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Die Welt · 1898-08-26 · 34 (26.8.1898) · p. 2

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Journal
Die Welt
Volume
2 (1898)
Issue
34 (26.8.1898)
Article
Der Congreß
Date
1898-08-26
Page
2 (sequence 2)
Language
German
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Seite 2 Nr. 34 und wenn die Leiter der Beweguug auch freudig ihre Kraft in den Dienst stellen, den sie als lHrenamt übernommen haben, mussten sie doch beständig des Tages eingedenk sein, an dem vielleicht andere Personen das Vertrauen des Congresses .erhalten werden. Für diese Eventualität musste durch Einrichtung einer sozusagen unpersönlichen Ordnung vorgesorgt werden. Die jetzigen Functionäre haben also die Verwaltung eingerichtet und genau geführt; sie weiterzuführen, wird immer ein Leichtes sein. Um den Kern, welchen das Actionscomite im abgelaufenen Jahre geschaffen hat, kann und wird sich mit zunehmender Stärke der Zuwachs kommender Jahre bilden. Von welchem Geiste das Actionscomite dabei geleitet war, das wird auf dem Congress erkennbar werden. Vielleicht sagen wir nicht zu viel, wenn wir von der bisherigen Thatigkeit behaupten, dass sie allen vorhandenen Schwierigkeiten Rechnung zu tragen bemüht war. Es sollte unserer Bewegung der Character einer ruhigen, maßvollen, durch und durch gesetzlichen und menschenfreundlichen erhalten werden. Nur wenn es gelang, jedes Misstrauen der in Betracht kommenden politischen Factoren zu beseitigen, konnte eine gedeihliche Entwicklung erhofft werden. Manchem wird das Tempo, welches eingeschlagen werden musste, zu langsam erscheinen. Aber es schien zweckmäßiger, nichts von dem Errungenen zu gefährden, als etwa durch überstürzte Schritte und Experimente der ganzen Bewegung ein frühes Ende zu bereiten. Gerade durch ein besonnenes Vorgehen glaubte das Actionscomite seiner Pflicht am nächsten zu kommen, und es rechnete daraus, dass auch ohne ausdrückliche Erklärungen der Sinn der angewendeten Politik jedem guten Zionisten verständlich sein werde. Wir sind umgeben von Gegnern, leider muss es gesagt werden: von jüdischen Gegnern, die aber gleichzeitig neugierig und durch Mittheilungen schwer zu befriedigen sind. Da gibt es Leute, welche fortwährend benachrichtigt zu werden wünschen, was das Actionscomite denn eigentlich thue. Das ist aber nur ein heuchlerisches Interesse. Wäre die Leitung unserer Bewegung schwach genug, auf jede solche ungestüme Frage Antwort zu geben — vielleicht um Ruhe zu haben — so wäre das gründlich gefehlt. Denn das Fragen und Kritteln gienge dann erst recht' los. Manche Unternehmung, die halbfertig ist, würde aus solche Weise zerstört werden können, während sie in aller Ruhe und Stille ausreisen kann. Einzelne betrübende und beschämende Erfahrungen, die mit indiscreten Leuten gemacht wurden, haben nur zu deutlich bewiesen, dass bei der Führung der Angelegenheiten nie genug Vorsicht beobachtet werden kann. Es liegt in der Natur unserer Bewegung, die alle Juden umfassen will, dass auch solche, die früher die zionistischen Bestrebungen bekämpft haben, in unseren Reihen ausgenommen werden, wenn sie unser Programm förmlich annehmen. Dabei sind wir nun allerdings darauf angewiesen, es Jedem aufs Wort zu glauben, wenn er sich. uns' bekehrt anschließt. Es kann ja auch aus diesen Elementen eine tüchtige Mitarbeiterschaft entstehen, die man mit Freuden willkommen heißen wird beim gemeinsamen Werk. Aber wenn der Anschluss nur eine Finte, die Bekehrung eine geheuchelte und die Mitarbeit nur die Maske des Verrathes war, so ist wohl kein Wort zu scharf für solche Niedertracht. Aus dem Congress, das hoffen wir mit Zuversicht, wird es Leute dieses Schlages nicht geben. Der gesunde Sinn unserer Freunde würde die Heimtückischen wohl bald entdecken und unschädlich machen. Wer aber die Berathung