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Die Welt · 1898-08-26 · 34 (26.8.1898) · p. 11

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Journal
Die Welt
Volume
2 (1898)
Issue
34 (26.8.1898)
Article
Jaffa
Date
1898-08-26
Page
11 (sequence 2)
Language
German
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Nr. 34 j*£war Seite 11 die einzigen im ganzen Laude, einer in Jerusalem an der „H.IIiant^-Schule für Mädchen mit englischer Unterrichtssprache. der zweite in Sichron-Jacob mit der französischen, ebenfalls zum Unterrichte ausschließlich unsere ehrwürdige Sprache verwenden werden. Jaffetanus. /K Dermsuachrichtkn. Wien. Anlässlich - .des Geburtstages Sr. Majestät des Kaisers hat am 18. d. um '/»6 Uhr Abends in der Synagoge des Vereines „Beth Israel",' II., Leopoldsgasse 20, unter zahlreicher Betheiligung ein feierlicher Gottesdienst stattgefundcn. der unter der Leitung des Herrn Obercantors M. Sch orr mit dem gesummten Chor, sich besonders weihevoll gestaltete. Der Obmann des Vereines, Herr S.' M e i s e l s, rcciticrte das Gebet für den Monarchen bei offener Bundeslande, im Beisein der Herren Vorsteher, die eigens zu diesem Gottesdienste aus ihren Sommerfrischen erschienen waren. Hierauf folgte in erhebender Feierlichkeit die Absingung der . Volkshymne, welche die Schlußfeier bildete. Wien. Der jüdische Arbeiter- und Privatangestelltenverein „A ch w a h" veranstaltet am Vorabende des Eröffnungstages des zweiten Baseler Congreffes. Samstag den 27. d. M., Abends 8 Uhr, im Locale des Verbandes „Z i o n" Ul-, Rembrandtstraßc Nr. II, Mezzanin) eine öffentliche Versammlung mit der Tagesordnung:„Der zweiteBaselerEongrcs s'. Das Referat erstattet Vereinsmitglied Julius Zobel. Gäste sind herzlich willkommen. Lundenburg. Am 20. August veranstaltete die jüd.-akad. Ferialverbindung „Gamala"' in Koste! eine zionistische Versammlung, die sich eines zahlreichen Besuches erfreute. Das Referat des Herrn Rudolf Nassau über „Zionismus in Berücksichtigung der Excesse in Galizien" wurde lebhaft acclamiert und eine Resolution gefasst, in der dem II. Baseler Congress die vollste Sympathie ausgedrückt wird. - Braila. Der Lescverein „Zion", dessen Präsident Herr I. H. E l l m a n n durch seine unermüdliche Arbeit im Dienste der zionistischen Sqche allen Gesinnungsgenossen bekannt ist, hat sich auch die Aufgabe gestellt, den intimeren Verkehr der verschiedenen jüdrschen Kreise durch Veranstaltung von Festen, durch musikalische und declamatorische Unterhaltungsabendc anzubahnen. Am 27. v. M. veranstaltete er ein Concert, bei dem die jüdischen Künstler I. K o l n i b a l o z k y, ein Schüler Poppers, und Frl. .E. K o l n i b a l o z k y. milwirkten. Das Concert war glänzend besucht. Die Vortragenden wurden mit Beifall überhäuft. Nach dem Concerte gab es — wie es nn „Zion" geübt wird — gemeinschafliche Tafel.