadsee bauen wollen, dauernd niedergelasien. Isr. Die älteste Erwähnung des Petroleums in der Bibel. In dem zweiten Buche der Makkabäer im ersten Capitel findet sich eine Stelle, die wahrscheinlich die erste Erwähnung des Erdöls in der Bibel enthält, desien Eigenschaften ganz sachgemäß beschrieben werden. Es ist die Rede davon, dass die Juden während ihrer Gefangenschaft in Persien das Feuer vom Altar in eine tiefe trockene Grube versteckt und dort erhalten hatten, damit es ihnen nicht geraubt werden könnte. Als nun der Prophet Nehemia nach Palästina zurückgesandt war, wollte er das heilige Feuer haben und sandte die Nachkommen der Priester, die es verborgen hatten, ab, um es wieder zu holen. Dann heißt es weiter: „Aber wie sie uns berichtet haben, haben sie kein Feuer, sondern ein dickes Waffer gefunden. Dasselbe hat er sie heißen schöpfen und bringen. Da nun alles zum Opfer zugerüstet war, hat Nehemia befohlen, sie sollten das Wasser über das Holz und das Opfer, das auf dem Holz lag, gießen. Als sie dasselbe gethan hatten, und die Sonne wohl heraufgekommen war und die Wolken vergangen, da zündete sich ein groß Feuer an; des verwunderten sie sich alle." Und weiter: „Darnach hieß Nehemia das übrige Wasier auf die großen Steine gießen. Da gieng auch eine Flamme aus; aber sie ward verzehrt von der Flamme des Feuers auf dem Altar. Dies ist bald lautbar geworden und vor den König der Perser gekommen, wie man an dem Orte, wo man das Feuer versteckt hatte, Wasier gefunden und.dasselbe die Opfer angezündet hätte. Da versuchte es der König auch und ließ den Ort aussondern und befriedigen (einzäunen), und gab viel Geldes dazu." Welchen Erfolg der König mit seinen Untersuchungen gehabt hat, wird nicht berichtet. Dass Erdöl schon im Alterthum als Brennstoff benutzt wurde, geht aus einer Erwähnung des „sicilischen Oels", d. i. des Erdöls von Agrigent, das nach Plinius in Lampen gebrannt wurde, hervor. Der biblische Bericht ist übrigens aus den natürlichen Berhältnisien des Schauplai.es durchaus erklärlich. Man hatte eben eine Erdölquelle gefunden oder ein. Wasier, das stark mit Erdöl vermischt aus dem Boden drang. Nun erreicht die Temperatur in den Ebenen Persiens unter den directen Sonnenstrahlen oft über 60" C., und diese Hitze genügt schon dazu, einige leichtere Bestandtheite des rohen Erdöls in Flammen zu setzen. In dem letzten Vers des angegebenen Capitels „Und des Nehemia? Gesellen nannten den.Ort Nechpar, auf deutsch Reinigung; etliche hießen ihn auch Nephthar", findet sich auch der Ursprung der Bezeichnung Naphtha. Israel in Äegypten. Im Jahre 1896 entdeckte bekanntlich der verdienstvolle englische Aegyptenforscher Flinders P e t r i e in den Trümmern des .Grabtempels des Königs Merneptah, des Sohnes Ramses II.. eine Inschrift, die zum erstenmale auf ägyptischem Boden den Namen eines „Volkes Jsiraal" oder Israel erwähnt. Darüber hat Profesior A. W i e d e m a n n in Bonn eine besondere, in französischer Sprache erschienene Schrift veröffentlicht, die mit äußerster Sorgfalt, unter Abwägung aller zur Beurtheilung eines so wichtigen Fundes nöthigen Thatsachen verfasst ist. Die Pharaonen, das sei hier gleich bemerkt, kommen bei dieser Untersuchung sehr schlecht weg. Es wird aufs klarste nachgcwiesen, dass sie in ihrer Großmannssucht gewohnt waren, Denkmäler von Vorfahren in der Regierung in der Weise zu benützen, dass sie oft die Namen derselben ansstreichen und ihre eigenen einsetzen ließen, so dass sie früher geschehene, vielleicht auch erdichtete oder übertreibend dargestellte Heldenthaten sich selbst zuschreiben konnten. Nach den schlagenden Darlegungen von Profesior Wiedemann zu urtheilen, hat die Aegypten-Forschung alle Ursache, die gefundenen Inschriften sehr genau auf ihre Richtigkeit zu prüfen. Die auf das Volk Israel bezügliche besagt: „I s i r a a l ist verwüstet (kekl). Seine Saaten sind dahin (per-t-u)." Die Auslegung der beiden genannten Worte hat allerdings ihre Schwierigkeiten. Jndesien wird Israel jedenfalls nach drei im Süden von Palästina gelegenen Städten genannt, und vor dem Namen eines Landes, das sich im Osten von Aegypten ausdehnte. Ob darin eine Reihenfolge, was politische Erdkunde betrifft, angedeutet ist, kann mit Sicherheit nicht fest-