Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 2 (1898)
- Issue
- 35 (2.9.1898)
- Article
- Haltbare Sandspiegel
- Date
- 1898-09-02
- Page
- 26 (sequence 1)
- Language
- German
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Seite 26 Nr 35 Haltbare Sandzicael. Einem Berliner Hütteningenieur, W. Olschewsky, ist es gelungen, aus einer Mischung von Sand mit ca. 6 Percent Kalk einen H a r t st e i n herzusteüen, der den Lehmziegel vollständig ersetzt, und dessen Herstellung sich erheblich billiger stellt. Die kgl mechanisch-technische Versuchsanstalt zu Berlin hat die Hartsteine auf Frostbeständigkeit und Druckfestigkeit geprüft. 10 Steine wurden 150 Stunden in Wasser gelegt und darauf 25mal nacheinander abwechselnd je 4 Stunden einer Frosttemperatur von etwa —12 Grad Celsius ausgesetzt und je 3 Stunden in Wasser von Zimmerwärme wieder aufgethaut. Nach dieser Beanspruchung zeigten sich die Hartsteine unversehrt. Die Prüfung auf Druckfestigkeit ergab, dass ein nach obiger Schilderung behandelter Stein in wassersattem Zustande 3-0 Kilogramm schwer, erst bei einer Belastung von 31.602 Kilogramm und ein trockener Stein, 3-6 Kilogramm schwer, bei einer Belastung von 34.313 Kilogramm zerstört wurde, resp. Risse zeigte. Für lehmarme, dagegen sandreiche Länder wird diese Erfindung von weittragender Bedeutung sein. Die erste Locomotive am Stanley-Pool. Ueber die Ankunft der ersten Locomotive am Stanley-Pool, jener seeartigen Erweiterung im Laufe des unteren Eongo, wo vorläufig die neue Eongo-Eisenbahn ihr Ende erreicht, hat der Brüsseler „Mouvement, Geographique“ einen interessanten Bericht erhalten. Es heißt darin: 7, Die Ankunft der Locomotive ist hier (Kinschaosa) mit Ausdrücken einer Begeisterung und einer Freude ohnegleichen gefeiert worden, und jeder leerte ein Glas Champagner auf den Untergang der alten Karawanenstraße, die nun endlich begraben ist. Die Bedeutung der Bahn wird in einem Briefe gewürdigt, den der Director der holländischen Afrika-Gesellschaft in Rotterdam Greshoff an Major Thys richtete, und in dem es heißt: „Man muss die Karawanenstraße bereist haben unter strömendem Regen oder unter brennender Sonne, dann allein in eine Ortschaft gekommen sein ohne Träger, die einen Abstecher nach einem Markte machten, genöthigt gewesen sein, stundenlang auf trockene Kleider, Nahrung oder eine Erfrischung zu warten, Chinin zu schlucken, um das brennende Fieber zu bekämpfen — man muss einmal seinen Koffer mit fast der ganzen Bagage in einen Flusslaus aus Nimmerrviedersehen verschwinden gesehen haben oder gezwungen gewesen sein, drei bis vier Tage vor einem kleinen Wasserlaus zu warten, der durch einige Tage Regen in einen reißenden Strom verwandelt wurde, dann wird man würdigen, was Sie für uns gethan haben." Die Wunder der Elektricitiit. Ueber die große elektrische Ausstellung in New-Jork sind verschiedenen Fachblättern Berichten von außerordentlichem Interesse zugegangen. Schon die Eröffnung' der Ausstellung vollzog sich in eigenartiger Weise. Während man bei anderen Ausstellungen Wert darauf zu legen pflegt, dass die Eröffnung in Anwesenheit hoher Persönlichkeiten stattfindet, ist es in Amerika umgekehrt: man freut sich darüber, dass sich der Präsident Mac Kinlcy in Washington und nicht in New-Iork befand. So konnte er die Ausstellung mit Hilfe von Elektricität eröffnen, und zwar bediente er sich dazu desselben berühmten goldenen Schlüssels, mit dem sein Vorgänger Cleveland die Ausstellung in Chicago eröffnete. Als der Präsident in Washington diesen Schlüssel in einem Schlosse hcrumdrehte, setzten sich in New-Iork sämmtlichc Maschinen der elektrischen Ausstellung in Bewegung, gleichzeitig telegraphierte er, es gewähre ihm ein Vergnügen, die elektrische Ausstellung in ..Groß New-Iork" zu eröffnen und an der wunderbaren Vorführung der neuesten Verfahren der elektrischen Ucbertragung aus diese Weise theilzunehmen. Auch der Vicepräsident Hobart, der nach New-Iork eingeladen war, war „glücklichermeise" nicht erschienen, denn nun konnte er eine telephonische Ansprache halten, die auf der Festtribüne in Empfang genommen und durch einen Phonographen den Umstehenden mitgetheilt wurde. Daraus wurde cm Beispiel davon gegeben, mit welch großartiger Geschwindigkeit gegenwärtig Nachrichten verbreitet werden können. Kaum waren beide Botschaften eingetroffen, so wurde ihr Wortlaut in einem elektrisch betriebenen Linotyp, der bekannten amerikanischen Schnellsetzmaschine, gesetzt, dann in Formen gepresst und aus der Presse