Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 2 (1898)
- Issue
- 34 (26.8.1898)
- Article
- Ein neuer Beitrag zum alten Blutmärchen
- Date
- 1898-08-26
- Page
- 9 (sequence 2)
- Language
- German
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Nr. 34 nach und leitete die Untersuchung ein. Nun stellte sich heraus, dass das Ganze eine Mystification der Behörde war, und dass der Mohammedaner, der den Knaben angeblich gefunden hatte, den ganzen Vorfall erfunden hat, um sich an den ihm missliebigen Juden zu rächen. Diese kleine Lüge kostete mehreren Juden schwere Verletzungen und hatte eine unbeschreibliche Panik unter der jüdischen Bevölkerung zur Folge. JS* Wk zionistische Kewrgmg. Spende« für zionistische Zwecke sind an Herr« Dr. O. Kokefch, Hof- und Gerichts-Advocaten Wie«. I-, Singerftratze 25, zu senden. Drohobyez. Am 10. August d. I. hielt Herr L. Taubes aus Kolomea im Locale des Vereines „Zion" vor einem großen Publicum einen Bortrag über den „II. Baseler Congress". Er plaidierte für den politischen Zionismus und fand mit seinen Worten stürmische Zustimmung. Es wurde nachher die Subscription für die Eolonialbank veranstaltet. Im übrigen wäre zu erwähnen, dass das Agitationscomitc eine äußerst rührige Thätigkeit entfaltet und auch besondere Erfolge aufzuweisen hat. Es wird nicht nur der Idee Eingang in der Jugend verschafft, auch die hier und in Boryslaw nach Tausenden zählende Arbeiterschaft ist für den Zionismus gewonnen — Für den 2'.). August, den Eröffnungstag des Eongresses, ist ein großes Fest im Theatersaal in Vorbereitung. Splka. Am 14. August fand auf Anregung des Herrn Rath eine zionistische Volksversammlung statt, die als Resultat die Gründung einer zionistischen Ortsgruppe ergab. Tie Schekelsammlung und Sharessubscription wurde bereits eingeleitet. Hnfi. Unser Verein süßt streng auf den Satzungen des Baseler Programmes. Unbeirrt durch manche Widerstände, hat er die Arbeit ausgenommen und führt sie wacker weiter. Die Schekelsammlung in unserer Stadt ergab eine ansehnliche Summe, für die Bank wurden 40 Shares gezeichnet. Ist das nicht viel, so ist es doch genug von einer kleinen Gemeinde, die mit Glücksgütern keineswegs gesegnet ist. Konsk. (Gouvern. Radom). In unserem Städtchen, das fast vorwiegend von Chassidim bewohnt wird, hat sich ein zionistischer Kreis gebildet, der schon in den ersten Tagen Mitglieder zählte. Die Gesellschaft fußt aus dem Baseler Programm. R. Ronrny. (Gouvern. Poltawa.) Auf Anregung der Zionisten von Poltawa gründete sich hier ein zionistischer Verein. Dieselbe Erscheinung wie überall wird auch hier constatiert: im Dienste der gemeinsamen Sache werden die Unterschiede der socialen Stellung vergessen, die weniger Gebildeten bemühen sich im Verkehre mrt den Günstlingen des Schicksals das nothwendigste, allgemeine Wiffen sich anzueignen. Im Herbste nach dem Congresse gedenken wir, durch öffentliche Borträge und Discussion unserer Idee noch viele neue Anhänger anzuwerben. Ben-Zwi. Nowogradwolynsk. Dank den Bemühungen unseres Rabbiners gründete sich auch in unserem Städtchen ein zionistischer Verein. Es wurde, gemäß dem Baseler Programm, der Schekelbeitrag erhoben und. wiewohl die Bevölkerung unserer Stadt ärmlich ist, hoffen wir, dass auch die Shares-Subscription einen ziemlichen Erfolg haben wird. Die bis jetzt abgehaltenen Versammlungen waren massenhaft besucht. L. B. Spola, Gouv. Kieff. Die Schekelsammlung ergab in allerkürzester Zeit den ansehnlichen Betrag von mehreren hundert Rubeln. Diesen Erfolg unseres erst vor kurzem gegründeten Vereins verdanken wir dem rührigen Vorstand. Die Pereinsmitglieder gehören den Jntelligenzkreisen und der Kaufmannschaft an. Die arme Bevölkerung leidet noch unter den Folgen der jüngsten Ereignisse und unser Marktflecken wird sich nicht so bald von dem völligen wirtschaftlichen Ruin erholen. Aber mit umso innigerer Theilnahme verfolgt gerade diese Schichte unserer Bevölkerung jeden Schritt, der zur Verwirklichung des Programms . gethan wird, und lauscht gespannt den diesbezüglichen Berichten in unseren Parteiblättern. Isch-Jeluula. Jekatcrinoslaw. Der von uns seinerzeit angekündigte Vortrag unseres unermüdlichen Gesinnungsgenossen M. M llss i s ch k i n, betitelt „Der Zionismus und seine geschichtliche Genesis", fand nunmehr, nachdem die oberste Censurbehörde in Odessa ihn freigegeben hatte, vor einer Kops an Kopf gedrängten Zuhörerschaft statt. Der große Saal, in dem die volksthümlichen Borträge stattfinden, war bis auf den letzten Platz gefüllt. Es waren auch viele