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Die Welt · 1898-08-26 · 34 (26.8.1898) · p. 8

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Welt
Volume
2 (1898)
Issue
34 (26.8.1898)
Article
Das Mandat Salomon Kohns
Date
1898-08-26
Page
8 (sequence 2)
Language
German
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Seite 8 Nr. 34 zwischen unseren Auftraggebern zu ziehen. Wenn aber der sehr geehrte Herr Vertreter der öffentlichen Anklage^das Mandatsverh iltnis zur Sprache gebracht hat, so möge er mich entschuldigen, wenn ich die bescheidene Bemerkung wage, dass Salomon Kohn darum zu mir gekommen, weil er mich getan n t h a t; .ich glaube aber nicht, dass Se. Majestät den Herrn Staatsanwalt betraut haben würde — wenn er ihn gekannt hätte." — Der Senatspräsident war genöthigt, infolge der nach diesen Worten entstandenen Heiterkeit die Verhandlung für einige Minuten zu suspendieren. Ein Geständnis im Briefkasten. Was man sonst selten sagt, das plauscht man unversehens im Briefkasten aus. Ein hervorragendes, reichsdeutsches, freisinniges Blatt antwortet einem neugierigen Frager im Redactionsbriefkasten: „Abonnent. Uns ist die Verfügung unbekannt. Zum Glaubenswechsel kann man niemand zwingen. Aber jüdische Einjährige werden nur in sehr seltenen Ausnahmsfällen noch Reserveofficiere. Die Schlussverhaudlung wegen Theilnahme an den galizischen Exceffen fand in Neusandec am 18. August statt. Zwei Angeklagte wurd 'n wegen Verbrechens des Diebstahls zu dreijährigem bezw. zehnmonatlichem, und zehn Angeklagte wegen des Verbrechens der öffentlichen Gewaltthätigkeit, sowie wegen Uebertretung des Diebstahls zu drei- bis lOwöchentlichem schweren, mit Fasten verschärftem Kerker verurtheilt. Es ist somit alles, was antisemitische Exceffe hervorzurufen vermag, gründlich beseitigt. Ein neues Antifemiten-Organ erscheint seit dem 18. d. M. in Paris, das sich nach dem algerischen „Antijuif" benennt. Sein Begründer ist Julius Guörin, der Freund des Marquis de Mores und Begleiter Drumonts während seines letzten Wahlfeldzuges. Die „ Libre Parole", der die Concnrrenz nicht angenehm sein kann, heißt dennoch den „Antijuif" willkommen, der gewiffermaßen der Anzeiger der Antisemitenliga sein soll und keinen Anspruch auf literarischen Wert erhebt, wie das Blatt Drumonts. Nach jüdischen Mördern hat man sich im galizischen Städtchen Przechody gesehnt. Dort war der jüdische Schankwirt sammt Familie nachts von unbekannten Händen ermordet worden und kürzlich nahm man nun zwei ortsansäffige Juden in Haft, indem man ihnen zugleich mittheilte, sie wären die gesuchten Mörder. Glücklicherweise gelang es den Verhafteten., ihr Alibi zu erbringen und so nachzuweisen, dass irgend eine unangenehme Verwechslung vorliegen müsse. Die antisemitischen Blätter kamen auf die Weise um ihre jüdischen Mörder. Tuberkulose unter den Juden Londons. Die jüdische Bevölkerung der East-End von London lebt in den denkbar misslichsten sanitären Verhältnissen, welche ihre Erklärung in der Armut und mangelhaften Bildung der eingewanderten russischen und galizischen Juden finden. Das bedauerlichste Symptom dieser antihygienischen Verhältnisse ist das rapide Anwachsen der zur Anzeige gelangenden Fälle von Schwindsucht, ein Umstand, der das Centralcomitö der jüdischen Gemeinden Londons (Board of Deputies) in letzterer Zeit besonders beschäftigt. Es wurde daher eine besondere sanitäre Commission eingesetzt, welche die Verbesserung der sanitären Zustände in jüdischen Werkstätten und Wohnräumen des East- Ends zur Aufgabe hat. Es wäre wirklich hoch an der Zeit, das neuentstandene Londoner Ghetto aus der Welt zu schaffen und damit die vielgepriesene Humanität der englischen Juden gegenüber ihren Stammesgenossen aus dem Osten praktisch zu bethätigen. Der Raub einer getauften Jüdin. Unter dieser Ueberschrift veröffentlichen die „Birsch. Wjedom.