Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 2 (1898)
- Issue
- 33 (19.8.1898)
- Article
- London
- Date
- 1898-08-19
- Page
- 13 (sequence 2)
- Language
- German
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tot. 3:; SM?*#: S eite 12 diese von der Gnade der Wcstcnd-Judcn unabh Ingig zu macheu. Vielleicht ist diese Bewegung Veranlassung dazu, dass die Berathungen des „East Eml-Sclieuia“ Im Nathe der „Enir.eä 8)naKt>§ues^ ein schnelleres Tempo Anschlägen, was sehr zu wünschen wäre. „Israelit." London. Am 31. Juli fand ein Meeting des Föderations-Comit^s statt. Die Resignations-Erklärungen der Herren Col. Goldschmidt und I. Prag gelangten zur Verlesung. An das Comitä der „Chovevi Zi«>n Associaii<mu wurde die Aufforderung gerichtet, an Stelle der beiden zurückgetretencn Herren zwei neue Vertreter für das Cvmitü zu bestimmen. Russland. Warschau. Dem amtlichen „YVarsciuuvski lhiiewnik*1 zufolge haben die antisemitischen Excesse in Galizien und die daselbst verbreiteten Märchen über die Zulässigkeit von Judenmorden und Judenplünderungen auch in Ruff.-Polen lebhaften Widerhall gefunden. Unter dem Banernvolkc sind nämlich mannigfaltige Gerüchte über bevorstehende Ansnahmsgesetze gegen die Inden verbreitet. So wollen die Bauern gehört haben, dass cs den Inden verboten sein werde, Getreide zu kaufen und Brot zu verkaufen, und dass der Staat sämmtlichc Bäckereien monopolisieren werde. Ferner werden, dem Gerüchte zufolge, alle Jahrmärkte von der Regierung ans Samstage verlegt werden, die Juden würden dann gezwungen sein, am Sabbath ihre Läden zu öffnen. Sollten sie es verweigern, dann würde die Polizeibehörde die jüdischen Geschäfte mit Gewalt öffnen und die Waren unter die zum Jahrmarkt erschienenen Bauern verthcilen. R Amerika. Rew-Hork. Das Evening Telegramm (die Abend-Ausgabe des New-^jork Herald) veröffentlicht in seiner Ausgabe vom 16. Juli einen großen, warm gehaltenen Artikel, in welchem es die Ansichten hervorragender amerikanischer Juden über den Zionismus wiedergibt. Der Artikelschreiber beschäftigt 'sich zunächst mit der Rede, welche Richter Snlzberger aus Philadelphia unlängst in der literarischen Gesellschaft „Hebrew (Il'atauqua.“ gehalten hat, und in welcher er auf die Bedeutung unserer Bewegung für die vstasiatische Frage hinweist. „Seit seinem ersten Auftreten in Amerika hat ^er Zionismus gewaltige Fortschritte gemacht, und die zionistische Eentral-Liga umfasst eine Unmenge kleinerer Gesellschaften. In der letzten Hälfte unseres Jahrhunderts sind Inden in großer Anzahl nach Palästina ausgcwandert, doch halten alle guten Juden dies nur für einen bescheidenen Anfang. Ter eigentliche Zug nach Palästina ist noch zu erwarten. 1841 gab es im ganzen 12.000 Juden in Palästina, heute sind cs schon über Gä.onu. Die Inden betrachten cs als eine Erfüllung der biblischen Prophezeiungen und halten mit Richter Sulzberger die Zeit für nicht mehr fern, in welcher diese Prophezeiungen ganz in Erfüllung gehen werden." Rabbi Pereira Mendes erwartet viel von dem im Monat August in Basel stattfindenden Congress, zu welchem Delegierte ans der ganzen Welt kommen werden. „Palästina", sagt Rabbi Mendes, „ist dazu bestimmt, das Schienenstrangcentrnm der Welt zu werden. Sobald die Großmächte ihre Entscheidungen über die Judenfrage und über Palästina getroffen haben, werden 50.000 Capitalisten bereit sein, ihr Geld in Palästina anzulegen. Es wird sich in weit größerem Maßstabe wiederholen, was nach günstiger Erledigung der cubanischen Frage von vielen Geldleuten für Cuba geplant wird. Palästina kann wieder das Handelscentrum der Welt werden wie in König Salomons Zeiten. Tie Eignung hiezu verdankt es seiner centralen Lage zwischen Asien, Europa und Afrika. Wann das eintreffen wird? Den genauen Zeitpunkt kann kein Mensch angeben. Aber vergeffen Sie nicht Kanaan, der biblische Namen des heiligen Landes, bedeutet: Kaufmannsland. Zum Schluss citiert das Blatt Herrn Professor Gottheil: „Der Zionisrnus will nicht, dass alle Juden