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Die Welt · 1898-08-26 · 34 (26.8.1898) · p. 6

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Journal
Die Welt
Volume
2 (1898)
Issue
34 (26.8.1898)
Article
[Ohne Titel]
Date
1898-08-26
Page
6 (sequence 1)
Language
German
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Nr. 34 Die jüdische Colouilllbück. (Mittheilungen des Bankcomitös.) Alle Zuschriften und Anmeldungen sind in dieser Woche noch an Herrn D. Wolffsohn in Basel zu richten. Adresie: Bureau des Zionisten-Congresies. Wegen der großen Ueberhäufung mit Arbeit in diesen Tagen, macht das Counte die Einsender darauf aufmerksam, dass sie von jetzt bis nach Schluss des Congreffes auf sofortige Antwort nicht rechnen können. Aus dem Einlaus der letzten Tage sind zu erwähnen Zeichnungen aus Hamburg, Köln, Surasch, Scheidi, Bobrinsk, Kiew. Kritschew, Konotop, Owrutsch, Golowilewka, Kowel, Dubno, London, Nerwitz, Königsberg und Baltimore. Mit der Bankconferenz sind die Vorarbeiten des provisorischen Bankcomites beendet, da der Congress das Wertere zu verfügen haben wird. « Volkssubsrription. Drei Monate sind verstrichen, seitdem das Kölner Bankcoinite seine Thätigkeit begonnen, ein Zeitraum, der sonst schon genügt, die Gründung einer solchen Bank durchzuführen. Dass es diesmal vielleicht langer dauern wird, ist eher ein Vortheil als ein Nachtheil für die Bank und für den Zionismus. Man bringt heute in England in noch kürzerer Zeit bedeutend größere Kapitalien für Barsten zusammen, die China als Speculationsgebiet wählen. Dass aber Palästina ein weniger leistungsfähiges Land sei als China, wird wohl niemand zugeben, zumal wenn er weiß, dass Wilhelm II. dorthin gehen wird, und dass dieser Kaiser seine officiellen Reisen nur „im Zeichen des Verkehres" macht. Diese englischen Banken werden ausschließlich für eine möglichst gewinnbringende Speculation errichtet, während die Colonialbank diesen Zweck wohl auch hat, zugleich aber auch den der Cultivierung und Colonisierung Palästinas. Sagenkundige Nationalökonomen wissen wohl zu erzählen, dass die Industrie an sich heute die hervorragendste Trägerin der Cultur ist. Wäre das wahr, dann genügte schon zur Erfüllung dieses Programmes die Gründung einer Palästina-Bank durch ein Consortium von Millionären, die noch überdies bei einer ihren Zwecken dienlichen Colonisterung mit europäischen Arbeitskräften — könnten ja auch ausschließlich Juden sein — ein doppeltes Geschäft machen würden. In Wirklichkeit aber bemerkt man in neu erstandenen Industrie!) ezirken nichts von culturellem Fortschritt, sondern nur ein riesiges Anwachsen des Pauperismus und des hohläugigen Proletariats. Daher kann man Leuten, die die Raubspeculatron in Palästina etablieren würden und wohl sehr schnell — weil sehr rentabel — das nöthige' Capital zustande bringen könnten, die Bank nicht in die Hände liefern, und muss das Volk, das eine gesunde, die Actiönäre und die Zionisten befriedigende Durchführung dieses Programmes wünscht, zur Subscription heranziehen. _ Der Börsenbaron, der gewohnt ist, vielzistrige Zahlen zu zeichnen, mag wohl überlegen lächeln, wenn er die Subscriptionslisten anschaut und Zeichnungen von einem oder drei Shares sieht, aber für den Zionisten sprechen diese unscheinbaren Zahlen eine ernste und belebende Sprache. Er sieht heute in aller Welt, wo Juden sitzen, ein rühriges Treiben und Thun darauf gerichtet, dass der täglich näherrückende Congress möglichst imposant, würdig und erfolgreich verlaufe, und dass für die Colonialbank immer neue Summen aufgebracht werden. Man war Jahrhunderte lang nicht gewohnt, die Juden auch nur für einen einzigen Gedanken arbeiten — höchstens leiden — zu sehen und jetzt sogar für zwei Ziele, ein Trachten, ein gemeinsames Streben! Man fühlt sich fast in die seligen Zeiten zurückversetzt, da das ganze Volk unter Esra und Nehemia geschäftig für das wiedererhaltene Land und den neuen Tempel zu arbeiten begonnen. Dieses Spiegelbild antiker Größe wird auch Erscheinungen zutage fördern, die an die mythischen Heroengestalten der Vorzeit erinnern. Es hat dies auch schon gethan. Ist doch diese fast hemmungslose Einigkeit eine Leistung, für die der Maßstab vielleicht nur in den traurigen Zuständen gefunden werden kann, die die Verworrenheit gezeitigt. Denn das ist nicht die Phrasesteinigkcit der Wählerversammlung, wenn sie sich auch in Geldangelegenheiten in so großartiger Weise demonstriert. Es ist das vielmehr das wiedergefundene Palladium des Volkes, das seit dem Untergange Bar Kochbas aus der nationalen