aus ein tieferes Niveau herabzuzerren versuchen sollte — sei es aus Ungeschicklichkeit oder Böswilligkeit — der würde erfahren, dass die Zionisten sich ihren mühsam hergestellten Congress nicht wollen verstören lassen. An die Beeinträchtigung der Redefreiheit denkt darum gewiss Niemand. Im Gegentheil, alle Anschauungen, die im Tone gebildeter und anständiger Menschen vorgebracht werden, sollen sich aus unserem Congresse frei gellend machen können. Denn es gibt bei aller Gemeinsamkeit des uns verbindenden Gedankens auch verschiedene Abstufungen, Abschattungen, die ihr Recht aufs Dasein haben, und denen dieses Recht nicht verkümmert werden darf. Es ist ein Congress der Zionisten, aller Zionisten, aber auch nur der Zionisten. Wer ein Delegiertenmandat angenommen bat und es ausübt, kann dies nur auf Grund des Baseler- Programms thun. An dieser Thatsache ist absolut nichts zu ändern. Ein Nichtzionist hat auf dem Zionistencongresse keinen Platz unter den Delegierten. Der Congress wird sich diejenige Executive geben, welche von der Majorität gewünscht wird. Bei der wahlmäßigen Herstellung der Executive sind sicherlich alle Fractionen des zionistischen Gedankens gleichberechtigt, ihre Wünsche und Anschauungen zur Geltung zu bringen und, wenn es ihnen möglich ist, sie durchzusetzen. Aber von jedem guten Zionisten muss erwartet werden, dass er die von der Mehrheit geschaffene Autorität willig anerkenne. Nur so kann das Werk ersprießlich weitergeführt und der Executive auch nach Außen hin die Autorität verliehen werden, die sie braucht, um im Namen des jüdischen Volkes zu verhandeln und Abmachungen zu treffen. Das halte sich Jeder gegenwärtig, der die Ehre hat, auf dem zweiten Zionistencongresse ein Mandat auszuüben und mitzuwirken an der von uns allen so heißersehnten Erlösung unseres Volkes. Das Volk würde eine Versündigung am Congress Niemandem verzeihen. In dieser Versammlung haben wir uns ein neues ideales Nationalgut geschaffen. Das soll bewahrt und vermehrt und erhöht werden. Wahrlich, der Congress muss uns an den Sabbath errinnern. Die Woche über ist man mühselig und beladen, schleppt sich hin durch das schwere Leben. Aber am Sabbath ist bei uns auch der Aermste ein freier Mann und der Herr seines Hauses. So stellt der Congress den schönen freien Ruhetag in unserem gedrückten Volksleben vor. Dieser Tag sei gewidmet hohen Gedanken, wie wir unser Los und mit unserem Lose uns selbst bessern sollen. Haltet ihn rein, den Tag der Nation, haltet ihn hoch; Indisch^ Knabenregirnenter. . Von Leo Rafaels. Die Neberschrift klingt so phantastisch und zukünftsmusikalisch, dass man sich beeilen muss hinzuzufügen: es handelt sich nicht um einen zionistischen Wunsch und nicht um einen Traum, den vielleicht die Erinnerung an einen Kinderkreuzzug erzeugt hat, sondern es ist reine, greifbare, wirkliche Gegenwart. Hart am Saume des kentischen Ziestes Sandwich, dessen Name auch Nichtgeographen ' durch eine nützliche culinarische Erfindung geläufig geworden ist, haben sie ihr Lager aufgeschlagen, die schwarzhaarigen, dunkeläugigen kleinen Soldaten, und wie immer auch der kaltklügelnde Verstand hinterdrein Erscheinung und Wesen der „jüdischen Knabenregimenter" (Jewish Lads’ Brigade) beurtheilen mag, beim ersten Anblick wird einem warm ums Herz, das Auge umflort sich, und die Lippen murmeln: „Wie schön sind Deine Zelte, oh Jakob!" Zelt reiht sich an Zelt zur Rechten und zur Linken, und am Eingänge der langgestreckten Lagerstraße stehen zwei Knaben, Gewehr bei Fuß, die Studentenkappen, wie sie das englische Militär trägt, herausfordernd auf dem rechten Ohr, das Sturm band unter dem Kinn. Officiere und Mannschaft sind gemächlich auf den weißen Sandhügeln gelagert: sie gönnen sich Ruhe nach den anstrengenden Manövern, die sie so-

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