der Welt ihre jetzigen Vaterländer auf-¬ geben. Die Katholiken stehen in Verbindung mit Rom, die Irländer sammeln Gelder für Irland. Sind sie und die unzähligen anderen Fremden, welche an ihrem Vaterlande hängen, darum weniger gute Amerikaner? Amerika kann die Inden für die moralische Unterstützung, welche sie dem Zionismus zutheil werden lassen, nicht tadeln. Nkrkmslllllhrichten. Austerlitz. Am 8. August d. I. veranstaltete die zionistische Ferialverbindung „Astra" in Austerlitz eine Versammlung, in der Herr stull. med. S. B 0 gad über unsere Bewegung referierte. Seine Ausführungen weckten stürmischen Beifall. Die Einwände von socialdemokratischer Seite enlkräftigte Herr skull, jur. R. Frucht unter lautem Beifall der Versammlung. Tuchow Am 15. Ab veranstaltete der hiesige ..Zion" eine zahlreich besuchte Versanlmlung. Nach Eröffnung derselben durch den Präses H. Reich hielt Herr Eh. D. S a l 0 m 0 n die Tendenzrede. Herr L. Salomon widmete dem verstorbenen Rabbi Mohilewer einen warm empfundenen Nachruf. Koffow. Nach mancherlei Zwischenfällen ist es endlich gelungen, die Ortsgruppe „Zion" zu gründen. Die constituierende Versammlung fand am 15. Ab statt. Der Verein anerkennt die Bestimmungen des Baseler Programms. Jassy. Der Congress der hebräischen Lehrer in Rumänien, der Ende vorigen Monats in Jassy stattsinden sollte, ist vertagt worden, da die Einberufer den 1>. Baseler Congress abwarten und die in dessen Programm enthaltene Behandlung jüdischer Culturfragen berücksichtigen wollen. R.-Larat (Rum.,. Am 10 Juli wurde hier ein Verein unter dem Namen „Bne Zion-Samuel Pineles" gegründet, dessen Ehrenpräsident Herr Pineles ist. Am 2«'». Juli hielt Herr Samuel Abram in diesem Vereine eine Rede und wies mit großem Erfolge die historische Bedeutung des Zionismus nach. ' * Jcitfdiriftcttiuniifdjau. Der „Jewish World" hebt hervor, dass das Bespiel des „D a i l y Mai l", der neuerdings öfters Berichte über jüdische Angelegenheiten bringt, von den anderen Tagesjournalen nachgeahmt werde. Freilich steht die Fähigkeit der diversen Reporter, in jüdisches Wesen einzudringen, nicht auf der Höhe ihres guten Willens. So z. B. zeigt sich ein Mitarbeiter des „Morning Leader", der bei einem im East End abgehaltenen Preissingen zugegen war, recht erstaunt über die Thatsache, dass die Juden sich auf eine ähnliche Weise unterhalten wie die Engländer, und dass bei derlei Anlässen nichts von den bekannten „geheimen Ceremonien" zu merken ist. Aus dem „Jewish Chronicle". Das in Tiflis erscheinende Blatt „Kaukas" stellt die Erstarkung der Tabakindustrie in der Stadt Kartaschen (im Kaukasus) als ausschließliches Verdienst der Juden hin. Auch hier müssen die Juden das Land für den Tabakbau von den Russen pachten. — Das officielle Organ der Stadt Schadov (Regierungskreis Kowno) enthält eine statistische Notiz über die Betheiligunz der Juden an den landwirtschaftlichen Arbeiten. Die Juven (über Männer) beschäftigen sich mit Garten- und Gemüseculturen, welche sie auf gepachtetem Boden betreiben, da sie zu arm sind, um eigenes Land zu kaufen. Sie exportieren in diesen Producten nach St. Petersburg und Riga. Die Gesellschaft für die Verbreitung von Kenntnissen unter den Juden in Russland hatte sich an das Ministerium um die Erlaubnis gewendet, «chulen gründen zu dürfen. Nach Erstattung eines Referates seitens der Schulcommission wurde die Gesellschaft abschlägig beschieden. >t* Bücherwelt. Jüdischer Volkskalcudcr für das Jahr 5950 (1889—00) II. Jahrgang. Köln a. Rh. Verlag der „Zionistischen Vereinigung für Deutschland". Zum zweitenmale liegt uns der Jüdische Volkskalender der Zionistischen Vereinigung Deutschlands vor. Er ist ein beredtes Zeugnis für die rastlose, zielbewusste Thätigkeit unserer Kölner Freunde. Schon der vorjährige Kalender war mit großem Verfall ausgenommen worden. Sein bestes Lob lässt sich vielleicht damit sagen, dass man ihn vielfach als Agitationsschrift verwendete. Auch der diesjährige Kalender wird seinen Weg machen. Er ist