Schatzkammer verschwunden war. . Eine Einigkeit in einem Gedanken, für den man auch sein Geld hergibt, ist keine theoretische Größe mehr, sondern producierende Kraft. Schon mit ihrem Zutagetreten hat sie eine wertvolle Arbeit geleistet, in dem gerade durch die Volkssubscription, die in wenigen Monaten so bedeutende Summen zustande brachte, ein unumstößlicher Beweis für die wirtschaftliche Vollkraft des jüdischen Volkes geliefert wurde, den man umso kräftiger festhält, je deutlicher er auf die gesunde nationale Basis hinweist. Welche ungeahnte potentielle Energie muss in diesem Volke ruhen, wenn es für seine Zwecke in so kurzer Zeit so viel aufbringcn kesin und wie sehr würden sich seine Kräfte verstärken und vermehren, wenn es aus seiner unnatürlichen Lage der Zerstreuung zurückkehren würde in das Ahnenland, um sich mit der eigenen Scholle zu vermählen, was ihm heute allein unter allen Völkern versagt ist? Und wenn sich heute die Blicke aller fragend nach Basel richten: wird man dort die Gründung der Bank veranlassen können? Sind die genügenden Capitalien vorhanden? Muss man nicht wieder fragen: Öb ja, ob nein, wisset ihr an welchem Punkte wir bereits angelangt?. Nicht die Hunderttausende, die die Finanzbarone zeichnen, sind das Wahrzeichen des Siegeslaufes, den der Zionismus genommen! Die paar Dutzend Shares, die in Foltischeni oder Johannesburg zusammengebracht wurden, sind die Legitimation des Zionismus. Volkssubscription ist Volksabstimmung. Jeder Kreuzer, den der galizische Luftmensch nach Köln schickt, jede Kopeke, die das Odeffaer Aepfelweib für die Colonialbank sich abspart, ruft deutlich und donnernd in die Welt: Dem Juden eine Heimstätte! Czernowitz. Max D. & Aus Argentinien. Der „Krakauer Jüdischen Zeitung" wird aus Buenos- A y r e s vom 0. Juli geschrieben: Im Namen aller Juden von Buenos-Ayres flehen wir die Leiter der argentinischen Colonisation um Mitleid für die Colonisten an. Ihre schauderhafte Lage ist keine Feder zu schildern imstande, noch die Drangsale, denen sie ausgesetzt sind. Die Administration hier tröstet mit leeren Versprechungen; wie es scheint, ist der Verwalter von Moisesville im Besitze von Geheimnissen, welche jedes Einschreiten der Direcroren Hirsch und Cazes vereiteln. Dieser Tyrann lässt den Colonisten nur die Wahl, zu flüchten und hier ihr Leben als Bettler zu fristen, für einen jüdischen Inquisitor noch human genug, sonst.hat er die alte Technik, Schläge, Folter und Kerker, richtig abgeguckt. Frauen und Kinder werden nicht geschont. Greise und Kinder werden aus den mit eigenen Händen erbauten Häusern vertrieben, liegen im strömenden Tropenregen und der Kälte im Koth, und der bewaffnete Gaucho wacht darüber, dass sie in kein Haus ausgenommen werden, ob des Verbrechens, Beschwerdeschriften nach London gesandt zu haben, um einen menschlicheren Administrator zu erbitten. O Claude! the devil will fetch you! (Anm. d. Red.) Die Post ist in den Händen dieses Elenden und noch viel anderes auch. Ein Colonist, Leser Läufer, der für bares Geld Haus und Boden gekauft hat, fand nach längerem Aufenthalt in Buenos-Ayres seinen Grund zu einer Ziegelei ausgehoben, wogegen er Klage zu führen versprach. Zur Strafe wurde er so lange eingesperrt, bis er schriftlich erklärte, auf alle Forderungen zu verzichten. In der Colonie gibt es 80 Familien, die gezwungen werden, bei 9 Leuten, die einen Consumverein gebildet haben, zu theuren Preisen die Lebensmittel einzukaufen. Eine Klage hatte eine Untersuchung zur Folge, welche der Gouverneur anstellen ließ. Der Commissär wurde bestochen und die Kläger auss Blut verfolgt, die Preise auf das Dreifache erhöht. Der bekannte Prediger Rüben Cohn Sinai war nach Europa gesandt worden, um die Lage zu schildern. Dafür durfte er nicht mehr sein Haus sehen, und als seine Frau um Ackergeräth bat, damit sie mit ihren Kindern nicht Hungers sterbe, wurde sie krankgeschlagen und ist noch heute bettlägerig. Wir schreiben unter Thränen, wir wissen, dass wir uns nur an den Gott unserer Väter zu wenden haben, jede Bitte an die „J. C. A.“ ist leider umsonst, wie uns die Erfahrung gelehrt har, denn es sind ja nur miserable russische Juden, um die sich solche Herren nicht kümmern. Gott erlöse uns von unseren Helfern und sammle unsere Zerstreuten in unser Vaterland. A. A b r a m o w, Präsident der israelitischen Unterstützungs- Caffe. — M. Grünwald, Secretär. — SolyBorok, Präsident des „Poel Zedek“. — Josse A. Karimanu, Präsident des Arbeitervereins. — Jacob Slichwicki, Secretär des

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