- Bei dieser wurden durch den Präsidenten des „Zion" und Herrn Kolnibalozky begeisterte Toaste auf den Zionismus, die Zukunft des jüdischen Volkes und aus die Führer und Mitkämpfer ausgebracht. So schloß der schöne Abend in würdigster Weise. P ZkitschristklllimWlM. In der „Frankfurter Zeitung" bringt Dr. Gustav Mayer über die Lage der Juden in Russland folgende Daten: In Russland gibt es trotz aller Verfolgungen noch heute fast ebensoviele Juden, als auf dem ganzen übrigen Erdball zusammengenommen In nicht mehr ferner Zeit, wenn die Ergebnisse der letzten Volkszählung bekannt sein werden, wird man znm erstenmale Authentisches über ihre "Anzahl erfahren. Vorläufig schätzt man sie noch jetzt trotz aller Auswanderung aus -'> Millionen. Von den liberalen Berufszweigen ist den Juden nur die Medizin offen, vonder Advocatur, vom Richleramt und allen Bcamtenstellungen sind sie principiell ausgeschlossen. Die Söhne wohlhabender Eltern, soweit sie nicht Aerzle werden wollen, können sich also nur der Industrie oder dem Handel widmen. Dennoch ist die Zahl der jüdischen Capitalisten und das Verhältnis des jüdischen Capitals zum -Nationalvermögen keineswegs groß. Die Ausnahmegesetzgebung, welcher die Juden seit 18S2 unterworfen sind, und die ihnen nur den Aufenthalt in ganz bestimmten Gouvernements gestattet, schädigt die Ausdelinnngsfähigkeit der jüdischen Betriebe. Wirklich "verhängnisvoll wird dieses Verbot aber erst für die unbemittelten russischen Juden. Und um es nur gleich auszusprechen: die ungeheure Mehrzahl der russischen Juden ist nicht etwa nur unbemittelt, sondern arm, arm im fürchterlichsten Sinne des Wortes; sie bilden mit ihren nach England ausgewanderten Glaubensgenossen in wirlscha tlicher Hinsicht die tiefunterste Schicht des europäischen Proletariat!?. »Ich kann versichern, dass es in Europa nichts Aermeres gibt, keine Wesen, denen es mühseliger wird, sich täglich ihr Stück Roggenbrod zu verdienen, als neun Zehntel der russischen Juden." So schreibt L ero y - B e a ul i cu, der berühmte französische Nationalökonom. Womit beschäftigen sich diese jüdischen Proletarier? Weshalb geht es ihnen so schlecht? Worin unterscheiden sie sich von den christlichen Arbeitern Russlands? Wir wollen von den kleinen Händlern gänzlich absehen, die in der beschränkten Anzahl von Städten, die ihnen offenstehen, zusammengepfercht, sich gegenseitig die blutigste Concurren; machen und in ihrer großen Mehrzahl eine durchaus proletarische Existenz führen. Wir wollen allein von den jüdischen Arbeitern sprechen, deren Zahl in den Berichten der Royal Commission of I.abour 1803 auf 1,400OK) geschätzt wurde." In dieser Zahl sind die Fabrikarbeiter, die Handwerker und Hausindustriellen und die einfachen Taglöhner zusammengefasst. 'Die industrielle Entwicklung Russlands ist noch ziemlich weit zurück, und es gibt heute' im ganzen Reiche erst etwa eine Million Fabrikarbeiter, unter denen die Juden verhältnismäßig nicht sehr stark vertreten sind. Der Grund hierfür ist ein dreifacher: sie können nur innerhalb der ihnen zugänglichen Landestheile Arbeit erhalten, sie sind fast durchwegs noch sehr religiös, hungern lieber, als dass sie am Samstag arbeiten, und können deshalb nur bei jüdischen Industriellen Beschäftigung finden: endlich sind sie bei vielen Arbeitsleistungen durch ihre körperliche Inferiorität im Nachtheil, und man zieht ihnen die christlichen Arbeiter vor. Immerhin gibt es ganze Industrien, in denen die jüdischen Arbeiter die erdrückende Mehrzahl bilden: in den Tabakfabriken in Odessa sind Percent der beschäftigten "Arbeiter Juden, im Gouvernement Wilna immerhin io Pcrccnl der gesummten Fabrikarbeiter, in Podolien, Wolhynien und Kiew 41 Percent. In Bialystok machten sie in den jüdischen Industriellen gehörenden Fabriken 74 Percent sämmllicher Arbeiter ans. Die wichtigsten