Russen gekommen, um über das Wesen unserer Bewegung ein klares Bild zu gewinnen. Ein in kurzen Zügen gehaltener Neberblick der Weltgeschichte diente dem Vortragenden, um die These von dem culturellen Werte einer fortschrittlichen, nicht chauvinistischen Bewegung zu beweisen. Es gäbe noch einige nationale Fragen, die der Lösung harren, z. B. die armenische, irische :c., die die Menschheit noch im XX. Jahrhunderte intensiv beschäftigen werden. Die Judcnfrage stünde wegen der exceptionellen Stellung des Judenvolkes obenan. Nachdem die vielen Lösungen der Judenfrage nach einer mehr oder weniger kurzen Prüfung ihre gänzliche Unzulänglichkeit in glänzendster Weise offenbart haben, käme nur noch die letzte Lösung durch die Selbstemancipation, den Zionismus, die, weil sie am nächsten lag, am spätesten aufgegriffen wurde. Nun folgte die Begründung, des Zionismus vom psychologischen, geschichtlich-culturellen, wirlchaftlichen und ethischen Standpunkte. Es wurden an Eintrittsgeldern 107 Rubel erhoben und der nach Abzug der Kosten der Veranstaltung verbleibende Reinertrag von 140 Rubeln zugunsten der jüdischen Colonien in Palästina bestimmt. Manchester. Der Manchester Zionismus ist hauptsächlich eine Bewegung der unteren Volksschichten dieser aufgeklärten Arbeiterstadt. Noch vor 18 Monaten war trotz des Bestandes eines localen Tents der „Chovevi Zion" der Zionismus in Manchester thatsächlich unbekannt und erst unter dem Eindrücke von Herz l's „Judenstaat", unternahmen einige Mitglieder der ..Seekers of Zion" « Zionssucher), die Propaganda des ^nationalen Gedankens. Die neue Verbindung nennt sich .,\Vaa<1 ha Zioni- und entfaltet eine äußerst rege Agitation in fast allen Synagogen und „Chevra Katlischas". In n bis 4 Monaten ist der Verein von einem Dutzend Mitglieder auf 4>»> angewachsen, welche auf dem ersten Ziönistencongresie in Basel bereits vertreten waren. Heuer werden bereits von 8><> Schekclzahlern 5 Delegierte zum zweiten Congresse geschickt. Subscriptionen für die Bank haben die ansehnliche Summe von 400 Shares erreicht. Erfreulich ist die äußerst rege Antheilnahme der jüdischen Arbeiter an der Bewegung. ...Jewisli Chronicle.1* Johannesburg, 24. Juli. TransvaalZioni st A s social i o n. Wir in Transvaal haben durch den Antisemitismus nicht zu leiden. Tie Folge davon ist, dass eine ungeheure Menge unserer Brüder von allen Ländern Europas sich hieher gewendet hat, hauptsächlich aus Russland. Sie sind über das ganze Land vertheilt und cs gereicht ihnen zur Ehre, dass sie ihre Brüder, die noch in Mizraim sind, nicht vergessen. Filialen unserer Vereine bilden sich an vielen Punkten des Landes, die letzte in .Kcerksdorp. Ans einem Meeting, dass am 17. Juli in der Halle der Kcerksdorp er Erchange stattfand, wurde beschlossen, dass der Keerksdorper Verein sich nach dem Muster des Johannesdurger Vereines einzurichten habe. Zum Präsidenten wurde Mr. M. H a m s o n, zum Vicepräsidenten Mr. K i r p s o n, zum Schatzmeister und Secretär I. Landauer gewählt. Der Verein hat bereits eine stattliche Mitgliederzahl. Die Anstrengungen jener Rabbiner, die gegen den Zionismus arbeiten, ohne irgendeiner. Transvaaler Gemeinde anzugehören, werden vergeblich bleiben. Die nächsten Meetings sollen in Boksburg und Fordsburg abgehalten werden. In der orthodoxen Synagoge fand unlängst eine Trauerfeierlichkcit zum Andenken an den seligen Rabbi Mohilewer statt. Die ..Transvaal Zionist Association" hat auf ihrem letzten Meeting beschlossen, einige Bäume zum Andenken an Rabbi Mohilewer im Gau Schemuel zu pflanzen und der Familie des Verewigten, sowie Herrn Dr. Herzl zu condolieren. Die..Icxvish Friemllv Association" hat Herrn E. Mcndels o h n zu ihrem Präsidenten gewählt. & CorrchmdkNM. Oesterreich-Ungarn. Lemberg In S k a l a t ist die Hälfte der Stadt verbrannt, daranter die Bezirkshauptmannschaft, das Steueramt und die Post. Das Feuer ist im jüdischen Stadtviertel ausgebrochen, wie man vcrmnthet, durch Brandlegung. Das Gesammtministerium hat verfügt, dass für die Gerichtsfprengel Jaslo, S a n d e c und T ar n o p o l die Wirksamkeit der Geschworenengerichte bis 30. Juni 1800 aufgehoben sei. Die Maßregel, welche die Berurtheilung der Juden durch die galizischen Gerichte in einem eigenthümlichen Lichte erscheinen lässt, ist geeignet, auch dem Blödesten die Lage der galizischen Juden besser klar ztt machen, als die ausführlichsten Berichte. Nichtsdestoweniger werden unsere Polenclubjuden erklären, dass es in Galizien keinen Antisemitismus gäbe, und werden für die ----- Excedeuten sammeln.