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Die Welt · 1898-08-26 · 34 (26.8.1898) · p. 16

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Welt
Volume
2 (1898)
Issue
34 (26.8.1898)
Article
Die Goldschilds
Date
1898-08-26
Page
16 (sequence 2)
Language
German
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Seite 16 Nr. 34 Ließ sich nämlich das durch derartiges Entgegenkommen, geschmeichelte Opfer in ein längeres Gespräch mit dem Ber- ~ mittler ein, so wusste es Herr Gelb so einzurichten, dass ihm. für den Fall des Zustandekommens des Projectes eine gewisie Summe schriftlich versprochen wurde. War dieses Papier unterschrieben — so kümmerte sich . der würdige Mann nicht im Geringsten mehr um die ganze Angelegenheit. Er wusste ja selbst am besten, wie nutzlos seine Mühe gewesen wäre. Verlobte sich aber nach Jahr und Tag der betreffende Herr wirklich, so erschien Isidor wieder mit der Verschreibung und drohte, den Bräutigam bei der Braut als gewissenlosen Mitgiftjäger zu verschwärzen. In zehn Fällen verstand man sich neunmal dazu, das wertlose Papier einzulösen. Mit diesem erbärmlichen Freibeuter und Wucherer verband sich also Jsak Goldschild, um seine viertausend Gulden fruchtbringend anzulegen. Bon nun an begleitete Klein-Jsak den Agenten auf seinen rastlosen Wanderungen durch die Stadt. Die Rolle, die ihm bei diesen Expeditionen zufiel, war keineswegs hervorragend. Isidor Gelb gab ihn als seinen Neffen aus und er musste stundenlang in den Gängen der Gasthöfe warten, während im Zimmer die Verhandlungen geführt wurden. War man dann schließlich einig, so ries der „Onkel" den Neffen herein und beauftragte ihn, ein Wechselblankett zu Mit zur Schau^getragLLLM^Eifer stürzte Jsak eilig davon — und gieng gemächlich ein wenig ans der Straße spazieren. Er hatte natürlich die Brusttasche mit allen nur erdenklichen Formularen wohlgefüllt. Der Auftrag war nur eine Finte, um ein kleines Trinkgeld für den dienstbeflissenen Neffen, bei besonders freigebigen und unerfahrenen Klienten auch die Entschädigung für benützte Wagen herauszulocken. In dieser guten Schule verbrachte Nathans Sohn den ganzen Winter. Natürlich hatten die Vettern David und Karl- Raphael keine Ahnung von seinem Treiben. Ihrer Meinung nach war Klein-Jsak nach wie vor bestrebt, im Weißwarengeschäfte die Gunst seines Principals zu erwerben. Jsak hatte bei den Verwandten in der Mariahilserstraße dieselbe freundliche Aufnahme wie in der Alserstraße gefunden, und mehr als ein Sonntag hatte alle drei Goldschilds im Häuschen der Eltern Holzer vereinigt. Aber Anfangs April sollte ein unerwarteter Vorgang eine arge Entzweiung herbeiführen. David verbrachte, wie dies häufig geschah, mit dem Karl- Raphael'schen Ehepaare einen Tag in Perchtoldsdorf. Das Frühjahr ließ sich warm an, so dass man nach dem Mittagessen die Siesta im Borgärtchen abhielt. David war eben mit Georg Holzer in ein eifriges Gespräch über die zu erwartende Ernte verwickelt, als dieser sich plötzlich in seiner ganzen stattlichen Höhe aufrichtete und über das Geländer hinweg scharf nach den Weingärten hinüber spähte. Was man dort sah, war in der That höchst befremdend. Drei Männer schritten ganz dreist zwischen den Rebstöcken einher und schienen in aller Gemüthsruhe Messungen vorzunehmen. Da das Betreten der Weingärten auf das Strengste verboten ist, gerieth Georg in Hellen Zorn. Mit einemmale aber