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Die Welt · 1898-08-19 · 33 (19.8.1898) · p. 12

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Journal
Die Welt
Volume
2 (1898)
Issue
33 (19.8.1898)
Article
New-York
Date
1898-08-19
Page
12 (sequence 2)
Language
German
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Gkllc 12 Nr 33 _i/K^Wdr ftdbten; b) Einsetzung eines Executiv-Eomites mit dem Sitze in Palästina und unter der Eontrole des Eentralcomites. Das Centralcomitö geht nach der Instruction des Eongrefles vor. Die Eongressdelegierten wurden angewiesen, diesen Plan dem Baseler Congress zu unterbreiten. Mr. Roscnberg erklärte, der Organisationsplan sei den europäischen Zionistenführern bekannt und werde von ihnen gebilligt. — Schließlich sei die erfreuliche Thatsache mitgetheilt, dass die Zahl der amerikanischen Zionisten erheblich zugenommen hat. >4$ CorrchondeuM. £ cfterreich-Ungarn. Wien. In ihrer Nummer vom 11. August greift die „Arbeiter-Zeitung" in heftigster Weise die Zionisten an. Den Grund für die Schmähungen, mit denen sie die Zionisten überhäuft, bietet ihr das erstmalige Erscheinen einer Monatsschrift, welche den Titel „Der jüdische Arbeiter' führt und sich zionistisch nennt. Diese Monatsschrift, die ohne die Ermächtigung der zionistischen Leitung von einer Privatperson auf eigene Gefahr und Verantwortlichkeit herausgegeben wird, steht der „Arbeiter-Zeitung" nicht zu Gesicht. Das ist ihre Sache. Die Böswilligkeit und Dummheit ihres Artikels aber richtet sich gegen die Zionisten überhaupt. Wenn die Leser der „Arbeiter- Zcituug" ihr nebst anderen Dingen auch noch die profunde Kenntnis des Zionismus glauben wollen, so werden wir uns darüber zu trösten wisieu. Unsere jüdischen Socialdemokrateu aber, die noch nicht alle Scham verloren haben, mögen zuseheu, ob sie diese Tactik des Parteiblattes vertreten können und wollen. Wir meinen, dass die Anständigen unter ihnen auf dieses glänzende Debüt ihres Blattes im Zionismus nichtweniger als stolz sein werden. Brünn. In einem Städtchen Mährens im schönen Beäwathale ist dem Zionismus ein gefährlicher Gegner erstanden. So wenig man es dem Manne auch sonst ansehen sollte, er scheint direct dazu ausersehen, den Zionismus in Nordmähren zu vernichten. Als sich nämlich vorige Woche mehr als hundert Mitglieder der jüdischen Gemeinde in der erwähnten Stadt versammelten und nach Anhörung eines Referates über den zweiten Baseler Congress einen Delegierten zu demselben entsandten, berief der Bürgermeister der Judenstadt, dem ein sicheres Einkommen ein allezeit gut besetzter Tisch und die Würde des ,.Ro.-di liakoR in seiner Gemeinde die Leiden des Exils erträglich machen, einen der Veranstalter dieser Versammlung zu sich, um ihn mit folgenden Argumenten von seinen staat- und stadtumwälzenden Ideen zu curieren: „Gott l>ar uns ins Golus geschickt, er muss uns wieder herausführen; 11-0-5 zerbrechen Sie sich seinen Kopf? Was geht uns das an?" Unser Gesinnnngsgenoffe beugte sich vor jener höheren Gewalt, gegen die selbst die Götter vergebens kämpfen, erlaubte sich nur die bescheidene Anftage, waruvl denn der Herr Bürgermeister nicht auch bei den letzten Gemeindcwahlen den lieben Gott für das Resultat sorgen ließ und entfernte sich sodann. Die Inden der Stadt sind aber leider rebellisch genug, um trotz der salomonischen Weisheit ihres Stadtoberhauptes von ihren zionistischen Umtrieben nicht abznlasien. Frankreich. Paris. Die Affaire Treyfus nimmt ihren langsamen Fortgang. Seitdem der Cousin Esterhazy's mit schweren Anklagen gegen den Major und du P a t y de C l a m hervorgetretcn war, glaubte man an eine raschere Entwicklung umsomehr, als der Richter Bcrtulus unbekümmert um den Lärm der Geuecalstabcblätter vorzngcheu gewillt war und die Untersuchung auch auf du Paty de Clam ansdehneu wollte. Aber Cavaignac ließ den Olcist du Paty de Clam, feinen Cousin, nicht im Stich. Tic Militärbehörde reclamierte ihn für ihre Gerichtsbarkeit. Die Freunde Esterhazy's und seiner Cvmplicen dürfen aber noch