“ folgende Notiz: Gelegentlich eines Besuches im Hause der Verwandten in M a k u r o w k a,. einer Dorfgemeinde im Gouvernement Kiew, lernte ein jüdisches Mädchen den dortigen Meßner kennen, an dem sie solchen Gefallen fand, dass sie auf seinen Wunsch zur orthodoxen Kirche übertrat und sich mit ihm trauen ließ. Aber schon nach kurzer Zeit drängte sich der jungen Frau die Ueberzeugung auf, dass sie mit ihrer Ehe eine große Unbesonnenheit begangen habe, sie klagte ihren früheren Verwandten ihr Leid, bat sie, sie zu sich zu nehmen; aber die Verwandten wussten schon aus vielen ftüheren ähnlichen Fällen, wohin eine derartige Einmischung führe: im besten Falle noch zu einer Gefängnisstrafe, wenn nicht gar Verbannung nach Sibirien. Sie hielten sich daher wohlweislich ferne. Endlich hielt die Getaufte das Leben in der Familie ihres Mannes nicht mehr aus und bat ihn, sie zum Jahrmarkt fahren 51t lassen, wo sie Einkäufe besorgen wolle. Auf dem Markte beabsichtigte sie, dem Manne zu entkommen. Sie that auch so. und als der Mann nach mehreren Stunden Suchens sie nicht auffinden konnte, zeigte er das Verschwinden seiner Frau der Polizei an. Einer der Beamten sprach die Bermuthung aus, dass die Juden aus Rache die getaufte Frau entführt haben, um sie zu ermorden. Als davon die geistliche Behörde erfuhr, meldete sie sofort den Vorfall dem Bischof, und der wendete sich an den General- Gouverneur. Die unschuldigen Verwandten wurden ohne viel Federlesens verhaftet und eine strenge Untersuchung eingeleitet. Was das Ende dieser Affaire gewesen wäre, kann man sich gar nicht vorstellen, wenn nicht eines schönen Tages an den Untersuchungsrichter die Photographie der angeblich Ermordeten mit der Stampiglie eines österreichischen Notars gelangt wäre nebst einem Briefe, in dem die Gesuchte angab, sie habe ihren Mann freiwillig verlassen, denn sie habe mit ihm nicht weiterleben können. Erst dann wurden die Inhaftierten freigelassen. Abwehr einer antiserniiischen Rohheit. Der polnische „Tägliche Courier" druckte in der Nummer 182 eine Correspondenz aus dem galizischen Curorte Krynica ab, welche eineStelle enthält,die nicht nur den rohen Antisemitismus des Correspondenten, sondern auch den. der Redaction ins hellste Licht rückt. „Die antisemitischen Excesse in Muszina und anderen benachbarten Ortschaften jagten den Juden einen nicht gelinden Schreck ein,''der vielleicht diesmal wohlthätig wirken wird, so dass die Juden nicht in so großer Anzahl nach Krynica kommen." Die jüdischen -Abonnenten von Lodz waren über diesen rüden Ton empört und es regnete massenhaft Absagen des weiteren Abonnements. Ueber diese Entrüstung geräth die Redaction des „Täglichen Couriers" in Verwunderung, erklärt sich aus principiellen Gründen nicht antisemitisch, da sie vom Nationalhader und Rassenhass keinen Nutzen für die Interessen des Weichselgebietes erwarte. Am köstlichsten ist aber der Borwurf, den sie den ausgetretenen jüdischen Abonnenten macht: „statt für die Aufklärung und moralische Hebung der jüdischen Bevölkerung zu sorgen, ziehen es die Juden vor, sich gegen jedermann, der kritisch oder tadelnd die Judenmassen beurtheilt, zu empören." Ein neuer Beitrag zum alten Blutmarchen. Das Journal „Kaspij“ berichtet in der Nr. 131 von dem folgenden Vorfälle: Der Bewohner von Baku, Korbalai-Hussein, zeigte der hiesigen Polizei an, dass sein 8jähriger Neffe Salman abgängig wäre. Bald darauf brachte ein Mohammedaner den Knaben auf das Polizeiamt, wobei er angab, er wäre zwei Juden begegnet, von denen einer, Raphael Raghmiloff, einen Sack trug, in dem sich etwas bewegte. Der Mohammedaner nahm dem Juden den Sack ab und fand darin — den Knaben. Raphael Raghmilloff wurde auf die Polizei geschleppt, es gelang ihm aber unterwegs, zu entkommen, und erst am Abend desselben Tages wurde er verhaftet. Mittlerweile verbreitete sich unter den Mohammedanern das Gerücht über die Entführung zu rituellen Zweckeir. Ein Haufe von 200 Mohammedanern rottete sich in der Asiatischen Gasse zusammen und begann, die ihm in den Weg kommenden Juden zu misshandeln. Solche Angriffe gegen die Juden ereigneten sich in allen Stadttheilen. Die Staatsanwaltschaft gab der erregten Menge

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