Centre» der jüdischen Bevölkerung Russlands sind Odessa, Wilna, Kowno, Minsk, Bialystok, Grodno und die polnischen Städte, besonders das »russische Manchester" Lodz. Es gibt in diesen Städten keinen Beruf, der den Juden offen stände und dem sie sich nicht znwendeten, nein, den'sie nicht üb erflutheten. In Odessa werden allein im Hafen beim Verladen des Getreides 1700 Juden beschäftigt: im Ganzen gibt cs hier etwa 30 000 jüdische Arbeiter. In Wilna sind zwei Drittel aller Gewerbe in jüdischen Händen, '.luter den Schneidern gibt es nur 5 Perzent Christen. Unter den Bauarbeitern findet man fast überhaupt keine Christen. Selbst die Kirchen werden von jüdischen Händen errichtet. Alle Dachdeckerarbciten werden von Juden ausgeführt. Diese sind Maler, Glaser, Karrenführer, Lastträger, Holzhauer, Pflasterarbeitcr, Ofensetzer und Zimmerlcute. Und ganz ebenso ist es in den anderen Städten, in die man sie hincinlässt. Infolge der Vertreibungen aus dem übrigen Russland hat die jüdische Arbeitcrbcvölkerung dieser Städte sich sehr vermehrt, und infolge des übergroßen Angebotes von Arbeiterhänden ist die allgemeine Lage immer trauriger geworden. Viele Tausende von Juden sind auch durch die Einführung des Spiritusmonopols auf das Pflaster geworfen worden. Der Staat nimmt grundsätzlich keine Juden in seinen Dienst; selbst zum Waschen" der Flaschen wollte man sie nicht zulassen. K BücherweU. I. I. Hessen. Zwei biographisch-literarische Bilder O. A. Rabinowitz und I. O r s ch a n s k i (russisch) l8i)8. Die »sechziger Jahre" spielen in der Entwicklungsgeschichte der russischen Judcnheit eine Hauptrolle. Es war die Zeit der sogenannten „Aufklärung", das Erwachen der russischen Juden. Es war ein Tasten und ein Tappen nach etwas „Anderem". Das alte traditionelle Judenthum vermochte nicht mehr die Juden im Ghetto festzuhaltcn, sie sehnten sich hinauszukommen. Culturbedürfnisse gaben den Impuls dazu. Bis zur damaligen Zeit lebten die russischen Juden harmlos im Ghetto. Der Ghettojude lieble — um mit Nordau zu sprechen — das vorgeschriebene gelbe Judenrad am Mantel nicht, weil es eine amtliche Aufforderung an den Pöbel zu Rohheiten war und sie im voraus obrigkeitlich rechtfertigte, aber freiwillig hob er seine Sonderart viel stärker hervor, als es der gelbe Fleck thun konnte. Wo ihn nicht die Behörden in ein Ghetto cinmauerten. da richtete er sich selbst ein Ghetto ein." Aber cs kamen neue Vögel und neue Lieder. Es entstanden neuhebräische Schriftsteller, die mit großem Eifer und bewunderungswürdiger Begeisterung für die Bildung des jüdischen Volkes arbeiteten. Der mit großem jüdischen und profanen Wissen ausgerüstete I. B. L e v y n s o h n hat zuerst das Signal gegeben. Es verstrichen ein paar Jahrzehnte, da folgte ein neues Geschlecht, welches die erstickende Lust des engen Ghettos und seiner Cultur nicht mehr vertragen konnte. In jene Zeit fallen die vorzüglichen Werke Smolenskys, Gordons, Lilienblums, Kowners rc. Sie waren echte Kampfnaturen, die vor nichts zurückschraken, ganze Menschen, die folgerichtig die Consequenzen ihrer Anschauungen und Ueberzeugungen gezogen haben. Alles Bleibende, Wertvolle in der neuhebräischen Literatur ist diesen Schriftstellern zu verdanken. Sozir d-e hebräische Sprache gewann durch sie eine vio.,er u.^eahine Kraft,

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