einen Sieg verzeichnen. Ter Procurator der Republik, welchem Bcrtnlus das Actenmaterial der Asfcure Esterhazy und Madame Pays übermittelt batte, hat den Richter verständigt, dass er auf Einstellung des Verfahrens gegen diese beiden Personen erkenne. Sollte Bertulus den Einstellungsantrag des Procurators nicht acceptieren wollen, so würde die Anklagekammer die Entscheidung zu treffen haben. Jedenfalls ist durch das Vorgehen der Anklagekammer, welche die Aussage des Christian Walsin Esterhazy als belanglos erklärte, die Gewähr dafür gegeben, dass die Entscheidung wieder auf einige Zeit verschoben wird. Und doch wird das alles nichts nützen. Die Revision des Dreyfus-Proceffes ist nicht mehr aufzuhalten. Das sieht man allmählich auch im Generalstabslager ein. Paris. Die Anklagekammer hat, wie vorauszusehen war, auf Einstellung des Verfahrens gegen Esterhazy erkannt. So wenig überraschend dieser Beschluss war, hat er doch nicht jene Befriedigung bei den Dreyfus feindlichen Blättern hervorgerufen, die man erwartete. Ja, einzelne dieser Journale erklären ganz ausdrücklich, dass Esterhazy werde caffiert werden müffen. Nicht wenig zu dieser etwas verspäteten Erkenntnis mag die glänzend und mit unerbittlicher Logik geschriebene Artikelserie I a u r e §’ beigetragen haben, der in der „Rodte RepuMique“ nachweist, dass Esterhazy der Fälscher des Bordereaus gewesen sei. Picquart hat übrigens gegen das Urtheil der Anklagekammer die Berufung eingelegt und auch ausdrücklich begehrt, dass die bei Esterhazy saisierten Schriftstücke diesem nicht zurückgestellt werden mögen. Esterhazy hatte dies nämlich verlangt. Picquart wird nunmehr vor ein Kriegsgericht gestellt werden, da L e b l o i s, sein Mitangeklagter, fteigesprochen wurde. Das bedeutet einen neuerlichen Erfolg des Generalstabes, der sowohl du Paty de Clam als Picquart dem Civilgerichte entziehen wollte. So wogt der Kampf weiter fort, und alle diejenigen, welche auf einen Umsturz in Frankreich rechnen, treffen ihre Vorbereitungen und veranstalten möglichst auffallende Demonstrationen. So haben die Royalisten und Imperialisten in dieser Woche Banquette abgehalten, bei denen die Redner die Armee feierten und sie gegen die Republik in Schutz nahmen, welche „ihr Ansehen vernichte, ihre Ehre besudle". Und während so die Parteien einen Eutscheidungskampf vorbereiten, schmachtet das unglückliche Opfer eines politischen Processes auf der Teufelsinsel und geht physisch und geistig zugrunde. , Italien. Rom. Der Profeffor, durch welchen Björnson die Mittheilung erhielt, dass die italienische Königsfamilie von der Unschuld Dreyfus überzeugt sei, ist Mitglied des Senates, gewesener Minister und — Nichtjudc. „J. W." England. London. Unter den Juden des Ostends herrscht eine lebhafte Bewegung gegen die Leiter der Gemeinde, die nach ihrer Auffafsung keine Rücksicht auf die eingewandcrten Inden nehmen und in ihnen nur Gegenstände ihres Mitleids sehen. Die Juden des Ostends sind aber müde, immer nur Wohlthatcn zu empfangen, sic wollen gleichberechtigt mit ihren reicheren Brüdern im Londoner Westend sein und verlangen mehr Rücksicht von diesen, als ihnen gegenwärtig erwiesen wird. Das Auftreten des Oberrabbiner Adler gegen das Cheder hat allgemein verstimmt, und in allen Synagogen des Ostends wettern die Maggidim und Rabbiner gegen die Bevormundung durch das Westend. Die große Gesellschaft ,,i\Iachsike lladash“ beabsichtigt, von dieser Stimmung zu profitieren und sich aus einem Religionsverein in eine vollkommen constituierte Gemeinde zu verwandeln. Vollkommen ans eigenen Mitteln hat diese Gesellschaft sich eine Synagoge gebaut, die 2000 Plätze enthält, und ein Gebäude für die Talmud-Thora-Claffen, in dem 1200 Kinder unterrichtet werden können. Jetzt will die „Naehsike Rattass" noch einen Begräbnisplatz kaufen, ein Reih Rin konstituieren und sich die Gemeinde der ausländischen Inden nennen. Sie hofft dadurch zum Mittelpunkte der eingewandcrten Juden zu werden und

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