gedruckt, die gedruckten Bogen wurden mit einem Messer — natürlich wie alle anderen Maschinen mit Elektromotor betrieben — zerschnitten. All das dauerte nur einige Minuten, und noch ehe der Vorsitzende des Aussrellungs-Comitös seine Bemerkungen über die Botschaften vollendet hatte, wurden dieselben gedruckt vertheüt. Zu den anziehendsten Gegenständen der Ausstellung gehört ein kleines Modell von Edisons magnetischer Erzaussonderungsmaschine im Betriebe, wo das sein zermahlene erzhaltige Gestein vor kräftige Elektromagneten geführt wird, die das Erz daraus aussondern und sesthalten. In der Mitte der Ausstellungshalle befindet sich ein Wasserbecken, auf dem man jeden Nachmittag mittels der Marconischen Telegraphie ohne Draht eine kleine unterseeische Mine explodieren und das kleine Modell eines Kriegsschiffes zerstören lässt. m Weltchronik. 3ur Pal ästin Kreise Kaiser Wilhelms. Die erste der drei Glocken der evangelischen Erlöserkirche, welche den 31. October in Gegenwart des deutschen Kaiserpaares eingeweiht werden soll, trägt der Bestimmung desselben gemäß folgende Inschrift: „Tröstet, tröstet mein Volk, spricht euer Gott; redet mit Jerusalem freundlich." (Jes. 40, 1—2.) „Christliches Gericht". Ein jüdischer Kaufmann hatte vor dem Braunschweiger Landesgericht den Zeugeneid zu leisten. Er bat den Vorsitzenden um die Erlaubnis, während der Eidesleistung den Hut aufsetzen zu dürfen, da nach der jüdischen Lehre beim Aussprechen des Gottesnamens der Kopf nicht unbedeckt sein soll. Der Staatsanwalt ersuchte, den Antrag abzulehnen, weil es unstatthaft sei, dass ein vor ein „christliches Gericht" geladener Zeuge während der Eidesleistung die Kopfbedeckung aufbehalte. Der jüdische Zeuge berief sich darauf, dass auch vor anderen Gerichten diesbezüglichen Anträgen stattgegeben worden sei. Das Gericht lehnte den Antrag ab, worauf der Zeuge noch einen letzten Versuch machte, indem er bat, eine Entscheidung des Cultusministeriums herbeizuführen. Das Gericht gieng jedoch nicht mehr auf seine Ausführungen ein, und der Vorsitzende verwies ihn lediglich auf den Beschwerdeweg. Es wird interessant sein zu erfahren, ob der Staatsanwalt im Recht war, wenn er das Gericht als ein „christliches" bezeichnete. Kusstsche Juden und russische Curorte. Die Mutter Natur war gewiss den Juden übelgesinnt, als sie die wichtigsten Curorte Russlands außerhalb des künftigen Ansiedlungsrayons angelegt hatte. Und so mag der kranke Jude gehen, wohin er will; an den russischen Heilquellen, wenn er nicht akademische Bildung genoffen hat, oder der Gilde der Großhändler angehört, darf er die Wiederherstellung seiner Gesundheit nicht suchen. Die Kaukasusgruppe der berühmten Mineralbäder oder der berühmte Wintercurort Jalta sind ihm überhaupt verschlossen. Daher berührt uns etwas eigenthümlich das Schreiben, welches ein hoher russischer Würdenträger an das Organ des Fürsten Uchtomsky „Pet. Wied.“ richtet: „Erlauben Sie mir, Sie um Beantwortung einer scheinbar sonderbaren Fragen zu bitten: Ist es denn wirklich wahr, dass es den russischen Juden verboten ist, die russischen Curorte im Kaukasus. Pjatigorsk, Kislowodsk und andere zur Herstellung ihrer Gesundheit aufzusuchen. Wenigstens hat mir ein vermögender und intelligenter Jude in diesem Sinne die Auskunft ertheilt, der zu diesem Zwecke in einen ausländischen Curort gieng. Ich bin überzeugt, dass Ihre Zeitung dieser Frage die volle Aufmerksamkeit zuwenden wird; übrigens will ich aus ganzem Herzen der Hoffnung Ausdruck geben, dass die Rechtfertigung der jüdischen Kranken der Wahrheit nicht entspricht. Man kann doch ein Antisemit sein und doch den Juden das Recht zusprechen, im Falle der Erkrankung nach Heilung zu suchen." Auf eine diesbezügliche Anfrage der Redaction des genannten Blattes bei ihrem Mitarbeiter im Kaukasus, erfolgte eine Antwort, die dem menschenfreundlichen russischen Würdenträger die traurige Gewissheit verschaffen muss, dass der betreffende Jude die Grenzen des Aufenthaltsrayons viel zu gut ' gekannt hat: „D e r A u f e n t h a l t in den kaukasischen Kurorten ist den Juden bedingungslos verboten." Die russischen Juden und die Hochnnd Mittelschulbildung. Die in Jekaterinoslaw zu errichtende Hochschule für Bergwesen, zu deren Erhaltung die Stadt Jekaterinoslaw mit ihrer reichen und großen jüdischen Bevölkerung größte Opfer brachte, hat den entsprechenden Dank ' an die Juden in der Gestalt des tz 10 ihres Statutes abgetragen. Derselbe lautet: „Juden werden zum Studium an dieser Hochschule nicht zugelassen."