nahm sein Gesicht den Ausdruck des höchsten Erstaunens an. „Das ist ja Herr Jsak!" rief er. „Warum kommt er nicht zu uns?" Weder David noch Karl-Raphael wollten den Worten Glauben schenken. Sie waren eben fest überzeugt, dass der Vetter in der Stadt geblieben sei. Aber auch Lisi und ihr Vater bestätigten Georgs Angabe. Sie hatten alle drei gesunde Augen, und was diese sahen, das ließ sich nicht mit Worten abstreiten. Man zog daher gemeinsam aus, um den Grund des geheimnisvollen Vorgehens zu erspähen. Georg hatte nur zu gut gesehen. Es war in der That niemand geringerer als Jsak Goldschild, der da mit zwei städtisch gekleideten Herren im Felde seinen Unfug ttieb. Als er seiner Verwandten ansichtig ward, wurde er sichtlich verlegen. Die aus dem schwarzen Pulswärmer hervorragende, langfingerige Hand fuhr nervös längs des Messstockes aus und nieder. Der alte Holzer fragte erstaunt, was man hier treibe? Vergebens suchte der kleine Jude nach einer glaubhaften Ausrede. Einer seiner Begleiter erklärte ziemlich barsch, man müsse doch ein Terrain erst besehen, ehe man einen Kauf abschließe. „Da ist nichts zu verkaufen!" polterte der Weinbauer entrüstet. „Wozu haben Sie uns dann herausgelockt?" schrie einer der Fremden Jsak grob an. „Das ist eine unverschämte Frechheit!" bekräftigte der „Meine Herren," stotterte Jsak. „Ein Missverständnis — sonst nichts!" „Was Missverständnis!" protestierte der Fremde. „Sie haben uns gesagt. Sie wüssten einen Baugrund, den Sie sich anheischig machen, . uns billig zu verschaffen. Wo liegt da ein Missverständnis? Ist etwa die hohe Provision, die Sie sich ausbedungen haben, das Missverständnis? Ich sehe schon, mit wem ich es zu thun habe — Sie Bauernfänger, Sie Beutelschneider Sie!" Und zu den Holzers gewandt, fügte er hinzu: „Schaut's Euch, Leut', den Kerl da nur ordentlich an. Bor dem nehmt's Euch in acht! Ich kenn' die Raff' da!" Damit lüfteten die beideü Fremden die Hüte und schritten über den schmalen Feldweg der Landstraße zu, während des Gehens chre Messstöcke zusammenlegend. (Fortsetzung folgt.) W Kneskaste« der Kedackion. P. K., Riga. Der Fragebogen an die Delegierten erhielt aus einem bedauerlichen Versehen diese Frage. Mor. Br . . . , Brün«. Nein. Wir werden darauf überhaupt nicht eingehen. Josef R., Graz. Besten Dank. Wird geschehen. St. . ., Stanistau. Wir haben Ihr Ersuchen dem Congressbureau übermittelt. I. Gr...... Lausanne. Besten Dank. Für diese Nummer leider zu spät. Eiuer a«0 der „Bar Kochba", Krakau. Anonyme Zuschriften können wir nicht benützen. Gmes, Hnfi. Besten Dank. Dr. Th. Herzl per Redaction der „Welt". Dr. N., Paris, 34 Avenue Villiers. Ch. W., Kalnsz. Besten Dank, aber unverwendbar. Salamander, Stauisla«. Herzlichsten Dank und Gruß. Dr. M., Berli«. Am 21. erhalten.. Bon diesem Manne überrascht uns diese Kundgebung nicht. Wir werden uns noch mit ihm öffentlich auseinandersetzen können, wie wir hoffen. S. Gr...., Kattowitz Besten Dank. Leider für diese Nummer zu spat. 8>M Da Ende dieses Monats eine größere Anzahl von Abonnements ablauft, so werden dir Betreffenden erinnert, die Erneuerung rechtzeitig vorzunrtzmen, damit in der Zustellung des Blattes keine Nnterbrechnng rintrrte. Die Administration. Herausgeber: P. Laschauer. Berantw. Red.: Dr.Stegm.Werner. Buchdruckerei »Industrie" (S. Bergmann), Vlll.. Schlöffelg. II

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