Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 2 (1898)
- Issue
- 34 (26.8.1898)
- Date
- 1898-08-26
- Page
- None (sequence 1)
- Language
- German
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Die nächste Nummer unseres Blattes (Nr. 35) erscheint in verstärktem Umsange mit dem ausführlichen Congressbericht und Illustrationen. Wir werden eine größere Auflage veranstalten, können aber dennoch nur diejenigen Bestellungen berücksichtigen, die uns rechtzeitig, d. h. bis Mittwoch 31. August zukommen. Die A d m i n i st r a t i o n. Der Congress. H Zum zmeitenmale versammeln sich die Vertreter des jüdischen Volkes in Basel. Uns, die wir unter Schwierigkeiten ohne Zahl im vorigen Jahre den ersten Weltcongress der Zionisten zustande gebracht haben, uns ist bei diesem Anlass feierlich und auch bang zumuthe. Es gilt ja ein mühselig begonnenes Werk sortzusetzen, und nicht nur weiterzubauen, sondern auch das Angefangene vor Zerstörung zu bewahren. _ In diesem Jahre haben wir uns schon verhältnismäßig weniger als im vorigen gegen Missverständnisse der Nichtjuden vorzusehen. Es ist im Großen und Ganzen überall bekannt geworden, was die Zionisten wollen, und welcher Art die Zusammenkunst in Basel ist. Im vorigen Jahre mussten wir uns noch gegen die thörichtesten Vermuthungen im Vorhinein schützen. Wir mussten ausdrücklich sagen, dass wir keinen internationalen Bund schließen wollen zur Bekämpfung unserer christlichen Mitbürger, dass wir auch keine Organisation Herstellen, welche den Erdkreis umspannen und dem jüdischen Einflüsse dienstbar machen soll. Heuer haben wir wohl solche Erklärungen nicht mehr nöthig. Es müsste einer geflissentlich die Unwahrheit sagen wollen, wenn er mit solchen Unterstellungen käme. Man weiß heute schon überall, dass der Zionistencongress lediglich der Ort einer öffentlichen Discussion ist, welche mit loyalen Mitteln einen vielfach empfundenen Nothstand beseitigen will, die ungewöhnliche Noth eines ganzes Volkes. Diese Erörterungen haben auf dem ersten Congresse mit einem Ernst und einer Würde stattgesunden, welche geeignet waren, die Theilnahme weiterer Kreise für uns wachzurufen. Es wurden keine verworrenen, ungestümen Reden geführt, die Klagen über die leider an so vielen Orten trostlosen Zustände unserer Brüder waren ohne Gehässigkeit, aber auch ohne wehleidiges Jammern. Wer vorurtheilsfrei die Debatten der in Basel versannnelten Juden verfolgte, der musste sich sagen, dass jeder Einzelne sich eine dem Ort und der Gelegenheit angemessene schickliche Zurückhaltung auserlegte. Es fühlte eben jedes Congressmitglied, dass es sich da um die Begründung einer für die ganze Elation unendlich wichtigen Einrichtung handelte, und dass gerade die Vertreter des so viel angefeindeten jüdischen Volkes ein tadelloses Benehmen in der öffentlichen Versammlung und Debatte beobachten mussten. So hat sich noch ohne förmliche Geschäftsordnung, ohne alle Disciplinarmittel, die in anderen debattierenden Körperschaften so oft nothwendig werden, auf dem Congress in Basel ein wahrhaft guter Ton zwanglos eingebürgert. Aus dieser freiwilligen Unterordnung unter das gar nicht vorgeschriebene, nur von Allen gleich stark empfundene Gesetz der Versammlung haben sich jene schönen und fruchtbaren Debatten ergeben, die dem ersten Zionistencongreffe zur immerwährenden Ehre gereichen werden. Gewisse principielle Gegensätze gab es allerdings; aber sie wurden in schicklicher Weise zur Geltung gebracht, ohne persönliche Angriffe, und ohne den Außenstehenden das hässliche Schauspiel des Haders unter Brüdern zu geben. Aus alledem entstand die großartige, unvergessliche Gesammt-stimmung des Congresses, die so viel dazu beitrug. das Ansehen unserer Bewegung zu erhöhen und sie in aller Welt zu verbreiten. Seit das letzte Wort des grundlegenden Congresses von Basel verklungen, ist ein Jahr vergangen. Es war voll von Mühen und Sorgen für die vom Congress eingesetzten Verwalter der zionistischen Angelegenheiten. Sie haben nach ihren besten Kräften gearbeitet, und werden nun dem Congresse Rechenschaft legen und das Absolutorium verlangen. Wir wollen hier dem Berichte nicht vorgreisen, dessen Einzelheiten der Congress erörten wird, aber soviel kann doch gesagt werden, dass es ein Jahr mächtiger Ausbreitung und Erstarkung des zionistischen Gedankens war. Die Bewegung wurde consolidiert und erhielt eine größere Anzahl wichtiger Organe. Das alles hat sich nicht von selbst gemacht, sondern wurde unter Schwierigkeiten mancher Art zuwege gebracht. Die ganze Verwaltung wurde in einer ordentlichen rechnungsmäßigen Weise eingerichtet.